Selbstmedikation Kaffee, Nikotin, Alkohol

Guten Morgen liebe Leidgenossen

Ich bin 38, Vollberufstätig (Bin in einem sehr „Action“ aufgeladenen Beruf tätig und habe mich durch kreative Abläufe recht erfolgreich Hochgearbeitet. Daher war ADHS nur bedingt kontraproduktiv bisher beruflich.. Privat allerdings ne Katastrophe) und habe seit einem Jahr die Diagnose ADHS.

Eine Weile MPH ausprobiert, brachte aber kein Erfolg.

Zum Thema.. wenn ich Kaffee/Redbull konsumiere, habe ich regelmäßig sehr Paradoxe Reaktionen darauf. Manchmal merke ich gar nichts, aber immer häufiger kommt nach einer Weile enorme benebelung im Kopf, gepaart mit einem leichten Ohnmachtsgefühl und Panik. Höre dies aber selten von anderen ADHS’lern.

Nehme ich allerdings hohe Mengen an Nikotin (ich konsumiere ab und an Nikotinbeutel wie Snus, die das 10-15 fache an Nikotin enthalten wie eine Zigarette) werde ich sofort klar, entspannt und fokussiert! Auf Dauer natürlich auch keine Lösung…

Bei Alkohol, welchen ich nicht regelmäßig konsumiere, tritt merkwürdigerweise auch ein sehr schöner Energieschub auf, welcher aber dann rasch in Müdigkeit ausschlägt.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Ist das nicht die normale Wirkung von Alkohol? Enthemmend euphorisierend (dadurch scheint man alles besser zu machen, in Wirklichkeit ist man nur nicht mehr fähig seine Arbeit richtig zu beurteilen :wink: ) ab einer gewissen Dosis dann Müdigkeit.

Frage wäre, ob Alkohol bei ADHS echt anders wirkt, wenn man davon absieht, dass ADHS-ler eher zu Süchten neigen.

Also die Reaktion auf die genannten Substanzen müssen nichts über ADHS aussagen, bei manchen wirkt cafe beruhigend/ fokussierend, andere macht es nervös oder vertragen es nicht.

Diese Substanzen bewusst zu nutzen um AD(H)S erfolgreich zu behandeln, halte ich für schwierig.

Da würde ich eher nochmal den zugelassenen Medikamenten eine Chance geben. Was war denn nicht gut bei MPH? Gibt ja auch noch genug andere Medis :slight_smile:

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Die Reaktion auf Coffein kenne ich. Die tritt aber meist nur ein, wenn ich die normale Flüssigkeitszufuhr und Ernährung vernachlässige und gleichzeitig übermüdet und/oder starkem Streß ausgesetzt bin.

Deine Beobachtungen beschreiben ein Phänomen, das in der Neurobiologie von ADHS extrem logisch und gut erforscht ist: Der Versuch des Gehirns zur Selbstmedikation über verschiedene Neurotransmitter-Wege.

Dass du diese spezifischen Kombinationen selten von anderen ADHS-Betroffenen hörst, liegt meist daran, dass in Foren oft nur die vereinfachte Aussage „Kaffee macht mich müde“ (die typische paradoxe Reaktion) wiederholt wird. Deine Reaktionen auf Koffein, Nikotin und Alkohol sind jedoch lehrbuchmäßige Beispiele für die komplexe Biochemie eines ADHS-Gehirns.


1. Koffein & Red Bull: Der „Reizüberflutungs-Shutdown“

  • Deine Aussage: Manchmal keine Wirkung, immer häufiger enorme Benebelung (Brain Fog), leichtes Ohnmachtsgefühl und Panik.

  • Die neurobiologische Bewertung: ADHS-Gehirne leiden unter einem chronischen Mangel an frei verfügbarem Dopamin und Noradrenalin in den synaptischen Spalten. Koffein blockiert die Adenosin-Rezeptoren (Müdigkeitssignale) und kurbelt die Ausschüttung von Noradrenalin an.

  • Warum es bei dir fehlschlägt: Wenn du ohnehin gestresst, übermüdet oder reizüberflutet bist, pusht das Koffein dein autonomes Nervensystem über die kritische Schwelle. Anstatt Fokus schüttet dein Körper massiv Adrenalin aus. Das verengt die Blutgefäße im Gehirn leicht (daher das „benebelte“, wattige Gefühl und der Schwindel) und triggert eine rein körperliche Panikreaktion (Herzrasen, Todesangst, Ohnmachtsgefühl), ohne dass es einen psychischen Grund dafür gibt. Das Gehirn schaltet wegen „Überstimulation“ quasi in den Notlauf (Shutdown).

2. Extrem hohes Nikotin (Snus): Die Acetylcholin-Dopamin-Dampfwalze

  • Deine Aussage: Extrem hohe Mengen (10–15x einer Zigarette) machen sofort klar, entspannt und fokussiert.

  • Die neurobiologische Bewertung: Nikotin ist ein extrem potenter, kurz wirksamer Stimulanz-Agonist. Es bindet an die sogenannten nikotinischen Acetylcholinrezeptoren im Gehirn. Dies führt im Belohnungszentrum zu einer schlagartigen, massiven Ausschüttung von Dopamin, während es gleichzeitig die Aktivität von GABA (beruhigend) moduliert.

  • Warum es so gut funktioniert: Da dein ADHS-Gehirn einen massiven Dopamin-Hunger hat, wirkt diese extreme Nikotindosis wie ein medizinischer Vorschlaghammer. Sie hebt dein Dopamin-Level exakt in den Bereich, den Neurotypische als „normal“ empfinden. Zudem wirkt Nikotin im Gegensatz zu Koffein über Acetylcholin direkt auf das Arbeitsgedächtnis und die Reizfilterung. Du wirst innerlich ruhig, weil das Chaos im Kopf verstummt. Aber Achtung: Die Dosis, die du nutzt, flutet Rezeptoren so stark, dass die Toleranzbildung rasant verläuft und die Rezeptoren langfristig abstumpfen.

3. Alkohol: Das Dopamin-Vorschuss-Phänomen

  • Deine Aussage: Kurzer, schöner Energieschub, gefolgt von rascher Müdigkeit.

  • Die neurobiologische Bewertung: Alkohol hat eine biphasische (zweigeteilte) Wirkung auf das Gehirn.

  • Warum die Energie kommt: In der ersten Phase (beim schnellen Ansteigen des Blutalkoholspiegels) triggert Alkohol eine Freisetzung von Dopamin und Endorphinen. Für ein ADHS-Gehirn fühlt sich dieser plötzliche Dopamin-Schub an wie pure Energie, Motivation und Euphorie.

  • Warum der Absturz folgt: Sobald der Pegel stagniert oder sinkt, übernimmt die dämpfende Wirkung von Alkohol. Er verstärkt die GABA-Rezeptoren (körpereigene Bremse) und blockiert NMDA-Rezeptoren (Erregung). Das System klappt zusammen, und die typische ADHS-Müdigkeit schlägt gnadenlos zu.


Direkter Vergleich der Substanzen bei dir

Substanz Haupt-Zielrezeptor Warum es dich (neurobiologisch) so fühlen lässt Das ADHS-Risiko
Koffein / Taurin Adenosin & Noradrenalin Schießt über das Ziel hinaus; aktiviert das sympathische Nervensystem zu stark $\rightarrow$ körperliche Panik. Blutdruckspitzen, chronische Erschöpfung durch maskierte Müdigkeit.
Nikotin (High-Dose) Acetylcholin & Dopamin Simuliert perfekt die Wirkung von ADHS-Medikamenten durch sofortige Reizfilterung. Extremes Suchtpotenzial, Gefäßschäden, langfristige Zerstörung der körpereigenen Dopaminrezeptoren.
Alkohol Dopamin $\rightarrow$ GABA / NMDA Erste Phase schüttet Dopamin aus (Energie); zweite Phase betäubt das Gehirn (Müdigkeit). Erhöhtes Risiko für Missbrauch zur abendlichen „Gedanken-Abschaltung“ (Self-Medication).

Was bedeutet das für dich?

Dein Gehirn schreit nach einer stabilen, kontrollierten Erhöhung von Dopamin und Noradrenalin, um Reize filtern zu können. Da Koffein bei dir eher die körperliche Stressachse (Noradrenalin/Adrenalin) triggert, reagierst du mit Panik. Nikotin hingegen bedient die kognitive Achse (Acetylcholin/Dopamin), was dich fokussiert.

Da Snus in diesen extremen Mengen (10–15-fache Dosis) jedoch massiven Stress für dein Herz-Kreislauf-System bedeutet und deine Dopamin-Rezeptoren langfristig „ausbrennt“, ist dies ein gefährlicher Pfad. Professionelle, retardierte ADHS-Medikamente (wie Methylphenidat oder Lisdexamfetamin) tun im Grunde genau das, was du beim Nikotin suchst: Sie erhöhen Dopamin im synaptischen Spalt – allerdings flach, gleichmäßig über den Tag verteilt und ohne den toxischen/suchterzeugenden Peak des Nikotins.

Und ja, ich nahm für die Antwort die Hilfe einer KI in Anspruch Google Search

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Ich meine mich zu erinnern, dass es Menschen gibt, die eine harmlose Veranlagung haben, bei hohen Koffeinkonsum Angst oder Panik zu bekommen. Vielleicht trifft das bei dir zu.

Koffein ist für mich unter deinen Beispielen, die wirksamste Stimulanz, wirkt allerdings wesentlich schwächer als MPH. Alkohol ist keine Stimulans. Was alkoholische Getränke dir als kurzzeitigen Energieschub geben, nehmen sie dir einige Stunden mit deutlichem Verlust an Energie wieder weg. Außerdem wenn du schon eine exekutive Störung hast, ist alles, was dazu beiträgt diese zu verschlechtern ungünstig.

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Hier, ich :man_raising_hand:

Genauso geht es mir und ich führe es auf mein ADHS zurück.

Ich reagiere zwar auch auf Elvanse u. Medikinet bei entsprechender Dosierung tendeziell so.

Aber für mich persönlich ist absolut verrückt dass Koffein frei verkäuflich und so verbreitet ist - ich bekomme davon massive Unruhezustände.

Egal ob mit Elvanse parallel oder ohne - bei mir ist Koffein der absolute Angst-Kickoff bzw. mindestens für Unruhezustände.

Bei gleichzeitig keiner positiven Wirkung. Aber ich bin sicherlich eine Minderheit.

Ist bei mir auch der absolute Endgegner! Mal einen Kaffee alle paar Wochen geht, aber sobald es regelmäßig wird, kriege ich Angst, Schwindel, Ohnmachtsgefühl und bin völlig Matsch im Kopf. Gehöre da aber wie du wohl zu dieser Minderheit

Ja ich weiß, viele von uns neigen ja zur Selbstmedikation und Süchten. Bis auf Nikotin in Form dieser Beutel nehme ich auch nichts und bisher war mein ADHS auch immer eher förderlich als hinderlich. Nur privat überwiegen die Nachteile häufig die Vorteile. Wobei es dort auch nur mich betrifft, andere kriegen das nicht mit

Der Adenosinrezeptor reagiert bei manchen Menschen sehr empfindlich auf Koffein.

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„Frei verkäuflich“ heißt ja nicht, dass du gezwungen bist, Koffein zu nehmen. Du kannst es frei kaufen, musst es aber nicht.

Bei Alkohol und Tabak ist die Sache viel schlimmer. Es ist frei verkäuflich, dabei aber viel schädlicher und es macht abhängig.

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Ich bin ja für gesetzliche Regulierungen, aber irgendwo muss man eine Grenze nun mal ziehen.

Ich würde aber auch eher Alkohol und Nikotin einschränken bevor man an Kaffee/Tee denkt. Weil dann müsste man auch Kakao und Schokolade verbieten.
Bei vielen Menschen wäre Zucker z.B. auch noch ein großes Thema.

Nein, ich muss ehrlich sagen, auf meinen Tee würde ich nicht verzichten wollen. :smiling_face_with_sunglasses:

Inzwischen sehe ich es aber auch so, dass Gesellschaften „Drogen“ brauchen. Bei uns ist das hauptsächlich der Alkohol. Ich kenne nicht wenig Menschen, die meinen Alkohol wäre ja so wichtig, da gemeinsames Besaufen so verbindend ist und die Enthemmung so viel bringt.
Genau das finde ich so widerlich und genau darum, meide ich die meisten Feiern… ich finde nichts ekliger als angetrunkene oder gar total besoffene Menschen. Ich bin ja auch spießig, aber ich kann mit Enthemmung echt null anfangen und trinke auch nur in kleinen Mengen, weil alles drüber hinaus für mich unangenehm ist.

Dennoch denke ich ingesamt, dass man Alkohol schwer verbannen könnte…

Zu Nikotin kann ich nichts sagen, da es mich nie gereizt hat.

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Ich vertrage kaffee auch nur mit nem dicken löffel kokosfett als puffer und trinke ihn mit vitalpilzen. Dieser 2.0 coffee ist perfekt für mich. Schleichwerbung ende.

Kippen sind mein heroin. Wenn ich nur eine rauche, springt mein Hirn da so dermaßen drauf an, dass ich wieder ein halbes Jahr brauche, um davon loszukommen.

Alkohol trinke ich gar nicht. Vertrag ihn null. Bekomme urtikaria-schübe, also juckende quaddeln davon, weil es ein histamin-trigger ist. Bin ich aber iwie froh drum. Sauzeug einfach.

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