Da bin ich jetzt tatsächlich beruhigter 
Ich mache in Sachen Diagnostiktermin auch keinen Druck. Ich weiß ja, wie lang sowas dauert.
Meine Sorge betrifft am Ende eher, dass man immer an mäßig geschulte „Fachkräfte“ geraten kann und man dann darauf angewiesen ist, selber gut informiert zu sein.
Daher auch meine andauernden Hinweise auf die Fragebögen.
Ich meinte übrigens tatsächlich, dass du deine Tochter selber solche Fragen beantworten lässt.
Das gemeine am Masking ist, dass es auch in der Familie stattfinden kann. Wenn ich mein Kind nicht selber die Fragen hätte ausfüllen lassen, wäre das alles nie im Leben rausgekommen.
Wie sieht es denn inzwischen mit ihrer Selbstwahrnehmung und Einschätzung der Lage aus? Kann sie dir schon etwas genauer sagen, was in der Schule so viel Energie zieht?
Unserer Tochter hat es geholfen, diesbezüglich mal die Vorschläge für Nachteilsausgleiche lesen zu können. Dabei ist ihr dann aufgefallen, wo sie tatsächlich mehr kämpfen muss als andere.
Letztlich bin ich natürlich erstmal froh, dass sie von der Schule positiv berichtet! Ich gehe auch davon aus, dass du vor Ort am besten erkennen kannst, wie es ihr geht und ob euer Weg gerade der richtige ist.
Für meine Tochter hätte diese Art Druck und Struktur von außen nie und nimmer funktioniert. Wenn deine Tochter gerade diese Art der Unterstützung braucht und ihr das hilft, dann merkst du das ja.
Lass dich trotzdem nicht auf Tipps ein, die auf Härte und Fremdbstimmung setzen. Also wie das die Ärztin gesagt hatte. Alles, was in die Richtung „Da muss man halt durch, das Leben ist kein Ponyhof, da muss man sich halt mal anstrengen, andere schaffen das auch, ist doch nicht so schlimm, wir alle müssen, auch wenn wir mal nicht wollen…“ geht, kann mehr Schaden anrichten als es nutzt.
Klar, manchmal muss man irgendwo durch. Das wissen und verstehen die meisten schon von selber. Wichtig ist hierbei aber immer, dass man sich verstanden und unterstützt fühlt. Genau dieser Punkt wird bei den oben genannten Tipps oder Sprüchen oft nicht vermittelt. Es kommt eben immer darauf an, wie man es sagt.
Oft wissen die Betroffenen es, ihnen fehlt aber das Handwerkszeug, diesem Anspruch auch gerecht zu werden.
Es ist gut, dass ihr nach diesem Handwerkszeug sucht und die Diagnostik ist definitiv der richtige Weg. Schaut, dass ihr eure Tochter dabei immer so gut wie es geht einbezieht. Also eben auch selber Fragen beantworten lassen, gemeinsam Aufklärungsvideos schauen etc.
So kann sie selbst besser einschätzen lernen, was auf sie zutrifft. Sollte sie wirklich viel maskieren, wird sie das in Teilen überhaupt nicht bemerken.
Viele hier haben diese Erfahrung auch gemacht. Demaskieren braucht Zeit und man muss erstmal erkennen, was überhaupt alles dazu gehört.
Je eher man das lernt, desto besser.
So kann man im Zweifelsfalle auch selber die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose einschätzen. Heißt, auch selber eine eventuelle Fehldiagnose verhindern.
Meine Tochter sollte z.B. Zwänge diagnostiziert bekommen bzw. wurde ihr und uns angedichtet, ich als Mutter sei das Problem. Hätten wir uns nicht vorher schon gemeinsam informiert, hätte sie das nicht so vehement und informiert von sich weisen können.
Meine Tipps und Hinweise sind sicherlich aus negativen Erfahrungen mit Fachkräften geprägt. Mir ist es daher aber sehr wichtig, euch darin zu bestärken, selber informiert zu sein. Wenn ihr schon den Weg der Diagnostik geht, dann sollt ihr auch erkennen können, wenn was in die falsche Richtung läuft. Sozusagen als Fundament für das so wichtige Bauchgefühl und den mütterlichen/elterlichen Instinkt.