Sertralin Eindosierung mit MPH - extreme Beschwerden

Hallo zusammen, ich brauche eure Schwarmintelligenz oder eventuell auch nur Schwarmempathie …

Wie schon zuvor geschrieben wurde ich Ostern mit ADHS diagnostiziert, komorbid mit Depression. Während der ADHS-Diagnose nahm ich schon eine Weile Sertralin. Es hat mir bei Angst und Stress geholfen, nicht jedoch bei der Traurigkeit.

Ich habe dann eine gewisse Zeit Sertralin und Stimulanzien zusammen genommen, zuletzt 50mg Sertralin und 54mg Concerta. Die Traurigkeit verschwand am Anfang der Concerta-Titration, kam aber wieder. Sonst war alles gut - Antrieb, Konzentration, etc.

Mein Psychiater wollte dann unbedingt weg vom Sertralin wegen Serotonin-Syndrom. Er sagte, wir könnten es nicht erhöhen und ich sollte Wellbutrin probieren. Das war aber auf 150mg schon die Oberkatastrophe, ich war einfach nur dauergestresst zusammen mit dem Concerta.

Zwischenzeitlich bin ich in eine Klinik eingetreten, um endlich diese Traurigkeit in den Griff zu kriegen. Hier haben wir erst Brintellix ausprobiert, das führte zu krassen Angstschüben.

Also auf Sertralin umgestellt, nun seit einer Woche 50mg und es ist zwar von der Angst nicht so schlimm, aber es überfahren mich immer wieder heftigste Traurigkeitswellen, Ameisen unter der Haut, etc. Ich bin teilweise richtig gelähmt, das hatte ich seit dem Beginn der Stimulanzien nicht ein einziges Mal und auch bei der ersten Sertralin-Einstellung nicht.

Es heisst ja, es kann bei SSRI am Anfang schlechter werden, aber so krass?!

Die Symptome kommen über den Tag verteilt, oft beginnt es so um 10 am Morgen. Durch starke körperliche Anstrengung/Sport kann ich sie zuverlässig vertreiben, aber sie kommen halt wieder.

Kann es sein, dass die 54mg Concerta (vorübergehend) zu viel sind? Ich sehe am Nachmittag/Abend auch etwas verschwommen, und habe seit Ostern einige Kilos abgenommen. Habe durch den gesteigerten Antrieb aber auch viel mehr Sport gemacht.

Danke euch!

Hast du das Gefühl das Concerta in irgendeiner Tageszeit passte.

Concerta müsste um 8 std bei allen die las gewirkt haben, doch nicht jedem reicht die morgentliche I italdosis, so das unretardiert oder mit Medikinet meine ich gebuster wird. Hab ich es rochtig behalten setzt Concerta glaube ich „nur 27%“ Wirkstoff sofort frei, der Rest verzögert und erhält in der Regel die Dosis

Kann aber auch sein, wenn der Weg nicht weiterführen sollte Concerta und Medikinet die falschen Medikamente sein könnten, weil die Retardierung z.B. Traurigkeit ggf. Depressionen auslösen kann. Kann die falsche Dosierung sein mit zu viel/ zu wenig Concerta sein oder im Zweifel irgendwann Ritalin/Kinecteen ausprobieren tritt dort sowas nicht auf ist die Wahrscheinlichkeit das Medikinet/ Concerta nicht deine Retardierung ist.

Aber sowas mußt du mit dem Arzt besprechen und in der Regel ausprobieren zumal du ja einen Wiederaufnahmehemmer nimmst und Symptome ggf. anders aussehen könnten mit über/ Unterdosierung als ohne diese Medikamentegruppe. Grundsätzlich absolut ok könnte aber ggf. halt den abgesprochen Versuch benötigen um es sich sagen zu können.

Hast du deine Probleme mal in die Lupe getippt?

Da solltest du auch zu Beiträgen geführt werden vielleicht hilft das auch schon

Danke dir für deine Antwort. Ja, der Gedanke, dass Concerta eventuell nicht zu meinem Profil passt oder die Dosis nicht stimmt oder gar beides, der kam mir eben auch schon. Ich glaube, ich werde der behandelnden Ärztin vorschlagen, das Concerta mal für ein paar Tage auf 36mg zu reduzieren. Da ich momentan sowieso nicht arbeite, könnte es sinnvoll sein, das mal auszuprobieren.

Zu deiner Frage mit der Tageszeit - das Loch kommt regelmässig am Vormittag. Würde meiner Meinung nach zum Abklingen der Initialdosis passen. Quasi ein früher erster Rebound, bis der Spiegel sich wieder aufbaut.

Es tut mir Leid und ich wünsche dir eine gute Genesung!

Ich bezweifle nicht, dass Depressionen bei dir eine Rolle spielen - aber meiner persönlichen Erfahrung nach und meines Wissens nach werden ADHS-Symptome wie z.B. prokastrinieren, Antriebslosigkeit, Sprunghaftigkeit, Emotionalität, Impulsivität oftmals fälschlicherweise einer Depression zugeordnet, obwohl die Symptome im Grunde auf das ADHS zurückzuführen sind.

Ich glaube aber an dich, und dass du beides in den Griff bekommst :man_raising_hand:

Ameisen unter der Haut? Das klingt nach psychotischen Symptomen - die u.U. auch vom MPH (Concerta) verursacht werden können. Und das würde ich unbedingt so mit deinem Arzt besprechen.

Ich hatte tatsächlich auch durch MPH (also Medikinet/Concerta) nach der Einnahme als Nebenwirkungen öfter mal kribbeln unter der Haut, psychotische Episoden und Sehstörungen. Ich bin daher dann in Absprache mit meinem Psychiater auf Elvanse (LDX) gewechselt und damit hatte ich diese Nebenwirkungen nicht und ich vertrage es viel besser und es wirkt viel besser und klarer bei mir.

Vielleicht wäre Lisdexamfetamin (z.B. Elvanse) einen Versuch wert bei dir?

Für mich ein weiterer Indikator dafür, mit deinem Psychiater mal einen Umstieg auf LDX zu besprechen und zu probieren.

All diese Symptome waren für mich mit dem Umstieg auf Elvanse erledigt: keine solch schweren NW mehr, kein solch merkbarer Rebound mehr, etc.

@BesserWisser Danke für deine interessanten Ausführungen.

@BesserWisser ADHS-Symptome wie z.B. prokastrinieren, Antriebslosigkeit, Sprunghaftigkeit, Emotionalität, Impulsivität

Die waren auch unter Concerta alle massiv besser geworden. Was blieb war die Affektstörung, also grundlose oder gemessen am Trigger total übertriebene Traurigkeit und der Grund, warum ich weiter in Behandlung bin.

@BesserWisser Ameisen unter der Haut? Das klingt nach psychotischen Symptomen

Das Symptom kenne ich schon lange, auch vor jeglicher Psychopharmaka-Behandlung. Ich verbinde es besonders mit Angst und Trennung.

Für mich ein weiterer Indikator dafür, mit deinem Psychiater mal einen Umstieg auf LDX zu besprechen und zu probieren.

Das wollte ich auch beim Eintritt machen, aber man riet mir, aufgrund der Traurigkeit erstmal wieder ein SSRI aufzubauen.

Die Ironie ist, dass ich mich in der Zeit ohne SSRI kognitiv klarer gefühlt habe. Ich merke das erst jetzt, wo es wieder eingeschlichen wird. Es überschreibt aktuell auch irgendwie die Wirkung des Concerta; es geht mir nun in Woche 4 mit Concerta und Sertralin deutlich schlechter als in Woche 1-2, da war ich aktiv, habe keine Schwere oder Task Inhibition gehabt und fühlte mich geistig klarer. Aber ich hatte halt die Traurigkeit und erhöhte Stressreaktionen wie Kiefermahlen und penetrante Ohrwürmer, das war mit Sertralin definitiv besser.

Irgendwie bin ich mir jetzt unschlüssig, was ich tun soll. Der Grund für Antidepressiva ist ja eigentlich, dass der Leidensdruck so hoch ist, dass man andere therapeutische Maßnahmen nicht wahrnehmen kann. Das war aber bei mir nicht der Fall.

Vielleicht kann man das Sertralin auf 50mg stabilisieren und dann Elvanse versuchen.

Wer von euch hat denn einen Psychiater, der WIRKLICH auf ADHS spezialisiert ist? Mein Eindruck ist, dass die Generalisten oft auch in diesen speziellen ADHS-Themen, unterschiedliche Wirkung der Stimulanzien etc garnicht so drin sind.

Hallo zusammen, hierzu mal ein kleines Update. Ich nehme jetzt das Sertralin seit 2,5 Wochen wieder, aktuell auf 75mg.

Die Auswirkungen sind leider bisher fast durchweg negativ. Ich hatte ja durch die Gabe von Concerta nach der ADHS-Diagnose eine sehr positive Erfahrung mit Antrieb, Konzentration, teilweise war auch die Depression weg, aber nicht zuverlässig.

Hier in der Klinik sagte man dann, ich solle wieder ein AD nehmen. Positive Effekte bisher sind weniger Ohrwürmer, wenn mein Hirn im „Leerlauf“ ist, und das Kieferpressen hat abgenommen.

Negativ: im Prinzip bin ich von Antrieb, Exekutivfunktion etc wieder auf Vor-Concerta-Niveau. Traurigkeit ist auch noch da. Das ganze lässt mich gerade ehrlich gesagt ordentlich verzweifeln. Fühle mich wieder wie ein Stein und mein ganzes Denken ist irgendwie „klebrig“/langsam.

Jetzt steht im Raum, ob das Concerta auf Höchstdosis erhöht werden soll; aber das ganze kommt mir kontraproduktiv vor. Ich wollte hier eigentlich lernen ohne AD zu leben und dass die Stimulanzien besser eingestellt werden.

Hat noch jemand Erfahrung mit solchen Widersprüchen unter ADs? Wie habt ihr das gehandhabt?

Das Sertralin haut ziemlich rein, meiner Meinung nach steigerst du zu schnell. Ich hatte bei der Eindosierung richtig krasse Nebenwirkungen: v.a. Schwitzen, Nervosität, Zittern, Zähneknirschen… Jede Stufe mindestens zwei Wochen, besser einen Monat. Hatte am Ende 100mg am Tag und das mit 60mg MPH – problemlos und ohne Rebound (SSRI wirkt Stimmungsstabilisierend)

Das Ausschleichen waren auch mind. 2 Monate mit Nebenwirkungen, bei mir vor allem Ohrenschmerzen. Habe in der Zeit kein mph genommen. Danach, ohne das Sertralin, war der Rebound vom MPH dann auch so stark, dass ich auf LDX wechseln musste.

Ich würde die Stimulanzien erstmal ganz weglassen und versuchen die Stimmung in den Griff zu bekommen, sonst weiß man auch nicht genau, was wovon kommt. Und wenn sich das etwas eingroovt, dann die Stimulanzien fürs „Tagesgeschäft“ eindosieren.

Ich will dich nicht entmutigen, aber bei mir dauerte der Weg aus der Depression etwa 4-5 Jahre. AD und ambulante Psychotherapie. Es wird besser, aber es sind kleine Schritte.

Hi @Waldmops , danke für deine Rückmeldung. Wenn du sagst, du hast die Depression dann in den Griff bekommen - hast du das AD dann irgendwann wieder abgesetzt, oder nimmst du es weiterhin?

Die Steigerungen geben hier die Ärzte vor. Aber ich glaube auch, dass es zu schnell ist.

Ich könnte mir aber auch nicht vorstellen, jetzt wieder monatelang ohne Stimulanzien auszukommen, da diese insgesamt eine erhebliche Verbesserung meiner Lebensqualität herbeigeführt haben.

Ich habe es erst diesen Januar/Februar abgesetzt (in Absprache mit der Psychiaterin natürlich) und auch nur, da ich mich schon seit über einem Jahr so stabil fühlte, dass ich es probieren wollte, ob es ohne geht.

Gesamteinnahmedauer waren etwa 4 Jahre.