Runter kommen

Ich bin noch nicht sicher, ob ich ADHS habe. Ich hab den Diagnostiktermin verschusselt, weil ich 4 Termine am gleichen Tag zur gleichen Zeit (inkl. Arbeitstermine) ausgemacht habe - fragt nicht warum, und jetzt muss ich auf den nächsten warten.

Ich bin ja jemand der gerne vieles macht und alles gerne anfängt etc. Und ich frage ich gerade, weil ich es zeitgleich erschöpfend finde, auch im Job, ob man in einer ruhigen Umgebung nicht viel besser runter kommt. Oder wie das bei euch ist?

Ich weiß manchmal nicht, ob z.B. meine Arbeitssituation mit den vielen Menschen, Terminen, Orten, Inhalten, Meetings und keinem Einzelbüro mich noch mehr aufdrehen lässt und ich gar nicht mehr runter komme. Ich fahre ja unheimlich gerne allein in den Urlaub, weil ich da dann tagelang auch mal mit niemanden sprechen muss oder einfach nur zuschauen kann. Im Alltag komm ich nur runter, wenn ich mit Grippe 2 Wochen im Bett liege.

Ich kann inzwischenz.B. auch keine Bücher lesen, weil mir dazu die Aufmerksamkeit fehlt.

Ich bin entweder so oder so:

<LINK_TEXT text=„https://www.zdf.de/dokumentation/3sat-w … o-100.html“>https://www.zdf.de/dokumentation/3sat-wissenschaftdoku/190516-sendung-wido-100.html</LINK_TEXT>

schau dir mal das an… die gibt es den Filmemacher Sammy aus Kanada oder die Brokerin an der Börse, beide mit ADHS-Diagnose, die beide nicht runter kommen können…

Hallo Spezi :wink:

Willkommen im Forum! Wie lange mußt du denn jetzt wieder warten auf den Termin?

Hast du mal den Test hier gemacht?

LG

Hallo und herzlich Willkommen hier im Forum. Hast du denn inzwischen einen Termin gemacht und wenn ja, wie lange musst du warten.
Du kannst natürlich auch hier mal den Test machen. Dann weißt du schon einmal vorab in welche Richtung es geht.

Doppel-Post


Ich würde mal behaupten, dass das genau das Gegenteil ist von einer guten Arbeitsatmosphäre für einen Meschen mit ADHS. Stichwort Reizüberflutung und Überforderung durch zu viele Anforderungen von außen. Was folgt ist das von dir genannte „nicht mehr runterkommen“, auch Dauerstress genannt, das berühmte Hamsterrad eben…

Eigenes Büro statt Großraum z.B. ist ein „Klassiker“, wenn es darum geht, geeigntete Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Der zweite Klassiker heißt möglichst selbstbestimmtes Arbeiten bei möglichst wenigen Anforderungen von außen.

Klingt eher so, als wäre bei deiner Arbeit genau das Gegenteil von „artgerechter Haltung“ der Fall.

Hallo, und lieben Dank.

Ich hab schon mal den Test auf der Seite hier gemacht und ich weiß natürlich die Punkte nicht mehr, aber es war laut Test schon deutlich.
Ich hab nen neuen Termin für Anfang April bekommen.

Ja und das merke ich immer mehr ehrlich gesagt. Ich bin schon jemand, der von sich aus immer sich ablenken lässt und springt (Gedanken, Aufgaben, etc.), daher dachte ich sicher erstmal, wie ich innen so im außen - gefühlt bräuchte ich vielleicht eher nen weißen Raum mit ner Wand, allein, wo keiner mit mir spricht.

Und dann fänd ich meine Freizeitaktivitäten auch nicht mehr anstrengend. So fühl ich mich nach der Arbeit wie als hätte ich jeden Abend mir die Kante gegeben und wäre bis 04 Uhr morgens unterwegs gewesen.

Ich hab jahrelang in einer Abstellkammer mit sehr viel selbstbestimmten Arbeiten zu tun gehabt und das war super für mich. Da konnte ich dann auch besser mit Außenreizen umgehen, so jetzt brauch ich nach der Arbeit Schlaf und ein Wochenende nichts tun, hilft auch lange nicht mehr um runterzukommen.

