Richtige Wirkung auf Elvanse?

Hallo zusammen
Ich (25, w) wurde erst vor kurzem diagnostiziert und habe kürzlich mit der Eindosierung begonnen. Ich bin jetzt bei 40mg Elvanse angelangt (nachdem ich mit MPH keinerlei Effekt hatte) und habe mit geringeren Dosen überhaupt gar nichts gespürt.

Mit 40mg geht es mir wirklich super und ich habe fast keinerlei Nebenwirkungen. Das einzige was ich mich frage: Wirkt es bei mir so wie es wirklich wirken sollte? Ich lese immer dass Medikamente einen ruhiger und gelassener machen soll, aber mit 40mg fühle ich mich SO produktiv. Wenn das Medikament noch nicht wirkt, fühle ich mich absolut hilflos: total demotiviert, keine Lust auf nichts, keine Chance meine To Do Listen abzuarbeiten, jede „Aufgabe“ fühlt sich wie ein unüberwindbarer Berg an. Sobald die Wirkung eintritt habe ich das Gefühl ich kann ALLES schaffen und kann quasi „einfach machen“. Abwasch, aufräumen, Steuern, Rechnungen, Mails sortieren, Whatsapps beantworten, Wäsche zusammenlegen und wegräumen, meine To Do Listen abarbeiten usw.

Mein Hirn ist aber so extrem auf „Zack“ dass ich mich frage ob das normal ist? Weil wenn ich etwas anfange kann ich nicht mehr aufhören bis es erledigt ist - das führt auch mal zu 8-stündigen Aufräumaktionen ohne eine einzige WC- oder Essenspause.

Also nicht falsch verstehen - es erleichtert mir mein Leben als Doktorandin EXTREM. Ich habe einfach irgendwie paranoia , dass es die falsche Wirkung ist und ich gar kein ADHS habe (ja, das Imposter-Syndrom kickt bei mir gefühlt jeden Tag).

Hat hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder schon von solchen Wirkungen gehört?

Vielen Dank für eure Inputs und Erfahrungsberichte!

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Hi! :slight_smile:

Wann hast du denn mit der Eindosierung begonnen und wie lange bist du bereits auf 40mg? Wie lange hast du die euphorisierende Wirkung bisher? Ich würde dir empfehlen, dir darüber erstmal keine allzu großen Sorgen zu machen. Das, was du beschreibst, klingt sehr typisch nach der „Honeymoon-Phase“ am Anfang der Medikation. Auf der einen Seite ist das Gefühl der ausgeglichenen Neurotransmitter erst einmal irgendwie euphorisierend, weil ungewohnt, und auf der anderen Seite kommt mit der Zeit ja auch ein wenig Toleranzentwicklung (weshalb viele nach einiger Zeit denken, es wirkt nicht mehr).

Unter dem Begriff der Honeymoon-Phase findest du sicher einiges, aber hier kannst du z. B. mal gucken:

Da du gerade erst in der Eindosierung bist, ist dieser Effekt ziemlich wahrscheinlich. Soweit ich das bisher gelesen und gehört habe, geht diese Phase meistens einige Wochen bis wenige Monate, aber das ist super individuell. Bei mir wurde die Wirkung nach etwa einem Monat subtiler. Versuch die Phase zu genießen, aber dich nicht an sie zu gewöhnen, denn in dem Ausmaß wird sie sicherlich nicht super lange anhalten. Aber: Das ist absolut kein sinnvolles Anzeichen dafür, ob du wirklich ADHS hast oder nicht. Und meines Wissens nach ist die anfängliche Euphorie (eben durch die Honeymoon-Phase) auch kein verlässlicher Indikator für eine zu hohe Dosierung.

Was aber meiner Meinung nach wirklich wichtig ist: Versuch, den aktuellen Antrieb nicht nur für jede Aufgabe zu nutzen, die dir gerade in den Sinn kommt (weil du gerade quasi alles schaffen kannst), sondern nutze die Motivation dazu, dir eine Struktur für To-dos und Mahlzeiten aufzubauen, die dir danach helfen kann. Sobald die Euphorie nachlässt, merken viele zwar, dass die Medikamente ihnen Fokus und Aufmerksamkeit geben, aber diesen sinnvoll zu richten ist dann oft wieder mit Willenskraft und Struktur verbunden. Der appetitzügelnde Effekt kann auch länger anhalten (auch wenn er bei einigen verschwindet), deshalb solltest du dir Gedanken machen, wie du es schaffst über den Tag verteilt genug zu essen - denn 8-stündige Sessions ohne Essen oder WC kannst du wahrscheinlich nicht ewig machen, wenn du das Essen nicht danach nachholst. Also sei dir einfach bewusst, dass die Euphorie gerade irgendwie schön ist, aber in der Intensität nicht ewig anhält, und bereite dich so gut es geht darauf vor, dass die Wirkung sich normalisiert.

Und zu all dem: Ich kenne mich nicht perfekt mit den Wirkungen und Nebenwirkungen von Elvanse aus und es gibt hier sicherlich Leute, die das tausendmal besser wissen. Also ist vielleicht nicht jede Info absolut korrekt. :face_with_peeking_eye:

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Hallo shibi,

sehe ich nicht so, im Gegenteil. Dass sich ohne alles wie ein unüberwindbarer Berg anfühlt und mit klappt es, zeigt doch dass 1. ADHS-Symptome deutlich da sind und dass 2. das Medikament gut wirkt.

Bei mir ist es bisher ungefähr umgekehrt - das Medikament macht mich ausgeglichen und gelassen, was schön ist, aber ich kann immer noch extrem aufschieben. Da hätte ich mir etwas mehr Wirkung des Medikamentes gewünscht.

Aber vielleicht ist es objektiv trotzdem das, was wir gerade brauchen? So wenig mache ich ja auch nicht. Und bei dir - ist es Ruhe und Gelassenheit, was du vermisst? Oder anders gesagt, dass du deine To Dos abarbeiten kannst, fühlt sich das gut an oder eher wie Hamsterrad?

Das finde ich einen interessanten Gedanken. Ohne Medikamente bin ich vorallem innerlich unruhig, weil einfach alles zu viel ist und ich nichts auf die Reihe bekomme aber tausend Sachen gleichzeitig erledigen sollte. Mit Medikament habe ich diese Art von Unruhe tatsächlich nicht mehr. Ich habe aber einfach so viele Ideen, Gedanken, rede viel mehr (bin sonst eher introvertiert) und habe einfach keinen Moment mehr, an dem ich „chillen“ möchte. Was mir aber irgendwie gut tut. Aber es fühlt sich gleichzeitig darum auch etwas wie ein Hamsterrad an - einfach dass ich dabei nicht überfordert oder überreizt bin. Aber ich kann einfach nicht aufhören produktiv zu sein und fühle mich dadurch durchgehend „auf zack“. Ist noch schwierig zu erklären.

Und weil die Wirkung von Elvanse bei nicht-ADHSlern verglichen wird mit der Wirkung von Speed, bin ich doch ein wenig verunsichert. Wie äussert sich denn die Ausgeglichenheit und Gelassenheit konkret bei dir?

Danke für deine Antwort!

Die Eindosierung ist eben so eine Sache bei mir.. Die einzige Info die mir mein Arzt mitgegeben hat ist „probier einfach aus“. Ich habe mich dann selber schlau gemacht hier im Forum und habe mich langsam rangetastet und bin jetzt seit ca. 3.5 Wochen auf 40mg. Ich habe eine mit 10mg gestartet und immer nach 1 Woche um 10mg erhöht. Ich habe aber auch mit 30mg überhaupt nichts gespürt (ich hätte wenigstes auf Placebo gehofft ;-)). Dann ab der 1. 40mg Einnahme hat diese Wirkung angefangen.

Das mit der Honeymoon-Phase war auch schon ein Verdacht von mir, aber irgendwie habe ich auch nach längerem Suchen keine ähnlichen Erfahrungen gefunden. Ich werde es mal beobachten wie sich es entwickelt und vielleicht ist ja wirklich einfach die Honeymoon-Phase.

Dann werde ich sicher versuchen diese Motivation zu nutzen um mir Struktur aufzubauen, damit die Einnahme auch in Zukunft nachhaltig ist. Danke für deine Tipps und deine Einschätzung!

Aha (langgezogen), also doch!

Vergiss die Sachen, die du gehört hast über Wirkung von Elvanse bei nicht-ADHSlern.

Dir fällt also die Ruhe und Gelassenheit erst auf, wenn jemand gezielt nachfragt. Und bei mir ist es wohl umgekehrt, ich freue mich jeden Tag über die Ausgeglichenheit mit meinem Medikament (Methylphenidat). Den Unterschied in der Produktivität bemerke ich immer nur dann, wenn ich mal einen Vormittag total daneben bin und müde und nichts auf die Reihe bekomme. Dann will ich meine Mittagskapsel nehmen und sehe - ach nee, da liegt ja noch die Morgenkapsel in der Dose! :adxs_lol:

Und dazu kommt noch, vielleicht ist Gelassenheit eher etwas, was man am Abend bemerkt. Wirkt denn deine Elvanse dann noch oder ist die Wirkung dann schon vorbei?

Ich weiß, dass ich mich vor meiner ADHS-Diagnose vor Allem abends mit meiner Frau über lächerlichen Kleinkram gestritten habe und über alles Mögliche aufregen konnte.

