Schulverweigerung 2.0

Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten. Ich habe mit dem schulpsychologischen Dienst telefoniert und die sagten Ähnliches wie du. Sie sollte dringend die Woche vor den Ferien hingehen, damit es danach nicht schlimmer wird. Sie hat drei Arbeiten nachgeschrieben und auch wiederbekommen. Natürlich nicht sonderlich gut, aber ihr war das komischerweise egal. Die Lehrer haben tolle Kommentare darunter geschrieben, in denen sie betont haben, dass sie immer für sie ansprechbar sind und sie eine Bereicherng für den Unterricht ist.

Nachdem wir rausgefunden haben, dass es sich nicht um Mobbing, schlechte Noten oder doofe Mitschüler handelte, war mein Hinbringen sehr Ernst. Und auch nur damit funktioniert es: Stoische Ansagen am Morgen, Kopfhörer mit Hörspiel und positive Verstärkung. Keine Diskussionen mehr meinerseits am Morgen.

Die unentschuldigten Stunden werden in schlechte mündliche Noten umgerechnet und stehen auch auf dem Zeugnis.

Jetzt ist erst einmal frei und wir genießen die Zeit alle zusammen.

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Genau. Das machen wir hier auch. Schöne Ferien!

Ich hab grad mal meine Tochter um eine Einschätzung gebeten. Sie ist ja selbst Betroffene.

Aus ihrer Sicht ist ein Alarmzeichen, dass deiner Tochter die schlechten Noten angeblich egal sind. Sie sagt, dass dem wohl eher nicht so sein wird. Deine Tochter ist wahrscheinlich nur hilflos und redet sich ein, dass es ihr egal sei, um sich zu schützen.
Passt bitte auf, dass sich daraus nicht noch mehr entwickelt als nur Schulverweigerung. Laut der Einschätzung meiner Tochter lernt deine Tochter schlimmstenfalls gerade, dass ihre Empfindungen egal sind. Sie geht jetzt zur Schule, weil sie muss. Die Gefahr besteht aber, dass sie innerlich abschaltet und nur noch ihre Zeit absitzt. Wenn sich das verfestigt, ist sie nicht mehr lange auf dem Gymnasium.

Das ist eine eher pessimistische Einschätzung der Sachlage.
Was helfen würde wäre, wenn über die Ursachen der Schulverweigerung mehr bekannt wäre.
Wie ist die Kommunikation zwischen dir und deiner Tochter in der Zwischenzeit gelaufen? Habt ihr euch mal gemeinsam Tests und Fragebögen zum Maskieren angesehen?
Ich persönlich würde die Lage positiver einschätzen wenn ich wüsste, wie ihr über die Thematik sprecht. Ein Kind kann durchaus Gehorsam zeigen, aber trotzdem nicht ok sein.

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Hey,

ich wollte mit meinem Post niemanden beunruhigen. Ich bin mit meiner Tochter gut im Gespräch. Ihr fällt es nur noch schwer aufzustehen und den Weg alleine zu schaffen und nicht zu meckern. In der Schule ist alles super und sie erzählt witzige Sachen aus der Schule. Sie braucht dann nur einer lange Pause zur Regeneration und hat natürlich keine Lust auf Hausaufgaben. Den Fragebogen zum Masking habe ich mir angeschaut, aber die Fragen bringe ich überhaupt nicht mit ihr in Verbindung.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass da mehr kommt, wenn wir uns der Probleme nicht annehmen, aber im Moment geht es einfach nicht schneller. Ich kenne das von meinem Sohn. Da wäre es echt hilfreich gewesen, wenn wir schneller Medikamente bekommen hätten. Ich bin froh, dass ich so fix die Termine zur Diagnostik bekommen habe und das jetzt anläuft.

Ich habe den ADHS-Ratgeber meines Sohnes rausgekramt und wende die Tipps auch bei ihr an: mehr Struktur, mehr Lob und Exklusiv-Zeit.

