Soziale Interaktion - Verabschiedungen

Grüßli!

Ich habe vor längerem wieder eine Debatte mit mir selber geführt, dabei ging es um Verabschiedungen welche ich erneut akribisch hinterfragt habe. Nun würde ich euch meine Kenntnis gerne erläutern und fragen, was ihr davon haltet.

Nun ist es so, dass beim Verabschieden zwischen zwei oder mehreren Personen, statt einem simplen „Tschüss“ oder „Auf wiedersehen“, noch ein halber Liebesroman vorgetragen wird, wobei man die ganzen Äußerungen dann auch noch respondieren muss um seinem Gegenüber höflich zu erscheinen! Um mal ein klares Beispiel aufzuzeigen : „Tschüss, und schönen Tag noch, und lass es dir gut gehen, und schönes Wochenende noch, ach und grüß noch X und Y“
Bei einer Unterhaltung an der nur zwei Personen beteiligt sind ist das ganze noch händelbar, aber sobald dann mehrere Personen teilhaben wird diese Verabschiedung total chaotisch und führt zu purem Stress.

Dazu finde ich diese extra Sätze super fragwürdig, ist es nicht eigentlich total dualistisch, es interessiert dein Gegenüber doch eigentlich gar nicht wirklich ob du die Personen grüßt oder noch einen schönen Tag hast? Geht es der Person im Endeffekt nicht nur darum höflich zu wirken - also das Konzept der Höflichkeit weiter zu tragen - und dieses positive Bild nach außen zu bewahren? Ich verstehe die Intension dahinter einfach nicht, genau wie die Frage „Wie geht es dir“ am Anfang eines Gespräches, eigentlich hat die Person gar kein Interesse an dem Wohlbefinden ihres Gegenübers, trotz dessen fragt sie, mit der Annahme dass ihr Gegenüber mit einem kurzen Wort oder Satz antwortet, nicht ihr ganzes Herz ausschüttet.
Warum wird sowas als Höflich kategorisiert obwohl es doch totale Heuchelei ist?

Da ich in meinem Umfeld keine Erklärung finden konnte, wende ich mich nun hierher.

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Das ist halt eine soziale Konvention (in bestimmten Schichten) wie z.B. Hosen tragen auf Arbeit oder wenn Besuch kommt. Passt in die Kategorie: „Ärgerlich aber isso“ :man_shrugging:

Man kann damit zeigen, dass man jemanden schätzt, ohne denjenigen wirklich schätzen zu müssen.

Das mit den Hosen, Krawatten und Fliegen (ausgenommen sind Jogginghosen und T-Shirts mit aufgedruckten Krawatten) macht nun aber wirklich keinen Sinn.

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Hey @Werbefrei ich verstehe dich gut. Ich glaube, man muss unterscheiden, wem man nach dem tschüss noch den Blumenstrauß hinterher schickt und in welchem Zusammenhang. Z.b wenn wir das Office nach Feierabend verlassen, dann sagen wie alle automatisch mehr als nur Tschüss, z.b Tschüss Leute, bis morgen schönen abend, (dann z.t. noch was Persönliches wie" viel Spaß beim Sport…"). Das zeugt von echter Wertschätzung und aufrichtigem Interesse untereinander, passiert bei uns automatisch. .Dann gibt’s halt Begegnungen, wie aus dem Bus aussteigen und dem Fahrer schnell ein Tschüss zuwerfen, halt schnell und easy, ohne persönlichen Kontext, aber auch wertschätzend. Persönlich packe ich auch bei fremden Menschen meist etwas nettes dazu, z.b beim Lidl an der Kasse . Thema: make my day. Jeder kennt das: jemand ist nett und interessiert , aufmerksam und zugewandt zu einem selbst und danach ist man einfach happy. Ich glaube aber das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, jeder Jeck ist da anders. Es muss authentisch sein, nicht smalltalk mässig erzwungen finde ich. Und es muss zur Persönlichkeit passen. Ruhige introvertierte Menschen sind sicherlich weniger so überschwänglich beim verabschieden :wink: Hab ein schönes Wochenende , Lea :grinning:

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Kenne ich gut diesen Gedankengang, die Frage stelle ich mir schon seit Jahren. Hatte auch schon überlegt, ob es was autistisches hat so zu denken? Letztlich ist es halt einfach so eine Floskel, aber aus meiner Sicht völlig überflüssig, weil es wie du schon sagt nicht ehrlich ist (in den meisten Fällen). Die Frage ist allerdings ob unsere Welt besser wäre, wenn man es weg ließe…

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Ja, das habe ich mich auch gefragt!
In meinem Fall benutze ich solche Worte nur wenn ich sie wirklich ernst meine und an meinem gegenüber interessiert bin, ansonsten empfinde ich es als total überflüssig und unehrlich.

Meine Überlegungen fangen schon viel früher an:
„Hallo, wie geht’s?“
Wieso soll ich fragen wenn es mich nicht interessiert?
Warum soll ich ehrlich antworten wenn es das Gegenüber überfordert?
Warum soll ich dem es schlecht geht lügen damit sich der andere nicht ungut fühlt?

Ich antworte inzwischen mit „Die Wahrheit würde uns beide jetzt nicht weiterbringen!“ und frage selbst nur bei Leuten bei denen es mich echt interessiert.

Beim Abschied gibt es ein Tschö und wenn ich die Person sympathisch finde noch ein „Bleib gesund!“, umdrehen und gehen.

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Oder „Den Umständen entsprechend.“ auch angenehm, vor allem wenn es nicht möglich ist die eigene Gefühlslage zu erfassen.

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Am Schlimmsten finde ich es wenn sich jemand mit: „ich wünsch dir was…“ verabschiedet. Da ich sehr skeptisch bin, ob man mir was gutes oder schlechtes wünscht, hat es mich am Anfang sehr irritiert. Jetzt antworte ich mit „Ich wünsch dir das Selbe…“ und es juckt mich nicht mehr. Früher habe ich echt sehr lange darüber gegrübelt, was jetzt nach diesem bescheuerten Wunsch passieren würde. Aber das waren glaube ich meine Zwänge.

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Ich verstehe es nicht, wie man sich über solche Fragen, den Kopf zu zerbrechen kann.

Ist es besser statt jemand einen"guten Tag" zu wünschen, dieser Person einen versnobten Blick, mit einem leicht schiefen, höhnischen Grinsen zuzuwerfen? Nein.

Ist es besser statt „viele Grüsse an XY“ zu sagen, mit leerem anteilnahmslosem Blick dazustehen und den Mund nicht aufzubringen? Nein.

Im Normalfall, dienen Höflichkeits Floskeln dazu, freundlich zu sein, und Freundlichkeit kommt nun mal besser an, als alglatte „kalter Fisch“ Mentalität.

Freundlich sein schafft eine entspannte Atmosphäre, darum lächelt man sich ja auch an.

Selbst bei Menschenaffen wurde dieses Verhalten schon beobachtet.

Ist es blöd durch Höflichkeit für Entspannung zu sorgen?, oder ist es blöder durch Unhöflichkeit für Spannungen zu sorgen?.

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Und ich finde ehrlichgesagt diese Aussage von dir super spannend. Mir geht es da nämlich genau andersrum. Ich lasse oft eine ganze Reihe von Verabschiedungsfloskeln los, und bin mir dann eher unsicher, ob das jetzt OK war oder nicht, bzw. ob es evtl. seltsam wirkt. Die persönlichen Unterschiede zwischen uns ADSlern sind schon echt riesig :adxs_ai:

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und wie reagieren die Leute darauf?

Meist garnicht. Ein Beweis mehr das es den Leuten egal ist wie es dir geht.

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Oder, dass sie einfach deine Privatsphäre respektieren wollen? Für mich klingt diese Aussage wie die höfliche Form von „es geht dich nichts an“ oder so…

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Leider nein. Denn es sind genau die Leute bei denen ich auf die Frage wie es mir geht mit „schlecht“ geantwortet habe und es keine Nachfragen gab.
Aber das sind Zwangskontakte (Nachbarschaft/Pendlerbus/Arbeit), von daher denke ich da auch nicht weiter drüber nach.

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Danke, musste laut auflachen. Die Antwort übernehm ich nun auch so.

Versteh deine Mischung aus Irritation, Überforderung und Unverständnis @Werbefrei. Ich bin gern höflich und herzlich, aber irgendwann werd ich ungeduldig. Und je nach Umfeld reizen manche das mehr oder weniger aus, bzw schert es mich mehr oder weniger da mit zu machen. Gerade in Gruppen kann es bald nochmal zäher sein mit langen Abschieden (als mit einzelnen) , aber da geht’s mir im Grunde auch schon bei Gesprächen in Gruppen an sich schon so. Je nach Umfeld natürlich. Aber mehr Leute = mehr Reize und da wo man weniger vibed, weniger auf einer Wellenlänge ist, rattert das Hirn mehr mit, kommt mir vor. Bin dann manchmal einfach still und hör zu (auch anstrengend wenn viele gleichzeitig reden). Es ist halt ein Unterschied ob man reinredet aus einem spontanen Impuls heraus oder weil man endlich zu Wort kommen möchte. Letzteres ist zäh, ich will kein Tauziehen haben im Gespräch.
Oh und auch toll: Lange Abschiede am Telefon, mit eben deinen Floskeln als Beispiel. Also… Da wird manchmal schon hart an der Selbstbeherrschung gezerrt :joy: bin ja gern höflich, aber man muss sich nicht 5 Minuten verabschieden.

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Alles andere wäre befremdlich…
Ich möchte nicht, dass Zwangskontakte wissen warum es mir schlecht geht.
Bin da bei @allmighty

Smalltalk ist bewusst oberflächlich und erfüllt eine soziale Funktion.
Mit leichten Themen lässt es sich besser beschnuppern und man merkt, ob da mehr geht.
Geht da nicht mehr, dann bleibt es beim Smalltalk.
Das ist höflicher als jmd zu sagen wie oberflächlich er doch sei nur weil man nicht ständig über die Weltsorgen spricht.

Klar nervt mich das manchnal auch, aber es ist eben sinnvoll und anders wäre wäre es nicht schöner.

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