Psychotherapeut schlägt Behandlung von ADHS ohne Medikamente vor (Biofeedback)

Moin,

Hab noch keine Diagnose und bin nach wie vor nicht sicher, ob ich wirklich ADHS habe. Aber ich fange nächste Woche eine Diagnose bei einem Psychiater an.

Gleichzeitig bin ich derzeit auf der Suche nach einer Psychotherapie wegen weiteren Themen. Heute ruft mich einer zurück und frägt mich über alles mögliche aus, wobei ich auch auf meinen ADHS Verdacht zu sprechen komme und er fängt an, mir eine mögliche Medikamention auszureden. Die Diagnose würde heute viel zu schnell gestellt werden und Medikamente nicht nötig. Besser Neurofeedback.

Was denkt ihr über das Thema?

Ich habe eigentlich auch keine Lust, jetzt lebenslang Medikamente zu nehmen aber gerade akut ist die Vorstellung ein Mittelchen zu haben, dass mir das Leben erleichtert schon sehr reizvoll. Selbst wenn die Diagnose falsch wäre und es mir helfen würde wär mir das eigentlich auch egal.

Die Alternative im Moment, wenn ich meinen Stress nicht irgendwie anders in den Griff bekomme, wären Antidepressiva und die empfinde ich als wirklich fieses Zeug.

Von dem Therapeuten würde ich mal Abstand nehmen.

Es gibt leider sehr viele Therapeuten die gar keine adhs Kompetenz haben.

Prinzipiell ist die Empfehlung zuerst eine Einstellung mit Stimulanzien zu machen, erst dann mit Psychotherapie zu beginnen.

Du würdest Kurzsichtigkeit ja auch zuerst mit einer Brille behandeln und nicht mit Psychotherapie - weil du ständig irgendwo gegen rennst und dich das auch psychisch belastest?

Also - so sehen es auch die Leitlinien vor.

Heißt natürlich trotzdem nicht das man sein Leben lang Medikamente nehmen muss.

Aber das würde ich zuerst ausprobieren.

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Das Beispiel mit der Brille finde ich super. Vor meinem geistigen Auge spult sich schon die Therapiesequenz ab:
Desensibilisierung durch Konfrontationstherapie mit einem Brett.
:see_no_evil:

Liebes Traumfresserchen,
bitte lass Dich von diesem Psychotherapeuten nicht verunsichern!

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Das ist total einfach.

Eine (hypothetische) Umfrage unter ADHS-Betroffenen, ob sie Lust haben, ihr Leben lang ADHS-Medis zu nehmen wurde bisher wegen des zu 120 % absehbaren Ergebnisses von 0,001 % nicht umgesetzt. Ja, der eine, der ja sagte, hatte gerade keine Medis genommen und sich verdrückt.

Aber ernsthaft:
Lust darauf hat keiner.

Die Frage istvielmehr, was bringt es?
Und wenn du dich da hier im Forum umschaust, sind die Antworten schon ziemlich beeindruckend. Die meisten sagen: „Verdammter Mist, wenn ich gewusst hätte, was dieses Zeug bringt, dann hätte ich vor vielen Jahrzehnten schon damit angefangen. Wie wäre mein Leben dann damit verlaufen?“

Für dich alleine kannst du es nur herausbekommen, wenn du es ausprobierst.
Und das ist mein Vorschlag: Nimm die Angst und steck sie für zwei Monate in den Keller.
Probiere es aus. Teste, was es dir bringen kann. Und wenn du weißt, was es machen kann, dann bist du ganz herzlich eingeladen, es wegzulassen. Du wirst gefeiert, wenn du ohne diese Medikamente zurecht kommst. Niemand will, dass du sie nimmst.
Das Ziel, dieses Forums und dieser Webseite ist nur, zu sagen: hab keine Angst. Und lass dir keine einreden. Probiere es aus, trifft deine eigene Entscheidung und lass dich nicht von ideologischen Meinungen der einen oder anderen Seite beeinflussen.

ADHS ist wesentlich gefährlicher, als es gemeinhin angenommen wird. Eine durchschnittliche Verkürzung der Lebenserwartung um neun Jahre ist kein kleines Spiel. Eine durchschnittliche Erhöhung des Risikos von Folgestörungen wie Depression oder Angst um das vierfache (auf das fünffache) ist kein Spaß.
ADHS Medikamente verringern das Suchtrisiko.
Schau dir die Seite „Folgen von ADHS“ unter ADxS.org an.

Niemand wird dir sagen können, was für dich individuell richtig ist. Du wirst es nur herausbekommen, wenn du es ausprobierst.
Das ist hart, aber herzlich.

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Danke für Deine Einschätzung. Das klingt alles sehr vernünftig.

Ergänzung: Niemand, der anfängt Medikamente zu nehmen, legt sich damit fest, das ein Leben lang zu tun. Das wäre ja auch eine Riesenschwelle.

Jeder kann sich jeden Tag neu entscheiden, damit aufzuhören, und ist dann genauso wenig oder viel durch ADHS beeinträchtigt wie jemand, der nie welche genommen hat. Die ADHS ist hinterher nicht schlimmer.

Aber: Wer noch nie Medikamente genommen hat, weiß auch nicht was er/sie bisher verpasst hat. Die Motivation, keine Medikamente mehr zu nehmen, ist viel geringer, wenn die Wirkung nicht nur so ist wie erwartet, sondern die Erwartung noch weit übertrifft.

So war es bei mir. Ich nehme Methylphenidat seit 2003 und habe nicht vor, es in absehbarer Zeit zu lassen. Bin ich jetzt arm dran, weil ich „lebenslang Medikamente nehmen muss“? Nö, ich bin viel besser dran als vorher.

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