Über Noten hat sie sich noch nie einen Kopf gemacht, weil sie bei uns selten Thema sind. Außer wenn es um Zeugnisgeld von Omma geht.

Mein Sohn hatte auch viele Ängste und auch Zwänge und die haben sich nach Medikamentengabe nach und nach gebessert. Die Verhaltenstherapie hat tatsächlich wenig dazu beigetragen.

Ich hoffe, ich kann dich da etwas beruhigen: Wir haben hier kein Häufchen Elend, sondern einen willensstarken Wirbelwind, der rege am Sozialleben teilnimmt und sich auf den Ferienspaß freut.

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Du musst die Frage nicht hier beantworten und vielleicht ist das auch gar nicht relevant, aber mir ist diese Frage beim Lesen deiner Beiträge durch den Kopf geschossen.

Gibt es Hinweise auf eine Depression? Könnte sowas nicht auch Ursache für die Schwierigkeiten deiner Tochter sein? Gerade im Kindes- und Jugendalter kann so etwas leicht übersehen werden.

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr bald die Richtige Unterstützung in welcher Form auch immer findet.

Alles Gute dir und deiner Tochter.

Da bin ich jetzt tatsächlich beruhigter :wink:

Ich mache in Sachen Diagnostiktermin auch keinen Druck. Ich weiß ja, wie lang sowas dauert.

Meine Sorge betrifft am Ende eher, dass man immer an mäßig geschulte „Fachkräfte“ geraten kann und man dann darauf angewiesen ist, selber gut informiert zu sein.
Daher auch meine andauernden Hinweise auf die Fragebögen.

Ich meinte übrigens tatsächlich, dass du deine Tochter selber solche Fragen beantworten lässt.
Das gemeine am Masking ist, dass es auch in der Familie stattfinden kann. Wenn ich mein Kind nicht selber die Fragen hätte ausfüllen lassen, wäre das alles nie im Leben rausgekommen.

Wie sieht es denn inzwischen mit ihrer Selbstwahrnehmung und Einschätzung der Lage aus? Kann sie dir schon etwas genauer sagen, was in der Schule so viel Energie zieht?
Unserer Tochter hat es geholfen, diesbezüglich mal die Vorschläge für Nachteilsausgleiche lesen zu können. Dabei ist ihr dann aufgefallen, wo sie tatsächlich mehr kämpfen muss als andere.

Letztlich bin ich natürlich erstmal froh, dass sie von der Schule positiv berichtet! Ich gehe auch davon aus, dass du vor Ort am besten erkennen kannst, wie es ihr geht und ob euer Weg gerade der richtige ist.
Für meine Tochter hätte diese Art Druck und Struktur von außen nie und nimmer funktioniert. Wenn deine Tochter gerade diese Art der Unterstützung braucht und ihr das hilft, dann merkst du das ja.

Lass dich trotzdem nicht auf Tipps ein, die auf Härte und Fremdbstimmung setzen. Also wie das die Ärztin gesagt hatte. Alles, was in die Richtung „Da muss man halt durch, das Leben ist kein Ponyhof, da muss man sich halt mal anstrengen, andere schaffen das auch, ist doch nicht so schlimm, wir alle müssen, auch wenn wir mal nicht wollen…“ geht, kann mehr Schaden anrichten als es nutzt.
Klar, manchmal muss man irgendwo durch. Das wissen und verstehen die meisten schon von selber. Wichtig ist hierbei aber immer, dass man sich verstanden und unterstützt fühlt. Genau dieser Punkt wird bei den oben genannten Tipps oder Sprüchen oft nicht vermittelt. Es kommt eben immer darauf an, wie man es sagt.
Oft wissen die Betroffenen es, ihnen fehlt aber das Handwerkszeug, diesem Anspruch auch gerecht zu werden.

