Schlafmangel und Medikamente

Hallo zusammen,

Wie geht ihr mit eurer ADHS-Medikation an Tagen um, an denen ihr wenig oder gar nicht geschlafen habt? Passt ihr die Dosierung an, und wenn ja, erhöht ihr sie oder reduziert ihr sie?

Meine Erfahrung: Wenn ich kaum geschlafen habe, verursacht meine übliche Medikamentendosis Herzrasen und ein unangenehmes Gefühl - fast so, als hätte ich viel zu viel Kaffee getrunken. In diesem Zustand wirkt das Medikament nicht positiv auf mich.

Meine Theorie: Ich vermute, dass das Nervensystem bei Schlafmangel sensibler reagiert und/oder das Gleichgewicht zwischen Dopamin und Norepinephrin gestört ist. Der Körper ballert mehr Nordrenalin raus, um uns wach zu halten. Gleichzeitig ist durch den Schlafmangel weniger Dopamin da. Dies könnte bedeuten, dass man entweder die Medikation auslassen oder nur eine niedrige Dosierung einnehmen sollte?

Aber: Interessanterweise gibt es Studien, die zeigen, dass nach einer schlaflosen Nacht sogar mehr Dopamin im Gehirn vorhanden ist (Quelle).
Das erklärt warum die Medikamente an manchen Tagen mit wenig Schlaf dann doch gut funktionieren.

Wissenschaftliche Fakten am Rande:

  • Dopamin hilft, die Produktion von Melatonin zu stoppen, sodass wir uns morgens wach fühlen (Quelle). Deshalb fühlt man sich nach einer schlechten Nacht manchmal sogar wacher als sonst.

Auch interessant:

When dopamine then interacts with its receptors, it inhibits the effects of norepinephrine—which means a decrease in the production and release of melatonin. Interestingly, the researchers found that these dopamine receptors only appear in the pineal gland towards the end of the night, as the dark period closes. Therefore, the researchers conclude, the formation of these heteromers is an effective mechanism to stop melatonin production when the day begins and to ‚wake up‘ the brain.

Heißt für uns:
Kein Dopamin vorm Aufwachen, kein Melatonin Abbau, müdes Erwachen.
Deshalb nehmen wohl so viele Stimulanzien auch zum Einschlafen ein i guess.

Dann könnte man sich natürlich auch fragen, wie man das Aufstehen positiver gestaltet, wenn man nicht gerade direkt Medikamente einwerfen will.
Es muss also Spaß machen aufzustehen, damit der Dopaminkick kommt, der uns wach macht. :face_in_clouds:

Fragen zur Diskussion:

  • Wie sind eure Erfahrungen mit ADHS-Medikamenten und Schlafmangel?
  • Habt ihr ähnliche oder unterschiedliche Reaktionen beobachtet?
  • Passt ihr eure Dosis an solchen Tagen an?

Manchmal nehme ich nichts wenn ich zu wenig geschlafen habe , oder erst nur unretardiertes um die Wirkung zu prüfen , oder ich nehme was mit auf die Arbeit und nehme aus dem Gefühl heraus später was oder nichts.

Bin auch grad dabei, mich da ran zu tasten.
Werde mit 18-20 mg Elvanse erst sehr spät müde, eigentlich wie vor der Diagnose, und leide daher öfter unter Schlafmangel.

Habe festgestellt, dass sich ausreichend Schlaf echt deutlich positiv auswirkt surprise :nerd_face: Elvanse wirkt dann einfach genau wie es sollte.
Bei Schlafmangel wiederum habe ich es ein paar mal mit meiner Standard-Dosis plus ein, zwei Tassen Kaffee probiert (nach der Eindosierung).
Das ging erst gut, aber beim 4. Mal hatte ich den bisher schlimmsten Tag auf Medis.
War komplett angespannt, unruhig, nervös, rauschender Kopf, überemotional und hab geheult, als ich abends zuhause war.

Fazit: kein Koffein mehr für mich während der Wirkdauer :sweat_smile:.

Dosis hochschrauben nach schlechten Nächten klappt auch nur bedingt. Hat sonst nen ähnlichen Effekt bei mir, wie oben beschrieben mit dem Koffein.
Die Medis funktionieren halt nicht wie Schmerzmittel, viel hilft leider nicht immer viel.

Das ist oft ein richtiger Teufelskreis finde ich. Stimulanzien sind halt auch Weckamine.

Weniger Schlaf, mehr Medis usw.

Aber ich finde auch, die Wirkung funktioniert nur „richtig“, wenn ich genug geschlafen habe.