Hey zusammen,
Mir ist bewusst dass das hier ein Forum über ADHS und keine Rechtsberatung ist, aber ich weiß momentan nicht wirklich weiter. Ich bin Schüler der 11. Klasse in der MSS auf einem „inklusivem“ (sehr ironisch) Gymnasium in RLP und habe erst seit ein paar Jahren meine ADHS Diagnose, habe aber nie einen Nachteilsausgleich beantragt, was sich geändert hat nachdem ich von einem Freund wusste, dass er auch einen (bzw. eine Zeitverlängerung) wegen ADHS bekommt und nachdem ich jedes Mal Stress bei Klausuren und HÜs (Hausaufgabenüberprüfungen / Tests) hatte, schon mein Leben lang, und nachdem ich immer öfter bemerkt habe dass Mitschüler teilweise 6-7 Seiten in Schönschrift schreiben, während ich gerade noch so 4 mit fast unlesbarer Schrift und unter wiederholtem Stress schaffe. Zuerst gab es gar keine Begründung zur Ablehnung einer Zeitverlängerung im Beschluss der Kurslehrerkonferenz, Erst 2-3 Monate nach dem Einreichen der ausführlichen Widerspruch in dem auch eine Akteneinsicht in die Protokolle der Konferenz gefordert wurde (welche ignoriert wurde) bekamen wir eine einseitige Antwort bzw. Ablehnung mit der Begründung „ich gebe laut den Beobachtungen der Lehrer immer rechtzeitig fertig“, was nicht nur eine völlig sinnfreie Begründung ist (da man ja schwer länger schreiben kann), sondern auch noch völlig falsche Behauptung ist. Später wurde der Widerspruch auf diese Ablehnung dann auch von der ADD (Schulaufsichtsbehörde in RLP) mit einem 10-seitigen Schreiben abgelehnt mit zitierten Gerichtsurteilen aus anderen Bundesländern, der rechtlichen Tatsache dass ADHS selbst kein „ausgleichsfähiges Dauerleiden“ darstellt und dass ADHS nicht heilbar ist und daher von Anfang an die persönliche geistige Leistungsfähigkeit prägt. Außerdem stützen sie ihre Ablehnung auf angeblichen nicht protokollierten „übereinstimmigen“ Beobachten der Lehrkräfte dass ich sogar die Zeit bei Klausuren/Arbeiten seit langem regelmäßig oft nicht vollständig ausschöpfe/nutzen würde (wodurch ich dann Anforderungen umgehen würde, statt dass eine Chancengleichheit geschaffen wird), was schlichtweg falsch bzw. eine komplette dreiste Lüge ist und selbst wenn es stimmen würde, sagt das nichts darüber aus wie ich mich während der Klausur gefühlt habe oder wie gestresst ich war. Und das obwohl viele Lehrer sich selbst über mein unlesbares Schriftbild bei mir beschweren, vor allem gegen Ende der Klausuren (woran könnte das wohl liegen?). Die noch unbekannten Kosten des ADD Verfahrens - von denen nie eine Rede war und auf die nie hingewiesen wurde und es auch nie so gewirkt hat als ob es Kosten gäbe - sollen wir jetzt auch noch übernehmen. Die Schreiben kamen größtenteils von mir, wurden aber von meinen Eltern unterschrieben und häufig aus der Sicht meiner Eltern geschrieben, um die Rechtmäßigkeit zu sichern. Der einzigste zugesicherte Nachteilsausgleich, der gewährt wurde („ein separater Raum“), bringt mir nicht wirklich viel, da ich grundsätzlich mit dem Umfeld bei Klausuren keine Probleme habe, auch weil selbstverständlich niemand redet oder sonstige Ablenkungen/Unruhestiftungen stattfinden.
Jetzt habe ich die Situation das beginnend nächsten Montag schon die nächste stressige Klausurenphase beginnt wobei in den nächsten 2 Wochen schon 3 zeitaufwändige Klausuren geschrieben werden, was auch nicht gerade toll ist, da das Nachschreiben nachdem ich sie schonmal geschrieben habe wahrscheinlich unmöglich wäre, d.h. ich könnte schon wieder meine eigentliche Leistung „zu Blatt“ bringen…
Ich werde in ca. 2-3 Wochen bei meiner Psychotherapeuten auch noch den WISC-V Intelligenztest inkl. Feststellung der Verarbeitungsgeschwindigkeit durchführen, da ich bis jetzt auch bei meiner Diagnose noch nie einen gemacht habe. Dieser könnte dann eventuell noch eine Diskrepanz zwischen Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit objektiv beweisen und die falschen Aussagen der Lehrer könnten bspw. durch Zeugenaussagen meiner Eltern (nachdem ich bei ihnen häufig über mangelnde Zeit nach den Klausuren berichte) falsifiziert werden. Ein Schreiben von meinem Psychiater mit Stellungnahme wäre wahrscheinlich auch hilfreich. Dann könnte entweder ein erneuter Antrag zum Nachteilsausgleich bei der Schule von vorn gestellt werden oder (falls alles innerhalb eines Monats geschieht) Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht werden, was ohne Anwalt aber wahrscheinlich schwierig wäre bzw. der Erfolg unklar und damit ein weiteres Kostenrisiko.
Hier habe ich euch auch nochmal alle Dokumente anonym und mit geschwärzten personenbezogenen Daten zum Nachlesen (falls jemand Ahnung, Zeit oder Interesse hat) hochgeladen: https://gofile.io/d/cYcZ8s
Was meint ihr was ich noch machen könnte oder kennt ihr jemanden der Ahnung von Schulrecht und Verwaltungsrecht hat? Meiner Meinung nach sind die Entscheidungen definitiv nicht gerecht und ich fühle mich ungerecht behandelt - von der Schule und der ADD (bei der es sich so anfühlt als ob diese eher gute Drähte zu der Schule und Schulleitung hat und deshalb nicht komplett neutral agiert). Und gerade hin zum Abitur will ich auf jeden Fall bis dahin eine Zeitverlängerung haben.
Entschuldigt den sehr langen und ausführlichen Post, aber ich weiß momentan nicht wirklich weiter. Wart ihr oder falls ihr Kinder habt eines eurer eigenen Kinder schon Mal in so einer Situation bei der sich die Schule und Behörde querstellen?
Viele Grüße!