Leider wurde aus dem selbstbestimmten Arbeiten mit Chefwechsel und Umstrukturierungen nur noch Anforderungen von außen. Hatte dann gewechselt und jetzt sitz ich hier seit 2,5 Jahren in einer extremen Form der Reizüberflutung.

Ich frage mich teilweise wirklich wie die Kollegen ihren Kühlschrank aussortieren oder Essen einkaufen können und sich dann noch um Freizeitaktivitäten und Familie kümmern, bei so einer Arbeitssituation. Aber die finden das alle normal und wenn dann Aufgabentechnisch viel, aber das ganze dazwischen (Meeting, telefon, Quatschen, zu viele Leute im Büro total toll). Ich kann mit vielen Aufgaben leben, aber der Rest macht mich „fertig“.

Ich vermute mal, dass ich letztes Jahr auch deshalb so oft krank war, weil mein Körper mir sagen will, dass das so nicht mehr geht.

Und ich suche gerade auch etwas neues, weil ich nach meinem Urlaub alleine mit niemanden, gefangen im Zug (bin Zuggefahren), endlich mal wieder etwas atmen konnte.

Jetzt bin ich wieder eine Woche zurück und hab mein letztes Vorstellungsgespräch verkackt, weil ich so viel und schnell geredet hab - die fanden das nicht gut, haben gesagt ich hab die überfordert.

Und mir ist es selbst aufgefallen, dass ich normalerweise halt auch irgendwann mal, als ich noch woanders gearbeitet hab, wieder „ich“ auf nem niedrigeren High-Level war.

jetzt bin ich wie ein Drogenjunkie auf Speed von der Außenwirkung. Dabei trink ich ja nicht mal Alkohol.

Naja und normalerweise bin ich nach außen eher ruhig, jetzt kann ich gar nicht mehr innen und außen unterscheiden und sag ständig was ich denke, unterbreche die Leute, etc…


Das kenne ich sehr gut, ging bei mir jahrelang so. Immer wieder Auszeiten wegen Dauerstress und Überforderung. Ich kann dir nur raten: Zieh die Reißleine, sonst endet das unweigerlich im Burnout. ich spreche da aus Erfahrung… :frowning:

Klingt aber vielversprechend! :wink:

Gute Illustration, kenne ich auch gut.

Was mir hilft, die ständige Gedankenpurzelei zumindest zeitweise zu dämmen, ist Musik*. Wenn ich von der Arbeit komme, haue ich mich auf Sofa und höre ein, zwei Plattenseiten. Erst danach setze ich mich an meine häuslichen Aufgaben und eigenen Projekte. Dann fängt die Purzelei zwar auch wieder an, aber zumindest bin ich nicht mehr so gestresst.

Ich abreite noch daran, meine Work/Life-Balance so einzurichten, dass ich zuhause noch was auf die Reihe kriege, aber zumindest bin ich morgens fit genug für den Job und halte den auch gut durch. Es hilft allerdings auch, dass ich halbtags in einem recht ruhigen Büro arbeite.

*) Bzw. vielleicht nicht die Musik selber, sondern der Ritualcharakter des Hinhauens. Irgnedwas klar definiertes tun, Musik hat aber auch den Vorteil,. dass sie viele Störgeräusche dämmt.

So ich hab nun aktuell keinen Diagnostik Termin mehr wegen dem Coronavirus…

Und jetzt kommts aber: ich war erst krank, konnte dann direkt ins Homeoffice. Und mir tut es echt gut bis auf die fehlende Bewegung. Meetings finden kaum noch statt, weil auf Arbeit sind die meisten nicht technikaffin. Und ich mach einfach meine Aufgaben und Verbesserungen, hat eh keiner Zeit das anzuschauen. Sprich das Arbeiten ist so viel angenehmer und ich komm wieder zu kreativen Ideen anstatt im Funktionsmodus alles automatisch zu durchlaufen, weil alles so viel ist.

Wenn ich mich nicht konzentrieren kann, passiert ja oft, lauf ich auch mal um dem Block oder hol mir was zu trinken, schau aus dem Fenster oder wechsel die Aufgabe.

