Plötzliche Müdigkeit

Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Symptom ist - aber sobald ich eine kognitiv herausfordernde Aufgabe habe - sprich nachdenken sollte/muss: werde ich schlagartig sooooo müde. So schrecklich müde. Ich will eigentlich nur ins Bett. Früher habe ich das dann auch oft gemacht.
Ist das typisch? Was tut ihr dagegen?
Ich müsste ja jetzt eigentlich dringend arbeiten und etwas zu Stande bringen.

Ich habe das Gefühl, dass mir das Ritalin dabei gar nicht so sehr hilft.

Rita

@Rita_Berlin

Liebe Rita,
die plötzliche Müdigkeit, so wie du sie beschreibst, ist auf jeden Fall keines der typischen Symptome von ADS ( ich vermute bei dir eher ADS als ADHS). Erschöpfungszustände entstehen selbstverständlich permanent durch reale Überanstrengung, wei wir für die Bewältigung unseres Alltags sehr viel mehr Energie aufwenden müssen als Neurotypische.
Aber dein Problem könnte mit der Komorbidität Prokastination oder Angst zusammenhängen. Du hast Angst vor der Aufgabe und willst sie aufschieben. Um das vor dir selbst zu rechtfertigen, hast du dich evtl. unbewusst auf Ermüdung konditioniert. Also hast du einen Grund, die Aufgabe vor dir herzuschieben.
:wink:

Liebe(r)? Andromache,

das klingt sehr einleuchtend und logisch. Angst war tatsächlich lange eine Komorbidität (ich bin ursprünglich wegen Ängsten zum Arzt, der schickte mich dann in die Ambulanz wegen dem AD(h)S-Verdacht. Ich dachte immer, ich hätte sie fast überwunden, aber offenbar ist sie verschoben…

danke für den Impuls.

Ist bei ADHS die Wachheit nicht direkt mit der Motivation verknüpft?

Sehr gerne! :slightly_smiling_face:
Ich kenne das von mir selbst. Ich möchte aufgrund meines ADS immer alles perfekt machen, ich denke und denke… und sitze vor der Aufgabe wie das Kaninchen vor der Schlange.

Und in der Zeit wären andere schon längst fertig. :roll_eyes:

Ja, aber bei ADS ist das noch viel extremer.

Mein Lieblingssatz:

Müssen macht müde - Wollen macht wach

Da steckt fürchterlich viel Wahrheit drin. Ich würde es auch als Angst/Fluchtreflex beschreiben, der mich vor verantwortungsvollen (ungewollten) Aufgaben lähmt. Wenn ich mich in etwas reinsteigere, sitze ich die ganze Nacht lang dran.

Ja, das ist sicher der Fall - ich werde nur leider oft auch müde, wenn ich eigentlich durchaus Lust auf die Aufgabe habe.

Muss da mal mit meiner Therapeutin dran, das ist nämlich eine ziemliche Belastung, die ich lange als „normal“ angesehen habe, aber ich glaube es ist nicht normal :lol:

Möglicherweise könnte es nützlich sein, nochmal ganz genau zu überprüfen, wann die Müdigkeit genau auftritt, also bei welchen Aufgaben genau.

Im Eingangspost sprachst du von kognitiv herausfordernden Aufgaben. Da verstehe ich die Müdigkeit vollkommen, denn das ist anstrengend und kann entsprechend demotivierend sein.

Wenn du aber Lust auf die Aufgabe hast, spricht motiviert bist, sollte das eigentlich nicht so sein. Das wäre für mich dann eher ein Zeichen von Überlastung, möglicherweise gar von einem drohenden Burnout. Da würde ich genau hinschauen, im eigenen Interesse.

Was du von deinem Lebensumständen erzählst, scheint mir grundsätzlich schon geeignet zu sein, für Überlastung mit entsprechender Tagesmüdigkeit zu sorgen.

Ich habe mal was gehört, das es Menschen gibt, die einen realen Blutdruckabfall bekommen, wenn sie mit Papierkram oder anderen unangenehmen Aufgaben anfangen sollten.

Vielleicht mal Blutdruck messen… und was dann hilft, weil ich nicht mehr, aber Bewegung vielleicht… Kniebeugen ausprobieren…

Etwas ganz besonders Wollen und etwas ganz besonders gut machen wollen macht aber auch müde.

Damit setzt man sich nämlich selbst unter Druck.

…weil man die Leichtigkeit verliert und meint, man müsse das jetzt fertig stellen?! Ist mir schon viel zu oft passiert.

Ja, so ist es leider. Damit stelle ich mir viel zu oft selbst ein Bein. Ich möchte dann in dem Bereich, der mir besonders gut liegt, zum Ausgleich der Defizite ganz besonders glänzen und scheitere auch dort.
Ich versuche schon immer locker zu bleiben, tappe aber immer wieder in die Perfektionfalle.

Hallo Rita,

Ich kenne Müdigkeit auch. Das Unterbewusstsein will dir damit Bestimmt etwas sagen. Offensichtlich: du brauchst eine Pause, du brauchst Schlaf. oder auch noch etwas tieferes.
Es können diverse Dinge dahinter stehen, wie hier auch schon geschrieben: Burnout, Überlastung, Angst/Flucht, oder auch körperliche Probleme wie z. B. Herz oder wie bei mir Schlafapnoe (Schnarchen mit Aussetzern)
Bei mir war die Aussage noch eindeutiger, aber ich brauche ewig bis ich es verstand. fast wäre ich mit Sekundenschlaf im Straßengraben gelandet.
Also, geh dem nach!

Oh ja! Das kenne ich auch.
Schlimm, wenn irgendwann alle Projekte nur noch müssen sind.

Liebe Rita,
Mir ging das sehr häufig so, vor allem seit ich studiere (vorher hatte ich lange Zeit Tätigkeiten, die mich, was komplexes Denken betrifft, nicht so sehr gefordert hatten). Das ging so weit, dass ich das Gefühl hatte, mich nicht mehr aufrecht halten zu können. Ich musste mich hinlegen. Letztlich hatte sich das dann auch auf andere Bereiche übertragen. Hinzu kamen dann parallel auch massive Muskelverpannungen…
Bin auch eher der phobische Typ.
Ich sehe das bei mir (!) als besondere, unbewusste Form der Prokrastination - das Hirn zieht den Stecker, aufgrund der (zu) hohen Anforderung.
Es wählt dafür die Müdigkeit, weil das das einzige ist, was ich als gewissenhafte Person gelten lassen kann.
Perfektionismus und Gewissenhaftigkeit sind ja Eigenschaften, die sehr häufig in Prokrastination enden …
Die Flucht in die Müdigkeit als Vermeidungsreaktion für eine angstbesetzte Tätigkeit. Dahinter stehen Versagens- und Arbeitsängste.

Ich habe gelernt, mir vorbereitend Gedanken zu machen und die Tätigkeit kleinschrittig zu planen. Das hilft mir, die Blockade zu überwinden. Je kleiner die „Anforderungshappen“ sind, die da auf mein Hirn prallen, desto leichter können sie geschluckt werden.
Das andere ist, sich klar zu machen, dass es sich um eine Angstreaktion handelt. Ich rede mir dann Mut zu, so, wie ich es bei einem meiner Kinder täte. Überprüfe meinen Atem.

Ich habe nochmal nachgelesen - Du nimmst ja noch nicht so lange Ritalin. Kann also sein, dass das bei Dir auch besser wird.
Bei mir ist das mit MPH nach einer Weile besser geworden - jetzt mit Elvanse habe ich damit deutlich weniger Probleme. Also ich hab schon noch Probleme mit komplexem Denken, aber diese Müdigkeit ist jetzt weg. Ich prokrastiniere dann halt anders :smiley:. Jetzt ernsthaft: Die Medikation hilft mir, damit umzugehen - wie bei allen anderen Dingen auch. Sie nimmt mir diese Angst aber nicht.