ich bin auf das Forum gestoßen und hoffe auf hilfreiche Meinungen mit ähnlichen Problemen.
Mein Sohn ist 8 Jahre und seit dem Kindergartenalter verhaltensauffällig. Durch aggressives Verhalten und Überdrehtheit, kam es bereits im Kindergartenalter schon zu Kitawechsel wegen Kündigung des Platzes. Mit Schulbeginn verstärkte sich sein Verhalten durch das stören des Unterrichtes mit lauten Geräuschen, verweigern der Mitarbeit und aggressiven Verhalten gegenüber seiner Mitschüler. Mitte der 1ten Klasse bekam er endlich eine Behandlung und die Diagnose ADHS. Er wurde auf 20mg Medikinet retard eingestellt und nach 2 Monaten langsam wieder in den Unterricht integriert.
Dies lief eine zeitlang ganz gut, aber da er immer weniger gegessen hat und sich das massiv auf sein Gewicht auswirkte, schlug seine Ärztin einen Wechsel Anfang des Schuljahres einen Wechsel zu Ritalin LA vor. Schnell äußerten sich wieder aggressives Verhalten und stören des Unterricht. Hinzu kamen 2x in der Woche starke Kopfschmerzen und Übelkeit am Abend. Das Medikament wurde von 20 auf 10 mg runter gesetzt. Man konnte sich ab da das Medikament eigentlich sparen, da es so wirkte als hätte er keins genommen. Seit den Osterferien nimmt er nun auf meine Bitte wieder das Ursprungsmedikament Medikinet 20mg retard. Während der Schulzeit läuft es einigermaßen, nach der Schule ist er in der Tagesgruppe, dort setzt scheinbar der Rebound ein und wird gegenüber den Kindern und Erwachsenen aggressiv. Wenn er nach Hause kommt, kann man dann eigentlich nichts mehr mit ihm anfangen. Er ist eigentlich recht schlau, aber er fängt dann an die sinnlosesten Sachen zu Fragen/Erzählen ohne irgendeinen Zusammenhang, hinzu kommen Geräusche und provozierendes Verhalten, damit man sofort auf ihn reagiert, leider sind unsere Hunde oft die leidtragenden die sich dann gerne verkriechen. So ist er selbst ohne Medikamente nicht, er ist dann zwar Zuhause aufgedreht aber hilft gerne und sucht sich auch eine Beschäftigung. Auch das aggressive Verhalten zeigt er Zuhause nicht so derartige. Er ärgert höchstens die Hunde und freut sich über deren Reaktion.
Freunde mit denen er auch mal privat spielen könnte, hat er leider garnicht. Sobald er mit Kindern in der Schule oder Tagesgruppe spielt und sie nicht das machen wie er es sich vorstellt, schlägt oder beleidigt er sie. Wenn man ihn fragt wieso er das macht, gibt er immer den anderen die Schuld oder sagt er weiß nicht warum. Allgemein lügt er auch häufig.
Bin langsam am verzweifeln wie man ihm noch helfen kann. Auch bei der Medikation bin ich mir nicht sicher ob es so das richtige ist.
Hat jemand Erfahrungen in einer ähnlichen Situation gesammelt?
Ich habe keine vergleichbaren Situationen und erst recht kein Kind, doch weiß ich das Medikinet bei mir im Rebound (Wirkende) viele negative Impulse gefördert hatte auch diese die ich ohne Medikamente nie hatte.
Das war mit Ritalin in der Richtigen Stärke anders. Man ksnn nicht 20 mg Medikinet durch 20mg Ritalin ersetzen weil Medikinet schneller und anders anflutet und auch genauso schnell aufhört zu wirken und Ritalin viel langsamer und schonender anflutet. Kann gut sein das 20 mg Ritalin noch unterdosiert waren und unterdosiert kann einiges an unangenehmeren Nebenwirkungen auftreten als mit einer häheren Dosis.
Zudem wirkt hier Medikinet bei den meisten zwischen 3 bis 5 dtd und für eine Tagesabdeckung bedarf es mindestens 2 Einnahmen und das Nachmittag der Rebound auftritt eher normal.
Vielleicht magst du ggf. Ritalin in 30 mg Stärke ausprobieren ob es besser wird und wahrscheinlich wird Concerta als Äquivalent zu Medikinet länger wirken da es grundsätzlich länger wirkt denn Medikinet wss 8ch hier so lese ca. 8std bei den meisten was auch nochmal statt nachgeben wenn das nicht möglich ist einen Versuch werd ist und ggf. unretardiertes Methylfinidat in einer deutlich kleineren Dosis rechtzeitig bevor die Wirkung nachlässt. Bei Medikinet wäre das ca. 30 bis 45 min und dann könnte es gut Aggressionen und Ticks mildern vielleicht auch ganz abfangen.
Problem ist wie immer man wird leider ausprobieren müssen was denn bei ihm und auch in welcher Stärke hilft.
Zudem wäre Elvanse mit Lisdexamfetamin einem ganz anderen Wirkstoff noch einen Versuch wert wie er darauf reagiert und wie er damit zurecht kommt und ob da etwas besser wird oder nicht. Zu Elvanse gibt es bei Kindern auch noch Attentin so ganz habe ich due Unterschiede nicht verstanden außer Elvanse muß vom Körper erst umgewandelt werden Attentin nicht und mitbekommen das wohl Attentin bei einigen weniger Nebenwirkungen hat, das sind aber Erwachsene Kinder finde ich teils aber generell schwerer einzustellen weil wie ich es lese die meisten nicht genau sagen können was komisch ist, was ihnen nicht gefällt etc. wodurch die, die solche Medikamente nehmen schlechter mit sich und was sie gefühlt haben abgleichen können und damit auch dabei dann schlechter präzisere Hilfe leisten zu können und es leider mehr probieren bleibt
was du schilderst kennen viele Eltern nur zu gut, die ebenfalls ein Kind mit typischer hyperkinetischer Störung haben. Ein Patentrezept gibt es da leider nicht und die Medikamente sind ab einem gewissen Schweregrad der Ausprägung auch nur noch ein Trostpflaster.
Trotzdem hat sich bei unserem Sohn Kinecteen morgens und nach Bedarf noch ein bis zwei Gaben Medikinet 10 mg am Mittag/ Nachmittag am besten bewährt.
Die ticartigen Geräusche und Lautmalereien sollten eigentlich während die Medikamente wirken auch zurückgehen?
Was diesen Kindern oft mehr hilft, als Freundschaften sind Herausforderungen. Wenn euer Sohn sich für etwas interessiert, solltest du ihn unbedingt darin fördern, und zwar mit Aufgaben, die ihn herausfordern, aber nicht überfordern damit er nicht zu schnell frustriert ist.
Unser Sohn mag alles, was mit Mathematik zu tun hat und technisches Spielzeug. Wir haben ihm Werkzeuge gekauft mit denen er sich den ganzen restlichen Tag, bedauerlicherweise auch oft bis in die Nacht beschäftigen kann, was für deutlich mehr Ruhe und Ausgeglichenheit gesorgt hat.
Für Freundschaften oder Teilhabe an normalem gesellschaftlichen Leben sehe ich momentan überhaupt keine Chance.
Die Kinder fühlen sich immer sofort unfair behandelt, wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen oder selbstgemachten Regeln läuft und dann hauen sie auch meistens schnell zu. Dabei haben sie sogar noch richtig Spaß, weil ihnen irgendwie ein normales Schmerzempfinden fehlt. Nichtsdestotrotz sind die Konsequenzen die aus solchem Verhalten entstehen meistens nicht zu unterschätzen, weil ganz schnell der Rausschmiss aus Kita, Schule, Verein usw. folgt und natürlich schwere Vorwürfe gegenüber uns als Eltern folgen.
Fazit: Die Hilfsmöglichkeiten und Fördermöglichkeiten sind lächerlich und wir Familien mit ADHS-Kindern müssen versuchen das Beste aus der Situation zu machen.
Du könntest evtl. einen Pflegegrad für dein Kind beantragen?
Das kann man so nicht pauschalisieren und kommt auf das Kind und den Schweregrad bzw. Ausprägung an. Bei manchen Kindern steht die Impulsivität im Vordergrund, manche sind aggressiv, andere nicht.
Unser Sohn hat zb sehr wohl Freunde, dafür kann er sehr wenig mit seinen Spielsachen anfangen und hat fast nie einen Hyperfokus. Er ist am Liebsten einfach nur draußen.
Die Eindosierung dauert meist sehr lange, was gut funktioniert hat, kann nach ein paar Wochen schon anders aussehen. Bei uns zb hat Ritalin und Medikinet retard nicht viel helfen, Concerta in Kombination mit unretardiertem Medikinet hingegen AKTUELL schon. Was sagen denn Psychologen und Ärzte? Wie werdet ihr betreut? Gibt es zusätzliche Hilfsangebote wie soziales Kompetenztraining etc.?
Seid ihr auf die Tagesgruppe angewiesen? Der Tag ist dann schon ziemlich lang.
Da die Wirkung an sich anscheinend da ist, wäre eine Idee z.B. Kinecteen auszuprobieren, was länger wirkt.
Ansonsten fand ich Spiegelmedikamente wie Atomoxetin oder intuniv angenehmer, weil es keine Schwankungen gibt. Die brauchen aber 3 Wochen, bis sie wirken und Nebenwirkungen haben sie natürlich auch.
Letztendlich bleibt nur auszuprobieren und evtl. Aus der Tagesgruppe rausnehmen, wenn es möglich ist.
Ja sind auf die Tagesgruppe angewiesen, dort ist er weil er im Hort nicht tragbar war. Von uns ist selten jemand vor halb 5 von der Arbeit her Zuhause. Und selbst wenn ich ihn dort rausnehmen würde, ist die Situation auch Zuhause so nicht dauethaft tragbar. Man kann ihn nicht mal eine viertel Stunde alleine im Garten lassen. Meist ärgert er dann entweder die Hunde oder kommt auf andere blödsinnige Ideen. Er geht ja an sich auch gerne in die Tagesgruppe, da er dort auch mal jemanden zum spielen hat.
Wir müssen die Kinder auch in die Betreuung geben, weil einerseits wenig Unterstützung von Seiten der Arbeitgeber, als auch von allen anderen Personen vorhanden ist. Ich merke auch, dass das die Kinder oft überfordert sind und sie regelmäßig einen Meltdown nach dem Abholen bekommen. Wir haben auch andere Medikamente ausprobiert, z.B. Concerta, aber ich persönlich glaube, dass bei Kindern die sehr schnell metabolisieren mehrere Gaben niedriger Dosierung, retardierter Medikamentengaben sinnvoller sind. Die Ärzte sind aber nicht bereit eine dritte Dosis zu verschreiben, vor allem weil sie das niedrige Körpergewicht auf MPH bzw. der Appetitlosigkeit als Nebenwirkung zurückführen, was allerdings m.E. eine sehr reduktionistische Betrachtungsweise ist, insbesondere wenn sie Kinder schon immer zu Untergewicht neigten, alles auf einen generellen schnellen Stoffwechsel hinweist und Hyperaktivität jeden noch so zaghaften versuch ein Fettpölsterchen anzusetzen zunichtemacht, wäre ein Umdenken angebracht.
Wenn das Medikament in der Schule hilft , dann scheint es ja an sich das richtige zu sein.
Wäre es nicht ein Versuch Wert eine Zweite Einbahme zu versuchen , weil ADHS hat man nicht nur morgens in der Schule und eine Tagesgruppe hat auch viele Anforderungen in denen man bestehen muss . vor allem mit einem Rebound nicht so einfach
Es könnte sogar möglich sein, dass schon eine zweite Einnahme sich positiv auf euren Rest des Tags auswirkt .
Es kommen da da nachmittags einfach mehrer Situationen zusammen die für jemanden mit ADHS echt ungünstig sind .
In den ersten Monaten meiner Eindosierung musste ich mich kurz im Rebound zurückziehen . Ich war da sehr verpeilt, ungewöhnlich agro und unsozial . Wenn ich mir überlege was ggf, da von deinem Sohn abverlangt wird.
Concerta und Kinecteen wurden dafür gemacht, dass auch Kinder in Ganztagsschulen/Hort/Tagesgruppen noch abgedeckt sind.
Es gibt aber auch Fälle, wo das nicht reicht oder nicht funktioniert. Dann bekommt ein Kind von der Lehrerin oder sonstigem Personal seine nächste Kapsel oder Tablette. Bei meinem großen Sohn war das damals möglich.
Die Schwierigkeit ist eben, dass Medikinet nicht den ganzen Tag abdeckt.
Ich sehe aber davon unabhängig noch ein Problem - Unterforderung und/oder Langeweile.
Der Geist will beschäftigt werden.
Das klingt erstmal seltsam, weil ihn ja Alltägliches zu überfordern scheint.
Vielleicht ist er auch gar nicht immer interessiert an der Interaktion mit Gleichaltrigen. Wenn das übergestülpt wird, weil es angeblich gut und wichtig für die Entwicklung ist, kann das natürlich auch aggressiv machen. Er muss auch die Möglichkeit haben, in seiner Welt zu bleiben.
Das würde ich hinterfragen. Allgemein lügen ADHSler eher nicht - sie sehen die Welt einfach anders.
Gerade das mit dem Konfabulieren ist wichtig zu verstehen finde ich, für den Betroffenen selbst und das Umfeld. Naja und meistens sind es halt diese sogenannten „Notlügen“ wenn dann doch richtig gelogen wird statt Konfabuliert. Siehe Verschlinkung drüber.
Mein Sohn lügt aufgrund der Rejection Sensitivity, würde ich vermuten. Wenn er davon ausgeht, dass er für die Wahrheit Ärger kriegt (oder Schimpfe), dann lügt er lieber…
Ja, das meine ich… Es ist kein bewusstes Lügen, um jemandem zu schaden. Deswegen sollte man das hinterfragen.
Bedeutet aber auch, dass er schon oft Ärger gekriegt hat, wenn er bei der Wahrheit geblieben ist. Wobei die Definition von Ärger ja bei Kindern auch nicht immer nachvollziehbar ist. Vielleicht ist es einfach nur die Erklärung, die man von ihm fordert, die er aber nicht hat. Und dann erfindet er eine, damit Ruhe ist.
Bzgl. des Lügens: meine beiden Kinder, sowohl die neuronormale Tochter als auch der Sohn mit ADHS hatten unabhängig voneinander mit ca. 8/9 Jahren eine Phase, in der sie viel mehr gelogen haben als davor und danach. Sie haben die Lügen meist im Nachhinein aufgeklärt (oder mussten dabei schon grinsen), wenn ich sie nicht ohnehin von vornherein nicht geglaubt habe.
Mir kam das wie eine Art Experiment oder Wettbewerb vor, so in der Art „worauf fallen die Eltern rein und ich als Kind habe mit meiner Schauspielkunst gewonnen? Wo ist die Grenze zwischen harmloser Schwindelei und wo zur Lüge, wo die Eltern sauer werden?“
Das hat sich wieder weitgehend gelegt, etwas Schummelei oder womöglich gezieltes Vergessen (abends nach einem Nachmittag mit Freunden nach angeblich erledigten Hausaufgaben „Oh, ich habe ja doch noch eine Hausaufgabe“ oder „wir haben nur 1 Stunde gezockt bei meinem Kumpel“ auch wenn es zwei waren, die Zeit verfliegt halt bei solchen Dingen, ist schwer einzuschätzen), halte ich für harmlos.
In der „Lügenphase“ kann ich mich nicht erinnern, ernsthaft geschimpft zu haben (bösartige Lügen, oder Lügen, die übel ausgehen hätten können, waren aber nie dabei). Aber ich habe sie immer mal wieder an die Geschichte mit dem Hirtenjungen und dem Wolf erinnert (Moral von der Geschicht: Wer öfter lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht) und auch auf andere Folgen (Missverständnisse mit Freunden etc.). Und mich gefreut, wenn ich eine Lüge durchschaut habe (hatte ja auch Wettbewerbscharakter).
Langer Text, kurzer Sinn: Vielleicht ist es ja bei euch auch so eine Phase, die man (meines Erachtens) nicht überbewerten, sondern eher „begleiten“ sollte?
Ah, habe gerade nochmal nachgelesen, du hattest ja auch geschrieben, dass er immer anderen die Schuld an Auseinandersetzungen gibt. Das kenne ich von meinem Sohn mit ADHS sehr gut. Bei ihm sind die Auseinandersetzungen allerdings nur innerhalb der Familie, oft also mit mir oder meinem Mann oder seiner Schwester.
Da ich den „Tathergang“ somit oft selbst erlebe, weiß ich ja, wie es gelaufen ist. Allerdings weiß ich auch (auch aus Erfahrung mit Streits von mir und meinem Mann), wie schwer es sein kann, sich den zeitlichen Ablauf von Bemerkungen etc. in so einem Streit genau zu merken. Da erinnert sich jeder von uns selbst eine Minute später desöfteren anders und für sich selbst vorteilhafter („Nein, das habe ich nur so gesagt, weil du doch davor xy gesagt hast!“).
Zudem wertet man Aussagen anderer deutlich verletzender als die eigenen Aussagen.
Und beides ist bei meinem Sohn sehr stark verstärkt. Vermutlich ist das auch eine Art Ego-Schutz, aber desöfteren schwer zu ertragen, wenn er seiner (großen) Schwester mal wieder weh getan hat mit Worten oder Taten, aber sie ja „angefangen“ hat und „ihm auch weh getan hat“. Oft bin ich Augen- und Ohrenzeugin und dennoch fühlt er sich benachteiligt, wenn meist nur er geschimpft wird (es gibt tatsächlich Fälle, wo die ansonsten sehr friedliche große Schwester zumindest mit Worten ordentlich provoziert hat, dann natürlich auch sie).