Ob man produktiv ist oder nicht, bemerkt man eher morgens bzw. tagsüber.

Ist jetzt eine ganz neue Theorie von mir. Vielleicht auch Quatsch.

Das habe ich mir tatsächlich erst jetzt so richtig überlegt. Ich glaube dass ich mir die Wirkung einfach ganz anders vorgestellt habe und noch nie von einer ähnlichen Erfahrung gelesen/gehört habe.

Bei mir lässt die Wirkung ca. um 18:00 nach. Dann bin ich meist extrem platt und eher reizbar. Das sind so die einzigen Nebenwirkungen, die ich habe. Irgendwie fühlt es sich so an als würde mich dann die ganze Produktivität, das „extrovertiert-sein“ und die hohe Konzentration einholen und ich merke dann dass es doch für meinen Kopf anstrengend war (ohne dass ich es währenddessen merke). Aber ich würde eigentlich die Medis gerne mal später am Tag einnehmen, um deine Theorie zu testen :wink:

Mit später am Tag einnehmen verlängerst du die Wirkung aber nicht, du verschiebst sie nur. Um am Abend auch Wirkung zu haben, brauchst du also eigentlich noch etwas Anderes.

Manche nehmen Elvanse versetzt ein (da fragst du aber besser die Elvanse-Experten dieses Forums), manche nehmen abends etwas Methylphenidat, um abends noch Wirkung zu haben.

Ich nehme ja nur MPH, aber morgens und mittags jeweils eine Kapsel und am frühen Abend unretardiert. Wirkung nur bis 18 Uhr wäre mir zu wenig. Auch weil es mir im privaten Bereich sehr wichtig ist, und ich würde auch nicht mehr gerne unmedikamentiert Fahrrad fahren, das Risiko aus Unachtsamkeit zu verunglücken ist mir zu groß.

Vielleicht ist es genau das, was du früher ohne Medikation täglich kompensiert hast?

Eine Möglichkeit: Das Hirn läuft wegen des Neurotransmitter-Ausgleichs eher wie ein neurotypisches Hirn und du nimmst nun alles bewusster wahr. Auch die Erschöpfung.

Unter ADHS Stimulanzien hat man dann vielleicht das Gefühl, jetzt endlich mal so vieles zu schaffen → und rennt, wenn man sich dessen nicht bewusst ist, in die Erschöpfungsfalle.

Mit oder vielleicht sogar wegen der Medikation muss man dann erstmal lernen damit umzugehen, um sich eben nicht zu übernehmen und mal bewusste Pausen einzulegen.
Die Löffeltheorie passt da hervorragend, finde ich.

Ich finde das neben der Medikation das Allerwichtigste.
Man lernt sich selbst neu kennen und muss dann wahrscheinlich über Jahrzehnte antrainierte Denk- / Verhaltensmuster erstmal erkennen und dann schrittweise daran arbeiten, um nicht mehr so weiterzumachen, wie bisher. Und das geht nicht von heute auf morgen.

Deshalb wird in den Leitlinien, neben der Psychoedukation (durch die man leider oft auf eigene Faust durch muss), wahrscheinlich eine multimodale Therapie empfohlen (Medikation + Kognitive Verhaltenstherapie).

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Ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass die Phase sich bei mir ähnlich geäußert hat. :slight_smile: An anderen Tagen hatte ich dafür eine Ruhe und Gelassenheit, aber das kommt bei mir sehr auf Schlaf an. Die gesteigerte Produktivität und Extrovertiertheit kann ich absolut nachempfinden - die Extrovertiertheit fühlt sich aber nicht „zu viel“ an, sondern eher so, als köntne ich mehr ich selbst sein. Geht es dir dabei auch so oder fühlt es sich anders an? Auch das Tief nach der Produktivitätsphase geht mir genauso und ist ganz sicher nicht unüblich. Man muss ein neues Gefühl dafür aufbauen, wann man Pausen braucht und wie viel man sich zumuten kann, sonst holt es einen nachmittags/abends ein.

Das Forum hier hatte ich erst später gefunden und habe daher nach ärztlicher Anweisung eindosiert (von 20mg an immer 5 Tage, dann 10mg hoch). Genau wie du hätte ich gerne eine spätere Einnahme oder Aufteilung der Dosis ausprobiert und bin letztendlich bei 40-30-0 gelandet (bzw. je nach Tagesablauf auch 70-0-0). Diese euphorische Produktivität und Extrovertiertheit hat nachgelassen, aber ist auch nicht verschwunden. Ich kann gar nicht sagen, wann das genau war. Aber es wurde einfach normaler mit der Zeit und fühlte sich nicht mehr so an, wie du es beschreibst.