Ich bin das erste Mal seit Jahren wieder fähig nach der Arbeit auch mal die Spülmaschine auszuräumen. Oder ohne dröhnenden Kopf den Feierabend beginnen…

Klar vergess ich vieles noch weiterhin. Bring gerade immer meinen Eltern Einkäufe vor die Türe weil Risikogruppe und vergess jedesmal was auf deren Liste oder was für mich etc.

Ich lass weiterhin Sachen fallen, machs kaputt oder schlimmer umso länger ich was verbessern will. Fand so ne gekaufte handgemachte Mundschutzmaske schief, wollte das verbessern und habs dann zerstört und erst nach Stunden hinbekommen, dass wieder zusammen zu bringen.

Aber in meinem Kopf ist es ruhiger, vielleicht kommt mir das nur so vor, weil es im Außen ruhiger ist?

Wegen Bewegung fahr ich jetzt mal öfter ne Runde Fahhrad. Inzwischen hat mein Studio Online Angebote und das probier ich mal aus.

Ich wirke ja immer wahnsinnig strukturiert. Denk das ist jahrelange Kompensation. Und naja für mich ist pünktlich kommen ja schon ein rießen Aufwand, der nur mit viel Organisation um schieflaufende Dinge passiert. Die Leute sehen pünktlich, aber nicht was dahintersteckt…

Aber irgendwie hilfts, weil die andere Hälfte der Anstrengung schon mal wegfällt. Kann das sein?

Ich bin zwar später erst im Forum zugestossen, aber sage dir trotzdem mal Hallo!

Eigentlich müsstest du gar keinen Test mehr machen, denn wer 4 Termin auf den Tag legt wo er eigentlich zur Diagnostik sollte, der hat doch schon volle Punktzahl erreicht :lol:

Also alles was du so schreibst und auch die Grafik das klingt schon sehr nach ADHS. Du kannst ja auch noch mal neu die Online Tests https://www.adxs.org/adhs-onlinetest-umfragen/ machen.

Dadurch das du erst krank warst und nun dirket im Homeoffice gelandet bist , hast du das Glück mal in Ruhe und mit Abstand deine Situation anschauen zu können.

Das ist genau das was so einige in den BurnOut trieb und wenn du da ganz ausgeknockt gelandet bist ist es keine einfacher Weg wieder zurück ins Leben zu finden.

Im Grunde genommen hast du bevor die Notbremse von deinem System kam noch alles wieder verlangsamen können.

Wenn du einen guten Arzt hast und du noch Zeit für dich benötigst dann lass dich nach der Coronazeit vielleicht noch etwas krankschreiben.

Du hast schon viel wichtiges an dir erkannt, bringst also eine gute Basis mit wenn du nach der offiziellen Diagnose evtl auch Medikamente testen kannst oder dich Psychotherapeutisch begleiten lässt.

Wende dich doch mal an deine Krankenkasse , vielleicht haben die auch ein Onlineangebot was dich unterstützen kann. Meine bietet z.B auch eine kostenlosen ZUgang zu einer Achtsamkeits App an
Es gibt auch Online Coachings im Bezug zu ADHS.

Ein andere Möglichkeit ist vielleicht dort wo die Testung stattfinden sollte, ob du da nicht alles postalisch und über Chatten was machen kannst.
es geht ja auch darum das du arbeitsfähig bleiben möchtest und da könnte eine Diagnose sicherlich bei helfen.

Was könntest du ansonsten tun?

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  • Beobachte und reflektiere dich weiterhin
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  • Tausche dich in den Foren aus
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  • Informiere dich auf verschiedenen Wegen über ADHS
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  • Schau mal ob du im Bezug zu Sublementen schon was machen kannst oder ein Blutbild machst(D3, Omega 3)
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  • Schau mal ob es im Bezug zu Entspannung/Achtsamkeit ein App gibt die dich anspricht
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  • Informiere dich wo du selbst schon was ändern kannst
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    Du hast aktuell durch Corona echt ne super Chance bekommen in ruhigeren Fahrwassern nach einer Lösung für dich suchen zu können . :slight_smile:

    Ich wünsche dir ganz viel Glück und würde mich freuen hier über deinen weiteren Werdegang was zu lesen, da können wir alle auch immer wieder von lernen

    Schade, dass dee Termin ausfällt - aber sie müssen dir doch einen neuen genannt haben??

