Hallo Lila,
ich war in der Burgenlandklinik. Ich kann deine Erfahrung nur bedingt teilen. Zwar habe ich auch von einigen Selbstentlassungen mitbekommen, aber ich habe da auch echt schwierige Kommunikation von beiden Seiten beobachten können.
Zum einen habe ich immer wieder von verschiedenen Mitarbeitenden gehört, dass in der Klinik kein ADHS-Schwerpunkt besteht und lediglich die ADHS-Expertise des Chefarztes Dr Ballaschke als „Aushängeschild“ gilt.
Dennoch sind aus meiner Sicht die allermeisten Patient:innen dort mit ADHS unterwegs. Ich habe zum Beispiel keine einzige Person cgetroffen, bei der nicht wenigstens ein Verdacht bestand.
Es wird dort auch diagnostiziert, dennoch haben einige (für mich) eindeutige Kanditat:innen keine Diagnose erhalten, da nicht eindeutig andere ausgeschlossen werden konnte. Einige bekamen auf vorbestehende Diagnosen noch „Borderline“ obendrauf. Deswegen hatten da tatsächlich einige die Klinik verlassen. Ob das Ausdruck einer tatsächlichen BPS war, kann ich nicht sicher beurteilen, aber irgendwie finde ich es immer ein wenig problematisch, wenn man bereits diagnostiziert dann noch neue Diagnosen mitbekommt.
Ja, es wird großen Wert auf Sozialkompetenz und ruhiges Verhalten der Pat. untereinander gelegt, das war für mich zuerst auch etwas überfordernd, da ich eigentlich zum ersten Mal wirklich unmaskiert unterwegs sein konnte. Gleichzeitig waren dort eben auch andere „Störungen“ vertreten, die ein rücksichtsvolles Verhalten in Speisesaal und Gesprächsrunden für mich schon berechtigt machten.
Alles in allem fand ich die Therapien wirklich sehr ADHS-freundlich, die ADHS-Gruppentherapie konnte ich in 6 Wochen leider nur 3x besuchen, darauf musste ich mich einstellen (wurde mir hier netterweise von @Anni2 geraten). Dass man eben nicht mit der Erwartung hinkommt, dass man daran die ganze Zeit daran teilnehmen kann und ggfs in ner „Warteliste“ steht und solange was anderes wählen kann als Indikationsgruppe.
Ich war auch mit chron. Schmerzen dort und fand die entsprechende Gruppe mit Dr Rahn (spezieller Schmerztherapeut und Mitglied der Deutschen Schmerzgesellschaft) sehr hilfreich, auch wenn es keine direkte (medikamentöse) Lösung für mein Leiden hervorgebracht hat. Leider konnte ich auch in der ganzen Zeit nicht wirklich eine Antwort auf meine Frage der komplizierten ADHS-Schmerz-Medikation bekommen, obwohl seit Woche 1 angefordert.
Demgegenüber wurde auf alle Wünsche gemäß der Verfügbarkeit eingegangen, die Wochenpläne (immer sonntags im Fach) konnten immer noch verändert werden auf eigenen Wunsch.
Das Co-Therapeutenteam fand ich super fürsorglich und unterstützend. Kam man nur 5 Minuten zu spät zu irgendeiner Gruppe oder mal nicht zur (rechtzeitig) Mediausgabe, ging sofort ein Suchtrupp los
(Zur Ausgabe: Sie haben das angeboten, um quasi Medikamente zu sparen. Das war kein Muss, aber für mich ein schönes Ritual.)
Besonders hilfreich fand ich:
Morgenspaziergang, Ernährungsberatung, Tanztherapie (irreführender Name, eigentlich eher Körpertherapie, als Gruppe und auch Einzelnd, letzteres hatte für mich einen kleinen Durchbruch), Jonglier-Therapie (hammer für Gehirntraining), Ergo und Physio (je nach Therapeut, mit einem kam ich nicht so gut klar, der war bissi übergriffig, aber hat scheinbar auch ADHS, wie die meisten Mitarbeitenden). Und die Umgebung, die mit Deutschlandticket super easy und schnell zu erkunden ist. Und die Sauna, speziell die Rotlicht-Sauna war der Hammer. Konnte etwas die Enttäuschung über die - anders als vorher beschrieben - nur zwei wochentliche Schwimmslots von 45 Minuten im örtlichen Mini-Solebecken - etwas nehmen.
Aber das absolute Highlight war es einfach, unter so vielen NDen zu sein und mit der Zeit mehr und mehr Masken fallen zu lassen.
Zu den Psychotherapien kann ich nicht viel sagen, hatte leider wegen Krankheit 3 Vertretungen und keinen roten Faden dabei… Aber bei der Tanztherapie konnte ich sowieso viel besser an mein Inneres ran. Also daher, @Lila, muss ich zustimmen. Im Februar (da haben wir und wohl knapp verpasst) ging in der Klinik ne krasse Viruswelle herum. Da war viel Ausfall, ich selber war auch einige Tage mega krank.
Achso: Und wir durften unser Abendprogramm selber gestalten. So gab es sogar ein paar feine 80s und 90s Parties und auch eine Mini-Playback-Show, die ich mir mit Mitpatient:innen ausgedacht hatte
Meine Marijke-Amado-Rolle hat mich so ganz ohne spezielle Therapie aus meinen Selbstzweifeln geholt und ganz alte Talente (z.B mein Fabile für Akzent-Imitation) wieder rausgebuddelt 
Ich persönlich bin etwas enttäuscht, dass meine Minderbelastungsfähigkeit wegen Fibro und fehlender medikamentösen Wirkung einfach ignoriert wurde und bei der Empfehlung von vollschichtiger Belastbarkeit im Ausgangsberuf beschrieben wurde, obwohl ich nie länger als 14 Uhr therapiefähig war und ich genau eine Arbeitserprobung von 120 Minuten hatte ^^
Aber ich denke das ist wohl bei allen DRV-Maschinerie-Kliniken so. Alles für die Erfolgsqoute.
Achso und ein Manko finde ich noch die sehr veraltete Einstellung zu Medikamenten. Meine Behandlung mit Intuniv zB wollten sie beenden, weil sie meinten es sei ein Kindermedikament. Habe mich aber im Gespräch mit der Stationsärztin durchsetzen, dass ich keine Verändeung dabei wünsche. (Habe am Ende sogar netterweise ein paar Pillchen für den Übergang zu Hause über feiertage bekommen)
Dann wurden viele erstmal mit Medikinet eingestellt und überall standen kleine Werbeaufsteller mit den Pillen
, einigen Patientinnen wurde wegen Konsum von med. Cannabis schädlicher Konsum diagnostiziert, was so definitiv nicht in Berichten stehen sollte, va nicht bei ADHSlern, aber da gibt es offensichtlich unterschiedliche Meinungen. Dass der Konsum natürlich untersagt war, fand ich teilweise aus Rücksicht auf die vielen Suchtpatient:innen auf der anderen Station nachvollziehbar.
Also zusammenfassend würde ich sagen:
Es lohnt sich in die BLK zu gehen, aber man sollte auch bereit sein sich auf die Therapie einzulassen. Nicht alles ist perfekt an der Klinik, aber man merkt das gesamte Personal ist super bemüht, ADHSler wohlwollend zu unterstützen und viele gute Ansätze mit nach Hause zu geben.
Für eine erneute Reha würde ich für mich jedoch eher die Schönklink wählen, eben wegen der Fibrosache, wo mir, bis auf ein Vergleich mit einer Migränepatientin ^^, nicht sehr viel geholfen wurde.