Sohn wirkt depressiv und es geht ihm immer schlechter

Hält die Wirkung inzwischen länger als die 3 Stunden? Und die Depressions-Zustände kamen vom Rebound, habe ich das richtig verstanden?

Super!

Ich finde übrigens nicht, dass du eingangs irgendwie ungünstig geschrieben oder formuliert hättest. Dagegen war der Vorwurf aus meiner Sicht unangebracht.

Wie lang hält die Wirkung inzwischen an?
Meine Tochter als auch mein Sohn haben Medikinet auch nicht vertragen.
Der Sohn kommt mit 2 x 20 mg Elvanse gut klar, die Tochter (AuDHS plus hohe Begabung) startet morgens mit 40 mg Elvanse und nimmt am frühen Nachmittag nochmal 20 mg nach.

Was ich in Sachen Depression noch in den Raum werfen will: die aktuelle Weltlage ist durchaus zum Verzweifeln. Besonders HB-Kinder checken das sehr früh. Sie sehen viel früher als ihre Altersgenossen, dass ihre Zukunft viel dystopischer ist als die ihrer Vorfahren. Zu all dem Pubertätschaos, den Diagnosen und damit verbundenen Wahrnehmungen und erfahrenen Traumata kommt das noch oben drauf. Dem Alter nach wird er auch eines der „Choronakinder“ gewesen sein. Auch das kann je nach gemachten Erfahrungen noch immer Nachwirkungen haben.

Ich finde es sehr gut, dass er jetzt in der Schule angepassteren Stoff bekommt!
Langeweile und Unterforderung kann auch depressive Gedanken im Sinne von „Hat eh alles keinen Sinn“ auslösen.
Ich kenne das hier in Ansätzen von meiner Tochter, die dann auch im privaten Bereich kaum noch Dinge anfangen konnte. Sie war einerseits sehr begabt und hat alles beim ersten Versuch besser hinbekommen als Andere, die das schon länger machen, aber dann fehlte ihr die Erfahrung, dass sie Fehler machen darf und Anstrengung zum Überwinden der Hürde führt. Sie war (und ist) sehr perfektionistisch und kennt von sich nur sehr gute Leistungen, sieht dann aber auch sofort, was alles noch nicht gut genug ist und dann war sie schnell demotiviert und hat gar nicht erst angefangen. Angst vorm Scheitern.

Das wurde besser, als sie ohne Druck und Zwang Musikunterricht bekam und dort nach und nach lernte, sich weiterzuentwickeln. Grundsätzlich ist sie nämlich intrinsisch sehr motiviert. Das wurde nur von der Schule ignoriert und sogar beinahe ausgelöscht, weil sie eben nie fordernden und motivierenden Schulstoff bekam.

Zusätzlich hilft ihr Elvanse auch sehr, mit weniger Kraftanstrengung durch den Tag zu kommen. Sie kann besser Anfangen, konzentrierter lesen und Reize besser ausblenden und verarbeiten. Sie merkt inzwischen sehr deutlich, wenn sie mal vergessen hat, es zu nehmen. Wegen des Steady States hat sie auch akzeptiert, wenigstens eine der beiden Dosen auch am WE zu nehmen. So hat sie auch einen besseren Zugang zu ihren Hobbys, weil sie mit mehr Energie starten kann.

Ihr hat auch geholfen, sich selbst mehr mit ihren Diagnosen zu befassen. Sie erkennt inzwischen etwas besser, was ihr gut tut und was nicht. Trotzdem ist sie natürlich weiterhin auf Feedback von außen angewiesen. Sie weiß aber z.B., wann sie ANC Kopfhörer braucht oder wann ihr Schule auch mal egal sein kann und sie statt dessen nur eine Staffel ihrer Lieblingsserie schauen sollte, um runter zu kommen. Es hilft ihr sehr, sich mit ihrem persönlichen AuDHS auseinander zu setzen.

So wie ich das lese seid ihr auf einem guten Weg.
Vielleicht wäre eine zweite Dosis Elvanse noch eine Option.

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Hallo,

Elvanse hilft bis ca 14:00/15:00. danach geht es erst einmal bergab.

Diese depressive Verstimmung hattet er schon vorher. Da aber ganztägig mehr oder weniger. Nun nicht mehr. Er braucht auch tagsüber weniger Schlaf und ist weniger erschöpft.

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Das ist großartig!
Genau so haben wir es hier auch mit Elvanse erlebt.

Seid euch aber bewusst, dass es trotzdem Schwankungen geben wird. Manchmal passiert in und um einen so viel, dass das auch durch das Elvanse nicht ausgeglichen werden kann. Phasen der Aktivität und anschließende Phasen der Erholung werden sich weiterhin abwechseln.
Wir erleben es so, dass die Tochter zwar tagsüber weniger Schlaf benötigt, dafür aber nach ein paar Schultagen die Luft raus ist und sie einen Karenztag benötigt.
Seid also nicht überrascht, falls es sich bei deinem Sohn in eine ähnliche Richtung entwickeln sollte.

Außerdem hat sie nach ein paar Monaten das Gefühl gehabt, dass das Elvanse nicht mehr richtig wirke. Hier war einmalig eine Dosisanpassung nach oben nötig sowie dann die zweite Dosis am Nachmittag. Allerdings nicht zu spät, weil sie sonst den Energieschub am Abend bekommt und nicht rechtzeitig zur Ruhe kommt. Sie schläft so schon nicht vor Mitternacht.

Eventuell könnte bei deinem Sohn noch die sogenannte Dysphorie bei Inaktivität Auslöser der depressiven Phasen sein. Zumindest kenne ich das von mir und die Beschreibung hier auf der Hauptseite hat mir diesbezüglich sehr geholfen, das Phänomen einzuordnen und in der Folge auch besser damit umzugehen.

Erstmal freue ich mich jedoch sehr für euch und wünsche weiterhin alles Gute!

Hallo @Dinie,
ich habe letztens diesen Podcast gehört und fand ihn unglaublich spannend:

Es geht darin insbesondere um die Herausforderungen von Kindern in Pflegefamilien und die Auswirkung frühester Traumata (teilweise noch im Mutterleib). Ich würde die Diagnosen ADHS/ ASS nicht anzweifeln, aber es könnte vielleicht, dass euer Sohn noch ganz andere Themen aufzuarbeiten hat und die Medikamente auch daher nicht der einzige Schlüssel sind.

Ich wünsche euch auf jeden Fall ganz viel Kraft und schließe mich der Meinung des Psychiaters an, dass alle Pflegeeltern das Bundesverdienstkreuz verdient haben! Es ist toll, dass es Menschen wie euch gibt :slightly_smiling_face:

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Hallo,

ich finde die Phase mit ASS, ADHS und Pubertät auch bei unserem Sohn (ohne Trennungstrauma) schon schwierig, ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie schwierig es ist, bei einem Pflegekind das auseinander zu halten.

Letztlich hatten wir die Phase mit dem “nur auf dem Bett liegen, nix können, zu viele Reize” auch in dem Alter (12).

Wir sind dann die ASS Diagnostik angegangen (Ergebnis war uns vorher klar) und haben eine Reha beantragt.

Das fand ich ganz hilfreich, weil er von “neutralen” Fachleuten beobachtet wurde, dabei haben wir auch mit der Elvanse-Diagnose probiert was zu ändern, durch die Beobachtungen der Erzieher hat die Ärztin ihre eigenen Schlüsse gezogen und hat empfohlen, wieder runter zu gehen.

Vielleicht ist das für euch auch mal eine Idee, ich fand es gut, mal 4 Wochen mit dem Kind (Begleitung geht auch bei über 12jährigen) raus aus allem zu sein, in sehr lange beobachten zu können und mich mit verschiedenen Menschen vom Fach über ihn austauschen zu können.
(Wir waren in Wangen zur Reha, dort leben die älteren Kinder zusammen auf der Station, die Eltern in seperaten Fluren, sind aber jederzeit erreichbar und nicht einfach “weit weg”).

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