Stammtisch - AD(H)S ohne Medikamente

Erst einmal finde ich es schade, wie dieses Thema hier angegangen wurde, und zwar von beiden Seiten. Es gibt ja die unterschiedlichsten Gründe, warum jemand keine Medikamente nimmt. Bei mir ist es ein Nicht-Können, kann aber auch jeden, der kann aber nicht will, respektieren. Wenn das Nicht-Wollen allerdings auf Schwurbel-Informationen basiert, ist das natürlich nicht so pralle und ich finde es zwar einerseits gut, dass direkt „dagegengehalten“ wurde, aber andererseits ufert es zu sehr in genau die Richtung aus, nach der nicht gefragt war: Medikamente. Dennoch schrieben einige hier nur, um quasi zu verkünden, dass sie ohne Medikamente nicht können, obwohl klar nach Betroffenen gefragt wurde, die andere Wege gefunden haben.
Das ist deshalb schade, da hier bereits genug Threads dazu existieren und ich mich eigentlich „gefreut“ hatte, dass sich hier endlich ein paar Personen zu Wort melden, die keine Medikamente nehmen. Aber leider ist das wieder nicht der Fall.

Ja, hier! :adxs_wink:
Mir hilft es wirklich, auf Zucker weitestgehend zu verzichten (ich spreche hier von Süßigkeiten, mit Obst habe ich keine Probleme). Auch esse ich nichts mit vielen Zusätzen, das geht aufgrund meiner Unverträglichkeit sowieso schon nicht.
Auch verzeichne ich einen positiven Effekt durch die Einnahme Fischöl-Kapseln. Ich weiß, dass in Studien keine Wirksamkeit bei ADHS belegt ist blabla… das weiß ich alles. Mir helfen sie allerdings (vielleicht weil vorher einen Mangel an Omega 3 und 6 vorlag?), einige Symptome werden in einem für mich merkbaren Ausmaß geringer (aber AUF KEINEN FALL so gering, dass ich sagen würde, ich empfinde keinen Leidensdruck mehr. Den empfinde ich immer noch, aber keinen allzu starken mehr).
Und demnächst werde ich auch Sport mit einbauen. Da bin ich gerade aber noch auf der Suche nach einer Sportart die mir tatsächlich -zumindest halbwegs- Spaß macht.
Zur Selbstorganisation: Ich fahre am besten, mir grobe Wochenpläne zu machen. Wirklich ganz grob. Dann kann ich davon das meiste auch umsetzen. Festgezurrte Tagesabläufe oder durchgeplante Aktivitäten auf die Stunde genau klappen nicht.

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Super :-)))

Studien sind (leider) (mir zu) sehr auf ADHS als Gesamtheit ausgerichtet. Bei n = 100 Probanden wird kaum eine Studie eine statistisch signifikante Wirkung der angesprochenen Methoden feststellen. Was aber (vereinfacht) nur heisst, dass sie bei der Mehrheit nichts bringen. Das bedeutet aber eben nicht, dass sie keinem was bringen.

ADHS ist ein Syndrom.
Das bedeutet, dass eine Vielzahl von Störungen (also unterschiedliche körperliche Ursachen) gleiche Symptome haben. Bei ADHS die ADHS Symptome.
Wenn nun sehr viele verschiedene Störungsursachen die gleichen Symptome haben, ist es klar, dass es Mechanismen geben muss, die nur bei einer bestimmten Störung die ADHS Symptome verbessern. Das ist immer dann so, wenn der Mechanismus an genau der Ursache der jeweiligen Störung ansetzt.

Vereinfachter Bild: ein Auto fährt nicht. Das ist das Symptom.
Die Störung Ursache kann fehlendes Benzin, ein platter Reifen, eine leere Batterie oder eine festsitzende Bremse oder oder oder sein. Wenn es hunderte verschiedene Ursachen geben kann, warum ein Auto nicht fährt, werden Studien, die den Einfluss von leeren Batterien auf nicht fahrende Autos untersuchen, nicht zu einem Ergebnis kommen, dass das Ersetzen einer Batterie eine signifikante Verbesserung des Symptoms „Nichtfahrendes Auto“ bewirkt.
Im Einzelfall tut es das aber sehr wohl.

Ich will damit nicht sagen, dass ADHS grundsätzlich durch eine so einfache Methode behoben werden könnte. Mich stört aber, dass Studien den Syndromcharakter von ADHS zu wenig berücksichtigen. Es wird (mir) zu wenig geschaut, ob ein bestimmter Mechanismus, der zwar der Mehrheit nicht hilft, vielleicht doch bei einzelnen Betroffenen sehr gut hilft. Es wird mir zu oft nur auf die Gesamtstatistik geschaut.

Die von dir angesprochenen Methoden sind dafür bekannt, dass sie, selbst wenn ein Problem genau mit diesen Mechanismen vorliegt, trotzdem nicht alle ADHS Symptome beheben können. Aber bei einzelnen Betroffenen können Sie einen spürbaren Unterschied machen, genauso wie du das beschreibst.

Im Ergebnis führte dazu, dass jeder Betroffene einen sehr mühsamen Marathon absolvieren muss, diese ganzen einzelnen kleinen Möglichkeiten systematisch auszuprobieren, um zu schauen, ob bestimmte einzelne kleine Beiträge doch das Gesamtbild der Symptome ein bisschen mit verbessern helfen können.

Ich hoffe, dass wir mit der App, die wir gerade anfangen zu bauen, irgendwann dazu beitragen können, diese einzelnen kleinen Methoden systematischer auszutesten und ihre Wirkung festzustellen.