Hallo,
das Thema Essen kommt auch bei uns immer mal wieder auf den Tisch badumts und Tusch für den ausgefallenen Wortwitz
Bei uns ist es mein Mann, der regelmäßig kocht. Er unterstellt mir auch hin und wieder eine Essstörung. Eben, weil ich oft zu wenig esse (ich vergesse es oder habe nicht den Antrieb zu essen) oder weil ich just an diesem Tag bestimmt Konsistenzen nicht runter bekomme.
Ich begründe es halt immer wieder mit meinem Neurotyp und lasse diese Info dann so stehen. Was soll ich auch sonst machen? Ich weiß ja für mich ganz genau, was die Ursache ist. Ich würde mir da auch mehr Unterstützung wünschen, aber zum jetzigen Zeitpunkt fällt es ihm noch sehr schwer, meine Probleme zu akzeptieren. Das hat aber auch seine Gründe und daher passt das für mich erstmal so.
So wie es klingt hast du dein Essverhalten im Moment recht gut im Griff. Du kennst Auslöser für dein Problem und hast eine Lösung, die funktioniert.
Wie würdest du dein momentanes Essverhalten bewerten, wenn du es von außen betrachtest? Speziell aber trotzdem gesund? Alle Nährstoffe ausreichend vorhanden oder könnte es einen Mangel geben? Blutwerte ok? Das Tracken ist nicht zwanghaft?
Ich denke, deine Mutter kocht für euch alle? Sie nimmt es dann persönlich, wenn du ihr Essen nicht magst.
Aus Muttersicht, die lange nichts von den vielfältigen und individuellen Symptomen einer ADHS (oder auch ASS) wusste, kann ich folgendes vermuten: sie will erstmal, dass es dir gut geht und macht sich Sorgen. Ihre Liebe und ihr Bedürfnis nach Sich-Kümmern äußert sie unter anderem durch das Versorgen, auch mit Essen. Lehnst du dieses Essen ab, sieht sie dich schon in der nächsten Magersucht. Außerdem ist sie gekränkt, weil du ihre Liebe zurückweist.
Ich würde es eventuell mal mit einem ruhigen Gespräch versuchen. Nicht in einer Situation, in der es gerade eine Mahlzeit gibt.
Wenn sie sich so um dich sorgt kannst du sie vielleicht mit Infos rund um die ADHS und Essen beruhigen. Du könntest sie entlasten, indem du dir Mahlzeiten selbst zubereitest oder falls sie es möchte, für dich etwas extra machen darf. Sofern sie dann weiß worauf es ankommt. Oder ihr bereitet die Mahlzeiten gemeinsam zu.
Du könntest ihr die App genauer erklären und im Verlauf zeigen, dass du dein Essverhalten im Griff hast. Wenn du Schwierigkeiten hast könntest du sie auch um Hilfe bitten, dich also zum Beispiel an Mehlzeiten zu erinnern oder dir einen Snack zu bringen, den du magst.
Versuche, sie mit ins Boot und an deine Seite zu holen, indem du ihrem Mutterinstinkt nachgibst, aber eben passend auf deine Bedürfnisse.
Vielleicht hat sie aber auch irgendwie Angst vor der Diagnose? Vorm Anders-sein?
Sich sorgen werden Eltern immer. Es ist gar nicht so leicht, das Kind selbstständig werden zu sehen, selbst wenn man all die Jahre darauf hingearbeitet hat. Ich kann nur für mich sprechen. Ich traue meinen Kinder viel zu und lasse ihnen viele Möglichkeiten, selbstständig, verantwortungsvoll und selbstwirksam zu sein. Aber ich muss mich immer wieder ermahnen, sie das auch tun zu lassen. Der erste Impuls ist immer, etwas zu übernehmen oder abzusichern. Es erfordert einiges an Selbstbeherrschung, den Dingen erstmal ihren Lauf zu lassen.
Ich kenne deine Mutter nicht und du hast jetzt auch nicht so viel zu ihr geschrieben. Daher alles nur Mutmaßungen und ins Blaue geraten.
Vielleicht hast du ja selber eine Idee, warum dein Essverhalten für deine Mutter so ein Problem ist.