Es ist gut, dass ihr nach diesem Handwerkszeug sucht und die Diagnostik ist definitiv der richtige Weg. Schaut, dass ihr eure Tochter dabei immer so gut wie es geht einbezieht. Also eben auch selber Fragen beantworten lassen, gemeinsam Aufklärungsvideos schauen etc.
So kann sie selbst besser einschätzen lernen, was auf sie zutrifft. Sollte sie wirklich viel maskieren, wird sie das in Teilen überhaupt nicht bemerken.
Viele hier haben diese Erfahrung auch gemacht. Demaskieren braucht Zeit und man muss erstmal erkennen, was überhaupt alles dazu gehört.
Je eher man das lernt, desto besser.
So kann man im Zweifelsfalle auch selber die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose einschätzen. Heißt, auch selber eine eventuelle Fehldiagnose verhindern.
Meine Tochter sollte z.B. Zwänge diagnostiziert bekommen bzw. wurde ihr und uns angedichtet, ich als Mutter sei das Problem. Hätten wir uns nicht vorher schon gemeinsam informiert, hätte sie das nicht so vehement und informiert von sich weisen können.

Meine Tipps und Hinweise sind sicherlich aus negativen Erfahrungen mit Fachkräften geprägt. Mir ist es daher aber sehr wichtig, euch darin zu bestärken, selber informiert zu sein. Wenn ihr schon den Weg der Diagnostik geht, dann sollt ihr auch erkennen können, wenn was in die falsche Richtung läuft. Sozusagen als Fundament für das so wichtige Bauchgefühl und den mütterlichen/elterlichen Instinkt.

@R2D2
Naja, für mich sind es Teenagerallüren und ich muss sagen, die nerven mich auch mal. Ich bin da so, dass ich das ehrlich sage. Ich bin da ehrlich und sehe das als gemeinsames reifen, wo ich BEIDEN Seiten zugestehe supergenervt zu sein. So ein wütender, grantiger Teenie kann nämlich die ganze Famile auch mal ziemlich aufwühlen…

Ansonsten:
Ich bin sehr diszipliniert, was Schulbesuch und Co angeht. Ich muss sagen, da habe ich seeeehr wenig Verständnis. Daher gibt’s hier oft Streit.
Ich habe da immer auch LEute aus meiner Familie vor Augen, die auch mal gern 5 gerade sein lassen… Ich bin Migränikerin und weiß, was das heißt, aber ich versuche echt alles, dass ich damit seeehr selten zu Hause bleibe. Nur wenn es echt gar nicht geht. Dank MEdikamenten geht aber echt viel und ich habe maximal 1-3 Fehltage dadurch in guten Jahren auch keinen.

Und ja, ich weiß, mein Kind ist nicht ich - aber „freie Tage“ zugestehen - sorry, mein Kind hat 15 Wochen frei im Jahr. So etwas geht nicht mal „nur so“. Da braucht es für mich mehr Gründe als „ich mag heute nicht in die Schule“ und mein Kind sagt ja selber, dass es halt oft einfach keine Lust hat… auch wenn ich weiß, dass Schule echt sehr anstrengend sein kann. Job ist das später aber leider auch oft - so ist unsere Gesellschaft nun mal…

Also meine Kinder haben 12 Wochen Ferien, plus 4 Tage übers Jahr.

Der 13jährige geht um 7 aus dem Haus und ist um 16 bzw einmal um 17 Uhr zurück.

Dazu hat er noch 2h Therapie/Woche und 2x Nachhilfe.

Ja, ich finde das für einen autistischen Jugendlichen extrem viel und ich finde, er hat auch ein Recht, da mal “krank” zu sein.

Mir ist wichtig, dass unser Sohn seine körperlichen und geistigen Belastungsgrenzen spürt, verbalisiert und dass er lernt, sie zu respektieren.

Ich gehe seit 15 krass über meine Grenzen. Aber ich sehe, wohin mich das gebracht hat und das will ich nicht für meine Kinder.

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Ich finde es auch den falschen Ansatz Stolz darauf zu sein wenn man sich durchbeisst , über seine Grenzen geht, funktioniert, sich anpasst bis zum Burn out.

Hab ich alles auch hinter mir. Bis wirklich gar nichts mehr ging :smiling_face_with_tear:

Die Kinder müssen unglaublich viel leisten. Da darf ein Pausentag mal sein. Ich denke, das können die Eltern am besten einschätzen.

Mein Sohn ist leider so überangepasst, dass er immer in die Schule will! Selbst wenn ich denke es sei zuviel und er könne mal Pause machen…

Er hat Angst was zu verpassen und Angst vor dem Nachholen des Stoffes.

Dafür machen wir dann eben ein sehr reduziertes Freizeitprogramm. Mit Wald und Natur und auch einfach Nichts.

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ok, aber ich rede hier wie gesagt von meinem neuronormalen(!) Sohn, der selber sagt, dass er keine Lust hat - er hat 22 Fehltage und davon maximal 10 echt krankheitsbedingt bisher. Sprich er hat bis jetzt etwa 1 Monat in Summe gefehlt - die Hälfte davon ohne wirklichen Grund.
Im übrigen hat er inzwischen in zwei Fächern aufgrund seiner Fehlzeiten eine Gefährdung eingefahren.
Da er keine (bekannten?) Probleme irgendeiner Art hat, außer Schulunlust fällt das unter „Teenagerallüren“ für mich.

Ich schrieb ja schon in meinem allerersten Posting, dass man da unterscheiden muss. Bei meinem Sohn ist es wirklich einfach unnötig mit den Fehlzeiten und mein Verständnis geht inzwischen gegen Null… Die LehrerInnen merken das ja auch und sprechen es inzwischen auch an.

Aus meiner Sicht braucht mein neuronormaler Sohn keinen „Pausentag“ ehrlich gesagt.
Bei meinem ADS-ler würde ich das noch einsehen, aber der hatte bisher genau einen Tag, wo ihm „schlecht war“, er in Wirklichkeit aber eine Auszeit brauchte - der hat echt sehr viel Druck und Stress, ist aber weit disziplinierter, was den Schulbesuch angeht.

Und in Ö haben meine Kinder in Summe ~15 Wochen frei, wenn ich alle schulautonomen Tage und Co zusammenzähle. 9 Wochen alleine in den Sommerferien, 1 Herbst, 2 Weihnachten, 1 Semesterferien, 1 Ostern plus diverse Tage, wo Schulen zu haben, ich aber arbeiten muss…

Da braucht mein Sohn echt nicht noch ~2 Wochen „Pause“ pro Semester oben drauf… wo er im übrigen nichts tut, außer versumpfen. Ich kann ja nicht an den Tagen auch noch daheim bleiben von der Arbeit und ihn bespaßen. Ich muss die 15 anderen Wochen stemmen!

Es würde uns helfen, wenn du von deinem neuronormalen Sohn schreibst, dass du grundlegend dann dazu einen Hinweis/Vermerk gibst. Neuronormale Vorschläge kennen wir alle unser Leben lang und wenn dann so ein neuronormaler Vorschlag ohne Hinweis dazu kommt fühlt man sich Mißverstanden und nicht ernst genommen. Wir gehen ja hier in einem ADHS Forum erstmal „pauschal“ davon aus , dass es sich um ein neurodivergentes Kind handelt.

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→ das war wohl nicht klar genug, wird mir klar…
Aber so an sich - prinzipiell habe ich hohe Erwartungen (alles was ich von mir selber erwarte…) daran arbeite ich.
Da muss ich auch beim ADS-ler immer ziemlich an mir arbeiten… An sich strengt mich das alles an, dass ich mich immer in diese ganzen „Befindlichkeiten“ (bitte jetzt nicht in die Waagschale werfen, einfach mal so, wie ich es ehrlich fühle!) meiner Kinder versetzen muss, muss ich gestehen… :see_no_evil_monkey:

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Ich finde, dass darf auch nervig und belastend bleiben , weil man ja trotzdem den Punkt erwischen muss wo es „nur“ der Teenager ist der grade einfach nur so zu Hause bleiben will. Außerdem würde ein Kind mit klar sichtbaren körperliche Probleme weswegen es plötzlich zu Hause bleiben muss ja auch belasten, weil man es organisatorisch auffangen muss.

