Spätdiagnose und Zweifel (35, m)

TLDR für alle Ungeduldigen (also alle hier? :joy: ):

  1. Vor wenigen Tagen meine ADHS Diagnose bekommen - kombinierter Typ
  2. Überrascht, dass auch Hyperaktivität festgestellt worden ist
  3. Mittlerweile etwas weniger überrascht, da ich langsam verstehe, welche Verhaltensmuster ich mir über mein Leben alle angeeignet habe, um nicht negativ aufzufallen
  4. Insgesamt noch mit Zweifeln am kämpfen, aber bemerke erste Schritte der Akzeptanz
  5. Familie reagiert bisher weniger unterstützend und verständnisvoll als erhofft
  6. Würde gerne noch mehr schreiben, aber der Text ist so schon ewig lang geworden :laughing:
  7. Freue mich, euch kennenzulernen :waving_hand:

Hallo zusammen :blush:

Vor einigen Tagen habe ich meine Diagnose bekommen. Sie ist zwar noch nicht final, da die Ergebnisse noch zusammen getragen werden, aber die Therapeutin sagte mir bereits, dass es auf ADHS wohl hinaus laufen wird. Zu meiner Überraschung kam dabei heraus, dass ich den kombinierten Typ habe. Persönlich habe ich mit dem verträumten Typ gerechnet. Falls überhaupt, denn ich habe schon immer mit Zweifeln zu kämpfen.

Aber mal eins nach dem anderen. Irgendwie habe ich das Bedürfnis, mich über meine Diagnose mit anderen Betroffenen auszutauschen, weshalb ich mich nun dazu entschlossen habe, mich in dem Forum hier zu registrieren und einen Beitrag zu verfassen :blush:


Bei mir war es so, dass ich ca. vor 3 Jahren die ersten Beiträge zum Thema ADHS gesehen habe und diese einfach total interessant fand. Mit der Zeit hat das dann immer weiter zugenommen und mich immer wieder selber dabei ertappt, wie ich dachte, dass die Symptome doch auch auf mich passen. Aber nicht nur das, denn ich habe auch größtenteils meine Partnerin gesehen, die mit ähnlichen Dingen zu kämpfen hat, wie die Betroffenen in den Berichten/Dokumentationen. Als ich das mal bei ihr angesprochen habe kam dann die Überraschung. Sie sagte mir, dass sie als Kind mal eine Diagnose bekommen hätte, auch Medikamente bekommen habe, ihre Mutter das dann aber alles abgebrochen habe, weil sie nicht mehr wiederzuerkennen war. Dann einfach nicht mehr drum gekümmert, weil es sich ja auswachsen würde - Kinderkrankheit halt.

Nun doppelt motiviert habe ich mir immer und immer mehr zum Thema ADHS angeschaut und gelesen. Es war mein absolutes Lieblingsthema geworden und bin jedes Mal hängen geblieben, wenn es irgendwo darum ging. Ich habe auch immer mal wieder mit meinen Eltern, meinem älteren Bruder und hin und wieder Freunden darüber geredet. Die Resonanz war allerdings immer, dass sie das bei mir nicht sehen, ist doch alles normal, geht doch jedem so. Daher auch meine Zweifel, habe ich nun ADHS oder nicht? Übertreibe ich meine Symptome einfach? Warum fällt mir das Arbeiten dann so schwer, während das für andere Leute irgendwie ein normaler Bestandteil ihres Lebens ist, über den sie sonst nicht weiter nachdenken sofern nichts Besonderes vorgefallen ist?

