Sorge vor Diagnostik-Termin wegen abendlichem Cannabiskonsum (Selbstmedikation)

Moin in die Runde, :waving_hand:

ich stehe demnächst vor meinem ganztägigen ADHS-Diagnostiktermin und überlege gerade, wie streng Praxen mit dem Thema Konsum umgehen.

Ich habe kürzlich von einem Therapeuten bereits eine vorläufige Vordiagnose bekommen und wurde an eine Spezialpraxis überwiesen. Ergänzend dazu habe ich die üblichen Online-Tests gemacht (u.a. den adxs V5 Symptomtest), bei denen jeweils ein deutlicher Hinweis auf ADHS ohne Hyperaktivität herauskam. Auch wenn das natürlich keine offizielle Diagnose ist. Dazu passt auch mein Grundschulzeugnis aus der 4. Klasse, in dem genau diese Konzentrations- und Startprobleme stehen.

Mein Punkt ist allerdings der Konsum: Ich rauche seit etwa 6 bis 7 Monaten fast jeden Abend so 0,1 bis 0,2g per Verdampfer, um das Gedankenkarussell zu beruhigen und einschlafen zu können und habe dies in den Vorgesprächen auch so angegeben. Es ist für mich im Grunde der Versuch, die Einschlafprobleme irgendwie zu steuern. Konsum von anderen Substanzen oder Drogen gab es abgesehen von einem gelegentlichen Feierabendbier mit Kollegen oder Freunden nie. Ich hätte bei passender Behandlung auch kein Problem damit, sofort damit aufzuhören, und würde das sogar sehr gerne tun. Das Rauchen an sich und der High-Effekt geben mir persönlich nämlich keinen Mehrwert.

Jetzt bin ich im Netz über ein paar Google-Bewertungen der Praxis gestolpert, zu der ich gehe. Da wurde beschrieben, dass Patienten mit bestimmten Baustellen oder Konsum teils recht hart abgewiesen wurden.

Daher die Frage an euch: Wie handhaben das die meisten Spezialpraxen? Wird man da direkt abgestempelt oder verweigert man pauschal die Behandlung, nur weil man abends zum Schlafen konsumiert? Verlangen die Ärzte sofort eine komplette Abstinenz vorab, oder blicken die, dass der Konsum oft aus genau diesem unbehandelten Leidensdruck heraus entsteht?

Hat da jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht und kann berichten, wie offen man das am besten ansprechen sollte?

Danke! :grinning_face_with_smiling_eyes:

Ich würds einfach nicht erwähnen.
Zu viel Risiko, die einen sehen das als Indiz für Selbstmedikation und größeren Hinweis auf ADHS, die anderen sehen das als Kontraindikation für die Diagnostik weil die Symptome ggf. von Cannabiskonsum verursacht sein könnten.
Und scheinbar trifft hier letzteres eher zu.

Also einfach die Diagnostik normal machen und schauen was dabei rauskommt.

Ja, lieber nichts erwähnen, nur das du Einschlafprobleme hast. Eventuell bekommst du ein Rezept für Schlaftabletten und brauchst dann kein THC mehr. Schon Mal statt THC mit CBD probiert? Machen hilft es. Meine Neurologin empfiehlt Melatonin.

Danke für deine Antwort!

Ein wichtiger Punkt, den ich oben vergessen habe zu erwähnen: Ich habe den Konsum bereits im schriftlichen Fragebogen der Praxis und im Erstgespräch angegeben. Wollte von Anfang an ehrlich sein.

Servus,

Den Konsum hab ich bereits im Fragebogen der Praxis und im Vorgespräch angegeben. Verschweigen oder es jetzt wieder zurückzunehmen ist also gar keine Option mehr, und ich wollte dem Arzt gegenüber ehrlich sein.

Was die alternativen Schlafhilfen angeht, habe ich schon einiges durch: CBD und Melatonin haben leider überhaupt nichts gebracht. Mein Hausarzt hatte mir probeweise auch schon Trimipramin verschrieben. Das hat zwar beim Einschlafen geholfen, mich aber selbst bei minimaler Dosis am nächsten Tag komplett platt gemacht. Und das ganz ohne Cannabiskonsum… Alltagstauglich war das für mich also leider absolut nicht.

Spezialpraxis heißt, dass du da diagnostiziert und auch direkt medikamentös eingestellt wirst von Ärzten, die auf ADHS spezialisiert sind?
In dem Fall würde ich vermuten, dass die Angabe des Cannabiskonsum womöglich bedeutet, dass du Medikamente in Form von Stimulanzien erst bekommst, wenn du eine Abstinenz nachweisen kannst.
Wie sich das akut auf die Diagnostik auswirken wird, keine Ahnung.
Bei Spezialklinik würde ich vermuten, dass die das lässiger sehen, weil Cannabiskonsum bei ADHS ziemlich oft vorkommt.
Das kommt halt immer schwer drauf an, wen man vor sich sitzen hat, natürlich auch wo man ist und sowas.

Ja, genau, das ist eine spezialisierte Privatpraxis für ADHS-Diagnostik und -Therapie bei Erwachsenen (Praxis Dr. Klinga in Alzey).

Ich werde am Samstag dann einfach mit offenen Karten hingehen und sehen, wie der Arzt das vor Ort bewertet. Wenn die Medikamente an eine nachgewiesene Abstinenz geknüpft werden, habe ich zumindest die Diagnose in der Hand und Klarheit, wie es weitergeht.

Danke dir für die Einschätzung!

Hallo @Ciro , also nach meinem ganz persönlichen Laien Wissen, vertragen sich Alkohol, oder Cannabis, oder andere Drogen die sich Bewusstseinsverändernd auswirken, absolut nicht mit einer gleichzeitigen Einnahme von ADHS Stimmulanzien, und zwar vollkommen unabhängig davon wie ein ADHS Stimmulanz heisst, oder von welchem Hersteller das ADHS Stimmulanz stammt.

Zumindest hatte mir das einerseits meine Psychiaterin so kommuniziert, als andererseits auch meine auf ADHS spezialisierte Psychologin, und da diese beiden Frauen wirklich sehr ADHS versierte Frauen sind, glaube ich den beiden auch wirklich „jedes Wort“.

Jedenfalls kann, zumindest nach wie gesagt „meinem bescheidenen Laien-Wissens nach“, bei einem gleichzeitigen regelmässigem Konsum, von sowohl einerseits täglichem Alkoholkonsum, oder eben, täglichem Cannabis Konsum, eine sogenannte „Psychose“ ausgelöst werden.

Und das will man ja im Normalfall nicht, und deshalb ist es meines persönlichen Wissens nach natürlich nicht ratsam wenn man gleichzeitig, wie in Deinem Fall, einerseits ADHS Stimmulanzien, und andererseits Cannabis gleichzeitig einnimmt, da dies wie gesagt, schlimme Folgen haben kann.

Das Dir hier Vorschreiber von mir die Empfehlung abgeben das Du bei Deiner Testung bewusst lügen sollst, finde ich persönlich übrigens absolut nicht in Ordnung, sondern ehrlich gesagt sogar extrem fragwürdig, da Dir das wirklich schaden kann.

Denn im Normalfall sind Ärzte erstens Mal nicht blöd, und zweitens wirst Du früher oder später mit Deinen Lügen dann sowieso irgendwann auffliegen.

Und danach, nach einer Lüge, dann wirst Du eventuell vielleicht wirklich „abgestempelt“ sein, und zwar als Lügner, und als nicht vertrauensselig.

Und dann wird es in Zukunft vielleicht wirklich schwierig für Dich werden, heisst damit Du dann von den Ärzten, oder Spezialisten, nachher noch ernst genommen wirst.

Und so oder so, wenn Du Stimmulanzien verschrieben bekommen willst, dann solltest Du erstens nicht Lügen, und zweitens mit dem täglichen Cannabis Konsum vollkommen aufhören.

Jedenfalls ist das mein gut gemeinter Rat an Dich. :four_leaf_clover: :four_leaf_clover: :four_leaf_clover:

Man kanns wirklich übertreiben.
Also was ein Lügen-Szenarion sich da abzeichnet, ist völlig überzogen.
Es geht lediglich darum, dass man schlafende Hunde nicht unnötig wecken braucht.
Wenn die Wahrheit mit Füßen getreten wird, weil die allgemeine Wahrnehmung sowie Akzeptanz vom Cannabsiskonsum im Gesundheitssystem immer noch so dermaßen stigmatisiert ist, Ärzte & Psychologen vorurteilbehaftet nach veraltetem Lehrbuchwissen handeln und man sich mit solchen Angaben potenziell eher was verbaut statt bei der Diagnostik zu helfen, dann muss man sich über so Vorangehensweisen nicht wundern.
Zumal hier eine Privatpraxis im Spiel ist, also Selbstzahlerleistung, und da das Geld in den Sand setzen ist halt quatschig.

Ich bin der letzte der „Lügen“ empfiehlt, wer aber alles Strikt nach den System-Spielregeln befolgt und somit ganz bewusst in potenzielle Fallen reinläuft, bloß um ein gute-nudel Bürger zu sein, wird leider oft den kürzeren ziehen.
Ehrlichkeit währt am längsten bei Menschen, für die man was Wert ist und nicht nur eine Zahl, ein Vorgang, ein Kunde.

Heutzutage ist doch jeder unterwegs mit KI, wer ein bisschen gesunden Menschen verstand hat wird sich über die potenziellen Gefahren von Amphetaminen und Cannabis hoffentlich informieren.
Zumal an der Stelle mal gesagt sei, dass die Kombination aus Elvanse und Cannabis unter ärztlicher Aufsicht auch nicht unbekannt ist.

Es kommt auf vieles an, die Dosis von Elvanse und Cannabis, der Abstand zwischen beiden, die Veranlagung für Psychosen, was für ein Cannabis etc. pp.
Beides gleichzeitig nehmen ist ein anderes paar Schuhe als das eine morgens und das andere abends
Diese differenzierte Ansicht haben auch nur die wenigsten Ärzte
Kleines Beispiel, wer Elvanse nimmt und über mehrere Tage oder Wochen kaum bis gar nicht schläft, zum Beispiel wegen der Hitze durch den Sommer der letzten Wochen, läuft deutlich erhöhte Gefahr eine Psychose zu entwickeln (und nicht nur das)

Mir hat bisher aber kein Arzt gesagt „das Medikament nur nehmen wenn sie wirklich ausgeschlafen sind“
Aber irgendwie ist es auch halt einfach logisch das ein Stimulanz, welches den Körper synthetisch in eine Sympathikusaktivität pusht, ziemlich ungesund sein muss, wenn man das auf chronischen Schlafmangel einnimmt.
Du könntest auch Muskelzerfall bekommen wenn du Elvanse nimmst, dabei deinen Körper überheizt und deine Muskeln beim Training extrem stark überlastest z.B im Fitnessstudio.
Davor warnt auch niemand, bis sich der Urin dunkel braun verfärbt und man über Muskelschwäche klagt.

Mal als Denkanstoß, würdest du bei der Polizeikontrolle auch bei jedem Drogentest Ja und Amen sagen, damit du nicht „lügen“ musst?
Weil du hast ja Amphetamine im Blut, theoretisch fährst du ganz objektiv gesehen unter Drogeneinfluss und wenn die Polizsten dich Fragen ob du was genommen hast und du nicht sagst, dass du ADHSler bist und Medikamente nimmst, dann noch Elvanse, dann lügst du ja intersubjektiv, objektiv und neutral betrachtet.
Bist du aber ehrlich, dann nehmen dir die Männchen in Blau den Führerschein ab und du darfst zur MPU/ mindestens MU und einen Haufen Geld latzen - für nichts. Weil man ehrlich war, an Stellen wo es einfach unnötig ist und mehr Probleme als positiven Nutzen bringt.

Jetzt ist es natürlich so, dass man solche Drogentests nicht machen muss und Gesundheitsangaben Wahrheitsgemäßg gemacht werden sollen.
Ich hab auch schon Shisha geraucht und in Fragebögen angekreuzt „nicht raucher“..
Hab ich jetzt gelogen?
Oder im ADHS Fragebogen „nehmen Sie drogen?“ nein nehme ich nicht, weil Cannabis ein Medikament ist. Verstehst du worauf ich hinaus will?
Ist irgendwo auch Auslegungssache, hat nichts mit lügen zu tun.

Das Lügenszenario sehe ich auch als übertrieben. Er hat angegeben, dass er nur abends Cannabis konsumiert, seit erst sechs bis sieben Monaten, um einschlafen zu können. Meistens bekommt der Patient Doxepin etc. verschrieben, worauf er einschlafen kann, besser als mit Cannabis, und besser durchschlafen kann und lässt daher das Cannabis sein. Cannabis hat sich von selbst erledigt. Wenn die Ärzte allerdings sagen „Wir nehmen dich nicht, weil du Cannabis konsumierst“ und „Wir geben dir keine Schlaftabletten“, entsteht häufig ein Teufelskreis. Cannabis wird weiter genommen, da die Schlafprobleme ja bestehen, aus ein paar Monaten werden Jahre und eine Abhängigkeit entsteht. Ich hatte allerdings überlesen, dass er das schon im Vorgespräch angegeben hat, zu konsumieren. Was mich allerdings verwundert, ist, dass er angegeben hat Trimipramin bekommen. Das ist ein trizyklisches Antidepressiva und ich hätte zum Schlafen eher ein Schlafmittel wie Doxepin erwartet. Das kann man auch niedrig dosiert einnehmen. Auf ADXS.org wird übrigens für ADHS ein anderes Schlafmittel empfohlen, Trazodon.

Eine große Menge Leute mit ADHS haben bereits mit Substanzen aller Art zu tun gehabt. Wenn du nicht noch sehr jung bist und dich einigermaßen gut ausdrücken kannst haben die Ärzte besonders wenn sie auf ADHS spezialisiert sind sicher ein gewisses Verständnis . Ich habe bei meiner Diagnostik komplett mit offenen Karten gespielt. Habe trotz Vorgeschichte Elvanse bekommen. Seitdem konsumiere ich auch nix anderes mehr außer der Medikation nach ärztlicher Vorschrift, nur als Randinfo. Ich wünsche dir das alles wie du es dir wünschst verläuft und du eine gute Bindung zu den Ärzten aufbaust. Das halte ich für wichtig damit man eine eventuelle weitere Medikation gut besprechen kann. Das BTM Rezepte bei gleichzeitigem Konsum anderer Substanzen ungern verschrieben weden ist aber auch nicht zu leugnen. Hoffentlich findet ihr eine gute Lösung!