Probleme mit dem Essen

Hallo Zusammen

Ich habe seit ich denken kann eine schwierige Beziehung zum Essen und mit meinem Körper. Von Untergewicht bis Übergewicht war alles dabei. Das letzte mal, als ich unbeschwert essen konnte, war etwa als ich in der vierten Klasse war.

Leider änderte sich das wegen meinen Mitschülern. Ich war nie dick, aber war leider mit sehr vielen dünnen Mädchen in der Klasse, die es witzig fanden, mich als fettes Schwein zu bezeichnen. Von da an ging es rasant bergab.

Mittlerweile kann ich gut essen, wenn ich das esse, was ich wirklich möchte und es mit einer App tracken kann. Durch die Medikamente habe ich kein Hungergefühl mehr. Deshalb neige ich ohne das tracken dazu zu wenig zu essen und später dafür mit Heisshungerattacken dafür zu büssen.

Leider möchte meine Mutter, dass ich das gleiche, wie sie und der Rest meiner Familie isst. Für mich ist das jedoch ein riesen Stressfaktor, da ich mittlerweile sehr wählerisch geworden bin, was das Essen betrifft. Ich habe gewisse Lebensmittel, welche ich gerne esse und danach fühle ich mich auch gut.

Meine Mutter versteht nicht, weshalb ich mich so anstelle und ist beleidigt, wenn ich ihr essen nicht esse. Sie unterstellt mir eine Essstörung. Mir ist bewusst, dass mein Essverhalten speziell ist, aber ich möchte ja genau aus dem Grund mein Essen tracken, weil ich sonst nicht genug essen würde.

Was würdet ihr tun?

Bin übrigens 19 Jahre alt und habe seit August 2024 die Diagnose AD(H)S. Mein BMI liegt bei 21.9 - bin also im Normalgewicht

Kocht denn deine Mutter für dich und deine Familie ?

Hallo,

das Thema Essen kommt auch bei uns immer mal wieder auf den Tisch badumts und Tusch für den ausgefallenen Wortwitz
Bei uns ist es mein Mann, der regelmäßig kocht. Er unterstellt mir auch hin und wieder eine Essstörung. Eben, weil ich oft zu wenig esse (ich vergesse es oder habe nicht den Antrieb zu essen) oder weil ich just an diesem Tag bestimmt Konsistenzen nicht runter bekomme.
Ich begründe es halt immer wieder mit meinem Neurotyp und lasse diese Info dann so stehen. Was soll ich auch sonst machen? Ich weiß ja für mich ganz genau, was die Ursache ist. Ich würde mir da auch mehr Unterstützung wünschen, aber zum jetzigen Zeitpunkt fällt es ihm noch sehr schwer, meine Probleme zu akzeptieren. Das hat aber auch seine Gründe und daher passt das für mich erstmal so.

So wie es klingt hast du dein Essverhalten im Moment recht gut im Griff. Du kennst Auslöser für dein Problem und hast eine Lösung, die funktioniert.
Wie würdest du dein momentanes Essverhalten bewerten, wenn du es von außen betrachtest? Speziell aber trotzdem gesund? Alle Nährstoffe ausreichend vorhanden oder könnte es einen Mangel geben? Blutwerte ok? Das Tracken ist nicht zwanghaft?

Ich denke, deine Mutter kocht für euch alle? Sie nimmt es dann persönlich, wenn du ihr Essen nicht magst.
Aus Muttersicht, die lange nichts von den vielfältigen und individuellen Symptomen einer ADHS (oder auch ASS) wusste, kann ich folgendes vermuten: sie will erstmal, dass es dir gut geht und macht sich Sorgen. Ihre Liebe und ihr Bedürfnis nach Sich-Kümmern äußert sie unter anderem durch das Versorgen, auch mit Essen. Lehnst du dieses Essen ab, sieht sie dich schon in der nächsten Magersucht. Außerdem ist sie gekränkt, weil du ihre Liebe zurückweist.

Ich würde es eventuell mal mit einem ruhigen Gespräch versuchen. Nicht in einer Situation, in der es gerade eine Mahlzeit gibt.
Wenn sie sich so um dich sorgt kannst du sie vielleicht mit Infos rund um die ADHS und Essen beruhigen. Du könntest sie entlasten, indem du dir Mahlzeiten selbst zubereitest oder falls sie es möchte, für dich etwas extra machen darf. Sofern sie dann weiß worauf es ankommt. Oder ihr bereitet die Mahlzeiten gemeinsam zu.
Du könntest ihr die App genauer erklären und im Verlauf zeigen, dass du dein Essverhalten im Griff hast. Wenn du Schwierigkeiten hast könntest du sie auch um Hilfe bitten, dich also zum Beispiel an Mehlzeiten zu erinnern oder dir einen Snack zu bringen, den du magst.
Versuche, sie mit ins Boot und an deine Seite zu holen, indem du ihrem Mutterinstinkt nachgibst, aber eben passend auf deine Bedürfnisse.

Vielleicht hat sie aber auch irgendwie Angst vor der Diagnose? Vorm Anders-sein?

Sich sorgen werden Eltern immer. Es ist gar nicht so leicht, das Kind selbstständig werden zu sehen, selbst wenn man all die Jahre darauf hingearbeitet hat. Ich kann nur für mich sprechen. Ich traue meinen Kinder viel zu und lasse ihnen viele Möglichkeiten, selbstständig, verantwortungsvoll und selbstwirksam zu sein. Aber ich muss mich immer wieder ermahnen, sie das auch tun zu lassen. Der erste Impuls ist immer, etwas zu übernehmen oder abzusichern. Es erfordert einiges an Selbstbeherrschung, den Dingen erstmal ihren Lauf zu lassen.

Ich kenne deine Mutter nicht und du hast jetzt auch nicht so viel zu ihr geschrieben. Daher alles nur Mutmaßungen und ins Blaue geraten.

Vielleicht hast du ja selber eine Idee, warum dein Essverhalten für deine Mutter so ein Problem ist.

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Ja, sie kocht mittags immer für die ganze Familie.
Und ich schätze das auch, aber ich bin Texturen und Geschmäckern gegenüber mittlerweile sehr heikel und wählerisch.
Das hat witzigerweise erst begonnen, als ich meine Tabletten bekommen habe.
Ich nehme allgemein meine Sinne ganz anders wahr.

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Meine Mutter ist eine sehr liebevolle Person. Sie versucht immer viel Verständnis zu zeigen, aber bei uns ist das Essen allgemein ein sehr heikles Thema, da meine kleine Schwester seit vier Jahren an Anorexia Nervosa (Magersucht) leidet. Konflikte beim Essen sind also meist vorprogrammiert.

Ok, ich verstehe.
Da muss ich zugeben, dass ich hier wenig helfen kann. Eventuell würde hier eine Therapie für die gesamte Familie als System Sinn machen. Denn es scheinen einige Dinge mehr vorzuliegen, die sich dann beim Essen zeigen. Sozusagen als Symptom.

Ich haue jetzt mal zwei Dinge raus, die nichts mit euch zu tun haben müssen. Es sind aber Gedanken, die mir kommen und die für manche Menschen passen können:

  1. Ich habe letztes Jahr einen Vortrag gesehen, da hat der Redner gemeint, seine Anorexia Nervosa Patienten seien zu einem Großteil eigentlich ADHS Patienten, nur eben bisher undiagnostiziert.
  2. Durch Medikation der ADHS können Autistische Symptome zu Vorschein kommen, die bisher verborgen lagen. Nicht selten zeigen Betroffene Symptome aus beiden Spektren. Manchmal verschieben sich die Pegel im Verlauf des Lebens von allein, manchmal begünstigen dies Medikamente.

hallo,
wäre ich an deiner Stelle (und das war ich als ich noch Zuhause gewohnt habe; ich bin heute noch wählerisch mit dem Essen) würde ich versuchen mental bei mir zu bleiben und auch meine bevorzugten Lebensmittel und Mahlzeiten weiterhin verzehren.
Du kannst es ihr maximal nochmals erklären, jedoch können sich viele Menschen ohne sensorische Schwierigkeiten einfach nicht vorstellen, warum man auf bestimmte Texturen, Konsistenzen und Geschmäcker verzichten möchte bzw muss, weil sie ein schlechtes Gefühl auslösen, sehr nachhaltig sind oder andere Gründe

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