Stigmatisierung von ADXSlern im Alltag

Welche Form von Stigmatisierung habt ihr erfahren und wie geht ihr damit um?

in Arbeitsmediziner sagte mir mal dass ich mit ADS keine Erzieherausbildung schaffen würde.

Oft werde ich wegen der Behandlung mit Mph stigmatisiert.
Andererseits finde ich es sehr wichtig offen mit meiner Andersartigkeit umzugehen und ich verheimliche mein ADS nicht. Es ist ein Teil von mir den ich mit der Zeit annehmen konnte.

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Stigmatisierung an sich weniger, eher Vorurteile oder falsche Vorstellungen. Oder was ich schlimmer finde, Unverständnis (was man zwar nicht verübeln kann, aber dennoch an die Substanz geht).
Was mich zB wirklich sauer macht, sind sogenannte „gute Tips“ im Sinne von Du musst nur dies, das, jenes tun, dann geht das auch so und so. Oder dass Leute nur da sind, wenn sie von den Vorteilen die man als ADXSler ja auch hat, profitieren können.
Usw. usf.
Wie man damit umgeht? Keine Ahnung. Sich damit abfinden, daß man anders tickt.

Gegen den Typ vorgehen!..

Wogegen soll er denn vorgehen? „Sagte mir mal“ ist ja noch kein Rechtsakt.

Oh, das hab ich im Rahmen der Möglichkeiten getan.
Das war eine ziemlich schräge Geschichte…
Ich hab eine saftige Google Rezension geschrieben, wegen der ich sogar Post vom Anwalt der Praxis bekommen habe.
Allerdings konnte ich beweisen dass sich alles genau so zugetragen hatte (der Arzt und ich hatten einen Briefwechsel per E-Mail in dem er breitbeinig alles nochmal bestätigte was er mir schonmal an den Kopf geschmissen hatte).
Dadurch und weil ich hart aber sachlich geblieben bin in der Rezension konnten sie nichts machen. Stattdessen haben sie jetzt im 2 Wochen Takt 5* Ratings eingekauft…
Das spricht ja schon Bände zur Seriosität dieses Unternehmens…
Ist schon 2 Jahre her, aber es ärgert mich immer wieder mal nochmal. Ich würde nie Namen nennen, aber allzuviele Arbeitsmediziner gibt es ja nicht in Saarbrücken. Und vor allem nicht viele mit 4,9* im Google Rating…

Sehr gut :+1:

Ich persönlich bin eigentlich nicht nachtragend, aber bei bestimmten Dingen, da bin ich sogar sehr nachtragend, zum Beispiel, was meine Freunde in Würzburg angeht, das vergess ich nicht und die offenen Rechnungen in Würzburg an der dortigen Klinik, die sind nicht vergessen…

Das wäre in Richtung Schmähkritik gegangen, war aber juristisch Unfug, mussten die ja dann auch einsehen…

Ich würde es nicht erzählen, wenn ich nicht muss.

Ich hatte vorgestern eine total aufgeregten Patienten in der Rettungsstelle, sehr nervös und zappelig. Überaus mitteilsam.
Der erste Satz war: ick hab ADHS!
Warum erzählt er mir das? Es hatte für die Untersuchung überhaupt keine Relevanz.
Ich hatte dafür Verständnis, aber bei den meisten würde er nur auf Kopfschütteln stossen. Too much information.
Ein nervösen Patienten behandle ich immer wie einen nervösen Patienten. Mit oder ohne ADHS. Die Ursache ist mir egal - ich muss so oder so damit klar kommen.

Also mit sowas kann man sich nur ein Eigentor schiessen.

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Da es eine arbeitsmedizinische Untersuchung war, wurde ich gefragt ob ich Medikamente nehme. Da er Medikinet nicht kannte hab ich Ritalin gesagt, woraufhin er mir (in seinen Augen als Experte) mir sagte dass ich dann nicht als Erzieher arbeiten kann (ich hatte ihm zuvor gesagt dass ich die Ausbildung machen will).

Ich erzähle dass ich ADS hab, wenn ich es für notwendig empfinde dass mein Umfeld es weiß. Man schießt sich doch kein Eigentor damit, im Gegenteil hilft es vielen dein Verhalten besser einschätzen zu können…

Das ist halt kwatsch.
Habe selbst die Ausbildung mit unbehandeltem AD(H)S geschafft und gar nicht schlecht.
Die innere Motivation ist das Ding.
Es gibt keinen Beruf, der generell auszuschliessen ist.
Und soziale Berufe mit viel Abwechslung sind sogar zu den Berufen zu zählen, die eher zu empfehlen sind.
Kommen aber im Arbeitsumfeld hierarchische Strukturen dazu, wird´s nochmal schwieriger.

Da meine Diagnose in der Regel nicht offen war, konnte ich eigentlich auch nicht deswegen stigmatisiert werden.

Es gab aber Äusserungen, die mein Verhalten eindeutig negativ fokussiert werteten.

Neben dem ständigen:

„Du bist anders.“
„Du bist nicht normal.“
„Dein <3Mensch tut mir leid.“
.
.
.
bekam ich einmal ein „Du bist eine einzige Provokation.“ von einer vorgesetzten Person überreicht.

Diese Zuschreibungen waren übrigens Grund dafür, dass ich mich selbst auf die Suche nach einer Diagnose machte.
Das machte ich leider sehr selbst destabiliserend, indem ich mir sagte: „Was ist, wenn die recht haben und ich es nur nicht wahrnehmen kann, mein Sosein,
das sie Andersein nennen.“
Das ist nicht zur Nachahmung empfohlen, da es ein sich selbst denh Boden unter den Füssen wegziehen ist.
6 Monate später fuhr ich mit einem RTW vom Arbeitsplatz in eine psychiatrische Klinik, wo ich immerhin meine Begleitdiagnosen bekam und eine ADHS-Ausschlussdiagnose (hihi!)

Auch Ausschlussdiagnosen sind mies, weil eins dann suggeriert bekommt nicht das zu sein, was eins ist, bzw. Hilfen und Selbstverständnis nicht zugänglich gemacht zu bekommen.

Am neuen Arbeitsplatz haben dann Kolleg*innen mein Verhalten kommentiert mit:

„Hol doch mal Dein Ritalin.“
„Ein wenig impulsiv bist Du schon.“

so dass ich die Hauptdiagnose offenlegte. Danach war das dann aber gut und es gab gute Gespräche.
Ich bekomme nun viel Wertschätzung gerade für meine Offenheit und wenn ich etwas zu direkt bin, wird das nicht eskalierend gewürdigt.
Das ist toll. Gesehen zu werden, aber die Verantwortung für den Umgang nicht genommen zu bekommen.

Ich denke man muss halt abwägen wem man es sagen kann und wem nicht. Die meisten meiner Kollegen wissen es inzwischen (also die Schichtleitung, eine Kollegin und noch eine Kollegin die mir auch eine Freundin ist). Mit meiner Schichtleitung habe ich echt Glück. Die ist ein Mensch, wenn sie etwas nicht kennt informiert sie sich bevor sie urteilt. Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, ist das auch okay weil sie weiß das ist eine Phase.
Die Kollegin/Freundin ist auch super - wenn sie merkt ich steigere mich in irgendwas rein oder beziehe etwas auf mich das so nicht gemeint war, schafft sie es immer irgendwie, mich wieder „runter zu holen“. Da habe ich echt Glück.
Aber andere Kollegen, die sich schon das Maul zerreißen wenn jemand einen Schwerbehindertenausweis beantragen will der es ja „überhaupt nicht nötig hätte“ würde ich das NIEMALS erzählen. Die Chefin weiß es auch nicht. Inzwischen würde ich es ihr vielleicht erzählen aber sie versteht sich zu gut mit einer gewissen Person und wenn die es raus bekommt dann wissen es alle …

Was ich damit sagen will:
Es KANN von Vorteil sein, es zu sagen aber man muss genau abwägen wem man es sagt.
Meine Freunde wissen es übrigens inzwischen alle aber in der Familie nur ausgewählte. Warum? Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht.