    Ja geht und hier auch so, Eltern und Kinder sind glücklich über die reizarme Zeit weitgehend ohne genaue Termine… der Weg zur Arbeit ist für mich schon immer ein ziemlicher Nerv-Faktor und für die Kinder sind das Durcheinander, dass in ihren Klassen herrscht auch sehr anstrengend.

    Die einzigen Termine sind für die Eltern Team-Telkos und das online Ferienprogramm für die Kinder, dass an Arbeitstagen von 09-11 Uhr die Kinder bespaßt jetzt in den Ferien. Diese Bespaßung der Kinder per Skype hat sie beim ersten Mal fix und fertig gemacht, aber dann haben sie sich erstens dran gewöhnt und zweitens kennen sie jetzt schon den Erzieher und die anderen 4 teilnehmenden Kinder…

    Ja ich hab ihn verschoben, da ich erst Erkältungssymptome hatte und dann selbst freiwillig 14 Tage in Quarantäne gegangen bin - wurde nicht getestet, will aber niemanden anstecken. Wird jetzt Ende Juni. Also mal schauen. Ich kriegs halt auch nicht so auf die Reihe…

    Ich bin ja weiterhin verpeilt, aber die reizarme Umgebung tut mir merklich gut.

    Ich merke gerade selbst, dass ich meinen Jobwechselwunsch falsch angegangen bin. Jetzt ist ja schwierig man weiß ja nicht, ob doch noch Kurzarbeit oder Jobverlust kommt, aber es liegt wohl wirklich nicht an den Aufgaben, es liegt an der Umgebung - zu viel von allem… Vom Gefühl her…

    Das wird schon mit ein Hauptfaktor sein
    und dann gibt es halt die Option von Jobwechsel oder ob du mit dem ADHS-Wissen und ggf. Medikation bei deinem jetzigen Arbeitsplatz doch eine Möglichkeit finden wirst weiter klarzukommen.
    Vielleicht könntest du ja um Homeofficetage bitten oder doch noch ne „Abstellkammer“ bekommen.
    Fakt ist auch das man mit ADHS immer denkt es sind zu viele Aufgaben, alles ist zu viel aber es kann auch daran liegen weil man es nicht selektieren kann.
    Also dieses Nein sagen / selektieren von Aufgaben wird bei jedem neuen Arbeitsplatz eine Notwendigkeit sein, das irgendwie zu schaffen.
    Das ist aber schon ein „Königsdisziplin“ an der ich immer noch am arbeiten bin :? :roll: :wink:

    Ehrlich gesagt war das auch mein Plan, nach Homeofficetagen zu fragen dauerhaft.

    Also ich find nicht unbedingt die Aufgaben viel, eher diese spontanen Anfragen und Ablenkungen und ja das gibts sicher überall. Ich komm mit allem in Kombi tatsächlich oft raus oder kann dann auch nicht mehr filtern. Nein sagen und Filtern das ist auch mein Problem.

    Gleichzeitig kann ich aber auch manches total schnell erledigen…

    Hm, ich han heute noch ein Vorstellungsgespräch aus meiner Vor-Corona-Bewerbungsphase. Persönlich auch noch mit Abstand und allem. Da haben sie vorgesorgt.

    Und ich glaube inzwischen, das ist so gar nicht meins.
    Offensichtlich kein HO. Hoff aber Einzelbüro. Und denk das sind mehr so erledige nach Vorgaben.

    Geh aber mal hin, solang die tatsächlich Abstand halten. Man kann sich ja täuschen und evtl. brauch ichs ja, falls ich doch noch den Job verliere. Man hat ja nicht immer ne Auswahl…

    Im Nachinein weiß ich nicht, ob Terminverschiebung so klug war. Ok war krank, dann hieß es nicht unbedingt erforderliche Arzttermine verschieben. Hab ich gemacht. Vielleicht hab ich auch n bisschen Angst vor der Diagnose. Warum auch immer.