Durch den Austausch mit meiner Partnerin kam es dann auch dazu, dass sie versucht hat, einen Therapieplatz zu bekommen. Für mich kam das noch nicht in Frage, weil ich mir so unsicher war, ob es nun ADHS ist oder ob ich mich einfach anstelle. So zogen die Jahre dann ins Land und sie fand keinen Platz. Nach ca. 1.5 Jahren hatte auch ich das Thema dann bei meinem Hausärztin angesprochen, die mich belächelt hat und dann eine Liste mit Telefonnummern in die Hand gedrückt hat, die sichtlich seit den letzten 30 Jahren immer wieder kopiert worden ist. Die meisten Nummern existierten gar nicht mehr und die funktionierenden führten zu keinem Ergebnis. Damit habe ich das Thema dann wieder für 1 Jahr begraben :pensive_face:

Erst jetzt vor kurzem habe ich die Entscheidung getroffen einfach Geld in die Hand zu nehmen und es als Selbstzahler nochmal zu versuchen. Selbst das war etwas schwieriger, aber letzten Endes hat es endlich geklappt.

Nun sind trotz Ergebnis die Zweifel noch recht stark gewesen. Ich habe auch keine Erleichterung gefühlt. In den letzten paar Tagen habe ich speziell deshalb nochmal etwas recherchiert und bin doch sehr froh, dass meine Zweifel eher dafür stehen, dass es eben doch ADHS ist und ich das nun lernen muss zu akzeptieren. In einem Video eines Spätdiagnostizierten erzählte der Betroffene davon, dass es schwer war und auch immer noch ist, dass die Familie die Diagnose akzeptiert und versteht.

Das wird bei mir glaube ich auch noch ein steiniger Weg. Ich habe bereits mit meinem Vater und meiner Mutter telefoniert, die das wohl irgendwie hinnehmen, aber gerade mein Vater hat sich doch auch dagegen gewehrt, als ich darüber gesprochen habe, was ich der Therapeutin so an Beispielen aus meinem Leben genannt habe. Die Reaktion meines Vaters hat mich etwas überrascht, da wir im letzten Telefonat bereits ein bisschen darüber gesprochen haben, was so typische Symptome sind und dass ADHS ja auch vererbt wird. Dort hat er sehr positiv reagiert und am Ende sogar selber gesagt, dass er dann wohl wahrscheinlich auch ADHS haben könnte. Meiner Meinung nach ist er auf jeden Fall auch betroffen - er ist der typische zerstreute Erfinder/Professor :grin:

Eigentlich könnte ich hier jetzt noch ewig weiter schreiben, aber ich versuche mal ein Ende zu finden. Für mich fühlt es sich gerade so an, dass ich schon ein paar kleine Schritte in Richtung Akzeptanz gehen konnte. Mir fällt auf, dass ich doch gelernt habe, sehr viele Dinge zu maskieren. Dass mein Gehirn nun Probleme hat das Bild der Diagnose und meiner üblichen Einstellung, dass alles in Ordnung sei und ich einfach ein “kreativer Mensch”, ein “Künstler” bin, der in einer kranken Arbeitswelt lebt, verwundert mich weniger. Viele dieser Einstellungen und Glaubenssätze habe ich wohl von meinem Vater übernommen. Meine perfektionistische Mutter mit ihren hohen Ansprüchen und ihrem “da muss man sich halt mal hinsetzen und es einfach machen auch wenn es keinen Spaß macht” hat sicherlich auch ihren Beitrag geleistet.

Nun verstehe ich auch langsam, warum ich schon immer das Gefühl hatte, dass ich reflektierter als meine Mitschüler/Freunde bin, andere Menschen sofort sehr gut lesen kann und mich entsprechend verhalte. Anscheinend eine Überlebensstrategie, um nicht negativ aufzufallen. Wie dem auch sei, ich bin gespannt, wie es nun weiter geht und freue mich ein Teil des Forums zu sein.

Liebe Grüße

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Lieber ph4ntomz,

herzlich Willkommen im Forum! Und sehr weise mitgedacht mit deiner Zusammenfassung :wink:

Ich habe tatsächlich Asphalt den ganzen Beitrag gelesen.

Ich selbst bin mit Anfang 30 auch grade erst frisch diagnostiziert und noch in der Findungsphase, aber gespannt, was sich daraus jetzt entwickelt. Aber mir ergeht es gleichzeitig wie dir und ich zweifele die Diagnose auch immer wieder an. Aber wie gesagt scheint das Zweifeln total normal zu sein. Ob sich das noch legt? Keine Ahnung. Ich schaue mal, wie die Medikation bei mir funktioniert und vielleicht stellt sich dann ja der Aha-Moment ein.

Viel Spaß beim Stöbern im Forum! :upside_down_face:

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Vielen Dank Bruno :blush:

Na dann sitzen wir ja im gleichen Boot! Ich muss noch auf die offiziellen Ergebnisse abwarten. Nicht gerade meine Stärke, mir dauert das alles viel zu lang, grr. Aber hilft ja alles nichts, muss ich mich irgendwie ablenken oder so.

Ich würde auch gerne Medikamente probieren und schauen, wie sie so bei mir wirken. Habe da noch ein paar Ängste. Zum einen hoffe ich, dass es nicht so schwer wird einen Psychologen oder Arzt zu finden, der meine Diagnose auch akzeptiert. Hab schon gehört, dass einige Probleme damit hatten, wenn die Diagnose “nur” von einem Psychotherapeuten bzw. Psychotherapeutin kam.

Zum anderen lese ich so viele negative Berichte über die Medikamente, kaum positive. Das liegt hoffentlich daran, dass man eher gewillt ist etwas zu schreiben oder äußern, wenn es negativ ist :sweat_smile:

Als ich gestern im Forum dazu gestöbert habe, habe ich fast nur negative Dinge gelesen. Wenn ich dann auf Social Media schaue hört man ein paar wenige negative Dinge, aber hauptsächlich werden mir Videos vorgestellt, die schon fast Charakter von Wunderheilmitteln haben. Wie immer liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Meine Zweifel sagen im Moment, dass die Medikamente bei mir gar nicht gut wirken werden und dann kommt raus, dass ich doch gar kein ADHS habe :disguised_face:

Ganz schön nervige Gedanken! Heute Abend telefoniere ich mit meinem älteren Bruder. Mal schauen, wie der so reagiert.

Die Zweifel gehören dazu. Punkt. Habe ich vielleicht übertrieben, habe ich denen was vorgemacht… das fragen sich viele und ich habe es hier im Forum auch schon oft gelesen.

Viele negative Berichte zu lesen liegt wohl daran, dass die, bei denen es einfach flutscht, meistens kein großes Redebedürfnis haben.

Alles Gute dir!

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Danke, Myna :blush: Es tut auf jeden Fall gut endlich auch mal andere Stimmen zu hören, die mir zeigen, dass ich bei weitem nicht der einzige bin dem es so geht.

Liebe Grüße

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Das, was ich so bisher aus persönlichen Gesprächen erfahren habe, in puncto Medis, war positiv und wirklich Mut machend. Meine Diagnose habe ich auch erst seit ein paar Tagen, nach diversen anderen Diagnosen in den letzten Jahren, die sich aber nie wirklich stimmig anfühlen. Ich setze total viel Hoffnung in die Medikation und habe gleichzeitig auch Angst, sie könnte nicht meine Erwartungen erfüllen.

Da hilft nix - ausprobieren :grinning_face_with_smiling_eyes: :four_leaf_clover:

Ich lasse die Schwere meiner ADHS auch nicht von anderen beurteilen, da ich ja merke, wie sehr ich darunter leide und wie sehr ich mir was besseres für mich wünsche.

Zuletzt Aussagen meiner Mutter, als ich ihr mein Leid klagte, vor einem kleinen Urlaub noch die ganze Wohnung aufräumen zu müssen: “warum wartest du damit auch immer bis zum Schluss.. es wäre besser, jeden Tag ein wenig zu machen,….”

Ach nein echt :grimacing:

Trotzdem treffen mich solche Aussagen natürlich, da ich ja im Grunde weiß, wie es geht und (nach wie vor, trotz nachlesens) nicht verstehe, warum ich es nicht einfach mache. Briefe öffnen.. überhaupt zum Briefkasten gehen. Halloohooo das ist kein Hexenwerk :woozy_face: eigentlich..

Ich wünsche dir, dass du den für dich passenden Weg findest, mit der Diagnose umzugehen :slightly_smiling_face:

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Hallo ph4antomz,
willkommen im Forum. Du hast ja schon einiges gelesen und deine Schlüsse gezogen. Bei vielen kommen Zweifel auf, ob das so stimmt. Die Fachperson, die dich getestet hat, wird es schon richtig gemacht haben -allein schon um nicht wegen einer Fehldiagnose angreifbar zu sein. Wenn du auf dein leben zurückschaust, vermute ich , wirst du vieles sehen, was dir damals “normal” vorkam, aber eigentlich eine ADGHS-Symptom war. Ich bin erst seit einem halben Jahr spätdiagnostiziert und mir fallen immer wieder Dinge aus meiner Vergangenheit ein, wo ich verstehe, warum das so war.

Es gibt auch viele, die ein Zuwendungsbedürfnis haben und deswegen negatives berichten. Bei mir ist es anders. Ich berichte gern schönes.

Medikamente helfen mir, mein Gehirn besser zu steuern. Vorher war es wgen seiner Unterversorgung mit Dopamin ständig auf der Suche nach dem nächsten Dopaminkick und sehr oft gemacht, was ES wollte und weniger was ICH wollte oder gewollt hätte. Medikamente machen keinen anderen Menschen aus dir, geben dir aber die Freiheit, Dinge ( jahrelang geübte Denk- und Verhaltensmuster) zu ändern , wo du sonst machtlos gewesen wärst.

Arbeitet deine Therapeutin/Diagnosestellerin nicht mit einer Psychiatrischen Praxis zusammen? Wenn du einen Fachmenschen gefunden hast, die Rezepte ausstellen darf, empfiehlt es nachzufragen nach Regeln für die Eindosierung und die Ernährung. Das lassen viel Fachmenschen oft einfach aus. Daran kannst du dann schon etwas die fachliche Quali einschätzen. ADHS bei Erwachsenen ist selbst für einige Fachärzte eine unterbelichtetes Thema.

Familie informieren finde ich ein zweischneidiges Schwert. Kann zu Verständnis oder Zerwürfnis führen. Viele Jahre lang wurde ADHS als “Kinderkrankheit” gesehen. Wer es heute noch so sieht, (selbst in einigen Kliniken ) hat einfach keine Ahnung. Obwohl es einen Diagnosecode für die Krankenkassen gibt, ist ADHS keine Krankheit, sondern eine Spezialfall der Gehirnkonstruktion. Krankenkassen dürfen nur für Krankheiten und Störungen Leistungen erbringen. Deswegen brauchst du einen Diagnosecode.

Viel Erfolg bei der Facharztsuche.

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Hallo,

lass dich nicht abschrecken. Natürlich äußern sich vor allem Leute , bei denen etwas nicht klappt. Wenn alles zur Zufriedenheit läuft, sucht man nicht unbedingt Hilfe.

Ich nehme seit 2003 ADHS-Medikamente, sie wirken sehr gut und ich möchte nicht darauf verzichten, auch nicht abends oder am Wochenende.

Tagsüber habe ich weniger Appetit und esse dafür mehr am Abend. In den ersten zwei Monaten hatte ich häufig Kopfschmerzen, danach nicht mehr.

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Hallo ph4ntomz,

ich kann auch nur positives berichten. Das MPH hilft mir nicht nur mich besser konzentrieren zu können, es macht mich viel ruhiger und meine Neurodermitis ist davon weggegangen. Außerdem neige ich nicht mehr so stark zu Infektionen verschiedener Art. Die einzige Nebenwirkung, die am Anfang hatte, waren ganz leichte Schmerzen in den Kniekehlen, die nach ca. drei Wochen wieder verschwanden.

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Wow krass, dass das bei dir so super Effekte hatte! Vielleicht hat dann auch der geringere Stresspegel durch ein einfacheren Alltag die positiven Effekte auf Neurodermitis und so? Ist aber ja auch egal, ich freue mich sehr, dass es dir so gut hilft und hoffe, dass ich auch bald so Positives berichten kann :slightly_smiling_face:

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Ich hoffe, das Telefonat konnte dich ein bisschen beruhigen :slight_smile:
Weißt du schon, wann du die Ergebnisse in etwa bekommst?
Und was die Medikation betrifft, denke ich mir auch, dass Probieren auf jeden Fall nicht schaden kann.

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“Familie reagiert bisher weniger unterstützend und verständnisvoll als erhofft” - yep. Und immer weniger und weniger bei mir… Einzige unterstützung ist in Form von Youtube-Shorts wo Medi-ADSler tipps geben wie man gegen Prokrastination usw. vorgeht (mit ultra cleanen Wohnungen im Hintergrund z.B., die ich nicht mal von Neurotypischen kenne) - “Du musst das doch nur so machen wie die das zeigen.” Ja, ne. Iss klar.

Ich glaube die meisten haben damit ein Problem damit, dass man hier - in deren Augen - auf ein mal eine “einfache” Lösung gefunden hat für die ganzen Probleme die man hat und verursacht. Habe schon von mehreren, inkl. meiner Mutter, gehört “Wenns danach geht, dann habe ich auch ADHS. Habe auch probleme mit Konzentration und vergesse ab und zu etwas”. Yep. Genau. :smiley:

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Vielen lieben Dank für eure rege Beteilung, da komm ich ja kaum hinterher :laughing: Aber finde ich schön!

Auch schön zu lesen, dass es doch auch einiges Positives über die Medikamente zu berichten gibt und dass es euch gut tut. Ich weiß noch nicht, wann genau es weiter geht. Im letzten Gespräch sagte mir die Therapeutin, dass sie nun die Ergebnisse zusammentragen wird, um den finalen Bericht zu verfassen und dann meldet sie sich nochmal bei mir. Ich hoffe, dass das diese Woche noch passiert, mein letzter Termin war jetzt am 15., also vor 5 Tagen erst.

Eine Etage unter der Praxis meiner Therapeutin war tatsächlich noch eine Praxis. Da bin ich bei ersten Termin versehentlich direkt reinspaziert und wurde dann noch oben geschickt. haha. Von daher gut möglich, dass sie mit denen zusammen arbeitet und ich dann gar keine Probleme hätte, auch Medikamente probieren zu können.

@Jajoov Was du schreibst finde ich auch interessant. Mein Hausarzt hat mich schon mit Reizdarm diagnostiziert und ich leide auch an ein paar Hautproblemen, wo nie irgendwas geholfen hat. Das fand ich ehrlich gesagt fast noch nerviger, als jetzt mit der ADHS Diagnose, wobei das ja auch noch frisch ist. Aber absolut jeder meinte mir immer irgendein Mittel empfehlen zu müssen, was gegen meine Hautprobleme ganz toll helfen soll. Hat alles nichts gebracht. Mittlerweile denke ich mir, dass das auch einfach nur vom Stresslevel durch das ADHS kommen könnte. Daher auch meine positive Überraschung, dass du Hautprobleme und Medikamente jetzt direkt in Verbindung für dich gebracht hast.

Das Gespräch mit meinem Bruder lief tatsächlich ziemlich gut. Er hat da Interesse gezeigt und ich fühlte mich auch in keiner Weise von ihm verurteilt oder ähnliches. Hier und da sind ein paar typische Dinge gefallen, wo ich dann innerlich wieder mit den Augen gerollt habe, aber da muss man ja auch selber ein bisschen Verständnis für die andere Seite mitbringen, wenn das Leben für sie einfach anders abläuft.

Insgesamt fühle ich mich heute schon wieder ein kleines bisschen besser. Wird sicherlich alles noch ein langer Prozess, aber solange die Richtung stimmt bin ich zufrieden :blush: Der Austausch hier ist auf jeden Fall auch gold wert. Bin froh, dass mich hier gemeldet habe.

Liebe Grüße

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Bestimmt ist das so. Auch Reizdarm, chronische Kopfschmerzen und Allergien sind ja sehr oft Resultat von Stress und psychischer Belastung. Für mich ist jedenfalls klar, was Ursache und was Wirkung ist.

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Wie ist denn die Diagnose gemacht worden? Mit Tests wie WURS, CAARS und einem ausführlichen Gespräch plus DIVA Interview (z.B.)? Gab es ein ausführliches Gespräch dazu?

Es gibt genaue Kriterien nach denen die gemischte Diagnose (mit Hyperaktivität) vergeben werden darf, deshalb vermute ich, dass die Testauswertungen/Gespräche eindeutige Hinweise gezeigt haben

Beziehen sich die Zweifel an der Hyperaktivität auf das Erwachsenalter, also das hier und jetzt? Oder eher auf die Kindheit?

Zur Kindheit: Wenn jemand als Kind sehr viel Bewegung hatte (diverse sportliche Hobbies, täglicher Schulweg mit dem Rad über weite Strecken etc), wird das “H” oft nicht so deutlich. Im Erwachsenenalter zeigt sich das H oft sehr subtil.

@MrsADHS Vielen Dank für deine Antwort! Ich habe Fragebögen BAI I, BAI II, WURS, CARS und eine Selbstauskunft ausgefüllt. Meine Partnerin hat die Fremdauskunft gegeben und meine Grundschulzeugnisse habe ich auch abgegeben.

Bei der Therapeutin hatte ich ein einstündiges Erstgespräch und nach Ausfüllen der Fragebögen und Konsiliarbericht hatten wir dann das Diagnosegespräch, das auf eine Stunde angesetzt war, aber 1.5h gedauert hat. Anscheinend habe ich viel erzählt :joy:

Ich glaube auch in keiner Weise, dass meine Therapeutin mich tatsächlich falsch diagnostiziert hat. Es sind halt Zweifel, die nicht unbedingt auf Logik basieren, sondern wahrscheinlich eher auf Angst. Dann wird das auch mal ganz schnell zur Seite geschoben, dass die Therapeutin das schon alles professionell und richtig gemacht hat.


Habe nun auch einen Termin für die Besprechung bekommen. Am 29.01. werde ich den offiziellen Bericht bekommen. Würde mich nicht wundern, wenn auch eine Angststörung noch dazu kommt :sweat_smile: :victory_hand:

Naja, jetzt muss ich mich erstmal wieder in Geduld üben.

Liebe Grüße

Hallo,

ich verstehe jetzt nicht, wozu das gut sein sollte?

Der Sinn einer Diagnose besteht doch nicht darin, sein Umfeld, und insbesondere Menschen, mit denen man als Erwachsener normalerweise nicht mehr in einem Abhängigkeitsverhältnis steht, zu überzeugen?

Ich meine, wir sind da irgendwann ausgezogen und unsere Geschwister auch, wir haben unsere eigenen Familien und unser eigenes Einkommen und treffen für unser Leben auch unsere eigenen Entscheidungen. Und wenn das heißt, ich suche für mein Problem Hilfe, dann ist gilt das doch für mich - und tangiert unsere (Ehe-) Partner und Kinder, aber doch nicht unsere alten Eltern oder andere Verwandte?

Ich habe das schon oft gehört oder gelesen, dass Leute in ihren 20-ern oder 30-ern oder noch später alte Rechnungen haben, ich glaube aber da überfordert man einander. Der Anspruch ist hoch, und ich glaube unnötig hoch.

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Hey :waving_hand:

Ich denke dass das bei jedem unterschiedlich ist und stark davon abhängt, wie das Verhältnis zu den Eltern ist und wie man selber ist. Mir persönlich ist es wichtig, dass meine Familie weiß, was die Diagnose bedeutet, welche Schwierigkeiten ich habe und was man von mir erwarten kann und was nicht.

Mein Verhältnis zu meinen Eltern ist sehr gut und wir tauschen uns relativ häufig aus. Vor 10 Jahren hatte ich noch ein anderes Verhältnis zu meinen Eltern, was wesentlich distanzierter war. Da habe ich mich vielleicht 1-2 mal im Jahr per Email gemeldet und das wars. Heute ist das anders, weil ich Interesse daran hatte zu verstehen, wer meine Eltern eigentlich sind, was sie so durchgemacht haben, um auch besser zu verstehen, warum gewisse Entscheidungen während meiner Kindheit und Jugend so gefällt worden sind wie sie gefällt worden sind. Dadurch habe ich auch tolle Einsichten über mein eigenes Verhalten bekommen können.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sagen “Meine Mutter ist auch meine beste Freundin” oder “Mein Vater ist auch mein bester Freund”, aber dadurch, dass wir mittlerweile sehr offen über alles reden können ist das Verhältnis deutlich freundschaftlicher als dass meine Eltern einfach nur meine Erzeuger sind und mir nun ihre Meinung egal ist.

Ich verstehe aber, dass das für jede Person sehr stark variieren kann. Persönlich würde ich auch niemandem pauschal dazu raten, den gleichen Weg zu gehen, den ich gerade gehe. Es kommt eben immer darauf an und für viele gibt es da sicherlich auch nicht viel Mehrwert, aber für mich persönlich wünsche ich mir das.

Hinzu kommt, dass ich mir vorstellen könnte, dass meine Mutter ebenfalls ADHS hat und ihr sowohl Therapie als auch Medikamente sehr gut helfen könnten. Sie hat bereits einen sehr langen Leidensweg hinter sich und das könnte jetzt der entscheidende Tipp für sie sein. Persönlich hätte ich mir ja auch gewünscht, dass mich jemand früher auf den Weg gebracht hätte, um auf ADHS zu testen und jetzt könnte ich diese Person für meine Mutter sein, die sie Schritt für Schritt in die Richtung stupst.

Liebe Grüße

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Die Antwort fühl ich sehr! Ich wurde mit 35 diagnostiziert, bin seit 1,5 Jahren in Therapie und nehme seit ca. 5 Monaten Medis. Die Diagnose hat meinen kompletten Blick auf meine Familie, insbesondere meine mütterlicherseits stark verändert und ich halte es ebenfalls für sehr wahrscheinlich, dass meine Mutter ADHS hat. Auch sie hat in der Vergangenheit einigen Mist erlebt/ gemacht, der sich ohne weiteres mit ADHS in Verbindung bringen lässt. Bei ihr wird jetzt ebenfalls getestet.

Ich sehe es genau wie du: Jeder hat da ein unterschiedliches Bedürfnis, wie der Kontakt mit und zu den Eltern sein soll. Ich kann mich in deiner Antwort und deinem Umgang zu 100% wieder finden und wünsch dir alles Gute! Lieben Gruß :slight_smile:

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Hallo,

da habe ich eine ganz andere Auffassung. Es geht gar nicht darum, ob das Verhältnis zu den Eltern gut ist oder nicht gut ist. Sondern es geht darum, ob erwachsenes Kind und Eltern ein erwachsenes Verhältnis zueinander haben.

Du sprichst selbst von einem steinigen Weg. Deine Mutter akzeptiert die Diagnose, dein Vater nicht so sehr und das belastet dich auch. Das heißt doch, du gibst deinen Eltern Macht darüber, ob du dich mit der Diagnose gut fühlst oder nicht.

Als ich 2003 meine Diagnose bekam, war mein Vater (der mir wahrscheinlich die ADHS vererbt hat) nicht mehr am Leben, meine Mutter war 70 und ich war 37. Dass ich ihr nichts von meiner Diagnose und von den Medikamenten erzählte, heißt doch nicht dass wir kein gutes Verhältnis hatten. Das ist einfach eine sehr persönliche Sache, da habe ich mit meiner Frau viel drüber gesprochen, aber doch nicht mit meiner Mutter.

Das heißt, ich habe ihr durchaus gesagt, dass ich nach meiner Meinung ADHS habe und mein Vater bestimmt auch und dass ich ihn dadurch viel besser verstand. Das konnte sie auch nachvollziehen. Aber dass das nicht nur meine philosophische Spekulation war, sondern dass ich tatsächlich beim Psychiater war und Medikamente nehme, sagte ich ihr nicht, warum?

Ergänzung, um mich nicht zu wiederholen: