Hallo @Falschparker ![]()
Lass mich hier ein bisschen ins Detail gehen, dann wird es hoffentlich etwas transparenter als meine Beiträge bisher waren.
Ich sprach vorher von einer guten oder indirekt von einer schlechten Bindung - das war missverständlich ausgedrückt. Das meinte ich viel weniger als Wertung, sondern viel mehr wollte ich eigentlich sagen, dass es darum geht, wie viel man seiner Familie anvertrauen möchte.
Für mich persönlich ist eine Beziehung, in der ich Ängste, Schwächen oder andere sensible Themen ansprechen kann wertvoller als eine Beziehung, in der ich dies nicht tun kann. Das ist aber meine persönliche Vorliebe.
Ich empfinde den Kontakt zu meinen Eltern als wertvoller, wenn Gespräche über Themen stattfinden können, die mich hin und wieder auch tief bewegen. Entsprechend bin ich interessiert daran, ein solches Vertrauensverhältnis aufzubauen. Ganz genau wie in einer Freundschaft mit einer Person, die kein Elternteil ist.
Natürlich bin ich entsprechend auch Interessiert daran, wie die Meinung dieser Person zu Dingen ist. Welchen Themen ich mit welcher Person besprechen möchte und welche nicht, entscheide ich aber immer noch selbst. Ich rede mit meinen Eltern nicht darüber, was ich sexuell so treibe und das bespreche ich auch nicht mit meinen Freunden.
Du hast Recht, in dem Moment, in dem ich meiner Familie davon erzähle, dass ich eine ADHS-Diagnose bekommen habe und versucht habe, meine Sicht auf die Welt zu erklären, habe ich ihnen eine gewisse Macht über mich gegeben, weil es mir wichtig ist, wie sie über mich denken. Das finde ich aber überhaupt nicht schlimm.
Es ist ja nicht so, dass ich jetzt mein Leben lang stark daran leiden würde, wenn sie mein ADHS nicht akzeptieren. Dann wüsste ich ja höchstwahrscheinlich auch woran das liegt, dass diese Akzeptanz nicht stattfinden kann und könnte dann entsprechende Konsequenzen für mich daraus ziehen, wie auch immer die dann aussehen mögen.
Das stimmt. Vielleicht hatte ich irgendwie erwartet, dass meine Zweifel im Gespräch verfliegen und stattdessen zeigte mein Vater sehr ähnliche Zweifel. Das überraschte mich etwas, da wir im Gespräch davor über die Symptomatiken von ADHS geredet hatten und er mir dann auch viel von sich erzählte. Am Ende sagte er dann selber etwas in der Richtung von “Na, wenn das die Symptome sind, dann habe ich wohl auch ADHS”. Das passte zu dem Zeitpunkt dann nicht in mein Bild, als er dann Dinge beim Folgegespräch zum Thema Hyperaktivität sagte wie “Naja gut, du warst halt schon immer sportlich und als junges Kind ist es ja auch völlig normal und gut sich viel zu bewegen. Wir sind früher auch von Treppen gesprungen und auf Bäume geklettert. Dann hätten ja alle um mich herum auch ADHS gehabt”.
Rückblickend kann ich jetzt sagen, dass das ein verständlicher Einwand ist, aber es ist halt nur ein kleiner Aspekt von vielen, der in der Diagnose beleuchtet wird. Und es kommt ja auf die Symptome insgesamt und vieles mehr an, dass muss ich hier ja niemandem erklären. Daher kam dann mein Gefühl von “Oh je, da kommen jetzt doch noch Einwände zurück, die ich nicht erwartet habe. Das wird noch ein steiniger Weg”. Aber es geht auf keine Fall darum, dass ich denke “Oh je, jetzt muss ich meinen Eltern irgendwie noch ADHS erklären, sonst werden sie mich nie akzeptieren und ich werde mein Lebtag nicht mehr glücklich.”
Ich bin bei sowohl meinem Vater, meiner Mutter und auch meinem Bruder davon überzeugt, dass es für mich einen echten Mehrwert haben wird, wenn sie besser verstehen, was ADHS für mich bedeutet und was es vielleicht auch für sie bedeuten könnte. Und ich bin auch davon überzeugt, dass es zu diesem Verständnis kommen wird, aber das kommt nicht von jetzt auf gleich.
Deshalb wähle ich den Weg für mich persönlich. Ich würde niemand anderem zu diesem Weg selber ohne Weiteres raten. Jeder muss das für sich entscheiden. Bei anderen Leuten ist es durchaus realistisch, dass es allein schon wegen der Umstände oder Vorgeschichte gar nicht erst zu einem Verständnis über ADHS kommen kann. Dann ergibt es natürlich auch wenig Sinn, Energie in diese Richtung zu investieren. Oder es besteht schlichtweg kein Bedürfnis darüber zu reden, ist ja auch völlig in Ordnung. Du hast anscheinend keinen Sinn darin gesehen mit deiner Mutter im Detail darüber zu sprechen und bist auch zufrieden damit. Das ist doch super. Für mich heißt das aber nicht, dass es bei mir genauso passieren muss. Aber so meintest du das glaube ich auch gar nicht, oder? ![]()
Liebe Grüße