Hallo,
ich bin inzwischen auf einer Dosis angekommen, die sich für mich sehr gut anfühlt 
Ich glaube, der größte positive Effekt ist tatsächlich zu sehen, wie sehr die Gehirnchemie einen beeinflussen kann. Natürlich hat man sein Leben selbst in der Hand, aber mir ist mit Elvanse viel klarer geworden, dass manchen Menschen manche Dinge einfach viel schwerer fallen. Ob das jetzt Konzentration oder Freundlichkeit oder Geduld oder Gewicht abnehmen oder zunehmen ist.
Ich kann mich auf Sachen konzentrieren, für die ich keinen akuten Hyperfokus habe. Weil ich es rational will - wollte ich vorher auch schon, aber da ging es nicht, weil zu wenig Neurotransmitter da waren! Ich kann Sachen nacheinander erledigen, dranbleiben, nicht jeder Ablenkung sofort nachgehen, auch unangenehme Dinge mit einem kleinen Tritt in den Hintern viel leichter erledigen…
Wobei “können” nicht heißt, dass ich es dann tatsächlich auch tue
Überwindung braucht es oft trotzdem noch, manchmal habe ich einen schlechten Tag, bin müde oder schlecht gelaunt, dann läuft es auch mal wieder überhaupt nicht.
Aber es ist nicht mehr dieses ewige “ich will und muss jetzt wirklich mal diese wichtige und dringende Aufgabe erledigen, sonst passieren schlimme Dinge!! und dann räume ich doch lieber die Küche auf, hänge auf Youtube rum oder google irgendwelchen Kram, den mein Gehirn gerade spannender findet…”. Ich komme schneller aus dem Prokrastinieren raus und falle nicht so schnell überhaupt erst in diese Falle.
Was ich auch sehr spannend finde: Plötzlich funktionieren die ganzen Produktivitätstipps, an die ich mich jahrelang verzweifelt klammern wollte!
Pomodoro z. B. - ich halte die 25 Minuten lernen dann auch durch! Vor der (richtigen) Medikation fand ich das auch eine tolle, sinnvolle Methode, aber mein Gehirn fand die Aufgabe nach 5 Minuten halt trotzdem zu langweilig und hat eigenständig entschieden, was anderes zu machen. Pomodoro-Timer hin oder her.
Bullet Journaling funktioniert für mich schon seit Jahren extrem gut, aber quasi alle anderen “5 Methoden, um sofort produktiver zu werden”-Sachen waren schlicht nicht umsetzbar.
Also ja: Ich muss mich trotzdem noch überwinden für einiges, es gibt immer noch Sachen, die liegenbleiben, obwohl ich sie erledigen sollte/müsste, ich hänge trotzdem noch mal unproduktiv herum. Aber in einem Ausmaß, wie es vermutlich die meisten Menschen kennen
Und das ist völlig in Ordnung für mich.
Traurig, dass ich die Diagnose “““erst””” mit 24 bekommen habe, bin ich nicht. Ich hatte aber auch sehr gute Startbedingungen im Leben und konnte mich da eben anders weiterentwickeln. War nicht immer leicht, ich bin (im Großen und Ganzen) daran gewachsen und jetzt, wo es leichter ist, profitiere ich davon, dass es mal schwerer war 
Ich hoffe, damit trete ich niemanden auf den Schlips, ich hatte sehr viel Glück im Leben - dafür kann ich nichts, dafür könnt ihr nichts. Für mich ist es gerade schwer in Ordnung so
Und ich hoffe, dass das nicht frustrierend, sondern hoffnungsvoll ist für Menschen, die nicht so viel Glück hatten.