Hallo liebe Community,
es geht um eine Schlafproblematik bei ADHS vom unaufmerksamen Typ beziehungsweise ADS. Ich bin seit einigen Wochen auf Kinecteen eingestellt. Zuvor war ich auf Medikinet in ähnlicher Dosierung. Die Umstellung erfolgte, weil meine Fachärztin der Meinung war, ein länger und gleichmäßiger anhaltender Wirkspiegel – auch etwas in die Nacht hinein – könnte insgesamt günstiger sein. Kinecteen wirkt ja bekanntlich sehr lange, bei mir über etwa 12 Stunden. Aktuell nehme ich 54 mg, könnte aber auch auf 36 mg gehen.
Das zentrale Thema sind Schlafprobleme, und zwar sowohl beim Einschlafen als auch beim Durchschlafen.
Beim Einschlafen tritt gelegentlich ein Exploding-Head-Syndrom auf, allerdings nicht als Hauptsymptomatik, sondern nur zeitweise. Hauptsächlich geht es um das klassische Problem, überhaupt zur Ruhe zu kommen. Ich bin extrem störanfällig gegenüber Umgebungsvariablen: vor allem Geräuschen, aber auch Licht, Körperwahrnehmungen und natürlich Gedanken, die sich in den Vordergrund drängen. Objektiv mögen diese Gedanken oft keinen besonders hohen Stellenwert haben, subjektiv sind sie aber stark aktivierend.
Die zweite Komponente ist das Durchschlafen. Ich wache häufig nach vier bis sechs Stunden auf. Mein Ziel wäre dagegen, wirklich so lange zu schlafen, bis der Körper von selbst ausgeschlafen ist – idealerweise acht oder vielleicht sogar neun Stunden. Also: Nach sieben Stunden noch einmal problemlos umdrehen und weitere zwei Stunden schlafen können. Genau das funktioniert bei mir derzeit praktisch nie.
Ich habe in der Vergangenheit Trimipramin, Amitriptylin und Zopiclon ausprobiert. Bei mir scheint die Schlafstörung stark mit Hyperarousal zusammenzuhängen: Nach vier bis sechs Stunden wache ich mit einer gewissen inneren Erregung auf. Dabei drängen sich Gedanken auf, teils besteht aber auch einfach eine generelle körperliche Wachheit bei gleichzeitiger deutlicher Unausschlafenheit. Ich merke, dass weiterer Schlaf nötig wäre, aber die Wachheit lässt sich nicht mehr verdrängen. Das berühmte „einfach noch einmal umdrehen“ ist dann nicht möglich. Auch dann besteht die hohe Sensibilität für Geräusche und sonstige Umgebungsreize, die andere vermutlich kaum bemerken oder zumindest nicht als relevant erleben würden.
Aktuell nehme ich Quviviq. Niedrig dosiertes Amitriptylin wurde zuletzt abgesetzt; ich hatte vier bis zwölf Milligramm als Tropfen titriert. Quviviq wurde ungefähr zeitgleich mit der Umstellung auf Kinecteen verordnet. In den ersten vier oder fünf Tagen hatte Quviviq bei 50 mg eine fulminante Wirkung: deutliche Somnolenz etwa eine Stunde nach Einnahme und sehr guter Schlaf. Diese Wirkung hat sich leider rasch relativiert. Inzwischen ist kaum noch etwas davon zu spüren; manchmal frage ich mich sogar, ob ich die Tablette schon genommen habe oder nicht. Der zunächst sehr gute Schlaf ließ ebenfalls nach. Natürlich ist schwer zu beurteilen, welche Rolle die parallele Umstellung auf Kinecteen und dessen längerfristige Einspielung dabei spielen.
Der aus meiner Sicht wichtigste Punkt ist aber: Nach allem, was ich bisher beobachtet und analysiert habe, ist eine innere Unruhe beziehungsweise Aufgeregtheit ein wesentlicher Treiber meiner Schlafstörung. Daher wundert es mich nicht, dass Zopiclon bei mir praktisch der Goldstandard ist. Eine Tablette mit 7,5 mg garantiert mir – sofern keine außergewöhnlichen Umstände dagegen sprechen – mit etwa 99-prozentiger Sicherheit acht Stunden ununterbrochenen Schlaf. Am nächsten Morgen wache ich erholt und ohne Hangover auf. Teilweise reichen sogar 3,75 mg.
Natürlich ist mir klar, dass Zopiclon keine dauerhafte Lösung ist. Ich hatte zeitweise einen Modus mit 3,75 mg alle drei Nächte. Das war leidlich praktikabel, weil ich wenigstens wusste: Alle drei Nächte habe ich zuverlässig eine gute Nacht. Meine Fachärztin ist verständlicherweise nur begrenzt begeistert, da Zopiclon eben eine Z-Substanz mit Gewöhnungs- und Abhängigkeitspotenzial ist. Leitlinien sehen Benzodiazepin-Rezeptoragonisten wie Zopiclon im Regelfall nur für eine kurzfristige Behandlung vor.[register.awmf][dgsm]
Für mich ist allerdings wichtig: Die über GABA-Rezeptoren vermittelte zentrale Dämpfung scheint genau das zu sein, was mein Körper braucht, um herunterzufahren. Die Wirkung ist über viele Wochen und Monate zuverlässig geblieben. Die Wirksamkeit steht für mich deshalb nicht infrage; problematisch sind allein Gewöhnung, Abhängigkeit und die Frage einer langfristig vertretbaren Strategie.
Quviviq scheint mir bislang keine wirkliche Dauerlösung zu sein, weil es diese innere nervöse Aktivierung nicht ausreichend abfängt. Orexin-Rezeptor-Antagonisten können bei Insomnie wirksam sein, aber die aktuelle deutsche S3-Leitlinie empfiehlt eine Langzeitbehandlung über ein Jahr hinaus ausdrücklich nicht; die Evidenz zur langfristigen Anwendung wird als noch unzureichend bewertet.[register.awmf]
Amitriptylin war ebenfalls nicht ideal: Erst beim Absetzen habe ich gemerkt, wie sehr die Libido schleichend beeinträchtigt gewesen war. Trimipramin war wegen einer möglichen QT-Problematik ebenfalls nicht unproblematisch.
Daher meine Frage an euch: Hat jemand Erfahrungen mit Substanzen oder Strategien, die dem Effekt von Zopiclon bei innerer Unruhe, Hyperarousal und nächtlichem Wiederaufwachen nahekommen, aber ein deutlich geringeres Risiko für Gewöhnung und Abhängigkeit haben? Ich suche nicht primär etwas, das mich „künstlich einschläfert“, sondern etwas, das diese nervöse Übererregung ausreichend dämpft. Mein Eindruck ist nämlich: Das eigentliche Schlafsystem funktioniert bei mir grundsätzlich – nur die Wach- und Alarmbereitschaft lässt mich nicht in Ruhe schlafen.