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Folgendes, was ich als Stigmatisierung einordne, habe ich jüngst mit einer Freundin erlebt, die mich lange kennt (noch vor der Diagnose) und die von meinem Adhs weiß.

Sie lebt in der anderen Ecke von Deutschland und ab und zu so 1x im Jahr besuchen wir uns. Dabei haben wir auch immer Auseinandersetzungen, weil wir uns eben selten sehen, unterschiedlich sind, beide jeweils große Erwartungen an die Treffen haben und was erleben wollen. Außerdem haben wir unterschiedliche finanzielle Mittel (sie hat eine Halbtagesstelle und ich eine Ganztagesstelle).

Letztes Mal als sie bei mir war, wollte sie morgens ausschlafen. Meine Wohnung ist sehr hellhörig und ich habe normal geduscht, Frühstück gemacht und den Geschirrspüler ausgeräumt. Danach war sie sauer auf mich und hat mir vorgehalten, dass ich keine Rücksicht auf Sie genommen hätte. Als ich sagte, dass das nicht stimme, war sie noch erboster. Ist sie bei mir, übernachtet sie selbstverständlich bei mir. Fahre ich zu ihr, will sie inzwischen immer, dass ich im Hostel übernachte und argumentiert dies über ihre Wohnsituation (1 WG Zimmer, ich hab 3 Zimmer). Sie bietet aber auch nicht im Gegenzug an, selbst bei mir in der Stadt im
Hostel zu wohnen. Ich bezahle immer die Tankfüllungen alleine, bin ich bei ihr, will sie die Hälfte haben etc.

Jedenfalls erzählte sie mir jüngst als ich bei ihr war, dass sie einer mir unbekannten Freundin von sich von ihrem letzten Aufenthalt bei mir berichtet hätte, dass es „gemischt“ gewesen sei (also bisschen gut und bisschen schlecht). Sie bezog sich dabei auf den besagten Vormittag und sagte dann zu mir flötend „aber weißt du, ich habe ihr gesagt, dass eine Krankheit dahinter steckt.“

Ich dachte ich höre nicht richtig. Hab ihr dann zwar meine Sicht erklärt, es dann aber auch 2 Tage sacken lassen und ihr letztlich nochmal verdeutlicht, dass ich das unmöglich von ihr finde.
Denn - ich finde sie hatte völlig überzogene Erwartungen, wie ich mich in meiner eigenen Wohnung verhalten soll, während sie ausschlafen will, wenn ich dagegen bei ihr immer ins Hostel soll und dann herzugehen und diesen Konflikt vor sich selbst und einer fremden Person meinem Adhs anzulasten finde ich einfach total übergriffig.

Und ich denke die Freundschaft ist wahrscheinlich vorbei, weil sie keinerlei Einsehen hat und nicht kapiert worum es mir geht. Sie hat sich dafür entschuldigt, dass sie von Krankheit statt Adhs gesprochen hat, aber es ist ja vollkommen egal wie sie es nennt - es geht ja darum, dass sie ihre eigene Verantwortung in unserem Konflikt ignoriert und die Schuld immer bei mir sieht. Ich fühle mich da eben nicht ernst genommen und im Gegenteil total stigmatisiert. Wie seht ihr das?

Also von Stigmatisierung kann ich jetzt nicht sprechen, aber dumme Sprüche, angezweifelt werden, ins lächerliche gezogen werden, Mobbing, schwachsinnige Ratschläge, solche Dinge sind mir schon begegnet.

Was ich daraus gelernt habe?, erzähle ja niemand das Du Adhs hast, ausser wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Andererseits ist wahrscheinlich genau das eigentlich falsch und auch feige von mir?.

Denn wenn man nicht um Anerkennung und Respekt kämpft, bekommt man auch keinen?.

Zumindest wird diese Meinung oft vertreten.

Andererseits setzt man sich dann Angriffen aus die man auch verkraften können muss.

Und ich habe nach einem halben Leben mit undiagnostiziertem Adhs (Diagnose erst mit knapp 50 bekommen) einfach keine Kraft mehr mich ständig verteidigen zu müssen.

Oder erklären zu müssen warum ich so bin wie ich bin, und was Adhs überhaupt ist, Nein Danke.

Genauso.
Stigmatisiert nicht - aber nicht ernst genommen. Aber der Ball liegt, das siehst Du richtig, bei ihr im Feld.

Diese Übernachtungsentscheidung ist nachvollziehbar durch die Wohnsituation - aber die Begebenheit mit der Freundin - und die Tatsache, dass sie das Dir noch unter die Nase bindet, ist total daneben. Da wäre für mich die Frage, was sie damit bezweckt… ob bewusst oder unbewusst.
Hast Du Dich verändert seit der Diagnose? bist Du in der Zwischenzeit medikamentiert?
Könnte sein, dass sich die Machtverhältnisse zwischen Euch verschoben haben und sie da unbewusst was dagegensetzt indem sie dich kleinhält…

Unabhängig davon: Gib den Leuten eine Schublade - und Du landest drinnen.
Das ist halt so, so funktioniert der Mensch.
Ohne diese vereinfachenden Stereotype würde nichts mehr funktionieren…

Man erklärt es ihnen, sie pflichten einem bei - aber über die Zeit überdauert nur „ADHS“ mit sämtlichen Klischees, die man so auf Lager hat.
Schade.

Hallo Maia und herzlich willkommen,

mal abgesehen davon, dass das Verhalten deiner Freundin auch schon ohne ihr Gespräch mit der dritten Person grenzwertig war, allerdings kennen wir hier logischerweise nur eine Seite, frage ich mich, was genau es mit ADHS zu tun haben soll, dass jemand duscht, Frühstück macht und den Geschirrspüler ausräumt.

Hätte eine Nicht-ADHS-lerin sich leiser verhalten? Hast du jedes zweite Geschirrteil aus Ungeschicklichkeit fallen lassen und dadurch mehr Lärm verursacht? Hast du zwischendurch vergessen, dass du eine Gästin hast und unter der Dusche laut gesungen?

Falls nicht und du warst genau so laut wie jemand ohne ADHS, könnte man zwar diskutieren, ob du hättest auf ihren Schlaf Rücksicht nehmen sollen, aber es war jedenfalls kein ADHS-Problem, sondern ein ganz normaler Interessengegensatz.

Gute Frage!
Und ja tatsächlich habe ich mich wohl verändert, vor allem seit einer abgeschlossenen Therapie weiß ich eher was mich stört und wann ich mich im Unrecht fühle.
Den Machtaspekt finde ich sehr interessant, vielen Dank für deine Anregung. Vielen Dank auch für alle anderen Antworten!

Hm, wenn man bedenkt das Du diese Freundin wie oft siehst?, einmal im Jahr?, eine komische Reaktion von Deiner Freundin. :?

Naja, Du musst ja wissen warum ihr befreundet seid, aber ich hätte mit so jemand einen handfesten Krach bekommen. :x

Aber abgesehen davon, sehe ich es ähnlich wie @Falschparker .

Ach so!

Du warst vor deiner Therapie eine, mit der sie so umgehen konnte. :lol:

@Maia
Sei nicht so hart mit deiner Freundin. Es steckt eine Krankheit dahinter. Du weißt schon, welche. :wink: