Soziale Kommunikation, Sprachliche Schwierigkeiten bei ADS

Hallo an alle,

ich bin neu in diesem Forum, da ich ein paar Fragen an alle Leute habe, die ADS haben… Vielleicht könnt ihr mir mit euren Erfahrungen weiterhelfen, das wäre super… Und zwar befinde ich mich momentan noch in einem Diagnose-Verfahren an einer Uniklinik wegen meinen sozialen und alltäglichen Problemen. Da es viele Unterscheidungen zwischen ADS, Borderline und Autismus gibt, hoffe ich, dass ihr mir hiermit weiterhelfen könnt;)
Zu meiner Person:
Ich selber war schon früh ab der Kindheit auffällig, war immer ein wenig hyperaktiv zu Hause und hab meine Wut und meinen Frust an anderen Personen ausgelassen, schlichtweg ein wenig antisozial.
Doch nach und nach besonders beim Fußball ab der ersten Klasse und in der Schule ab der 7. Klasse wurde ich immer zurückgezogener, habe mit niemanden geredet und es genossen der Stille zu sein. Vermutlich hat das auch mit permanenter Angst vor Ablehnung und Fehlern zu tun, was zum Teil zu einem sozial-vermeidenden Verhalten geführt hat. Mit meinen Freunden war ich aber immer zufrieden, auch wenn ich dort in der sozialen Kommunikation ebenfalls einige Auffälligkeiten habe. Abseits dieser Kontakte war ich aber immer sehr, sehr ruhig und hatte auch nie das Bedürfnis über iwas zu reden, wie in einer Traumwelt. Das ganze hat sich jetzt aber inwzischen etwas geändert und oftmals nehme ich kaum noch Reize wahr und fühle mich, als ob mein Kopf leer ist. So viel zu meiner Vorgeschichte.

Was meine Frage an die ADS’ler unter euch ist, ist, ob ihr euch mit folgenden Symptomen identifizieren könnt und das meine Probleme evtl. erklären könnte?

  • gedankliche Leere, Leidenschaftslosigkeit, fühle mich wohl oft, über nichts zu denken & die Umwelt um mich herum passieren zu lassen
  • mein Kopf ist immer leer (mir fällt nie was ein, was ich sagen, antworten & worüber ich reden soll)
  • emotional über Themen reden (Betonung, Sprache, Mimik & Gestik sind off)
  • soziale Sprache & Sprachschwierigkeiten allgemein (auf Emotional gesagtes reagieren: selber mit Humor, Trost etc. reagieren), muss mich extrem konzentrieren, zu reden und Worte zu finden
  • Gespräche am laufen halten (wechselseitige Gespräche)
  • extrem langsame Verarbeitungsgeschwindigkeit (muss immer kurz überlegen, bevor ich antworte, sehr langsam)
  • Reden an sich (Gedanken ordnen, Infos aufnehmen, abrufen & verarbeiten)
    → Riesige Vergesslichkeit & Verarbeitung (mir kann jemand etwas sagen oder ich gucke etwas an & kann mich nicht gut dran erinnern oder verstehe es nicht)
  • kann dadurch allgemein nicht so gut reden & Dinge erklären
  • erst bei Alkohol wird das alles besser :wink:

Das ganze macht mir das Leben echt schwer. In der Schule hat mir die Struktur geholfen und ein wenig, dass ich mich von anderen und deren Reizen abschotten konnte. Gerade im Studium ist es aber extrem schwer, da ich mit dem Stoff nicht hinterherkomme, diesen nicht verstehe und Infos nicht speichere. Aber vor allem bin ich in sozialen Gesprächen auf mein Gegenüber angewiesen, sodass der oder diejenige das Gespräch am Laufen hält, Gesprächsthemen finden, initiert und Humor reinbringt, da ich meistens nicht schnell genug reagieren kann, so muss ich leider immer wieder Masking betreiben, um nicht tollpatschig oder dämlich rüberzukommen und gehe so in ein vermeidendes Verhalten über. Ähnlich verhält sich das, wenn mich jemand etwas fragt oder ich eine Präsentation halten muss. Meistens lerne ich das, was ich sage vorher auswendig, so fallen mir Gespräche auch einfacher, die ich vorher schonmal geführt habe. Neue Themen oder Personen bereiten mir aber rieisige Schwierigkeiten, so sind die Personen, mit denen ich klar komme meist diejenigen, die mit mir reden. Intuitiv passiert somit bei mir gar nichts und ich weiß oft nicht, abgesehen von den langweiligen offentsichtlichen Smalltalk worüber ich sonst reden soll. Emotional zu reagiern oder zu reden fällt mir somit auch sehr schwer, da ich mich meist so auf das konzentrieren muss, was ich sage, sodass ich das Emotionale vergesse…
Und mir Angst hat das nichts zu tun, da sich das bei allen Personen, egal ob Familie oder Fremden gleich verhält.
Typisch für meine sozialen Kontakte ist somit, dass ich Situationen bevorzuge, in denen ich weiß was passiert oder mich nicht so lange unterhalten muss… So finde ich die besten Freunde eig. beim Sport, da man da eine Beschäftigung hat. Wenn aber alles besprochen ist, also wie es der Person geht, gemeinsame Themen, evtl. neue Themen ist mein Latein am Ende… Dann finde ich keine neuen Themen und kann mich nicht normal unterhalten (Diese Symptome sind das einzige, was ähnlich zum Autismus ist).
Naja, was ich euch deshalb fragen will:

Geht es euch da ähnlich?

War jetzt ne lange Nachricht, aber ich hoffe, einige von euch können mir da helfen.
Ich bedanke mich bei allen, die so lieb sind und eine Antwort da lassen.

Und viel Kraft & Zuversicht an alle

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Ich habe als erstes eine Frage.
Ist bei dir adhs ausgeschlossen? Und wenn ja, weshalb?
gefühlsausbrüche gegen jemand anderen, sind meiner meinung nach (bitte Korrektur, wenn ich falsch liegen), eigentlich ja dem H zuzuordnen.
Alles weitere (eigentlich auch das was ich oben beschrieben habe), kann ein faktor der genannten Erkrankungen sein, oder auch eben nicht.
Ich bin emotional, wie du es oben geschildert hast.
Ich bin begeistert und zeitgleich genervt von menschen die immer interesse an belanglosen themen haben, schalt dann auch mal ab. 1-2 Höflichkeitsfrsagen hanbe ich auswendig. Bei wirklichem interesse kommt alles von allein aus mir heraus.
Mittlerweile habe ich aber festgestellt, dass ich menschen mit ad(h)s, ohne es zu wissen, dass sie es haben, eher in mein leben lasse.
Gleiches denken , weniger anstrengung.
Bin eine sehr schlechte auswendig lernerin, deswegen kann ich zum thema Studium nichts sagen.
In der liste stimmt vieles überein, aber das können durchaus auch folgend Symptome einer reslultierend Depression sein.
Ich denke sehr schnell, einen andern tag brauche ich 3 min für eine sprachnachricht mit 30 Sekunden inhalt.

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Hallo @NIcNac normalerweise bin ich eigentlich ein gesprächiger Mensch, ich schwanke aber zwischen andere voll labern bis Schweigsamkeit, bei mir hängt das einerseits von den Leuten mit denen ich zusammen bin ab, dann über was gesprochen wird, ob es mich wirklich interessiert, oder ob ich die Konversation nur höflichkeitshalber mitmache um niemand vor den Kopf zu stossen, dann natürlich ob ich die Personen einigermassen gut kenne und mich deshalb öffnen kann, dann geht es eigentlich meistens gut, andererseits bin ich eben auch sehr introvertiert, hänge gerne meinen eigenen Gedanken nach die ich auch nicht mit jedem teilen mag, denn andere erzählen einem ja auch nicht alles, also warum sollte ich das dann tun, und sowieso mag ich es auch nicht zum Beispiel mit Arbeitskollegen über mein Privatleben zu Quatschen, dass geht die erstens nichts an und zweitens gehe ich ja zum arbeiten dort hin und nicht zum Quatschen, manche haben sich an dieser klaren Trennung zwischen Arbeit und Privat die ich mache schon gestört, besonders Frauen, deshalb habe ich schon immer lieber mit Männern gearbeitet, die quatschen weniger und lassen einen bei der Arbeit ehr in Ruhe und wollen nicht ständig irgendwas bereden, da hört man lieber gemeinsam dem Radio im Hintergrund zu und gut ist, oder so. :smile_cat:
Jedenfalls bin ich im Prinzip so mittendrin, aber gut beschreiben kann ich mich leider irgendwie nicht.

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Hi, willkommen im Forum.

Hast du mal nach SCT geschaut?
Findest du bei ADxS.org.

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Ich erkenne mich da wirklich in vielem wieder. Ich habe eine Diagnose für den unaufmerksamen Subtyp und wahrscheinlich ein guten Schwung SCT. Ich muss mein Sprachzentrum auch immer mit der Drehkurbel anwerfen. Du bist mit deinen Herrausforderungen aufjedenfall nicht alleine. :wink:

Ich finde deine Symptome schon sehr passend zu SCT. Wenn du mit Psychiater Englisch zurecht kommst und tiefer in das Thema einsteigen willst empfehle ich auf Youtube:
„Dr. Russell Barkley: The Second Attention Disorder Sluggish Cognitive Tempo vs ADHD“

Diagnosen stellt am Ende immer ein Arzt. Eine Diagnose ist dann wiederrum sehr hilfreich den eigenen Problemen einen Namen zugeben und wenn gewollt mit therapeutischer Unterstützung anzugehen. Damit ein Arzt eine Diagnose stellt sollte schonmal eine spezifische und erhebliche Belastung für die entsprechende Erkrankung vorliegen, für Hyperaktivität sehe ich das eherlicher weise jetzt nicht sofort. „ein wenig hyperaktiv zu Hause“ hört sich erstmal nicht besonders schlimm an, beurteilen können das aber nur Du und dein Arzt.

Möglich wäre auch eine Kombination von Anteilen im Hyperaktiven-Subtyp und/oder Anteilen in Autismus. Wenn dich nicht belastet bist du in dieser Hinsicht gesund. Falls es dich belastet könnte es aus der Perspektive des Arztes subklinisch sprich weniger gravierend erscheinen, in würde dann trotzdem auf eine Behandlung bestehen.

Zu der Eigenschaft Gesprächsinhalte vorher auswendig zu lernen würde ich dir empfehlen, das vor diagnostischen Gesprächen auch zu tun. Machst du warscheinlich sowieso schon, oder? Ein oder mehrere Anekdoten zu jeder Auffälligkeit. Vielleicht auch in Stichworten aufgeschrieben.

Du hast es bis in Studium geschafft das ist schon mal großartig. Wie weit bist du damitf? Oft sind in den ersten Semestern der Stoff echt dicht gepackt :exploding_head: Falls du jemals langanhaltende Zweifel an deinem Talent hast oder das Gefühl hast deutlich unter deinem Potenzial unterwegs zu sein, dann kann ein IQ Test helfen. Also im Sinne einer guten Selbsteinschätzung, mir hat es geholfen. Hast du so einen schon mal in der Kindheit gemacht? Geht sonst bei Psychologen oder bei Mensa e.V.

Mit einer Diagnose für „ADHS-vorwiegend unaufmerksamer Subtyp“ ist es auch möglich Symtome von SCT zubehandeln. Verhaltenstherapie könntest du im Alltag und im Sport ja auch direkt anwenden. (Unisport ist echt meine Rettung :wink: )Thema Medikamente: Ausprobieren schadet in der Regel nicht. z.B. Elvanse in niedriger Dosierung oder Atomoxetin. Bei sowas würde ich mich aber immer selbst einlesen, auch um die Grundlage zuhaben das mit dem Arzt zubesprechen.

Alkohol funktionier wirklich recht gut :sweat_smile: Ist jetzt die Frage ob das eher zum Abbau sozialer Anspannung passt oder auf einen künstlichen Reizfilter

Liebe Grüße

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Danke MaLu und auch danke an die anderen für eure Antworten,

das mit dem SCT hatte ich da noch gar nicht auf dem Schirm, ich bin jetzt auf jeden Fall die nächste Woche für eine ADS-Diagnostik angemeldet und werde das ansprechen. Aber das ergibt so viel Sinn… In sozialen Konversationen ist es nicht so, dass ich die Emotionen anderer nicht lese, nur bin ich nicht schnell genug, smart und emotional zu antworten oder verarbeite wie gesat gar nicht, was der andere sagt. Wenn mir die Personen aber mehr Zeit geben, ich mich auch ein bisschen entspannen kann oder in großen Gesrpächsrunden dabeisitze, klappt das auch viel besser mit Humor und emotionaler Reaktion, sodass das in der Familie auch nie so wirklich aufgefallen ist. So hat man mir in der Uniklinik auch bestätigt, dass ich definitib kein Autismus habe, da bin ich also schon mit der Diagnostik durch, stattdessen kam auch noch die Borderline-Persönlichkeitsstörung dazu, die sich mit der Zeit durch diese Dinge u.a. entwickelt haben…

Und zu meinem Studium: Bin jetzt im fünften Semester und es klappt noch relativ gut, da ich mir für Klausuren Zeit nehme und diese auch gut hinbekomme, wenn mir die Aufgabentypen bekannt sind. Falls das nicht der Fall ist, wird es schon ziemlich schwierig, wie auch in den Gruppenarbeiten…
Doch gerade in diesen Momenten fühlt man sich sehr unfähig und unterlegen, wo ein Abischnitt von 1,3 ja eigentlich dagegen spricht. (IQ-Test in der Kindheit war auch im überdurchschnittlichen Bereich & bis zur 7. Klasse hatte ich eig. auch keine Aufmerksamkeitsprobleme (zumindest in der Schule)). In der Schule hat es mir da sehr geholfen, dass ich wusste, wie der Hase läuft, ich so die unaufmerksamen Phasen ausgleichen konnte. Abseits von meinen zwei besten Freunden war ich in der Gruppe auch immer sehr entspannt, jedoch auch sehr zurückhaltend.
Im Studium sowie im sozialen Leben steigen aber inzwischen immer mehr die Anforderungen und die Verantwortung, weshalb ich dadurch so ein bisschen in eine depressive Phase gerutscht bin. Gerade weil in der Uni mit 10 und mehr Personen, die man täglich sieht grüßt und spricht, die Herausforderungen deutlich gestiegen sind.

Mir kommt es oftmals so vor, als wüsste ich wie alles geht, aber mich meine Langsamkeit einfach grundlegend blockiert, so war ich sehr lange komplett still und zurückhaltend, wodurch soziale Skills fehlen, was sich jetzt halt rächt…
Aber hoffentlich wird das besser.

Falls ihr auch SCT habt, wie äußert sich das denn bei euch in Gespächen und im Uni- & Berufsalltag? (z.B. dass ihr auch nicht intuitiv gut sprechen könnt)
Bzw. MaLu, wie weit bist du denn eig. in deinem Studium?

Danke auf jeden Fall für die Hilfe von euch, bin mal gespannt was beim Diagnostik-Termin rauskommt…

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SCT ist so neu, dass es dazu wohl kaum Ärzte gibt, die das kennen und behandeln können. Eine Studie sagte mal, dass Atomoxetin wirksam sei, aber bestätigende Erfahrungen habe ich nicht mehr gehört.

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Das Thema Autismus war bei mir zumindest gedanklich und auch als lappische Kommentare von guten Freunden schon recht lange dabei. Was bei mir aber auch unsinnig ist, weil ich eigentlich ein recht emotionaler Mensch bin. Das Thema habe ich zur Zeit meiner Diagnose aber eher als Kombination von Anhedonie (weniger Freude empfinden), Dysphorie (gedrückte Stimmung) und einer latenten Sozialphobie. Sieht zusammen schon fast aus wie der Stereotyp eines Autisten.

Zum Borderline habe ich keine Berührungspunkte. Da würde ich nach überlappenden Eigenschaften mit SCT oder ADHS schauen. Und besonders nach den Eigenschaften die nicht überlappen.

Ich bin in meinen Studium schon etwas weiter. Das funktioniert soweit auch recht gut, ich habe da noch genug Talent mit meinen persönlichen Chaos fertig zu werden. Wenn in Vorlesung drifte ich öfter gedanklich weg, da finde ich aber recht schnell zum Inhalt zurück. Smalltalk ist bei Zeiten sowenig anregend das ist dann eher inhaltsleeres abschweifen. An nichts denken eher als Reaktion zu Stress. Hab ich beim Sport und werde dann öfter mal gefragt ob alles In Ordnung ist. Ich finde mich oft beim Gedanken wieder „woran wollte ich jetzt grade denken“, das müsste eigentlich das Gegenteil sein von Exekutiv Problemen bei ADHS.

Wenn ich Gespräche mit jemanden anfange muss ich ganz oft erstmal die ersten 2-3 Sätze mühevoll zusammen kramen, danach geht es besser und fließender. Den Anspruch intuitiv zu sprechen hab ich wahrscheinlich einfach kaum noch.

Es ist ein myth/ überholt, dass Menschen mit ASS nicht emotional wären. Sie sind emotional, nur nicht unbedingt auf neurotypische Art.

@NIcNac
Gerade das Vorbereiten auf Gespräche, Unbehagen in sozialen Situationen klingt schon ein wenig nach ASS, muss aber nicht. Kann auch ne Anhäufung schlechter Erfahrungen sein, die sich so äußert.
Weiß nicht, ob es für dich von Interesse ist, denn hast geschrieben du seist in der Klinik mit der Diagnostik für ASS durch - ist das Thema damit für dich erledigt? Sonst kann ich dir gerne mehr Informationen geben.

Wie fühlst du dich denn mit der BPS-Diagnose, fühlt es sich stimmig an?

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@AWOL

Hallo Awol,
dann nutze ich mal dein Angebot und frag dich mal ein bisschen aus;)
Borderline ergibt auf jeden Fall Sinn für mich, besonders früher war das Emotionale stärker ausgeprägt und meine Emotionen glichen noch mehr denen von neurotypischen Menschen…
ASS denke ich habe ich auch, das erklärt die Konzentrationsschwierigkeiten und die riesige Vergesslichkeit & Ablenkbarkeit, vergesse meine Gedanken wieder sofort…
Doch du hast recht, eine Sache macht für mich noch nicht so viel Sinn und das ist, wie ich rede (ob zu mir selber oder zu anderen)
In der Diagnostik weiß ich ja genau, was auf mich zukommt, so wirke ich da auch komplett normal und hab keine Merkmale eines Autisten. Zudem hab ich eig. keine Routinen (bin da sehr impulsiv), keine besonderen krassen Spezialinteressen, erkenne die Emotionen von andere Menschen gut (weiß auch genau, was ich falsc mache, kann es aber nicht ändern), habe weniger Probleme mit Reizüberflutung…
Doch die eine Sache, die mich mit dem Thema immer noch nicht abschließen lässt ist das Reden an sich und das kommunizieren mit anderen… (Reagieren auf Gesagtes). Hier passiert nämlich kaum etwas intuitiv, weshalb meine Emotionen oftmals nicht zu dem passen, was andere sagen. So versuche ich oftmals über Empathie und Freundlichkeit an andere Leute heranzutreten, doch das verhindert ein engeres Verhältnis… Hierbei spielen keine sozialen Ängste eine Rolle, nur dass es mit Kindheitsfreunden, mit Familie und bei Alkohol alles besser klappt…
-Ich kann meine Emotionen nicht mehr gut äußern, ich fühle dahingehend zu wenig und bin da sehr monoton. D.h., oftmals lache ich über Dinge, die mir andere sagen, obwohl ich es nicht wirklich fühle… So schwinge ich kaum mit anderen Menschen mit und habe generell Schwierigkeiten meine Gefühle zu äußern.

  • Besonders auffällig ist, dass ich gerne über dieselben Themen rede, zu denen ich etwas sagen kann, spontan kann ich kaum Gespräche führen, so fällt mir die Kontaktaufnahme wie beim Sport oder Uni leichter als in unbekannten Situationen. Es gibt so viele Momente, wo ich nicht weiß, was ich sagen soll, so muss ich mir das immer ein wenig überlegen. Erst wenn dann mein Pensum abgespielt ist, wird es schwierig. So habe ich mit meinen Freunden auch damals gemeinsam Sport getrieben, da ist alles weniger aufgefallen und man hatte ne Menge zu reden…
  • So haue ich immer Sachen raus, die oftmals etwas unangemessen oder unlustig sind und ich weiß das halt sofort in diesem Moment, aber ich kann es einfach nicht anders (versuche in jedem Gespräch lustig und empathisch zu sein, es kommt aber einfach nicht intuitiv), stelle deshalb oft viele Fragen, über mich zu reden und andere zu überzeugen ist schwierig…
  • Eine normale wechselseitige Konversation ist deshalb mit mir kaum möglich, so waren vertraute Gruppen oder routinierte Treffen das, was ich jahrelang gemacht habe. Jetzt im Unialltag ist das aber sehr schwierig…
    -ich weiß nie instinktiv, wie ich andere Personen ansprechen kann und rede dann oft nur Stuss, oft

Früher war mir das alles egal, da ich zufrieden mit mir und meinem Umfeld war. Jetzt ist das Leben aber täglich die Hölle, weil man jeden Tag vor Augen geführt bekommt, dass man mit anderen nicht reden kann. Jeden Tag muss ich kompensieren und Situationen abschätzen, wo ich was beitragen kann oder doch lieber ruhig sein sollte. Das lenkt ab, kostet Kraft und macht Sorgen. Gerade da ich glaube später als Ingenieur damit nicht weiterzukommen…
Multitasking fällt mir auch sehr schwer, so ist die schlimmste soziale Situation gemeinsam Mittag zu essen. Am liebsten würde ich da einfach essen, ein bisschen was sagen und sonst ruhig sein, andere fühlen sich dadurch aber immer unwohl…

Alles in allem weiß ich nicht, ob sich das jemals ändern wird. Ich habe sehr viel Interesse an meinen Mitmenschen, gerade weil man zusammen so viel besprechen und machen kann, aber ich schwinge einfach nicht mit ihnen.

In der Hinsicht gleicht es dem Autismus, aber früher war ich eig. auch sehr emotional und hab bei dem was ich sage, auch Bezug zu meinen Emotionen sowie in sehr, sehr guten Phasen eig. auch.
Ich weiß nicht mehr so recht weiter, ob das jemals besser wird, aber vielleicht weißt du ja einiges darüber und wie das bei dir ist…
Danke für deine Antwort auf jeden Fall!

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Hi,
Das waren schon mal geballte Infos. :slightly_smiling_face:
Klingt für mich wie ein großes Venn-Diagramm mit verschiedenen Störungsmöglichkeiten, wenn man es so pathologisch sehen will. Oder einfach deine ganz eigenen Eigenschaften, die sich gerade zuspitzen zu etwas vermeintlich Schlechtem, weil du unter nem Druck bist, so wie die Anderen reden können zu müssen. Klar, nicht viel Reden können mit Leuten macht den Alltag nicht leichter. Hab da auch schon drunter gelitten. Aber vllt du hast diese Eigenschaft ja nicht grundsätzlich und bei allen und es muss nicht nur an dir liegen, sondern wo du die Messlatte setzt und ob du ihr oder den Leuten da überhaupt genügen musst oder genauso wie du bist voll ok bist.

So, nun drösel ich deine Infos mal ein wenig auf.
Nicht mit Menschen zu schwingen/reden zu können kann vielerlei Ursprünge haben:

  • Vielleicht sind das einfach nicht wirklich deine Leute. Da kann man sich dann schwer zu etwas zwingen, da bringt eher mehr Anspannung und damit leeren Kopf. Hier im Forum kannst du zum Beispiel voll gut schreiben. Andere Leute, klar, auch die Anonymität, aber vllt auch ne bessere Wellenlänge.
  • Du hast geschrieben, dass du sie überzeugen willst/musst? Solange du überlegst, wie du die anderen überzeugen kannst, bist du ja nicht bei dir und bei dem was dich interessiert und mit deinen Vorstellungen (oder Gefühlen) kongruent ist, sondern überlegst was die anderen interessiert. Stellst ihnen ja Fragen. Bist also sehr im Außen, losgelöst von dir. Wenn du es tust, weil du gerne beobachtest und etwa über Leute lernen willst, kann es ja ganz hilfreich sein. Aber überzeugen ist nochmal was anderes, da versuchst du von wem anderen gehört und gesehen zu werden… Bevor ich mutmaße, wovon willst du andere überzeugen?
  • Warum ist die Kommunikation nicht wechselseitig? Nachdem diese Bemerkung dazu nach dem Stichpunkt kam, wo du noch erwähnst dass du eben gern Fragen stellst und alles, seh ich da schon die Bemühung um einen wechselseitigen Austausch. Kommt also von den anderen nichts? Wenn es ist, weil deine Kommentare vermeintlich nicht passen, dann führt mich das zu meinem ersten Stichpunkt, nämlich, dass es vllt nicht die Leute sind, mit denen du auf einer Wellenlänge bist.
  • findest du die Sachen die du sagst unangemessen und unlustig, oder bist du da schon bei dem, was bei den anderen ankommt?
  • ich hab auch nicht gern ewig mit Freunden geredet und finde es teils immer noch irre anstrengend und meide es eher (bzw. begrenze die Dauer und modifiziere die Umstände - man lernt sich zu helfen), außer ich kann dabei etwas machen oder es interessiert mich echt massiv. Es müssen nicht alle ewig telefonieren wollen oder beim Rauchen quatschen wollen. Meins war das nie. Gemeinsame Interessen oder Sport, Filme, Spiele ist ja nicht selten ne gemeinsame Aktivität zum auch drüber oder währenddessen quatschen. Nur halt nicht nonstop quatschen. Da hat jede:r andere Vorlieben und das macht auch dich nicht schlechter. Im Gegenteil, damit dass du so gut und schnell mal im Gegenüber bist, lässt dich in meinem Verständnis sehr aufmerksam und empathisch wirken. Wenn auch recht verkopft und losgelöst von dir selbst dann. Da macht es auch Sinn, dass du vllt nicht so im Kontakt mit deinen Gefühlen bist, denn wo sollen die Platz haben, bei all dem Stress und der Blockade aus lauter Denken, Vorbereiten und Abpassen was, wann, wie angemessen ist? :slight_smile:
  • es klingt, als würdest du sehr im Maskieren stecken. Achtung, das Folgende musst du so nicht nehmen, ist nur ne Interpretationsidee von mir: nicht nur willst du Überzeugen, sondern du willst „Überleben“ (wer nicht?), damit du „anerkannt“ wirst, gleichgestellt bist - nämlich als gleich guter Mensch wie all die, die vermeintlicherweise ganz leicht ins Reden kommen. Dass du nicht so komisch und anders bist (denn das bist du nicht, wir sind hier unter uns, aber wir sind ja auch alle neurodivers).
  • sich monoton fühlen kann einfach mit der Zeit geschehen, wenn man die Gefühle die man hat, als nicht würdig/gut genug/etc abtut, oder auch ne gewisse Alexithymie sein. Das ist die Schwierigkeit, Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen usw. Kann bei ADHS zu den Wahrnehmungsschwierigkeiten gehören, ist aber auch bei ASS nicht unüblich. Oder als stress response; ein sich Taubfühlen in der Situation, wo man gestresst ist, losgelöst ist von sich.
  • vieles klingt schon ADHS-typisch bei dir. Auch soziale Schwierigkeiten fallen darunter. Ebenso Konzentrationsschwierigkeiten, Ablenkbarkeit und Vergesslichkeit.

Meine Frage weiterhin, was macht an Borderline für dich Sinn?

Wann bekamst du die BPS-Diagnose?

Bekommst du irgendeine Behandlung - medikamentös oder psychotherapeutisch?

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Hi @NIcNac, einfache Antwort: Ja!!
Ich krieg in sozialen Situationen auch selten die Klappe auf. Zu vielem hätte ich was zu sagen, es kommt aber nicht dazu. Bis ich meine Gedanken sortiert habe, ist das Gespräch schon wieder davon galoppiert. Anders ist das bei Themen die mich interessieren und bei Leuten, die sich ebenfalls dafür begeistern können. Und ja, ich habe diese Trägheit und Unsicherheit in sozialen Situationen lange Zeit mit Alkohol kompensiert, und das nicht zu knapp. Ich empfinde zwar keine Leere im Kopf, aber eine große Stille, in der meine Gedanken sich ewig weit ausbreiten. Oft finden da dann auch die Gespräche statt, die ich im Real Life nicht führen kann. In meinem Kopf führe ich ständig Dialoge, erkläre mich und gebe mich offen und bin um keine Antwort verlegen. Bin ich dann wieder in einer echten Gesprächsrunde, ist erstmal wieder Funkstille. Meine Therapeutin sagte mir mal: „Stellen sie ihren Lautsprecher an!“ Das war noch vor meiner ADS-Diagnose. Ich denke mir oft, dass ich einfach nur gefragt werden möchte und dann kann ich auch mitreden. Komme mir dann vor wie eine geschüttelte Sektflasche, von der einfach mal jemand den Korken lösen müsste. Nachdem ich gestern zum ersten Mal von SCT hörte (in diesem Thread), machte ich gleich mal den Test auf ADxS.org und hatte 22 von 26 Symptomen erreicht. Ich fand im Internet noch eine Übersetzung der Barkley-Rating-Scala von Martin Winkler und auch da fand ich mich drin wieder. Der Beitrag von Russel Barkley auf YouTube, den ja auch @MaLu erwähnte hat mich darin ebenfalls bestätigt. Dr. Russell Barkley: The Second Attention Disorder Sluggish Cognitive Tempo vs ADHD Nov 2018 - YouTube
Ich habe zwar auch ADS - weil meine Exekutivfunktionen betroffen sind (im Gegensatz zu SCT) und ich auch in einigen Bereichen mit meiner Impulskontrolle zu kämpfen habe, was bei SCT ebenfalls nicht vorkommt, aber daneben steht bestimmt auch SCT. Barkley beschreibt sehr klar, dass es sich hier um 2 unterschiedliche Beeinträchtigungen handelt, die aber durchaus häufig im Doppelpack daher kommen.

Barkley bestätigt auch, dass er Atomoxetin als Mittel der Wahl sieht, verweist aber auch darauf, dass es dazu noch keine gesichterten Erkenntnisse gibt (Vortrag von 2018). Gestern habe ich auch etwas über eine Studie mit LDX gelesen. A Placebo-Controlled Trial of Lisdexamfetamine in the Treatment of Comorbid Sluggish Cognitive Tempo and Adult ADHD - PubMed …spannend.

MPH hingegen zeigt, lt. Barkley keine signifikanten Verbesserungen in Bezug auf SCT, vielleicht auch eine Erklärung dafür, dass oft erwähnt wird, dass Elvanse beim unaufmerksamen ADHS-Subtyp besser wirken würde… Und ebenfalls spannend ist die Erwähnung von Barkley, dass eine komorbide Depression nicht vom ADHS sondern viel eher von SCT käme (ich hoffe, ich habe das richtig verstanden). Jedenfalls ist SCT definitiv in meinen Fokus geraten. Hoffe, es bringt dir auch ein paar neue Erkenntnisse.

Beste Grüße

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Entschuldigung aber kann mir bitte jemand erklären was SCT auf deutsch ist, also um was es sich dabei handelt, vielen dank.
@NIcNac wegen der einseitigen Kommunikation frage ich mich ob Du vielleicht dazu tendierst das Problem nur bei Dir zu sehen, denn demnach wie Du hier schreibst kannst Du wirklich sehr präzise zum Ausdruck bringen um was es Dir geht, verfügst über Intelligenz, einen grossen Wortschatz, kannst Dich klar und verständlich ausdrücken, kommst sympathisch rüber, weder überschwänglich noch unterkühlt sondern eigentlich genau richtig.
Ich vermute das Du schlicht und einfach introvertiert, schüchtern und ehr selbstunsicher bist, dass Dein Auftreten ehr zurückhaltend ist, Du Dir gegenüber anderen nicht viel zutraust, und wenn man anderen gegenüber Selbstunsicherheit, Schüchternheit, Zurückgezogenheit ausstrahlt, dann verunsichert das auch das Gegenüber.
Mache Dir dabei auch mal klar, dass lange nicht alle mit denen Du sprichst immer tatsächlich so selbstsicher, aufgeschlossen ect. sind wie Du denkst.
Auch unsere Gesprächspartner sind nicht immer so wie man im ersten Moment vielleicht denkt, viele sind nämlich irgendwie innerlich auch zutiefst unsicher oder schüchtern, vieles ist oft Fassade.
Kommunikation ist ja im Prinzip jedesmal wenn man auf jemanden trifft eine Art von gegenseitigem Abtasten, da passiert so viel gleichzeitig, da wird innerhalb von Sekunden unterbewusst die gesammte Körpersprache erfasst und entsteht der berühmte erste Eindruck, dagegen kann sich ja niemand wehren, dass ist ein Programm dem jeder unterworfen ist, auch wir selbst schätzen innerhalb von Sekunden andere ab.
Jedenfalls frage ich mich ob Du eben einfach introvertiert und schüchtern bist und Dir viel zu viele Sorgen machst wie Du auf andere wirkst, Dich dadurch innerlich zu stark verkrampfst, und dass diese innerliche Verkrampfung dann zu einer Art Blockade führt und dadurch dann ein Teufelskreis einsetzt, wenn Du verstehst was ich meine.
Also versuche vor allem erst mal zu Dir zu stehen, so wie Du bist, Du bist ok so wie Du bist, Du redest nicht viel, na und?, besser als jemand der zuviel redet, was ja in Wahrheit auch nicht unbedingt immer angenehm ist, oder?.
Ausserdem wirkst Du wirklich sympathisch, also habe mal mehr Selbstvertrauen, die anderen sind anders aber nicht besser als Du, sage Dir das immer wieder und lass Dich nicht verrückt machen durch etwas wo Du denkst das Du so oder so sein müsstest.
Ausserdem glaube ich persönlich das die gesamte Menschheit ein Problem mit der Kommunikation hat, habe erst gestern wieder was zum Thema Einsamkeit gelesen, da hiess es das sich in der Schweiz JEDER DRITTE einsam fühlt, und das spricht doch eigentlich Bände.
Also dann muss man ja eigentlich nur eins und eins zusammen zählen um darauf zu kommen das dass irgendwie mit unserer gegenseitigen Kommunikation zu tun haben muss, dass immer mehr Menschen „verlernen“ miteinander zu kommunizieren, dass also alles nicht nur an Dir liegen kann, sondern im Grunde an uns allen.
P.s. ich frage mich ja schon seit längerem, ob ein Problem das wir heute haben daran liegt, dass wir mit Ruhe, mit Stille nicht mehr umgehen können, wir so darauf fixiert sind immer was sagen zu „müssen“ weil wir in einer Welt leben in der rund um die Uhr irgendwo irgendwas geschwafelt wird, ständig irgendwas auf uns einprasselt, erwartet wird das man alles kommentiert und zu allem eine Meinung haben muss, wenn jemand still und in sich gekehrt ist, wird das als Schwäche interpretiert und irgendwie nicht akzeptiert, ich glaube das vieles irgendwie damit zu tun haben muss.

Danke an alle, die geantwortet haben und danke für euer Verständnis und die aufmunternden Worte :smiley:

Ich bin mir auch natürlich bewusst, dass die Problematik auch andere Ursprünge haben kann und dass sich die Probleme, die ich jetzt habe über eine lange Zeit manifestiert haben.
Zu dem Borderline kann ich nur sagen, dass sich das insbesondere in Jugend-Zeiten in Schwarz-Weiß-Denken, permanentem Vergleichen, Hinterfragen und einem sehr geringen Selbstwert geäußert hat. Jetzt hat sich das ganze natürlich noch mehr verstärkt, da ich mir wirklich nicht mehr so sicher bin, worin ich gut bin und was meine Stärken sind. Gerade die sonstige Zuverlässigkeit, Strukturiertheit und Freundlichkeit hab ich in der letzten Zeit verloren, woran ich täglich wieder dran arbeite und mir auch nicht mehr so viele Gedanken machen möchte… Ne DBT-Therapie werde ich deshalb auch dann bald starten. (Medikamente nehme ich keine, Anti-Depressiva haben nur für so krassen Gehirnnebel gesorgt, dass ich da aufgehört hab)
Gerade in der Uni-Gruppe komme ich momentan aber nicht mehr hinterher. Jeder kennt inzwischen jeden, alle kennen sich gut und ich bin 2 Jahre mit extrovertiertem Maskieren da mitgegangen. Jetzt laufen wir immer in gefühlt 10-15 Leute Gruppen über dem Campus, das ist einfach nicht mein Fall, da ich eig. 2-3 Leute brauche, mit denen ich klarkomme. Gerade in Anfangszeiten war das alles noch einfacher, da alle noch ruhiger waren und ich so mehr Zeit zum Überlegen hatte und die Initiative ergreifen konnte… Irgendwann habe ich aber nunmal alles gefragt und wir haben über alles geredet und die Leute merken, dass ich halt immer nur über dasselbe reden und vermeiden mich deshalb schon teilweise, weil sie halt in der Gruppe zig andere Leute haben, mit denen sie normal reden können, so kommen natürlich meine Qualiltäten nicht zur Geltung… Seitdem ich natürlich über meine Schwierigkeiten begonnen hab, nachzudenken, ist das nicht besser geworden.

Selbstvertrauen hab ich mir aber wie gesagt mein Leben lang über andere Dinge geholt, jetzt ist es aber schwierig, da ich wie gesagt das Gefühl habe, überall Schwierigkeiten zu haben.
→ mein Kopf lernt nicht mehr wie früher in der Kindheit, Infos kommen & gehen, vielleicht spielt da auch die Leidenschaftslosigkeit eine Rolle
Das Selbstvertrauen ist eig. immer in Gesprächen mit Personen da, die selber viel beitragen & wo ich nicht neue Themen einbringen muss

Aber was mich immer noch nicht loslässt, warum zeige ich auch dort die ganzen Auffälligkeiten. Also Situationen, wo kein Druck, soziale Angst oder wo ich sogar aufblühe und viel rede:
-ich kann einfach nicht auf Gesagtes reagieren, ob mit Freude, Empathie oder Trost

  • wenn ich Witze mache, dann meist etwas, dass ich selbst witzig finde oder wenn ich auf Whatsapp genügend Zeit habe. Aber dieses intuitive kann ich halt einfach nicht, deshalb rede ich auch immer etwas an meinem Gesprächspartner vorbei…
    Seitdem ich 8 Jahre alt bin, mache ich das. Angefangen beim Fußball, was mir Spaß gemacht hat und wo ich mich über 5 Jahre vor dem Übergang zum Leistungsfußball auch wohl gefühlt habe… Ich habe nie mit jemandem geredet oder interagiert und hatte da auch kein Bedürfnis, vielleicht dadurch getriggert, dass es in Gruppen einfach nicht funktioniert.

Aber haben Autisten auch das folgende Problem, was bei mir für die meiste Schwierigkeit sorgt?

  • die Aufnahmefähigkeit, also das mein Gehirn den Input sofort aufnimmt und passend darauf antworten kann… Ich verliere überall immer den Faden, weshalb mir Gespräche und Reden an sich so schwerfallen. Genauso ist das mit dem Lesen euer Antworten, ich muss da immer wieder zurückscrollen und auf die jeweilige Textstelle eingehen. Ob diese Texte oder beim Filmegucken kann man mich halt direkt danach fragen, was da passiert ist oder gesagt wurde und ich weiß es halt nicht mehr und kann auf gelerntes nicht mehr zurückgreifen…
    Wenn das mit ADS und SCT zusammenhängt und es dafür Medikamente gibt, wäre das natürlich eine riesige Hilfe. Und @AbrissBirne SCT ist Sluggish Cognitive Tempo, was nicht mit der Intelligenz zusammenhängt, sondern eher wie schnell man Informationen verarbeitet und abrufen kann.
    Deshalb glaube ich das eher das dasjenige ist, was für einen sozialen Rückzug und mein Unterlegenheitsgefühl ist, da es etwas ist, was ich mir nicht einbilde oder mich davor fürchte, sondern das halt wirklich tagtäglich in vielen Situationen (auch abseits sozialer Kommunikation merke)
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Hallöchen, SCT scheint ja noch nicht umfassend erforscht zu sein… Was ich nur mal fragen wollte, nimmst du eig. schon Medikamente für das ADS, und wenn ja, haben sie dir in der soz. Kommunikation und in der Bewältigung des Alltags geholfen?

Ich nehme seit anderhalb Jahren Elvanse. Es hilft mir, den Alltag besser zu strukturieren und weniger Dinge suchen zu müssen. Vor Allem hilft es mir, meine Grenzen kennen zu lernen und diese zu beachten. Das gilt auch für soziale Kommunikation. Ich war letzte Woche 5 Tage mit meiner Freundin in Italien, eine Freundin und ihren Freund zu besuchen. Es war eigentlich sehr angenehm, trotzdem war ich nach 3 Tagen so erschöpft, dass ich eigentlich gar nicht mehr reden konnte. Wir waren viel wandern und haben abends auch mal was gespielt. Das hat mir schon geholfen. Auf dem Heimweg musste ich meiner Freundin erstmal klar machen, dass ich die nächsten 2 Tage, bevor die Arbeit wieder losgeht, für mich benötige. Ohne anpassen, Rücksicht nehmen, Konversation. Mein sozialer Akku war leer. Früher bin ich über diese Grenze drüber gelatscht. Habe gedacht, ich muss weiter Masking betreiben und mich scheiße fühlen, wenn ich den Normalo-Anforderungen nicht gerecht werde. Jetzt kann ich für mich akzeptieren, dass ich so nicht bin. Ich stelle mich natürlich nach wie vor sozialen Situationen, aber ich ziehe ne Grenze was Anzahl, Dauer und Interessensgebiete meiner sozialen Kontakte angeht. Da ist Elvanse ne gute Unterstützung, auch darin, mich als (wertvollen) Bestandteil sozialer Interaktionen zu sehen und mir meiner Verantwortung der Gruppe als auch mir selbst gegenüber angemessen gerecht zu werden. Es ist noch nicht gut, wird aber so, dass es mir selbst mehr entspricht. Martin Winkler sagt (sinngemäß): Psychostimulanzien sollen nicht dafür sorgen, dass wir uns besser fühlen, sondern echter.
Ich finde, da ist einiges dran. Wenn wir uns echter fühlen, finden wir auch eher Mittel und Wege, die dahin führen uns besser zu fühlen.

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@ads66 schön geschrieben und sehr tiefsinnig wie ich finde, ja sich „echter“ fühlen und zu sich stehen können, nein sogar dürfen, sich selbst stärker zu „fühlen“, nicht immer den Erwartungen anderer entsprechen zu „müssen“, nur wie macht man das?, dass man sich selbst sein „darf“, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, warum oder wieso man so ist wie man ist, warum man nicht immer jedem erklären muss, oder will, warum man nach manch einer menschlichen Zusammenkunft, selbst wenn man es allgemein als angenehm empfand, erst mal seine Ruhe braucht?.
Aber bevor ich hier womöglich total vom eigentlichen Hauptthema abschweife, geht es @NIcNac , wie ich es verstanden hatte, vor allem darum das er eigentlich oft garnicht weiss über „was“ er mit anderen sprechen soll?, irgendwie emotionslos ist?, und vielleicht irgendwie oft schlicht und einfach auch gelangweilt ist?, vielleicht ist das auch der eigentliche Hauptgrund, dass NicNac sich von vielen Konversationen einfach „gelangweilt“ fühlt?, alles für ihn zu einem „Brei“ verschwimmt?.
Oder eben wie gesagt, er wirklich einfach garnicht weiss? über „was“?, er mit anderen sprechen soll?, nicht weiss, was andere von ihm hören „wollen“?, oder „was“ es braucht um allgemein „akzeptiert“ zu werden?.
Oder aber auch das er oft einfach „angeödet“ ist?, ihm andere Menschen irgendwie nicht wirklich so viel bedeuten?, dass er sich auf deutsch gesagt: „wegen anderen nicht immer wirklich den Arsch aufreissen will?“, was ich persönlich zwar nicht glaube!, sondern es schlicht und einfach wirklich nur um dieses „eine Problem“ geht, mit anderen Kontakt zu knüpfen, oder eben: über „was“ redet man eigentlich mit anderen?.
Was mich persönlich zu der Frage führt, "warum " weiss NicNac das nicht?, haben seine Eltern ihm das nicht beigebracht?, was hat dazu geführt, dass er sich so fühlt?, woher kommt das?.
P.s. was ich mich persönlich halt des öfteren frage, ist: „gab es in der Vergangenheit, meist in der Kindheit und Jugendzeit, bestimmte Ereignisse die dazu führten, dass man sich zurück gezogen hat?“.
Bei mir selbst ist das zum Beispiel durchaus der Fall, durch das, dass ich mich mit meiner „speziellen Art“, oft irgendwie „angeeckt“ bin, und dann begann mich immer mehr vor anderen zurück zu ziehen, dachte „die verstehen mich sowieso irgendwie nicht, also warum sollte ich mich dann noch bemühen, mich vor anderen noch weiter „erklären“ zu wollen?“.
P.s. ich persönlich „glaube“, dass manches durchaus mit Adhs zu tun haben kann, aber längst nicht alles.
Vieles was uns heutzutage an sozialen Missverständnissen, was auch sonst immer noch alles umtreibt, ist vielschichtig und kompliziert, wie alles wenn es um das Sozialleben zwischen Menschen geht, und dann sucht man nach einer Erklärung für sich und andere, denkt das man entweder selbst, oder die anderen irgendwie psychisch nicht „normal“ ticken, dabei ist die Unfähigkeit zwischen Menschen, nicht „richtig“ miteinander kommunizieren zu können, nichts neues, ist schon lange eine Tatsache, ohne das „man persönlich“ deshalb wirklich irgendwie "nicht normal " wäre, aber „man“ denkt das halt dann, irgendwie fast automatisch.

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Du, da wäre ich auch sehr erschöpft. Kenn es so wie @ads66, brauch Zeit zum Batterien aufladen - da müssen es gar nicht mal so viele Leute sein, da reichen schon n paar wenige über längere Zeit. Aber bei so vielen, da wäre ich dann erst recht überfordert und würde mich wie auf nem falschen Planeten fühlen.
Hast du denn unter den 10-15 ein paar, die eher auf deiner Wellenlänge sind, wo du weniger maskieren musst?
Zwing dich bitte nicht zum Extrovertiertsein. :blue_heart:

Es kann gut sein, dass du nicht nur ADS hast, sondern vllt sogar statt BPS ne ADS hast. Ne DBT hilft ja mittlerweile bei vielen Störungen, bei AD(H)S genauso. Machste da auch ne Skillsgruppe? Würde ich sehr empfehlen.

Ansonsten werd ich da nicht viel hinzufügen (außer du hast konkrete Fragen), da ich denk, dass @ads66 da bereits viel sehr gutes über SCT und über Elvanse (was ich auch empfehlen kann, aus ganz gleichen Gründen) geschrieben hat.

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