Schulverweigerung 2.0

Hallo again,

ich habe bereits einige Beiträge über meinen Sohn verfasst, der im zweiten Halbjahr der 1. Klasse die Schule verweigert hat und wir ihn 3 Monate hingetragen haben. Wir haben dann ein Jahr später nach eindeutiger ADHS-Diagnose mit der Medikation gestartet und jetzt läuft es ganz gut. Die Verhaltenstherapie wurde nicht verlängert, weil sein Verhalten meistens adäquat ist und wir wissen, wie wir mit ihm umgehen müssen.

Nun ist meine große Tochter auf das Gymnasium gewechselt und weigert sich von heute auf morgen zur Schule zu gehen. Im Gespräch mit den Lehrern und ihr konnten wir Mobbing ausschließen, sind findet auch nur einen Lehrer doof und die Noten sind wie in der Grundschule im Zweier-Bereich. Sie sagt, ihr Körper sage Nein zur Schule - Naja, meiner auch zum Putzen​:wink:. Abends sagt sie immer, dass sie am nächsten Tag gehe, aber Pustekuchen. Wir gehen jetzt in die vierte Woche.

Wir haben uns dann um einen Termin bei der Psychiaterin gekümmert und waren zum Erstgespräch da. Sie hat alles aufgenommen und ein bisschen mit unserer Tochter gesprochen. Es wird jetzt der TEACH- und der WISC-Test gemacht. Zudem hat sie drei Sitzungen bei einer Psychotherapeutin, um über Ängste zu sprechen. Das Auswertungsgespräch ist dann Mitte Juli.

So viel zur Vorgeschichte. Wie ihr seht, sind wir schon in Richtung Testung unterwegs, trotzdem ist der Weg noch lang. Deshalb hätte ich gerne Tipps von euch, was eure Kinder wieder bewegt hat, in die Schule zu gehen. Die Ärztin hat uns den Tipp gegeben, dass man es ihr zu Hause ungemütlich machen solle. Okay, machen wir. Keine digitalen Sachen etc. Und dass sie die Sachen nacharbeiten muss, machen wir auch. Und zur Not die Tagesklinik. Des Weiteren arbeiten wir mit einem Verstärkerplan und versuchen, ruhig zu bleiben, auch wenn es speziell mir nicht immer leicht fällt. Die Stundenzahl ist auch schon reduziert.

Wenn ihr den wegweisenden Tipp habt, spendiere ich euch gerne ein Eis oder eine andere adhs-freundliche Belohnung​:wink:.

Vielen Dank für eure Antworten und liebe Grüße

Unser 10-jähriger sagt praktisch jeden Tag, bevor die ADHS-Medis wirken, er könne heute nicht zur Schule gehen. Sobald die Medis wirken, gehts dann zum Glück. Daher meine Empfehlung, auf AD(H)S Diagnose und Medikation hinarbeiten, vielleicht kann die Schule oder irgendwer Druck machen, damits ein bisschen schneller geht?

Druck aufs Kind hilft meiner Meinung nach nicht. Die Bindung priorisieren (im „Team“ des Kindes bleiben und nicht ins „Gegnerteam“ der Schule wechseln).

Ansonsten kann ev. @Hobbyhopper noch Tipps bei Schulverweigerung geben.

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Bitte bitte nicht zu Hause ungemütlich machen.

Zu Hause muss ein sicherer Hafen sein!!

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Hallo und danke für die Verlinkung, @moya !

Liebe trulla83, ich lese schon viel Gutes heraus und begrüße es sehr, dass ihr schon so viel erreicht und auf den Weg gebracht habt!
Wir selbst haben lange Phasen der Schulverweigerung erlebt und befinden uns mit unserer Tochter gerade auf dem Weg der Besserung. Meine Gedanken hinsichtlich eurer Situation sind jetzt eine Mischung aus privater und beruflicher Erfahrung.

ADHS-typisch stürze ich mich mal auf den ersten Satz, der für mich klar heraussticht:

Nein. Einfach Nein.

Wen Kinder problematisches Verhalten zeigen, dann hat dies immer einen Grund. Schule selbst kann schon ein Grund sein, denn dieses System in seiner aktuellen Form ist in sich schon höchst problematisch.

Dass sie das so präzise ausdrücken kann ist eine echte Ressource! Das sollte man nicht herunterspielen, sondern ernst nehmen. Vor allem als Ärztin.
Ihr Körper signalisiert sehr deutlich, dass etwas nicht stimmt und sie nimmt das wahr und teilt diese Wahrnehmung vertrauensvoll mit euch. Sie ist jetzt nur nicht in der Lage, die Ursache zu erkennen.
Psyche ist komplex und auch Erwachsenen fällt dies schwer.
Es ist also sehr gut, dass ihr schon Termine bei Fachkräften gemacht habt.

Wichtig ist jetzt erstmal, dass ihr zu Hause einen sicheren Ort zur Verfügung stellt. Bisher wisst ihr noch nicht, was die Ursache der Verweigerung ist. Egal was es ist, euer Kind braucht einen sicheren Hafen und einen Ort, um wieder zu Kräften zu kommen und das Nervensystem zu beruhigen.
Aktuell ist eure Tochter sicherlich selbst auch hilflos. Sie sagt, dass sie in die Schule will und das solltet ihr ihr glauben. Warum sage ich das? Es folgt ein Versuch einer Kurzfassung unserer Geschichte.

Unsere Tochter war immer eine super Schülerin, sehr motiviert und strebsam. In der Grundschule hat sie sich oft gelangweilt, musste aber lernen abzuwarten. Das und der zu leichte Schulstoff haben bewirkt, dass sie nicht gelernt hat, sich auch mal durchzubeißen, so dass sie schnell frustriert war. Vor allem bei Kritik durch die Lehrkräfte. Auffällig waren häufige Fehlzeiten, ausgelöst durch Bauchschmerzen und andere psychosomatische Symptome. Dennoch gute Noten.

Wechsel aufs Gymnasium, schwieriges Umfeld, sehr elitär, bösartig den Schülern gegenüber, Mobbing mehrerer Schüler (auch und vor allem durch Lehrkräfte), bis sie dann an der Reihe war. Schlechte Noten, keine Motivation, mehr und mehr Kranktage, ziehen der Reißleine – Schulwechsel auf eine private Oberschule.

Sofortige Besserung der Gesamtsituation. Allerdings kam es dann plötzlich zu Panikattacken und was blieb waren auch relativ viele Fehlzeiten durch Kopf- und Bauchschmerzen. Psychisch war ihr eine Überlastung anzumerken, denn es kam zu Hause nur noch zu Eskalationen.
Es folge dann der Aufenthalt in einer Tagesklinik und mein Drängen auf eine ADHS-Diagnostik. Die Tagesklinik war fachlich schlecht, aber das gemeinsam Feindbild hat sehr verbunden. Die Pause von der Schule tat gut und vor allem war der Kontakt zu anderen Jugendlichen, die auch Probleme haben, sehr hilfreich. Es kam dann auch offiziell die ADHS Diagnose, und somit auch eine Medikation, sowie der Nachweis über einen überdurchschnittlichen IQ. Mit Medi geht es ihr deutlich besser und die Schule als solches zieht viel weniger Energie.

Wir hatten trotzdem das Gefühl, dass noch ungeklärte Fragen im Raum standen und so kam es später noch zur Autismusdiagnose. Im Zuge dessen erkannte unsere Tochter auch, dass sie in der Schule extrem (!) maskiert hat. Sie war im Grunde nie sie selbst, sondern immer die „perfekte Schülerin“.
Jetzt hatten wir das Gesamtbild.
Sie hat enorm viel Energie aufwenden müssen, um so normal wie möglich zu wirken. Ihr hoher Anspruch an sich selbst endete in einem sehr kräftezehrenden Perfektionismus. Schule war in Teilen noch immer langweilig, aber sie hat nach und nach durch ihre Aktivitäten in der Freizeit gelernt, Arbeit in Dinge zu stecken, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Alles ohne Zwang und Notendruck, doch diese Erfahrungen wirkten sich auch positiv auf das Erarbeiten von Schulstoff aus.

Die Schule war leider nicht in der Lage, sich auf die Diagnosen einzulassen, daher entwickelte sich nach und nach immer mehr Schulangst. Es gab Umstände in der Schule selbst, die es unserer Tochter unmöglich machten, regelmäßig hin zu gehen. Sie wollte unbedingt, konnte aber nicht. So kam sie abends z.B. nicht zur Ruhe, konnte nicht schlafen und somit natürlich auch nicht zur Schule gehen. Mit jedem Fehltag wurde es schlimmer, da sie den Schulstoff nicht zuverlässig geschickt bekam und sich jeden Tag schlechter vorbereitet fühle. Unter diesen Voraussetzungen noch Noten erbringen zu müssen war ein Ding der Unmöglichkeit. War sie mal dort, hat sie trotzdem 1en und 2en geschrieben, aber unter enormer Kraftanstrengung und permanentem schnellen Erfassen müssen neuer Inhalte.

Sie geht seit 3 Wochen auf eine neue Schule (wieder Gymnasium), die einen sozialen Dienst und Erfahrung im Umgang mit Autismus haben. Bedingung war die Zurückstufung in eine niedrigere Klassenstufe, was meiner Tochter aber gelegen kommt, da sie so viele Fehltage hatte uns sich den meisten Schulstoff selbst erarbeiten musste. Sie findet es gut, jetzt auch mal Erklärung zu. bekommen und überpüfen zu können, ob sie alles richtig gelernt hat.
Auch hier kam es schon zu einem Fehltag aufgrund von Erschöpfung, aber wir kennen jetzt die Ursache. Die Schule ist mit im Boot und zeigt hier Verständnis und Unterstützung und es gibt für unsere Tochter eine sichere Umgebung, die ihr eine Wiedereingliederung nach Fehltagen erlauben.

Im Nachhinein lässt sich sagen, dass sie damals einen (autistischen) Burnout hatte.
Wichtig war zu dem Zeitpunkt ein sicheres und verständnisvolles Umfeld. KEIN Druck! Denn den hat sie sich ja selber schon gemacht, bis sie nicht mehr konnte. Für sie war wichtig, ernst genommen zu werden und dass ihr geglaubt wird. Sie hatte selbst weder eine Erklärung für ihr Verhalten und ihre Probleme, noch Ideen für Lösungen. Sie war absolut hilflos und überfordert. Sie wusste ja nicht mal, dass sich Dinge für sie anders anfühlen als für andere.
Wir waren zunächst auch ratlos, aber sie wusste, dass wir alle Hebel in Bewegung setzen, ihr zu helfen.

Was hat konkret in Zeiten der Schulverweigerung geholfen?

  • kein Druck
  • sie durfte zu Hause bleiben, einfach so
  • aufstehen, wenn sie es konnte
  • Schulaufgaben hat sie soweit sie Material bekam selbstständig nachgearbeitet
  • immer Zugang zu Freizeitaktivitäten, um die Psyche zu stärken und intrinsische Motivation zu fördern
  • einzige Bedingung: vor dem Mittag aufstehen, um die Medi zu nehmen und den Schlafrhythmus wenigstens so halbwegs stabil zu halten
  • immer ein Miteinander, PANDA-Strategie
  • bei uns individuelles Problem: Pläne funktionieren aufgrund von PDA nicht, daher wie gesagt Fokus auf PANDA

Als es letztes Jahr ganz schlimm war, haben wir uns verschiedene Hilfesysteme organisiert. Bei uns kommen aber noch andere Baustellen familiärer Natur dazu.
Ich könnte jetzt noch sehr viel mehr schreiben, weil unsere Situation sehr komplex war und auch noch ist. Das würde euch aber wahrscheinlich nicht helfen.

Noch kennt ihr die Ursache für die Schulverweigerung nicht. Was eure Tochter jetzt braucht, ist erstmal ein sicherer Hafen und die Gewissheit, dass ihr sie unterstützt. Schule ist zweitrangig, wenn die Psyche und der Körper Alarm schlagen. Der Bildungsweg lässt sich immer irgendwie organisieren. Wichtig ist zu allererst die Gesundheit. Es müssen jetzt Ursachen gefunden werden und dann sieht man weiter.
Ach so, Ängste waren und sind bei unserer Tochter auch ein Problem, aber die sind mit den Diagnosen und Erfahrungen zu erklären. Klassische Verhaltenstherapie hat da wenig gebracht. Sie überwindet aktuell immer mehr Ängste, weil sie insgesamt besser über ihr Sein informiert ist und psychisch stabiler ist. Und manches muss sie schlicht (noch) nicht schaffen. Da macht sie sich auch selber weniger Druck. Je mehr wir los lassen und den Druck raus nehmen, desto besser wird es.

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das ist so schön formuliert. Wir hatten ähnliche Probleme, gerade läuft es richtig gut. Das extreme Masking und der hohe Anspruch an sich selbst waren das Problem. Ich bin so glücklich, dass sie gerade sie selbst sein kann. Deine Tipps notiere ich mir für die Zukunft. Danke dafür.

Für die Thread-Erstellerin: Es ist so anstrengend für alle. Ihr macht das, ihr seid auf dem richtigen Weg. Mir ist erst im Nachhinein aufgefallen wie krass uns alle diese Zeit geschlaucht hat. Am meisten natürlich unser Kind, aber uns Erwachsene und Geschwister auch. Ich wünsche euch alles Gute.

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Nehmt euch die Zeit um in Ruhe zu schauen, was die Ursachen sind . Selbst wenn dadurch ein Schuljahr verloren geht . Bis zur Rente muss sie eh lang genug arbeiten. Je mehr ihr irgendwann unterstützen könnt um so höher die Chancen das die Schule weniger bedrohlich wird, bzw. bleibt.

Ihr habt so viel wie möglich in die Wege geleitet und könnt nichts dafür das die Termine so spät liegen.

wäre es jetzt ein körperliches Leiden womit sie nicht zur Schule könnte und die OP wäre erst in drei Monaten, dann würde das keiner hinterfragen .

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Vielen Dank für die ausführliche Antwort @Hobbyhopper . Wir lassen ihr natürlich ihre Hobbys und ihre gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie. Wir müssen hier aber auch die Tagesstruktur für alle aufrechterhalten.

Bei uns war es auch so, dass sie nach der Schule immer total kaputt war und sie lange Zeit zur Regeneration brauchte. Sie ist ohne Schule so viel angenehmer als mit. Gerne würde ich dieses Kind so behalten.

Jetzt zu Hause merken wir auch, dass sie sich wirklich gar nicht konzentrieren kann. Da wird man ganz kribbelig neben. Und je mehr ich sie beobachte, desto größer wird die Auffälligkeit zu mir als Kind​:joy:!

@xyz12345 danke für die aufmunternden Worte. Es ist soooo anstrengend und man fühlt sich so blöd, weil schon das zweite Kind nicht zur Schule geht und alle denken, dass es an uns liege. Ich will es schon fast niemandem mehr erzählen. Aber für die Zukunft sind wir schlauer: Für unseren jüngsten Sohn haben wir schon einen Termin zur Testung vor Schuleintritt in zwei Jahren gemacht.

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Hat sie das genauer ausführen können was sie meint, daß ihr Körper sagt nicht zur Schule zu wollen sondern zu Hause zu bleiben?

Hat das was mit Energie und Kraft zu tun?
Ist sie nach der Schule so ausgelaugt das sie für sich dann nichts mehr machen kann?

Kommen die Noten ggf. weil sie hochbegabt sein könnte und somit auch wenig tun muß und das ggf. so überdeckt oder Kaschiert?

Und derher ggf. der Ist Zustand gar nicht so bei allen wahrgenommen wird?

Ich kann nicht viel beitragen, außer dass ich dir viel Kraft wünsche. Die Situation klingt auf alle Fälle echt anstrengend…

Mein Großer hat eine leichte Tendenz zur Verweigerung. Er fehlt 1-2 mal im Monat. Klingt noch wenig, aber es wurde mit der Zeit immer mehr. Dauernd irgendwas wie Bauchweh, Kopfweh, schlecht, weiß der Geier…
Das ging so weit, dass er in einem Fach fast eine Gefährdung ausgefasst hätte, weil er so viel fehlte. Er holt natürlich nix nach :roll_eyes: Oder nur sehr widerwillig und dauerndem Meckern meinerseits.

Ich mache es ihm schon ungemütlich, weil ich sehe nicht ein, dass man nicht in die Schule geht und dann nur zockt und am Smartphone abhängt. Das finde ich auch nicht erholsam.

Ich würde mal beim Jugendamt nachfragen. Was ich an Flyern gesehen habe, gibt’s bei uns zumindest eigene Programme für Schulverweigerer, meine ich.

Auf alle Fälle für mich wäre das Thema ein Alptraum. Ich muss arbeiten gehen und mein Sohn versumpft mir regelrecht allein daheim, wenn er wieder mal fehlt - drum gab’s hier auch schon Stunk.

Mein Sohn hat aber auch schon eingesehen, dass er sich weit besser fühlt sich an richtig blöden Tagen zu überwinden, weil es dann gar nicht so schlimm ist und er es hinter sich, statt vor sich hat. Aber das muss sich noch mehr festsetzen einfach… nur gar nicht so leicht. Bei ihm ist’s aber noch simple Mischung aus Unlust und Teenagerallüren - geht bis jetzt noch.

Bei dir dürfte es schon tiefer sitzen… Daher viel Kraft.

Hochbegabt kann ich mir nicht vorstellen. Da stellt man sich etwas anderes darunter vor, aber in der Grundschule war sie gut und ist nicht aufgefallen. Ich hatte die Klassenlehrerin nach der Diagnose meines Sohnes gefragt, ob sie ADHS haben könnte, und sie konnte sich das nicht vorstellen. Sie meinte nur, dass sie ihren eigenen Kopf habe und sich wenig an anderen störe.

Ich habe aber definitiv auch an Erschöpfung gedacht!

Les dich mal bitte zu Hochbegabung etwas ein.

Vorstellungen sind keine Realität erst recht nicht wenn mit Adhs gepaart.

Würde ich lernen wäre ich besser, doch mit fast 50 geh ich in die Uni höre Vorlesungen und schreibe ohne lernen hwischen 1,7 bis 2,5 in Noten
würde ich mich zum lernen bekommen wären die Noten garantiert besser, genauso sind hochbegabte gelangweilt dann wird das auch gar nichts mit Noten weil sie sich halt nicht dafür interessieren können und dich machen sowas geht auch super bei Unterforderung dann schrammt es gerne bei mir in der Kindheit bei 4 herum nur weil ich null Bock hatte oder weil ich geistig so unterfordert war das ich mich geistig mit allem anderem dann beschäftigt hatte

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Bevor wir hier weiter rum rätseln wäre es gut, wenn du noch ein bisschen was über sie schreiben würdest.

Was wir gerade tun ist, die gängigen Diagnosen in Familien mit schon bestehender ADHS in den Raum werfen. Autismus, Hochbegabung, ADHS.

Das bringt aber wenig, wenn man nichts hat, woran man das festmachen kann.

Auf die Aussage von Lehrkräften bezüglich dieser Diagnosen gebe ich wenig. Die allerwenigsten sind in irgendeiner Form diesbezüglich geschult; erst recht nicht in Bezug auf Mädchen. Unsere Kinder als auch mein Mann und ich haben gesicherte Diagnosen, welche aber alle erst innerhalb der letzten 2 Jahre gestellt wurden. Da hat keiner was gesehen oder Probleme mit Diagnosen in Verbindung gebracht.
An HB hätte ich auch nicht gedacht, weil man sich das immer irgendwie anders vorstellt, aber die Testung war dann trotzdem aussagekräftig.

Momentan wissen wir so wenig, dass alles die Ursache sein könnte.
Wir wissen nur, dass deine Tochter einen Grund hat und sich dieser Grund körperlich Bahn bricht.

Was du mal tun könntest wäre, mit ihr einen Masking Fragebogen auszufüllen. Bei uns war es so, dass die Tochter so stark maskiert hat, dass nicht mal ich wusste, was ab geht. Erst durch den Fragebogen habe ich beispielsweise erfahren, dass sie seit dem Kindergarten heimlich vor dem Spiegel Mimik und Gestik geübt hat. Oder dass sie unbemerkt Stimming betreibt wie Haare drehen, Zehen rhythmisch bewegen und sowas.
Mir war auch nicht klar, dass ihr starkes Interesse für Psychologie und „warum verhalten sich Leute so oder so“ relevant für die Diagnosen war.

Da wir von deiner Tochter aber nichts genaueres wissen, ist das alles nur Rätselraten und am Ende könnten komplett andere Dinge dahinter stehen.

Wie gesagt, gemeinsam Fragebögen ausfüllen hat uns sehr weiter gebracht. ADHS Fragebogen hier auf der Website als auch Masking Fragebogen auf Embrace Autism. Da kam sie richtig ins erzählen und hat sich zum ersten Mal wirklich verstanden gefühlt.

@achtarm Genau das meinte ich, denn zocken und Fernsehen stehen hier hoch im Kurs.

@Hobbyhopper vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Ich finde es total krass, dass deine Tochter das so gut maskieren konnte. Wie viel Energie das kostet, die nicht fürs „eigentliche Leben“ genutzt wird. Wie gut, dass du dran geblieben bist und ihr jetzt Klarheit habt. Den Test zum Thema Autismus werde ich auf jeden Fall durchgehen. Davon habe ich gar keinen Ahnung.

@Kathy Der Wisc-Test wird es hoffentlich zeigen, was da im Köpfchen so los ist. Bekannte von mir haben hochbegabte Kinder, da werde ich auf jeden Fall den Austausch suchen.

Ich werde den „sicheren Hafen“-Tipp umsetzen und hatte heute Morgen ein wirklich tolles Gespräch mit meiner Tochter und bleibe optimistisch.

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Vielleicht liegt es an der Banknachbarin?

.. ihr könntet die ja mal einladen, oder einen Ausflug machen oder irgendsowas. Das kann ja eh nicht schaden. Stärkt aber das Zusammengehörigkeitsgefühl

Liebe Trulla,

Kennst Du Pathological Demand Avoidance (PDA)? In Deutschland noch nicht offiziell anerkannt, zählt als atypischer Autismus und ähnelt in vielen Punkten ADHS. Schulverweigerung und Burnout sind auch da nicht selten Folgen. Hierarchie wird abgelehnt. Man nennt es auch liebevoll Permanenten Drang zur Autonomie.

Ich konnte da sehr viel Neues Verständnis für neurobunte Kinder gewinnen.

Liebe Grüße

Gibt es Länder, wo PDA schon offziell anerkannt ist?

Ich habe hier schon häufig davon gelesen und mir auch die Links dazu angeschaut. Einiges passt, anderes wiederum nicht. Ist ja irgendwie alles ein Spektrum und nach so viel hin- und herüberlegen und das Kind beobachten und hineininterpretieren, verliere ich langsam den Überblick. Ich hoffe einfach auf eine professionelle Testung. Die Termine sind ja schon recht umfangreich.

Stand jetzt ist, dass unsere Tochter drei ganze Tage in der Schule war und nur Gutes aus der Schule berichtet. Trotzdem jeden Morgen keine Lust und Theater, aber es wird…

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Gibt es in eurer Stadt/eurem Landkreis eine Einrichtung, die sich mit Schulabsentismus beschäftigt?

Ich fand die KJP kein Stück hilfreich bei den Problemen meines Sohnes mit dem Schulbesuch. In unserer Nachbarschaft gibt es eine Institution, die ich dann angerufen habe und wir haben bestimmt eine Stunde gesprochen, obwohl wir nicht in ihr Gebiet fallen und sie somit auch nichts abrechnen können.

Ich würde es bei der Erziehungsberatung der Stadt ansonsten mal versuchen, dort arbeiten auch oft sehr fähige Personen.

”Ungemütlich machen” zuhause ist ein weites Feld, ich sehe es wie die anderen, zuhause MUSS ein Safe-Space sein.

Allerdings gab es bei uns immer z.B. die Richtlinie, dass es keine elektronischen Medien gibt, wenn ein Kind wegen “krank” (fühle mich gar nicht wohl, bin fertig, kann nicht…) zur Schule gehen kann oder wenn es wegen Fehlverhaltens abgeholt werden musste (das hatten wir öfters, daher war die Regel wichtig). Auch nicht zur Regulation, das wird von Eltern ja oft als Argument pro Zocken genannt, aber unser Sohn liebt Zocken und uns war wichtig klar zu stellen, dass man seine Pflichten erfüllen und sich an Regeln halten muss, um Zocken zu dürfen.
Das hält aber jeder anders, wie andere das machen, will ich nicht werten, ist mir egal.

Die Tagesklinik sollte bitte aber auch kein “Drohgebilde” sein, eher ein Angebot, nach dem Motto “wir müssen herausfinden, wo das Problem liegt”.

Das Problem liegt natürlich einfach darin, dass - je länger sie zuhause bleibt, desto schwerer fällt es ihr, wie der zu gehen.

Deswegen denke ich, ist eine individuelle Betreuung, es gibt auch Hilfen vom Jugendamt in der Sache - absolut gegeben.

Seid ihr schon mal nachmittags in der Schule gewesen mit ihr und habt das Gespräch mit der Klassenleitung gesucht?
Also mit ihr zusammen. Die Schule besucht, geschaut, ob das Gebäude das Problem ist, ob da schon die innere Barriere ist. Bringt ihr sie? Bringt sie jemand, der das klar “durchzieht”?

Helfen vielleicht Earloops, ist es vielleicht die Lautstärke, die sie stresst? Könnte man da mal einen Versuch starten?

Letztlich denke ich, Wege gibt es viele, nur passt nicht jeder zu euch oder zu eurem Kind.

Ich habe auch als Lehrkraft gute Erfahrung mit der Einrichtung für Schulabsentismus gemacht, ich habe vor einigen Monaten eine Mutter sehr schnell dorthin verwiesen und dort wird er gut betreut, die Eltern gut unterstützt und sie haben es geschafft, dass das Kind wieder kommt.

Wie geht die Schule denn damit um? Und ist sie krank geschrieben oder wie oder was? Denn die Schule muss bei unentschuldigtem Fehlen irgendwann das Jugendamt einschalten.

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Ja, im englischsprachigen Raum.

Aktuell haben wir ein Kind in der Schule, bei der die Diagnostik in die Richtung geht, ich bin sehr gespannt, ob es eine PDA Diagnose bekommt, dann versuche ich die mal für meinen kleinen Sohn.

Der liegt da nach allen Experten auch, maskiert für die ASS und ADHS Diagnosen zu stark, hat daher “nur” eine ESE Diagnose, die ihm und seiner bunten Persönlichkeit aber nicht gerecht wird und immer so wirkt, als wäre das Erziehungsversagen…. :rolleyes:

Ich finde, dass das Wort Teenagerallüren sehr negativ klingt.

Wobei ich dir zustimme ist, dass es schwierig wird, je länger die Kinder fehlen. Aber meine Kinder gehen von 8-15 Uhr zur Schule, sind von 7 bis 16 quasi unterwegs, das sind einfach verdammt lange Tage. Grade die Zeit vor Ostern schlaucht total viele Arbeiten, viele Noten, viel Druck. Wenn die Kinder da nicht extrem resilient sind (und wer ist das schon, als Kind oder auch als Erwachsener), haben sie nun mal Tage, an denen sie sich einfach nur noch ausruhen möchten.

Ich kenne viele Eltern - auch Lehrereltern! - die ihren Kindern ab und zu einen “zuhause bleiben” Tag zugestehen. Es ist allerdings einschmaler Grad, um das nicht kippen zu lassen zum Schwänzen, da gebe ich dir recht.

Auf der anderen Seite darf es auch Kindern mal “einfach überhaupt nicht gut gehen” und sie dürfen sagen, dass es gar nicht geht. Hier hilft bei uns oft das “Geh, probiere es, wenn es nicht geht, meldest du dich ab” Prinzip. Dabei kann man gut sehen, ob “überwinden” hilft oder ob es eine Vermeidung ist.

PS: ich bin selber als Schülerin oft zuhause geblieben oder habe mich abholen lassen. Ich hatte immer schon einen Hang zu Kopfschmerzen, das habe ich dann ausgenutzt, wenn ich mal eine Pause brauchte.
Ich habe eine ADHS Diagnose seit ich 49 bin, HB steht im Raum, will ich aber nicht testen lassen, könnte ja rauskommen, ich bin es nicht :slight_smile: und ich habe mich zum Teil in der Schule einfach total gelangweilt oder die emotionalen Strömungen oder Streitigkeiten haben mich sehr gestresst, so dass ich zuhause lieber meine Ruhe hatte. Aus dieser Erfahrung heraus finde ich wichtig, auch Kinder zuzugestehen, dass sie einfach mal “krank” sein dürfen, auch wenn es nicht körperlich krank ist.