Schwierige Gedanken zum Übertritt auf weiterführende Schule

Hallo zusammen,

es geht um meinen Sohn, der aktuell in der 4. Klasse Regelgrundschule in Bayern ist. Er hat ADHS und ASS, kommt an sich ganz gut zurecht, da er Recht verständnisvolle Lehrer hat, vom Stoff her keinerlei Probleme und durch die vor Kurzem gestartete Medikation sich auch nicht mehr so sehr in seine Phantasie zurückzieht und tatsächlich auch mal fertige Hefteinträge heimbringt :winking_face_with_tongue:

Trotzdem bleibt er extrem langsam in allem, was er tut. Aktuell hat er Zeitzugabe von 40% als NTA, was ihm gut hilft. Er ist ein kompletter Einser-und Zweierschüler.

Er möchte unbedingt auf ein Gymnasium, da er gelernt hat, dass er dort die höchstmögliche Bildung erhält. Wir würden ihm das gerne ermöglichen, denn zum einen zählt sein Wunsch, zum anderen würde er es rein kognitiv locker packen können.

Das größte Problem wäre tatsächlich ein logistisches, wobei man ja denkt, das kriegt man alles hin, aber ich weiß gerade echt nicht, wie:

Wir leben auf dem Dorf, ich habe krankheitsbedingt keinen Führerschein und mein Mann ist viele Wochen im Jahr unter der Woche nicht zu Hause. Mein Sohn ist wie gesagt sehr langsam in allem und das nicht nur beim Schreiben, sondern beim Anziehen, Gehen, Zusammenpacken, etc. Er kommt grundsätzlich erst 20 Minuten nach seinen Mitschülern aus der Schule, hier vor Ort kein Problem, aber wenn er täglich den Bus versäumt und ich nicht weiß, wie er dann die 30km heimkommen soll, dann wird mir Angst und Bange.

Tempo trainieren funktioniert leider seit Jahren nicht wirklich, morgens kommt er pünktlich in die Schule rein, weil ich Feldwebel spiele und immer die nächsten 3 Minuten vorgebe, aber mittags hat er niemanden, der ihm dabei hilft.

Vor der Situation im Bus dann hab ich auch schon Bammel: laut, chaotisch, unberechenbar…

Wenn wir bisher weiter weg müssen zu Terminen, fährt meine Mama uns immer, aber die ist nicht mehr die Jüngste und gesundheitlich nicht die Fitteste. Ich will sie nicht noch mehr belasten und sie ist logischerweise selbst nicht begeistert von der Aussicht, was da auf uns zukommen könnte.

Ich wollte mir das Ganze hier ein wenig von der Seele schreiben und vielleicht hat ja der ein oder die andere eine Idee, was ich tun könnte. Bin wirklich ratlos und will doch nur, dass er eine Chance bekommt, das zu tun, was er möchte und theoretisch auch schaffen könnte.

LG, Mamaherz

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Was wäre denn die anderen Alternativen , sind die direkt im Dorf?

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Gäbe es die Möglichkeit, eine Schulbegleitung zu beantragen, die dann hilft, dass er pünktlich im Bus sitzt?

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Hallo,

ergänzend zu den anderen sinnvollen Antworten oder Nachfragen:

Ihr entscheidet, auf welche Schule euer Kind geht, nicht dass Kind. Mit 10 oder 11 Jahren kann es diese Entscheidung einfach noch nicht überblicken. Das hört sich jetzt sehr diktatorisch an. Natürlich spricht man mit dem Kind und erklärt und argumentiert. Aber an dieser Stelle muss man das Kind auch vor Verantwortung/Entscheidungen schützen, die es nicht übernehmen kann. Das ist klar die Aufgabe der Eltern und ja, das ist nicht unbedingt angenehm.

Zum Thema „beste Bildung“, ich nehme an, damit ist das Abitur gemeint. Kleiner Tipp: Realschule mit Französisch-Zweig (kann man sonst auch nachlernen, aber so ist’s einfacher. Zumal die Französisch-klassen häufig kleiner sind und ruhiger), 3 Jahre FOS. Führt zur allgemeinen Hochschulreife fast ohne z.b. Nachmittagsunterricht…

Was du beschreibst, wird schon an der Realschule nicht einfach. Schulbegleitung wäre wirklich super, ich hoffe ihr bekommt Unterstützung!

