Rage Bait und die Hirnchemie dahinter

Mal wieder habe ich mich gefragt, warum unspaßige, als empörend oder provozierend falsch empfundene Kollegen-Behauptungen, Online-Inhalte, etc. („Rage Bait“) große Anziehungskraft auf mein ADHS-Gehirn ausüben. Vergnügen kann es wirklich ja nicht sein. Warum fällt es manchmal trotzdem so schwer, sich davon endgültig abzuwenden?

Ich bin dabei auf diesen Artikel gestoßen: How To Not Fall For Rage Bait: The Neural Trap | MindLAB Vielleicht interessant für Leute mit ähnlichem Problem.

Darin finden sich Kategorien von Rage Bait (z.B. kühne Behauptungen, pauschale Aussage über eine Gruppe von Menschen, Selbstsicherheit ohne Nuancen, ein „Erwischt!“-Tonfall, usw).

Auch wird ganz gut erklärt, warum diese „Wie kann er nur? / Was fällt ihr ein?“ Energetisierung das Belohnungssystem anwirft und welcher ungünstige Kreislauf ausgelöst wird. U.a. interpretieren das alte Hirnstrukturen als „problem to fix“ - und man kümmert sich in der Folge auf einmal um Zeug, das einen wirklich nichts angeht. Gerade Ärger verengt den Fokus und damit auch die Reaktionsbreite.

Auch kognitive Verzerrungen werden aufgedeckt wie „Wenn ich nicht reagiere, lasse ich zu, dass es sich ausbreitet“.

Helfen soll u.a.:

  • Erkennen, was gerade passiert (Kontrollfrage: Will das informieren oder aktivieren/erregen?)
  • Körperliche Blitz-Entspannung (Schultern, Kiefer, Hände)

und

  • sich dann fragen: „Ändert meine Antwort etwas? Ist die Person erreichbar? Was kostet mich das heute?“,

um im besten Fall einen Abschluss zu finden und eine Grundhaltung wie „Ich vermiete mein Gehirn nicht mehr an Fremde“ (noch dazu mietfrei, wie absurd eigentlich). Den Versuch ist es wert, auch wenn es viele Versuche braucht.

Immer wieder hilfreich ist für mich jedenfalls die Erinnerung, dass Dopamin weniger „Glückshormon“ ist als Aktivierung, Erwartung, Verfolgung eines (gerade bei ADHS wohl nicht immer bewusst selbst gewählten) Ziels.

Die Autorin hat auch ein neues Buch „The Dopamine Code“ geschrieben. Die Seite (MindLab Neuroscience) hat viel Lesenswertes, teilweise allerdings auch eine KI-Anmutung.

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Boar kenne ich. Ich liebe rage bait :joy:

und auch provozieren ( also nicht online, sondern im echten Leben, sehr zu leiden meines Umfelds :melting_face: )

Also ich falle nicht darauf rein, ich bin eher die, die es auslöst :smiling_face_with_horns:

und doch, ich habe sehr viel vergnügen dabei.

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Interessant - und ein bisschen traurig.

Dass ADHS auch aktives Rage Baiting fördern kann, war mir klar. Manchmal wird eine Troll-Neigung ja auch im nächsten klaren Moment oder ein paar Monate später eingeräumt. Ich habe das aber naiverweise wohl eher als Einsamkeit, unbewusstes Abwenden von Langeweile und Dysphorie, usw. eingeordnet.

Es macht das Abgewöhnen aber sicher noch etwas leichter, sich das :smiling_face_with_horns: Vergnügen dahinter vorzustellen. Reizend.

Was mir auch hilft: deathbed meditation. Will ich mir am Lebensende nochmal vor Augen führen (müssen), wie viel Lebenszeit an solchen Mist verschwendet wurde? Oder will ich ggf. schon bei der nächsten Beerdigung eines Angehörigen denken: "Sorry, konnte Dich nicht häufiger anrufen, musste doch dringend im Internet jemandem sagen, dass er falsch liegt, seinen Wahn für sich behalten sollte, etc."

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Aber - ich verstehe nicht ganz dein Problem damit, glaube ich - also ist das jetzt ein Problem für dich, dass du gerne Rage Bait ließt (oder mitmachst?)

Für mich ist das total irrelevant, also ich verschwende da keine Gedanken daran. Sobald ich zB den betreffenden online Post weiter swipe, aus dem augen aus dem sinn. Hab genug andere echte Probleme mit denen ich mich im Alltag beschäftigen muss :sweat_smile:

Ich glaube, ich könnte den Prozess gerade live bei mir beobachten… :thinking:
Doch die Analyse oder die Frage „macht es einen Unterschied, ob ich darauf eingehe / was dazu schreibe oder nicht?“ - dafür reichen meine mentalen Kapazitäten gerade leider nicht aus…

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Für mich (noch) nicht. Zeigt ja ironischerweise auch meine weitere Beteiligung in diesem Thread, aber etwas Geduld: Ich übe ja noch.

Dankenswerterweise vielleicht sogar am konkreten Beispiel: Wenn Du in einem „emotional am Ende“-Thread nebenbei auch Deine Erfolge aufzählst mit passendem Smiley, freut mich das einerseits echt und aufrichtig für Dich. Andererseits konnte ich es auch in dem Kontext nicht ganz nachvollziehen.

Weiß nicht, ob das schon als milde Form von Rage Bait Beispiel durchgeht. Jedenfalls: Nein, ich lese Rage Bait - oder was ich IMHO völlig subjektiv dafür halte - nicht gern. Aber vor allem will ich nicht mehr mitmachen. Denn Du hast ja völlig Recht und den ganz gesunden Fokus: genug andere eigene Probleme, mit denen ich mich beschäftigen muss.

Seit ich den verlinkten Artikel gelesen habe, kann ich das Transmitter-Gewitter in mir aber evtl. etwas besser live verfolgen und auseinandernehmen. Könnte ich jetzt vielleicht noch in den „Heute bin ich stolz auf mich, weil…“ Thread schreiben, aber nur, wenn ich jetzt aufhöre.

Danke Dir. Hat mir echt geholfen, der Austausch der Perspektiven!

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Rein intuitiv wäre das mein Hauptmotiv - also Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle, Verteidigung des eigenen Weltbildes, Werte-Kompass, Richtig-Falsch-Definition.

Und ich würde behaupten, dass die Reaktion stärker ausfällt, je unklarer die eigene Wahrheit in Beziehung auf die Aussage ist. Wenn z.B. ein Fremder völlig klar und selbstsicher fordert „Alle Menschen mit angewachsenen Ohrläppchen und behaarten Fingerliedern sollten eingesperrt werden!“, würde mich das wahrscheinlich nicht besonders anspringen.

Der Hintergrund ist vielleicht, dass ich weniger versuche, mein Gegenüber/ die Umwelt von meinem Weltbild zu überzeugen als mir mein eigenes versichern zu wollen, was am besten funktionieren würde, wenn das Gegenüber einlenkt und sich überzeugen lässt. Ansonsten muss ich einen Umweg gehen und verstehen, warum er/sie auf ein anderes Ergebnis kommt. Z.B. der Mensch ist kognitiv eingeschränkt. Erklärung gefunden, Haken hinter.

Bei nahestehenden Menschen funktioniert das weniger, glaube ich, weil ich da einen höheren Anspruch an ähnliche Werte habe und eher motiviert bin zu überzeugen wegen Bedürfnis nach Verbundenheit/ Zugehörigkeit.

Ich hab mal gehört, dass für den Richtig/Falsch-Abgleich die Sprache entstanden sein könnte. Also Menschen wollen sich ständig rückversichern und einordnen, ob sie falsch sind oder der/die anderen.