3,5 Wochen sind jetzt natürlich schon nicht mehr nur ein paar Tage, aber wenn die 30mg bei dir vorher gar keine merkbare Wirkstärke hatten, ergibt Honeymoon-Phase für mich am meisten Sinn. Das ist ja immer anekdotisch, aber online schreiben auch viele, dass sie die Phase ca. ein halbes Jahr hatten. Also mach dir erstmal keine Sorgen - solange sich der Zustand nicht störend anfühlt.

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Hallo Shibi

Vielen Dank für deinen Beitrag, du sprichst mir aus dem Herzen!

Elvanse wirkt bei mir (w, 39), nämlich ganz ähnlich und ich fragte mich schon eine Weile, ob das normal ist, weil kaum Berichte zu dieser Art von Wirkung zu finden sind.
Jedenfalls hab ich keine gefunden…
Und auch ich frage mich mehr oder weniger regelmässig, ob ich wirklich ADHS habe (zur Zeit gerade noch in Abklärung).

Hier ein paar meiner Erhrungen:
Ich nehme seit Herbst 2024 Elvanse. Ziemlich genau eine Stunde nach der Einnahme beginnt die Wirkung: Es fühlt sich an, als würde eine Last von mir abfallen und ich werde leichter, beschwingter und habe Bock, Dinge anzupacken. Ich fühle mich gut und voller Energie. Ich kann vorwärts machen und Dinge erledigen, die ich sonst nur mit viel Mühe & unter Zeitdruck schaffe. Andererseits bin ich durch diesen „Energieschub“ gerne mal unkonzentrierter und fahriger, weil ich plötzlich alles auf einmal erledigen möchte und x Ideen mein Hirn fluten. Ich bin plötzlich sehr kommunikativ (bin ebenfalls introvertiert) und habe das Bedürfnis, mich mitzuteilen. Als ob typische ADHS-Symptome jetzt erst recht zum Zug kommen.
Im Moment fühlt sich mein Tun jeweils auch immer gut an und ich würde nichts machen, was ich nicht auch wirklich will. Es ist mehr so, dass ich endlich Ideen umsetze, die ich irgendwo schon gern machen würde, mir aus irgendwelchen Gründen aber ausrede/nicht zugestehe/ etc. Durch Elvanse sind die Blockaden endlich mal nicht mehr so präsent!

Dieser „intensive“ Zustand hält für etwa 3,4 Stunden an, danach flaut er gefühlt ab.
Bei zu hoher Dosierung fängt danach bei mir die ewige Grübelei/ alles in Frage stellen/ innere Unruhe im Negativen wieder an. Das positive Gefühl kippt quasi ins Gegenteil, weil zu viel. Durch den Schwung kommen wohl eben auch die Gedanken wieder in Fahrt.. In der Anfangszeit der Einnahme war ich so gegen 17, 18h ziemlich kaputt.

Ich hab im Lauf der Monate die Dosierung immer mal wieder angepasst und nehme nach einer Pause nun 30mg. Die Euphorie hat mit der Zeit nachgelassen, nicht aber die "Fahrigkeit/ Unkonzentriertsein
Da bin ich manchmal auch froh drum, weil:
Bin das dann wirklich noch ich? Bin Kontrollfreak und mag es nicht, mich nicht kontrollieren zu können. Ist das dann eine Seite von mir, die bisher versteckt war und erst durch das Medi „befreit“ wurde oder erschafft das Medi neue Züge an mir?

Ich hoffe jedenfalls, dass das Gefühl der „Unkontrolle“ mit 30mg langfristig nicht so intensiv ist.
Weil…die Euphorie, der gute Schub ab Morgen, den mag ich schon.
Nur nicht das Kippen danach.

Ach ja, und ich hab gemerkt, dass es sehr wichtig ist, morgens den Zeitpunkt zu erwischen, wenn Elvanse zu wirken beginnt. Wenn ich dann etwas „Sinnvolles“ starte, kann ich wirklich produktiv sein. Ansonsten versacke ich schon mal trotz Medi ein paar Stunden gamend am Handy auf dem Sofa…lalala…

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Übrigens auch vielen Dank an alle anderen, die hier Beiträge gepostet haben!
Hab ein paar Dinge gelesen, die auch bei mir durchaus Sinn ergeben
:folded_hands:

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Hi shibi, ich weiß der post ist schon eine Weile her und ich hab auch nicht viel neues dazu zu sagen, aber ich möchte das trotzdem kurz loswerden: Ich kann mich 1 zu 1 in deinen Beschreibungen wiederfinden!! Ich wollte gerade einen sehr ähnlichen post verfassen und habe deshalb geschaut ob es schon etwas in die Richtung gibt und beim Lesen von deinem Beitrag fühlt es sich so an als hätte ich das alles selber geschrieben! Danke für den Post :slight_smile: