Partnerschaftsprobleme

Hallo zusammen,

ich lese hier schon länger mit und möchte mich nun selbst einmal an euch wenden, weil ich mir gerade sehr unsicher bin und gern andere Perspektiven hören würde.

Mein Mann hat ADHS und Autismus, unser Sohn ebenfall. Bei mir steht ADHS noch im Raum. Die letzten Monate – besonders die letzten Wochen – waren für uns als Familie extrem belastend. Viele Themen kommen gleichzeitig zusammen: Schul- und Therapiethemen beim Kind, Schlafmangel, emotionale Daueranspannung und sehr wenig echte Erholung für uns als Eltern.

In Konfliktsituationen zeigt sich bei uns immer wieder dieselbe Dynamik: Mein Mann reagiert stark lösungs- und strukturorientiert, möchte Dinge sofort klären, macht viele Vorschläge, schreibt viel und sucht Nähe über Kommunikation. Für ihn scheint das ein Weg zu sein, Sicherheit herzustellen. Gleichzeitig fühlt er sich sehr schnell missverstanden und reagiert dann stark defensiv.

Ich selbst reagiere bei Überforderung gegenteilig. Ich ziehe mich zurück, brauche Ruhe, wenig Input und Abstand, um mich überhaupt wieder regulieren zu können. Je mehr auf mich eingeredet oder „gelöst“ werden soll, desto mehr mache ich innerlich zu.

Zusätzlich fällt mir auf, dass ich Sorgen, Ängste oder Bedürfnisse kaum äußern kann, ohne dass mein Mann sich sofort angegriffen fühlt. Gespräche kippen dann schnell in eine Schuldumkehr. Er teilt verbal stark aus, wird sehr hart im Ton und wirkt dabei oft erstaunlich nüchtern, abgeklärt oder emotional stumpf. Später kann er sich an vieles Gesagte kaum erinnern oder misst dem keine große Bedeutung mehr bei.

Gleichzeitig wirft er mir vor, zu emotional zu reagieren oder „ständig zu heulen“, während er jedes Wort und jede Geste von mir sehr genau analysiert und auf die Goldwaage legt. Das macht Gespräche für mich extrem anstrengend und führt dazu, dass ich mich immer weiter zurückziehe.

Unterm Strich triggern wir uns gegenseitig stark: Er erlebt meinen Rückzug als Abweisung, ich erlebe sein Kommunikations- und Konfliktverhalten als überfordernd und verletzend. Dabei lieben wir uns und wollen eigentlich beide, dass es besser wird.

Mich würde interessieren:

Kennt jemand diese Dynamik aus einer ADHS-Partnerschaft (evtl. auch mit neurodiversem Kind)?

Wie geht ihr damit um, wenn Nähebedürfnis, Rückzugsbedarf und starke Abwehrreaktionen so kollidieren?

Was hat euch geholfen – persönlich oder als Paar?

Vielen Dank fürs Lesen und fürs Teilen eurer Erfahrungen.

Typisch ADHS - zumindest bei manchen. Ich kenne das von mir auch, im streit explodiere ich, 5min später ist alles vergessen und ich weiß nicht, wieso die andere Person so sauer ist (war zumindest früher so, bevor ich mein Medikament angefangen habe) … wichtig für dich zu wissen: Das ist keine Absicht!

Das klingt - sorry- sehr kindisch von ihm. Und ist sehr unfair dir gegenüber. Da müsstet ihr unbedingt therapeutisch ansetzen.

Mein Partner und ich haben beide ADHS, allerdings wohnen wir noch nicht zusammen. Können uns also noch gut aus dem Weg gehen. Er zieht aber am 01.02 bei mir ein. Um solchen Konflikten vorzubeugen, haben wir getrennte Schlafzimmer geplant, also jeder hat sein eigenes Zimmer. Und eine WG-Regel hab ich ihm gleich eingebläut: Ist die Tür angelehnt, darf man hereinkommen/ ist Kommunikation erwünscht, ist die Tür zu, mindestens klopfen, oder erstmal ganz in Ruhe lassen, bis die Person wieder rauskommt.

In meiner WG hat diese Regel super funktioniert, ich hoffe das tut es auch in der Partnerschaft. Also was ich damit sagen will; es ist wichtig für beide Seiten, den Rückzug einer Person zu akzeptieren! Egal wie sauer man ist, egal was man noch sagen will - wenn eine Person die Tür zu macht, ist erstmal Schicht im Schacht. Für mich finde ich es ganz wichtig, da die Grenze zu ziehen und das Ruhebedürfnis des anderen unbedingt zu respektieren. Wenn die Emotionen dann runtergekocht sind, kann man nochmal miteinander reden. Ruhig, sachlich - klappt zumindest bei uns dann. Denn wenn beide Gemüter erhitzt sind, kommt meist nix gutes bei rum…

Das habe ich auch in meiner Therapie gelernt; aus der Situation gehen (wenn möglich), tief durchatmen, Raum wechseln, Gedanken sortieren, den Anti Stressball kneten etc. Und wenn man sich soweit wieder “unter Kontrolle” hat, zurückgehen und das Gespräch suchen. Also nicht Impulsiv handeln… habe ich auch mit Medikamenten gut in den Griff bekommen. Nimmt dein Mann denn was gegen ADHS? Oder hat er mal? Möchte er? Oder war er mal in Verhaltenstherapie ?

Puh, ich fühle dich. Wir haben auch so unsere Konflikte.

Ich vermute bei meinem Mann ADHS, die mich ehrlich gesagt oft in den Wahnsinn treibt. Evt. habe ich auch ADS, aber da mich mein Mann und mein Kind so nerven mit ihrer Art, werde ich das nicht rausfinden, weil ich eine Diagnose für mich einfach ablehne. :smiling_face_with_sunglasses:

Was im Zusammenleben mit meinem Mann auffällt:

  • Er hört nicht zu - mein Sohn das gleiche. Oder es wird gleich wieder vergessen (wenn ich schon höre „hab ich vergessen“ arghhh) :roll_eyes:
  • Und ich habe wohl auch sehr genaue Vorstellungen, wie etwas zu tun ist und langsam merke ich immer mehr, dass ich davon ausgehe, dass andere es genau so machen, wie ich mir das wünsche. Ich explodiere förmlich, weil das eben doch anscheinend nicht so klar ist… naja, ehrlich gesagt denke ich mir bei mir ja „wie kann man…“ aber ich reflektiere mich ja, oder versuche es zumindest :smiling_face_with_sunglasses:
  • Ganz wahnsinnig werde ich immer wenn die zwei, WÄHREND ich schon sage: Stopp, lass das! - einfach nicht reagieren, fleißig weitermachen und sich nicht stoppen lassen…
  • Man kann Dinge hier wirklich jeden Tag 5mal sagen, nach Jahren(!), sagt man sie den beiden noch immer und es ist nach zigtausend Erklärungen noch immer nicht angekommen, was man möchte…

Bei mir ist das ganze klar durch den Alltagsstress sehr viel schwieriger und ich lese bei dir raus, dass es ähnlich ist.
Man hat viel weniger Ressourcen, damit man alles gelassen hinnimmt.

Probiert habe ich schon einiges - aber naja…
Am besten funktioniert noch, dass wir „Deep Talk“ Zeit nehmen und in Ruhe mal reden. Meistens ist das ehrlich gesagt im Auto (teils bleiben wir einfach noch sitzen, statt in’s Haus zu gehen und reden mal in Ruhe), weil sonst redet IMMER ein Kind rein. Ich habe seit ich Mutter bin, quasi zu Hause keinen Satz mehr fertig gesprochen…

Ich habe übrigens auch gerne meine Ruhe. Der Punkt funktioniert mit meinem Mann zum Glück gut.

Mit meinem neuronormalen Sohn komme ich irgendwie am besten zurecht aktuell. Klar wir krachen auch zwischendurch so richtig zusammen (und das nicht mal selten). Aber ich habe da immer das Gefühl, dass wir effizient kommunizieren und dass auch echt etwas ankommt. Bei den „ADSH-lern“… naja. :upside_down_face:

Sorry, ich habe irgendwie gar nichts konstruktives beizutragen, außer dass ich mich gerne anhänge. :wink:

Hallo Lillilu,

ist vermutlich sehr belastend mit so jemanden in einen Streit zu geraten.

Ich glaube, es wäre hilfreich, wenn ihr euch jemanden sucht, der euch mal dem anderen übersetzt. Vulgo: Paartherapie. Hier aber mit einem konkreten und begrenzten Auftrag.

Oder ihr könntet mal - in der Sprache und aus dem Blickwinkel eines Dritten - ein kleine Bedienungsanleitung für euch schreiben. Mit viel Humor garniert könnte das sehr lustig sein - und sehr lehrreich.

Hoffe, das war jetzt nicht zu lösungsorientiert ;-)))

Mir hat mal jemand vor viiiiiielen Jahren erzählt, dass die als Ehepaar eine Art „Mitarbeitergespräch“ machen inklusive Zielen und der Bewertung der Ziele etc. Ganz ehrlich, da dachte ich mir, da würde ich mich lieber scheiden lassen :grin:

Wenn mir etwas sehr wichtig ist, verteile ich auch Zettel in der Wohnung. Das bringt leider auch wenig. Einen Versuch ist es aber wert…

Statt Paartherapie würde ich vorhandenes Geld und Zeit (letzteres ist das rarste Gut als Eltern überhaupt!) in Auszeiten vom Familienalltag reinstecken - Quality time teils mal jeder/jede für sich und auch als Paar. Das bringt normalerweise mehr, meiner Meinung nach.
Aber ich bin ehrlich gesagt nach meinen Psychotherapeutenerfahrungen skeptisch. Das war eher immer nur viel (teures!) Blabla… Das ist aber meine echt sehr subjektive Meinung und anderen kann sowas eventuell echt superviel helfen.