Hallo,
ich bin auch eine Mama aus Bayern, meine 3 Kinder (18, 16, 14) gehen auf ein Gymnasium. Der Jüngste und die Älteste haben ADHS, bei der Ältesten besteht außerdem der Verdacht auf Autismus. Ich finde es wichtig, dass man sich vorher Gedanken macht, welche Schule zum Kind passt. Und zwar nicht nur intellektuell.
Grundsätzlich ist es auf dem Gymnasium so, dass der Lehrplan sehr umfangreich ist und im Unterricht oft keine Zeit bleibt, um Themen intensiv zu behandeln. Das Tempo ist bei allem hoch, auch bei Hefteinträgen, Übungsaufgaben etc. Die Kinder sollen zudem von Anfang an einen Überblick haben über schriftliche sowieso mündliche Hausaufgaben, Termine für Schulaufgaben und andere Tests etc. Hier sollte vorher geklärt werden, wobei dein Kind Unterstützung braucht und in welcher Form.
Mein Jüngster war in der Grundschule auch ein guter Schüler, wir waren uns allerdings nicht sicher, welche weiterführende Schule für ihn geeignet ist, weil Hausaufgaben oft ein Drama waren (er hatte damals noch keine Diagnose). Natürlich wollte er wie seine großen Geschwister auch aufs Gymnasium. Wir haben dann mit ihm zusammen besprochen, was unsere Gedanken zu den einzelnen Schultypen sind. Für uns sprach seine Arbeitseinstellung kontra Gymnasium. Bei uns ist es aber so, dass Mittelschule und Gymnasiums im Nachbarort sind und die Realschule weiter weg, so dass die Realschüler morgens fast 1h eher aufstehen müssen. Für ihn als Nachteule also ein klarer Punkt pro Gymnasium.
Im Endeffekt habe ich Beratungsgespräche mit seiner Klassenlehrerin der 4. Klasse sowie den Beratungslehrern an Realschule und Gymnasium geführt. Insbesondere die Einschätzung der Klassenlehrerin fand ich sehr, sehr hilfreich. Die Lehrer kennen das Kind ja in der Regel schon länger und sehen seinen Entwicklungsstand im Vergleich zu Gleichaltrigen. Und zwar nicht nur intellektuell sondern mit seinen gesamten Stärken und Schwächen. Auch wissen sie ganz gut, was an den weiterführenden Schulen von den Kindern verlangt wird.
Wir haben uns letztendlich für das Gymnasium entschieden, weil zum einen alle drei Lehrer uns dazu geraten hatten. Und zum anderen, weil auch für meinen Sohn von Anfang an klar war, dass er ggf auf die Realschulewechselt, wenn er am Gymnasium nicht zurecht kommt. Er ist da recht locker und hätte das ohne einen Knacks für sein Selbstbewusstsein weggesteckt. Wäre er sensibler, hätten wir ihn vermutlich auf die Realschule geschickt, mit der Option auf einen späteren Wechsel aufs Gymnasium.
Für Nachteilsausgleiche hatte ich (später) Kontakt mit der Schulpsychologin, evtl wäre das eine weitere Anlaufstelle, mit der du vorab Kontakt aufnehmen könntest.
Tatsächlichist es so, dass das Schulsystem sehr durchlässig ist. Man kann auch nach der mittleren Reife (Realschule oder M-Zug der Mittelschule) entweder über die FOS oder eine Übergangsklasse das allgemeine Abitur machen.
Generell weiß ich es sehr zu schätzen, dass meine Kinder keinen weiten Schulweg haben. Es ist doch oft mal der Fall, dass man sie krank abholen muss, Schule früher aus ist und sie gerne abgeholt werden usw. 30km einfache Entfernung finde ich für eine Schule schon sehr weit weg, da dauert ja auch der Hin- und Rückweg mit dem Bus echt lange. Am Gymnasium hat man außerdem auch recht bald schon Nachmittagsunterricht (bei uns ab der 7. Klasse 1x / ab der 10. Klasse 2x / ab der 12. Klasse 4-5x die Woche und der Unterricht fängt auch nicht immer zur 1. Stunde an), wie sieht es da mit der Busverbindung aus? Wie steckt dein Kind voraussetzlich solche langen Tage weg (es müssen auch an solchen Tagen noch Hausaufgaben gemacht werden)? An der hiesigen Realschule wird damit geworben, dass bis zum Abschluss kein Nachmittagsunterricht Pflicht ist. Schau dir am besten die in Frage kommenden Schulen an. Oft findet man auch schon viele Infos auf den Homepages.
Was ich auch nicht vernachlässigen würde: welche Kinder gehen auf die einzelnen Schulen und wie passt dein Kind dazu? Mein Mittlerer war z.B. immer schüchtern und zurückhaltend und konnte sich bei Konflikten überhaupt nicht gegen andere Kinder wehren. Er war total brav, wollte immer alle Regeln einhalten. Gleichzeitig ist er sehr intelligent. In unserer kleinen Dorf-Grundschule wurde er genau so von seinen Klassenkameraden akzeptierte. In der 5. Klasse wurde er aber anfangs von seinen Mitschülern verspottet, geschubst - das ging bis hin zu Tritten in den Bauch, als er am Boden lag. Und das an einem kirchlichen Gymnasium. Das Mobbing ging von einem Klassenkameraden aus, der ein Problem damit hatte, dass mein Sohn - ganz im Gegensatz zu ihm - nach wie vor sehr gute Noten hatte und halt nicht der coole Draufgängertyp war, der keiner Prügelei aus dem Weg geht. An der hiesigen Realschule (in der nächsten Kleinstadt) sind mehr solche Typen, da hätte er keine Chance gehabt.