Selbstverletzen bei ADHS

Hallo!

Vorweg eine kurze Warnung, dass es hier um Selbstverletzendes Verhalten geht, wie aus der Überschrift schon hervorgeht. Wer das grade nicht lesen möchte, bitte gern sein lassen.

Selbstverletzendes Verhalten ist etwas, mit dem ich seit Jahrzehnten immer mal wieder phasendweise Probleme habe. Im Grunde seit der Pubertät, und dann lange gar nicht mehr, bis es (leider) wieder hockam in den letzten Jahren.

Heute kommt das bei mir in hochstressigen Situationen vor, in denen mir Anforderungen, Sensorik und gleichzeitig auch Selbsthass zu viel sind. Mittel der Wahl seitens der Therapie sind die recht bekannten DBT-Skills, die mir zumindest häufig ganz gut helfen.

Schwer wird es, wenn sich Impulse nicht mehr kontrollieren lassen, und die Wut durch die Decke schießt.

Jedenfalls habe ich bisher noch keinen Thread hier im Forum gesehen, der sich wirklich auf das Thema fokussiert hätte, und auch über die Suchfunktion nichts gefunden. SVV wird hier und da mal erwähnt, aber immer am Rand. Vielleicht, weil es kein klassisches ADHS-Symptom ist und häufig mit Borderline oder auch Autismus in Verbindung gebracht wird.

Ich würde mich aber gerne auf den ADHS-Aspekt fokussieren, weil ich glaube, ich bin mit dem Thema nicht allein, und weil SVV mit ADHS nochmal andere Aspekte hat, meiner Meinung nach: mangelnde Impulskontrolle, geringe Frustrationstoleranz, fehlender Selbstwert, Reiz nach Neuem/Verbotenem usw.

Sollte das Thema dennoch unpassend sein, bitte gerne Bescheid geben!

Habt ihr Erfahrungen damit? Wie geht ihr damit um? Und was macht ihr gegen diese heftigen Impulse?

Ich finde das Thema auch bei ADHS passend, denn aus welchem Grund man auch immer zu SVV neigt, ADHS bringt vermutlich noch mehr Input, Impulse und Anspannung zusätzlich ins Spiel.

Vielleicht einfach auch nur wegen zu viel too much Überinput im Kopf , weil nichts zur Ruhe kommt und dann vor Wut und Frust darauf „Ruhe ins Spiel“ bringen wollen, sich quasie ausknocken. ???

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Ganz wichtiger Punkt, danke. Der Schmerz bringt Beruhigung. Ich kenne den genauen medizinischen Hintergrund nicht, aber meines Wissens nach werden dabei bestimmte Hormone ausgeschütte und diese wirken beruhigend.

Du meintest allerdings vielleicht eher die Reaktion aus Wut, und dann beruhigt die Handlung an sich, weil man den Ärger rausgelassen hat. Oder?

Einen anderen therapeutischen Ansatz als Skills - von Medikamenten mal abgesehen, die aber natürlich nicht direkt gegen das SV wirken - habe ich bisher noch nie gehört und ich frage mich, warum eigentlich. Gibt es nichts Wirksameres als Skills?

Wut oder vielleicht eher Verzweiflung?

Wenn man es so überlegt ….es hauen sich auch Menschen vor Lachen auf den Oberschenkel, oder hauen sich vor die Stirn wenn es „klick macht „ oder beißen sich bei Spannung auf die Lippen. Etc…

Es dient da ja auch irgendeinem „Spannungsabau“ und wäre das reintheoretisch nicht dann auch eine Form von SVV?

Vielleicht gibt es einen Unterschied wenn es in Richtung „Selbbstbestrafung“ „Selbstablehnung“ oder „bitte seht mich“ geht. ?

Das ist dann der Unterschied zwischen Formen von Stimming und Kommunikation von Leid durch körperliche Verletzungen. So würde ich das jedenfalls beschreiben. Es gibt da sicher auch Überschneidungen, nichts ist Schwarz oder Weiß.

Gefühlsregulation über den Körper scheint mir, so als Laie, etwas sehr Normales. Sowas wie du beschreibst: auf die Schenkel klopfen beim Lachen, bei Nervosität auf die Lippe beißen, sich am Kopf kratzen bei Verwirrung usw.

Sich selbst verletzen dient demselben Ziel, schadet aber dem Körper mehr oder weniger stark unmittelbar. Und da kommt noch was dazu, eben oft der Selbsthass, schlechte Impulssteuerung usw.

Ein Gedanke, der mir gerade kam: vielleicht sind gerade bei ADHS die sehr starken Gefühle öfters ein Grund, weshalb es auch sehr starke Regulierungsansätze braucht? Ich kenne das von mir selbst, dass Wut so unkontrollierbar stark wird, dass nur noch sehr starke körperliche Reize helfen. Das endet dann oft im SV bei mir, weil mir in diesem Moment auch die Klarheit fehlt zu entscheiden, ich nehme einen ungefährlichen starken Reiz.

Ich weiß nicht, ob diese Reaktion dann Ähnlichkeiten zum Selbstverletzen im autistischen Meltdown hat. Wenigstens im Sinne des Suchens eines Ausgleiches zur Gefühlsregulation, weil etwas zu viel ist.

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