Im Dorf hier ist die Mittelschule, die direkt an die Grundschule angeschlossen ist. Dasselbe Gebäude, viele bekannte Gesichter, es hätte von daher gesehen viele Vorteile.

Die Realschule, die in Frage käme, ist nicht im Dorf, wäre aber nur 15km entfernt. Wenn ich ihn aber von Ort A nicht abholen kann, dann auch von Ort B nicht.

Wie schätzt denn euer Kind selber die Situation mit Bus und Pünktlichkeit ein ?

Da bin ich gerade am Ausloten, ob das möglich wäre. In der Grundschule käme bisher eine Schulbegleitung nicht in Frage, weil es dort auch ohne geht. Die Dame, die für die Schulen für Autisten zuständig ist,.meinte letztes Schuljahr, dass es an so etwas nicht scheitern soll. Da werde ich jetzt dann auch mal nachhaken.

Er sagt, dass er nur die Regel lernen muss, dass das immer so ist und dass es dann schon wird mit dem pünktlich zum Bus kommen. Er hat sich jetzt das Ziel gesetzt, das ab nach den Ferien zu üben. Da das zum ersten Mal von ihm selber kommt, kann es wirklich funktionieren.

Das Busfahren selbst schätzt er zu optimistisch ein, fürchte ich. Er kennt das bisher nur von Fahrten mit uns gemeinsam oder mit der Klasse, wo er immer beim Lehrer sitzen darf.

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Um Gottes Willen, nein, das klingt nicht diktatorisch. Wir haben die Verantwortung für ihn und sein Wohl. Ich hätte ihn ja auch nicht bei Rot über die Ampel gelassen, als er das noch nicht abschätzen konnte.

Allerdings ist das halt auch eine Entscheidung, bei der er schon auch mitreden sollte

Wenn es allein nach meinen Eltern gegangen wäre, hätte ich auch nicht aufs Gymnasium gehen dürfen. Ich habe sie aber irgendwie davon überzeugen können und es war für mich genau richtig.

Realschule fände ich toll, weil es, wie du genau beschreibst, recht einfach auch bis zum Abitur führt. Sein bester (einziger) Freund tendiert dorthin, das wäre auch ein Vorteil. Die Schule ist nur auch 15km entfernt und es könnten sich die gleichen Probleme ergeben.

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Mir kommt leider noch ein weiterer „Problem-Gedanke“.
Meine Erfahrung ist (und ich höre das auch häufig von anderen Eltern neurodivergenter Kinder), dass es relativ oft zu Fehlstunden kommt.

Die Belastung ist für die Kinder oft groß - die Lautstärke, viel mehr Kinder als in der Grundschule, mehr Lehrkräfte mit tlw. sehr verschiedenen Regeln plus die „normalen“ Anforderungen im Unterricht.
Das kann leider auch schnell und regelmäßig zu einer Reizüberflutung, Kopfschmerzen, Unwohlsein, usw. führen und dazu, dass der Schultag nicht bis zum Ende geschafft wird.
Das hat erstmal nicht unbedingt was mit der Schulform zu tun, aber wenn er häufiger früher nach Hause kommen muss, sind die 30 km natürlich auch eine Hürde…

Ich will gar nicht sagen, dass es bei deinem Kind so kommen muss. Aber ihr bräuchtet vielleicht auch einen Plan, wie er früher nach Hause käme, wenn es ihm nicht gut geht (kommt ja auch so mal bei Infekten o.ä. vor, dass Kinder früher abgeholt werden müssen).

(Und ich persönlich finde, dass es schon noch einen Unterschied zwischen 15 und 30 km pro Weg gibt - aber das hängt natürlich auch von der Anbindung usw. ab und nicht nur von den Kilometern…)

Daran hatte ich noch gar nicht gedacht, aber das ist absolut logisch und richtig und auch sehr wichtig. Wenn er krank früher abgeholt werden müsste und so was. Danke für den Input :+1:

Und ja, es stimmt schon, dass da ein Unterschied ist. Bei 15 km könnte evtl. schneller mal reagiert werden.

Danke dir!

Hallo,

wir befinden uns in einer ähnlichen Situation, nur dass unsere Tochter ADHS hat und alles eher „übers Knie gebrochen“ macht. Noch vor der Diagnose habe ich sie eher an einer Montessori-Schule gesehen, es wären dann aber 15 km Entfernung und bei drei Kindern im ähnlichen Alter eine ziemliche Hürde. Da sie selbst im Ort bleiben wollte, natürlich wegen den Freunden, haben wir uns für die staatliche Schule im Ort entschieden. Nun möchte sie auf ein Gymnasium, die Noten stimmen, Motivation ist enorm, aber psychisch schnell belastet. Busfahren muss sie dann eh, Realschule und Gymnasium sind in 7 km erreichbar.

Nun steht fest, sollten die Noten so bleiben, geht sie aufs Gymnasium und wir werden sie so gut es geht begleiten und ihr immer wieder andere Türen aufzeigen, sollte es nicht klappen. In eurem Fall hätte ich mich wahrscheinlich vorerst für den kürzeren Weg entschieden, so wie wir bzgl. Montessori-Schule, der Wechsel aufs Gymnasium ist dann immer noch möglich und dann ist er reifer und könnte vielleicht eher mit den Herausforderungen umgehen.

Das Busfahren zu üben, finde ich eine tolle Idee! Wir hatten das in Bezug auf selbständiges Lernen gehabt. Da der Wunsch so groß ist, waren Hausaufgaben kein Problem mehr und sie übernimmt mittlerweile die Verantwortung für die Aufgaben. Wir halten uns im Hintergrund und lassen sie machen. Interessant wäre es zu wissen, ob er noch vor Schuleechsel ohne deine Begleitung das Busfahren schafft.

Eine schwierige Entscheidung…einen Tod werden wir alle sterben müssen, egal wie wir uns entscheiden.

Moin, ich bin Lehrerin an einem Gymnasium in Niedersachsen. Weiß also nicht, wie es in Bayern ist, bekomme aber von Bekannten mit, das es deutlich strenger zugeht, als bei uns. Ich beschreibe unser System immer als „integriertes Gymnasium“, weil es bei uns nur der Elternwille gilt, also haben wir alles am Gymi.

Du musst wissen, was ihr wollt. Was ich lese, scheint mir sehr stressig - für alle. Der Druck deines Sohnes wird nach und nach kommen, vor allem, wenn er merkt, dass er mit dem Stoff nicht hinterherkommt, weil er langsam arbeitet. Wenn die Realschule bei euch in der Nähe ist, habt ihr den Zeitdruck nicht mehr so extrem. Des Weiteren wird er mit seiner Arbeitsweise dort besser zurechtkommen. Mit dem Unterrichtsstoff wird er vermutlich keine Probleme haben. Meiner Meinung nach ist ein glückliches Kind immer besser als eines, das sich durch schlechten schulischen Erfahrungen selbst negativ sieht . Das macht viel mit der Schülerseele. Das deutsche Schulsystem ist durchlässig. Ein Wechsel nach oben zu einem späteren Zeitpunkt ist immer möglich, wenn die Noten gut sind. Nach Erlangen des erweiterten Realschulabschlusses, kann man in die gymnasiale Oberstufe wechseln.

Erkundigt euch, bei den Grundschullehrkräften oder bittet um einen Termin bei dem Koordinator am Gymnasium (ich kann nur für Niedersachsen sprechen) und anschließend besprecht es innerhalb der Familie.

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr den besten Weg findet.

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Hallo,

ich bin auch eine Mama aus Bayern, meine 3 Kinder (18, 16, 14) gehen auf ein Gymnasium. Der Jüngste und die Älteste haben ADHS, bei der Ältesten besteht außerdem der Verdacht auf Autismus. Ich finde es wichtig, dass man sich vorher Gedanken macht, welche Schule zum Kind passt. Und zwar nicht nur intellektuell.

Grundsätzlich ist es auf dem Gymnasium so, dass der Lehrplan sehr umfangreich ist und im Unterricht oft keine Zeit bleibt, um Themen intensiv zu behandeln. Das Tempo ist bei allem hoch, auch bei Hefteinträgen, Übungsaufgaben etc. Die Kinder sollen zudem von Anfang an einen Überblick haben über schriftliche sowieso mündliche Hausaufgaben, Termine für Schulaufgaben und andere Tests etc. Hier sollte vorher geklärt werden, wobei dein Kind Unterstützung braucht und in welcher Form.

Mein Jüngster war in der Grundschule auch ein guter Schüler, wir waren uns allerdings nicht sicher, welche weiterführende Schule für ihn geeignet ist, weil Hausaufgaben oft ein Drama waren (er hatte damals noch keine Diagnose). Natürlich wollte er wie seine großen Geschwister auch aufs Gymnasium. Wir haben dann mit ihm zusammen besprochen, was unsere Gedanken zu den einzelnen Schultypen sind. Für uns sprach seine Arbeitseinstellung kontra Gymnasium. Bei uns ist es aber so, dass Mittelschule und Gymnasiums im Nachbarort sind und die Realschule weiter weg, so dass die Realschüler morgens fast 1h eher aufstehen müssen. Für ihn als Nachteule also ein klarer Punkt pro Gymnasium.

Im Endeffekt habe ich Beratungsgespräche mit seiner Klassenlehrerin der 4. Klasse sowie den Beratungslehrern an Realschule und Gymnasium geführt. Insbesondere die Einschätzung der Klassenlehrerin fand ich sehr, sehr hilfreich. Die Lehrer kennen das Kind ja in der Regel schon länger und sehen seinen Entwicklungsstand im Vergleich zu Gleichaltrigen. Und zwar nicht nur intellektuell sondern mit seinen gesamten Stärken und Schwächen. Auch wissen sie ganz gut, was an den weiterführenden Schulen von den Kindern verlangt wird.

Wir haben uns letztendlich für das Gymnasium entschieden, weil zum einen alle drei Lehrer uns dazu geraten hatten. Und zum anderen, weil auch für meinen Sohn von Anfang an klar war, dass er ggf auf die Realschulewechselt, wenn er am Gymnasium nicht zurecht kommt. Er ist da recht locker und hätte das ohne einen Knacks für sein Selbstbewusstsein weggesteckt. Wäre er sensibler, hätten wir ihn vermutlich auf die Realschule geschickt, mit der Option auf einen späteren Wechsel aufs Gymnasium.

Für Nachteilsausgleiche hatte ich (später) Kontakt mit der Schulpsychologin, evtl wäre das eine weitere Anlaufstelle, mit der du vorab Kontakt aufnehmen könntest.

Tatsächlichist es so, dass das Schulsystem sehr durchlässig ist. Man kann auch nach der mittleren Reife (Realschule oder M-Zug der Mittelschule) entweder über die FOS oder eine Übergangsklasse das allgemeine Abitur machen.

Generell weiß ich es sehr zu schätzen, dass meine Kinder keinen weiten Schulweg haben. Es ist doch oft mal der Fall, dass man sie krank abholen muss, Schule früher aus ist und sie gerne abgeholt werden usw. 30km einfache Entfernung finde ich für eine Schule schon sehr weit weg, da dauert ja auch der Hin- und Rückweg mit dem Bus echt lange. Am Gymnasium hat man außerdem auch recht bald schon Nachmittagsunterricht (bei uns ab der 7. Klasse 1x / ab der 10. Klasse 2x / ab der 12. Klasse 4-5x die Woche und der Unterricht fängt auch nicht immer zur 1. Stunde an), wie sieht es da mit der Busverbindung aus? Wie steckt dein Kind voraussetzlich solche langen Tage weg (es müssen auch an solchen Tagen noch Hausaufgaben gemacht werden)? An der hiesigen Realschule wird damit geworben, dass bis zum Abschluss kein Nachmittagsunterricht Pflicht ist. Schau dir am besten die in Frage kommenden Schulen an. Oft findet man auch schon viele Infos auf den Homepages.

Was ich auch nicht vernachlässigen würde: welche Kinder gehen auf die einzelnen Schulen und wie passt dein Kind dazu? Mein Mittlerer war z.B. immer schüchtern und zurückhaltend und konnte sich bei Konflikten überhaupt nicht gegen andere Kinder wehren. Er war total brav, wollte immer alle Regeln einhalten. Gleichzeitig ist er sehr intelligent. In unserer kleinen Dorf-Grundschule wurde er genau so von seinen Klassenkameraden akzeptierte. In der 5. Klasse wurde er aber anfangs von seinen Mitschülern verspottet, geschubst - das ging bis hin zu Tritten in den Bauch, als er am Boden lag. Und das an einem kirchlichen Gymnasium. Das Mobbing ging von einem Klassenkameraden aus, der ein Problem damit hatte, dass mein Sohn - ganz im Gegensatz zu ihm - nach wie vor sehr gute Noten hatte und halt nicht der coole Draufgängertyp war, der keiner Prügelei aus dem Weg geht. An der hiesigen Realschule (in der nächsten Kleinstadt) sind mehr solche Typen, da hätte er keine Chance gehabt.