Nee, ist Quatsch, was ich geschrieben habe… Ich habe mich gestern tierisch über eine Frau aufgeregt, die mit übertriebener Selbstsicherheit völlig falsche Daten genannt hat… hätte ich auch drüber stehen können… nein, ich hab’s gegoogelt und ihr vor die Nase gehalten :roll_eyes: Keine Ahnung wieso, da geht’s wohl um Selbstwerterhöhung.

Und Diskutieren macht manchmal auch Spaß oder lenkt zumindest von Unspaßigeren Sachen ab → Lustgewinnung / Unlustvermeidung

Also klare Sache: über Rage Baten können alle 4 psychologischen Grundbedürfnisse aktiviert werden - keine Chance sich dagegen zu wehren :grin:

Nein nein, das würde ich Kategorie 3 Selbstwerterhöhung zuordnen, was in Dosen und im eigenen Tagebuch für mein Empfinden völlig ok ist und von Lesenden auch als Ermutigung gesehen werden kann, sich den eigenen Erfolgen bewusst zu werden.

Edith: Achso, oder meinst du das Beispiel hier zu posten? Ja, also das würde ich schon Richtung Rage Baiting ansiedeln im Sinne „provokante Inhalte“ :thinking:, ebenfalls Kategorie 3… und das ich das hier schreibe meinerseits auch :sweat_smile::+1:

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Ist mir auch schon passiert. Ging nicht gut aus bzw. ich ging gleich mit einer weiteren Diagnose raus.

Zukünftig daher Dosen statt Diagnosen.

Neue Geschäftsidee: Grundbedürfnisse in Dosen

Im Rage-Bait-Bundle sind die Dosen aber teurer als einzeln. Der Deal ist also nur was für ernsthaft Impulskontroll-Herausgeforderte. Vielleicht ist auch überall dasselbe drin. Ich kann es nicht nachprüfen, habe gerade den Dosenöffner verlegt.

Ist ok. Noch brauche ich das Training. Aber bin schon fast geheilt. Nur noch eine Dose „Kontrolle und Orientierung“.

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Ich möchte dazu anmerken, dass Dosen nicht so toll für die Umwelt sind. Daher sehe ich das eher kritisch und wäre doch an einem „nachhaltigeren und umweltfreundlicheren“ Konzept interessiert…

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Ich finde den verlinkten Text sehr interessant!
Der mit ADHS oft vorkommende, negative Hyperfokus ist wahrscheinlich nochmal ein wirksamer Katalysator für die ablaufenden Prozesse…

Die Frage, ob es was ändert finde ich oft jedoch nicht klar zu beantworten - vor allem online (aber auch offline). Denn manchmal kann es für eine nebenstehende Person eine größere Bedeutung haben, als erahnt.
Gut finde ich auch, die Unterscheidung „Aktivieren“ vs. „Informieren“ - das nehme ich als Beobachtungs- / Reflexionspunkt für mich mit.

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Einen kleinen Hinweis möchte ich noch hinterlassen: im Kontext vom negativen Hyperfokus erwähnt Lachenmeier in seinem Buch die Methode „My Treasured Self“.
Vielleicht nicht ganz so erfrischend und durstlöschend, aber nachhaltig und „schön anzugucken“, z.B. im verschnörkelten Holzkistchen und mit weicher Samteinlage.

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Ich auch - aber im Anfängermodus bitte… und @CirillaVonCintra hoffentlich auch :grimacing:

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Ich verstehe jetzt ehrlich gesagt nicht ganz, was du / ihr von mir wollt… :laughing: dieser Thread verwirrt mich gerade.

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Passiert mir auch ständig. Ist nicht schlimm du machst alles richtig. :slightly_smiling_face:

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Weiß ich auch nicht so genau. Am besten jeder nimmt, was er will und lässt den Rest liegen :slightly_smiling_face:

Hast du denn deine Gefühle unter Kontrolle?

Vielleicht ist das verursachen von „Rage Bite“ auch eine Art von Gefühlskontrollverlust?

Mir fällt das oft unglaublich schwer… Einerseits nicht zu verursachen aber auch drauf nicht zu reagieren und beides belastet mich sehr in meinem Leben.