Es ist ja selbst für mich alleine auch manchmal schwer abzuwägen wenn ich das Gefühl habe zu Hause bleiben zu wollen, ob es besser so ist oder ob die Überwindung im Nachgang für mich besser wäre.

Zugleich bedeutet jedes zu Hause bleiben als Entlastung zur gleichen Zeit eine Belastung , weil es ja kein Urlaub ist und keine freiwillige Entscheidung und auch schöne Sachen dann nicht mehr so gut möglich sind.

Das ist ja auch nicht so einfach nachzuvollziehen, wenn man als Mensch etwas kann , warum es dann ein anderer wiederum nicht auch einfach so kann.

Bei mir ist in der Hobbygruppe jemand mit ADHS, der immer sehr zu spät kommt . Für mich ist es nachvollziehbar das es so ist und bei ihm wohl für immer so sein wird. trotzdem versteh ich das genervt sein der anderen darüber ebenso. Denn selbst mit Verständnis stresst es uns ja trotzdem.

Genau so empfinde ich es. Mir gibt es echt eine ziemliche Befriedigung, wenn ich etwas erledigt habe - ich weiß, bei ADHS ist das schwieriger. Aber ich bin immer sehr froh, wenn ich mich überwinde. Auch Themen, die nie fertig werden - es ist dennoch immer irgendwie das Gefühl, dass etwas weg ist.
Wenn ich zu Hause bliebe, würde mich das schlechte Gewissen erdrücken.

Ich muss schon immer bei Krankheit abwägen, ob ich echt krank bin… Wenn ich ganz unsicher bin, lege ich einen Home Office Tag ein, aber das ist auch immer blöd. Insoferne am liebsten gehe ich in die Arbeit und bringe alles „hinter mich“.

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Geht mir auch so, ich kann mich unglaublich gut foltern. Ist schon irgendwie eine Ressource. Wichtig finde ich aber, das man dann trotzdem Lösungen findet, wie man das Leben ändert, damit es nicht immer wieder dazu kommt.

Also, es ist gut, wenn man mal was durchsteht, aber ich finde, Selbstachtung vor den eigenen Grenzen und Bedürfnissen ist langfristig noch wichtiger.

Schule habe ich immer durchgezogen, obwohl ich zeitweise ein völliges Wrack war. Im Nachhinein wünschte ich mir, mehr Selbstachtung gehabt zu haben, dass ich mich hätte anvertrauen können und mir Hilfe geholt hätte.

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Ich bin froh, dass du das jetzt aufgeklärt hast. Wie @Nelumba_Nucifera schon sagte, war das nicht klar und auch ich bin davon ausgegangen, dass es sich um das ADHS-Kind handelt. Da ist die Sachlage natürlich eine andere.

Ich persönlich bin damals trotz meiner Neurodivergenz (unerkannt natürlich) so ziemlich jeden Tag in die Schule gegangen, weil ich musste. Und ich habe das auch durchgestanden. Ich habe nur deshalb versucht zu schwänzen, weil ich meine Aufgaben nicht hatte oder nicht lernen konnte. Ich musste trotzdem hin und habe mich dann mit den schlechten Noten abgefunden. Auch nicht ideal, weil ich immer weit unter meinem Potenzial geblieben bin, aber ich habe Schule grundsätzlich ertragen können. Ich bin mit relativ viel Energie wieder zu Hause angekommen.
Für mich war es also grundsätzlich nicht falsch, mich in die Schule zu zwingen. Man hätte aber schauen müssen, warum meine Noten so schlecht sind und ich meine Materialien und Aufgaben nicht habe.

Das hätte man bei meiner Tochter übrigens auch machen müssen. Trotz 1er Durchschnitt hatte sie nämlich auch oft ihr Zeug nicht dabei. Das ist nur nicht aufgefallen, weil sie schnell reagieren, überspielen und vertuschen konnte. Die guten Noten sagten in diesem Fall überhaupt nichts aus. Sie blieb in gewissen Fächern ebenfalls unter ihren Möglichkeiten, was nicht auffiel, weil die Standards für sie zu niedrig waren. Das hat zumindest in den ersten Jahren für Unlust gesorgt, aber sie hatte den Anspruch, die perfekte Schülerin zu sein. Da passt Fehlen eigentlich nicht rein. Die Überlastung hat der Körper dann selbstständig angezeigt, ihr die Entscheidung abgenommen und sinnbildlich den Anker geworfen.

Und sobald das passiert kannst du Drängen und Zwingen wie du willst. Das funktioniert dann vielleicht mal für eine Weile, aber ohne systemische Beseitigung der Ursachen nicht dauerhaft und nicht gesund. An der Stelle funktionieren dann auch die Tipps für neurotypische Kinder nicht mehr.

Dass der Stoff nachgearbeitet werden muss war meiner Tochter auch klar. Das Wissen darum hat ihr allerdings nichts gebracht, weil der Körper bzw. die Psyche ja gar keinen regelmäßigen Schulbesuch zuließen. Das ist wie bei dem Bild, wo eine kleinere Person eine größere Person hauen will und die größere Person nur den Arm lang ausstreckt und die kleinere Person auf Abstand hält, während diese wild mit den Armen fuchtelt. Die Anstrengung ist da, sie bringt nur nichts.

Allgemeiner Exkurs ohne Personenbezug:
Es bleibt dabei, ohne Ursache keine Lösung. Selbst, wenn das Kind neurotypisch ist, gibt es trotzdem immer eine Ursache. Und wenn es „nur eine blöde Lehrkraft“ ist. Oder das nicht nutzbare Schulklo. Oder das heute mal nicht spannende Thema oder eine Aufgabe, die einem nicht liegt. In der Regel sind das dann aber Dinge, die vorbei gehen. Nächstes Thema, nächster Unterrichtsblock regeln.
Will/kann ein Kind länger nicht zur Schule, ist was im Busch. Und so leid es mir tut das als Pädagogin zu sagen, die Schulen und/oder Lehrkräfte selbst sind oft das Problem. Systembedingt, aber auch aus persönlichen Gründen. Und manchmal sind es die Eltern. Auf jeden Fall nicht das Kind. Selbst mit Diagnose nicht, denn wenn das System rund um das Kind funktioniert, sollte kein Kind hinten runter fallen.

Oh, und für alle Interessierten des Bereiches Masking habe ich heute ein Internetfundstück im entsprechenden Thread gepostet. Das Mädchen hat mich sehr berührt (habe mir mehrere Videos von ihr angesehen).

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Mir ist schon klar, dass mein Sohn sicher Gründe hat. Aber ehrlich gesagt - auch wenn ihr mich jetzt sicher scheltet - damit muss er klar kommen.

Wenn er nicht damit alleine klar kommt, muss er es kommunizieren.
Ich habe ja schon mit ihm gesprochen und seine Aussage war, dass er einfach keine Lust auf Schule hat. Gut kann dahingesagt sein.
Aber ehrlich, ich kenne meinen Sohn.

Für mich sind das im Leben Lernprozesse. Ich selber leide ja auch unter Ängsten und Vermeidungsverhalten. Nur dann ist es umso wichtiger sich manchen Dingen einfach mal auzusetzen.
Außerdem muss man mit Konsequenzen leben

HÜ machen oder aushalten, dass man sie nicht gemacht hat.
Lernen oder aushalten, dass man nicht ausreichend gelernt hat.
etc.

Einfach den Umweg versuchen funktioniert halt nicht. In der Schule nicht und in der Arbeit später auch nicht… Und auch ansonsten nicht.
Wenn ich in der Arbeit etwas nicht getan habe, dann muss ich das proaktiv sagen - normalerweise ist das auch kein Thema, wenn man es nicht „anbrennen“ lässt.

Das ist alles ganz klar auf meinen großen Sohn bezogen. Es kann - wie jetzt z.B. bei deinter Tochter - einfach weit mehr dahinterstecken.

Muss auch dazu sagen - bisschen in eigener Sache:
Bitte lassen wir Erfahrungen und Beispiele als solche stehen. Manchmal ist es für mich schon mühsam alles mitzubedenken, was sich jemand denken könnte…
Gleich am Anfang wurde ich hier als Beispiel im BullshitBingo Thread zementiert - quasi wegen einem Wort, das hier getriggert hat - und in meinen Augen vorgeführt (soweit mein Gefühl) - sowas ist nicht gerade schön… Wäre mir lieber, wir legen nicht immer alles so auf die Goldwaage. Wenn ich sage „Teenagerallüren“ dann bitte halt mal so hinnehmen.

Nachfragen ist natürlich ok und mache ich auch… äh, weiß auch nicht, wie ich sagen soll, ohne dass es jetzt wieder irgedwie falsch/blöd ankommt :zany_face:

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Ich verstehe dich schon und stimme dir in weiten Teilen auch zu. Natürlich müssen unsere Kinder auch lernen, eigenverantwortlich zu handeln. Das geht nur, indem sie auch mal eigene Entscheidungen treffen und daraus resultierende Konsequenzen erfahren. Und bei all dem müssen wir trotzdem Grenzen setzen und die Rahmebedingungen vorgeben. Unsere Kinder müssen auch lernen, in der Welt klar zu kommen und da liegt es in unserer Verantwortung, sie irgendwie darauf vorzubereiten. Wir sind da bestimmt einer Meinung, haben nur unterschiedliche Kinder und unterschiedliche Umgebungsvariablen.

Ich denke nur, dass es unpassend war, in diesem Thread deinen neurotypischen Sohn als Beispiel heran zu ziehen. Das hat mehr zu Missverständnissen geführt als dass es der Sache dienlich war.
Dass Teenager manchmal herausfordernd für uns alle sind, das ist sicherlich Konsens. Ob ich persönlich das als Allüren bezeichnen würde? Eher nicht. Weiß ich, was du damit meinst? Ja sicher. Wir sitzen trotz aller Unterschiede trotzdem irgendwo im selben Boot.
Von meiner Seite aus also alles cool :slightly_smiling_face:

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Tja, die Tochter der TE hat im Eingangsposting halt auch (noch) keine Diagnose… insoferne fand ich meinen Beitrag nicht unpassend. Abgesehen davon, dass ich auch nicht sagen wollte, „wie es geht“, sondern Anteilnahme etc. ausdrücken.
Aufhänger war jetzt nur das Wörtchen „Teenagerallüren“…

…und eine gewisse Härte, wenn ich das so sagen darf?

Bestimmt aus Gründen…

Aber für die Kinder (ich auch früher), die keine Schwäche zeigen durften und sich nicht „so anstellen“ sollten habe ich heute Mitgefühl.

Ich bin aber auch der Meinung, dass „das System“ echt zuviel verlangt. Vor allem von Kindern.

Und man kann nicht möglichst früh schon viel leisten müssen um später in der Gesellschaft klar zu kommen.

Das kann man nicht üben als Kind finde ich.

Als Kind sollte man viel mehr ausprobieren und spielen dürfen. Im Dreck und in der Natur. Um gute Wurzeln für die Welt da draussen zu bekommen.

Natürlich vor dem Teenie Alter :joy:

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