Sohn mit ADS LRS und Dyskalulie schafft 7. Klasse nicht

die Fünf ist gerade noch bestanden, die sechs ist durchgefallen…

Die Achte auf einem bayerischen Gymnasium drückst du nicht durch (ich hatte das weiter oben schon beschrieben). Das sind schon zeitlich massive Unterschiede - mehr Wochenstunden, mehr Hausaufgaben, geforderte (nicht gewünschte) Selbstorganisation. Für ein ADHS/LRS-Kind ist das Gymnasium in Bayern eher ein Kampf gegen die eigene Biologie.

Ja und das sind doch einige Möglichkeiten und das Leben sollte ja nicht nur noch aus Schule bestehen. Dann lieber etwas entspannter die mittlere Reife und dem Lieblingshobby nachgehen anstatt nach der Schule nach Hause kommen und weiter lernen bis zur Schlafenszeit und am Ende doch nur gerade so die Klasse schaffen.

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Epische Metapher, wo haste die denn her?

Liebe Gruppe,

vielen Dank für den super interessanten Austausch. Ich finde, daraus zieht man mal wieder, dass dieses (bayerische ) Schulsystem im Grunde alle aufreibt; es scheint nur für einen kleinen Teil des Nachwuchses zu funktionieren. Hier in Bayern gibt es tatsächlich keine Gesamtschulen, und das ist das Problem. Denn die größten Probleme im ADHS entstehen ja im Teenager- Alter, und auch wenn es hier 50 verschiedene Möglichkeiten gibt, zum Abitur zu kommen, ist den Jugendlichen doch das allerwichtigste, in ihrer Gruppe zu bleiben. Und jede Art von Wechsel, ob Sitzenbleiben oder Schulwechsel, ist für sie eine Strafe und mit maximalen Stress verbunden(Ausnahmen ausgenommen) . Ich weiß nicht, warum verzweifelt an diesem System festgehalten wird, aber ich denke, in Deutschland liebt man einfach immer noch diese Vorstellung von einer Elite.

Und was ich mich auch frage; wenn mein Sohn die Schule wechseln würde: kann er sich dann plötzlich in der Realschule super konzentrieren?

Gott sei Dank scheinen wir möglicherweise auf einem richtigen Weg zu sein. Mein Sohn hat das Methylphenidat ja wirklich gar nicht vertragen. Er hat sich überhaupt nicht mehr wie er selbst gefühlt. Jetzt nimmt er seit einigen Tagen Elvanse und dieses Medikament scheint ihm wirklich gut zu tun. Ein Lichtblick, denn mit Methylphenidat wäre es nicht weitergegangen.

Dann stelle ich mir vor - wie ich letztens in einem Essay las - wie es wäre, wenn einfach 95 % Neurodivergent und 5 % Neurokonvergent wären. Zich kreative, unstrukturierte Schüler in der Klasse, und der Rest muss LSD nehmen, um Ihnen in ihren Gedankengängen folgen zu können. Hahn. Scherz. Aber doch irgendwie das, was man mit ADHS und diesem Schulsystem andersherum erlebt.

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Genau das verstehe ich vollkommen.
Und Erwachsene tun sich hier leicht mit: Ach, das ist eine Chance.

Jugendliche sind echt stark abhängig von ihrer Peergroup und in ein neues Haifischbecken der Pubertät geschmissen zu werden ist kein Spaß, sondern Stress. Worst case ist es noch so, dass er auch in der nächsten Schule versagt - da hilft leider die schönste Schachmetapher nichts, das muss alles gut überlegt sein. Das Grundproblem muss an sich rausgefunden und gelöst werden. Und klar kann dann ein Wechsel noch immer Sinn machen. Nur jetzt muss man wie erwähnt noch gaaar nichts entscheiden. Ein Schritt nach dem anderen.
In solchen Anfragen kommt halt immer als erstes: Wechseln. Nur manchmal sind die Fälle halt nicht so einfach.

Gut, dass ihr nun mit den Medikamenten weiterkommt.

In welchen Fächern hakt es denn jetzt?

Zum Thema Selbstorganisiertheit:
Ich persönlich sehe das als absolutes Muss im Gymnasium und normal an. Ich wundere mich eher, dass dies teils wohl in Deutschland anders ist.
Gymnasium heißt lernen selbst mitschreiben, Dinge tun, wenn sie gefordert werden, auch wenn sie nicht gleich kontrolliert und nachgefragt werden, Wenn danach gefragt wird, ist es parat - und ja auch mein Sohn meinte in der ersten Klasse, als er mal eine HÜ nicht vorzeigen konnte „Mich hat ja nie wer nach den HÜ gefragt“ Ja, willkommen im Gymnasium - du hast es vorzuzeigen, wenn es gebraucht wird - auch wenn ganz oft/lange niemand danach fragt.

Ich sehe das nicht als schlecht an. Man lernt schon einiges auch für’s leben.

Meinen Kleinen schicke ich aber genau darum nicht auf’s Gymnasium aus heutiger Sicht. Mit ADHS und einer miesen Selbstorganisation ist man dort halt einfach falsch… nebenbei verweigert er gern das lernen - sehr schlechte Grundvoraussetzung :smiling_face_with_sunglasses: ← bezieht sich konkret auf mein Kind, ich kenne natürlich auch ADHS-ler die das Gymnasium gut schaffen.

Das freut mich sehr zu hören und ich drücke die Daumen, dass es ihm hilft ohne den Stress und mit etwas mehr Leichtigkeit den Schulalltag zu bewältigen. In Bayern wäre ich damals glaube ich total verzweifelt.

Wegen des Kampfbegriffes musste ich natürlich an Schach denken.

Noch etwas:
Wenn er an sich intelligent ist und viel lernt und dennoch nicht gut abschneidet, liegt für mich nahe, dass er falsch lernt.

Ich merke das auch bei meinem Sohn. Er lernt teilweise einfach zu oberflächlich. Er meint quasi durchlesen und verstanden haben reicht. Ich muss ihm immer wieder sagen, wie wichtig intensives Wiederholen ist. Das fängt dann schon bei der Planung an, wenn viel zu spät mit Lernen begonnen wird, weil noch kurz vor der Prüfung neues gelernt wird, statt den Stoff mindestens 2-3 Tage (in „Problemfächern“ natürlich noch mehr Zeit notwendig) zu festigen. :roll_eyes: Lernen lebt sogar in vielen Fächern quasi von der Wiederholung.

Da hilft ihm wirklich nur abfragen, wenn er meint, dass er genug gelernt hat und den Stoff kann. Oft zeigen sich Lücken.
Man muss auch ganz genau hinschauen, ob die Basiskonzepte klar sind. Wo vielleicht noch Lücken sind.
In Englisch weiß ich, dass er wirklich neue Grammatikbereiche mehrere Wochen intensiv bearbeiten muss.
Ich frage dann z.B. bei den Tenses immer erst ab, welche Zeiten er kennt , wann sie verwendet werden, wie man sie bildet, wie man Fragen bildet, wie man sie verneint. Dann macht er z.B. 10 Einsetzübungen. Es braucht bei ihm echt lange, bis das sitzt… Anfangs gehen wir dann auch durch, warum er die ZEit gewählt hat, beziehungsweise unterstreichen die „Buzzwords“. Das nervt ihn zwar (er will immer nur husch-husch drüberlesen :smirking_face: ), aber hilft wirklich. Nur man muss da echt dran bleiben.
Ich glaube um Fragen und Verneinungen richtig zu bilden waren wir allein monatelang dran letztes Jahr…

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Ich muss nur sagen, ich finde das nur so erschreckend alles. Dein Sohn macht nämlich eventuell das natürlichste der Welt, wenn er kein Interesse daran zeigt, stundenlang sinnlos Grammatik zu pauken. Denn eigentlich ist sprache zum kommunizieren gedacht. Stattdessen setzt das Schulsystem, Kinder seit Jahrzehnten, diesen stumpfen Grammatikwiederholungen aus. Anstatt das mit Sprache zu tun wozu sie eigentlich gedacht ist.

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Ja, beim Sprachenlernen hat sich einiges nicht gerade zum besseren entwickelt.

Allerdings muss ich sagen: Es wäre völlig egal ob Gymasium oder Mittelschule.

Mein ADHS-ler ist aktuell 3. Klasse Volksschule. Österreich hatte die geniale Idee Englisch nun schon in der Volksschule zu benoten. Jetzt hat er 1h Englisch jede Woche. Jede zweite Woche ist Test. Aktuell lernt er Wegbeschreibungen. Der Unterricht spottet jeder Beschreibung. Laut meinem Sohn steht der Lehrer vorne, sagt Sätze und die Kinder (ich merke nochmal an 3. Klasse Volksschule!) müssen diese niederschreiben. Ich brauche nicht erwähnen, dass dies für Volksschüler schon ein Ding der Unmöglichkeit quasi ist, da sie die Vokabeln nicht kennen und schon gar nicht schreiben können…

Seltsamerweise hasst mein Kleiner inzwischen auch Englisch.

Danke österreichisches Bildungsministerium. Mehr Schwachsinn geht kaum… Rundum höre ich nur von Problemen mit dieser glorreichen Idee.

Achso und letztens gab’s einen Lückentext zum Körper. Da waren Vokabeln dabei wie „digest“. Ernsthaft, der Lehrer glaube 3. Klasse VS kennt solche Wörter einfach so?
Ich glaube, das hat noch nicht mal mein 12-jähriger bisher gelernt.

Abgesehen von den ganzen anderen Vokabeln… Es kommen in den Texten auch einfach alle Zeiten vor, die man sich vorstellen kann. Sind anscheinend lauter Wunderkinder - mein Großer kämpft noch mit past tense und Co beim Kleinen kommt das einfach so in den Lückentexten und Aufgaben vor. :zany_face:

Wenn ich frage, sagt mein Kleiner, dass er nur Bahnhof versteht…

Diese Woche sind allerdings „nur“ 26 Vokabeln und Phrasen für den nächsten Test zu lernen… waren schon einige mehr für eine Woche - insoferne super, oder? :zany_face:

Laut Ministerium soll das ganze unter anderem dazu dienen, dass in Kindern die Freude an Englisch geweckt wird… sowas kannst du dir nicht ausdenken.

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Da merkt man doch wie Weltfremd die alle sind und scheinbar haben die auch vergessen, wie sich Kind sein anfühlt.

Ich habe das Gefühl, es wird hier ein bisschen was durcheinander geworfen. Wo bitte ist eine 5 bestanden? Mit zwei Fünfen im Zeugnis muss man wiederholen wenn es Vorrückungsfächer sind und man diese nicht ausgleichen kann.

Über Mittelschule braucht man doch erstmal nicht zu diskutieren, es gibt schließlich auch noch die Realschule. Keine Gesamtschule hat auch viele Vorteile.

Ich bin da ganz ehrlich: wir sprechen hier von 5en und sogar 6en von einem Schüler, der nicht fleißig ist, sich drei Tage vor den Prüfungen hinsetzt und versucht das Beste rauszuholen. Intelligenz hin oder her: da ist das Gymnasium einfach nichts für ihn. Wieso tut man ihm das an? Für ein Kind ist das absolut schrecklich!

Ich habe damals selbst die Erfahrung gemacht, bin schon nach der 6. Klasse vom Gymnasium auf die Realschule und ich bin meinen Eltern unendlich dankbar, dass sie diese Entscheidung getroffen haben: mein Selbstbewusstsein war dahin und wurde in der Realschule wieder aufgebaut, ich habe tolle Freunde gefunden und hatte eine super Schulzeit - ich habe danach übrigens eine Ausbildung gemacht, mein Abi nachgeholt und dann studiert.

Mein Sohn ist jetzt in der 2. Klasse und er hat super Noten und obwohl wir ein Akademikerpaar sind, sehe ich ihn nicht auf dem Gymnasium. Er ist auch intelligent aber er ist nicht fleißig und gerade mit ADHS halte ich es für schwierig sich da durchzukämpfen. Es ist doch keine Schande wenn es kein Gymnasium ist?!

Mich freut es, dass die Medis nun helfen. Das ist so grundlegend! Denn ohne ist das natürlich richtig hart… ich drücke euch fest die Daumen, dass ihr nen guten Weg findet. Was sagt denn die Klassenlehrkraft dazu? Hat sie Hoffnung, dass es noch etwas werden könnte?

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Das war die einfachste Erklärung für den Unterschied von 5 und 6. Ich hätte auch ganz exakt aufdröseln können, was der eigentliche Sinn und Zweck dieser beiden Noten ist.