Super schnelle Diagnose, keine richtige Befundbesprechung

Hallo ihr Lieben!

Heute habe ich also meine ADHS Diagnose erhalten. Seit meiner Kindheit ist das eine große Vermutung und ich hab mich in allen Beiträgen, Artikeln, Dokus usw. immer wieder erkannt, aber jetzt hatte ich endlich den Mut den Schritt der Diagnostik zu gehen, aber:

Es ging unfassbar schnell. Der Psychotherapeut hat sich auf die Diagnostik spezialisiert und im Vorfeld musste ich bestimmt 10 Fragebögen ausfüllen, einen detaillierten Lebenslauf schreiben (mit Symptomen etc.) und einen Fremdbewertungsbogen ausfüllen lassen. Das eigentliche Gespräch ging vielleicht höchstens 10 Minuten und dann kam schon die Diagnose: „Die Fragebögen sind so eindeutig, da brauchen wir eigentlich nicht mehr miteinander sprechen. Tut mir leid. Aber ich mache das seit einigen Jahren und kann das mittlerweile sehr schnell erkennen.“ Ich bekam keinen Bericht oder Befund, sondern nur einen Einzeiler ausgehängt, wo die Diagnose bestätigt wurde, damit ich dann damit zum Psychologen für eine Medikation kann.

Und, um ehrlich zu sein, ging mir das fast zu schnell. Er hat mich ja kaum persönlich kennengelernt.. Überall liest man etwas von 3 Sitzungen über eine Stunde. Jetzt bin ich natürlich unsicher: Kann das so eine gut fundierte Diagnose sein? Ist es auch normal keinen Befund/Bericht mitzubekommen?

Danke schonmal. Es ist gerade ganz schön neu und aufregend für mich! :see_no_evil_monkey:

LG

Hallo und :heart: Willkommen @APunkt hier im Forum

Leider ist es jetzt gerade wo ich Deine Fragen an das Forum hier lese mittlerweile sehr spät um Dir ausführlich antworten zu können.

Trotzdem möchte ich Dir mitteilen das ich Deine Bedenken hinsichtlich Deiner Abklärung verstehe.

Doch heutzutage ist es glaube ich meines Wissens nach sozusagen bei einer Abklärung im Bereich ADHS und auch dem Autismus Spektrum Quasi wenn man so sagen möchte „üblich geworden“, dass eine „Abklärung“ vor allem über das Ausfüllen von vorgegebenen Formularen die dazu existieren, Abklärungen in erster Linie so vorgenommen werden, und stattdessen auf ausführliche Gespräche mit betroffenen anscheinend lieber verzichtet wird.

Warum?, oder wieso so ein Vorgehen bei Abklärungen anscheinend immer öfters, oder vielleicht sogar fast nur noch so gehandhabt wird kann ich Dir leider nicht beantworten, noch deshalb weil ich persönlich so eine Vorgehensweise selbst überhaupt nicht verstehen kann, noch dazu weil so eine Methode meiner persönlichen Ansicht nach auch weder genaue Ergebnisse ermitteln kann, noch weil ich persönlich deshalb so eine Vorgehensweise bei der es um eine psychologische Ermittlung bei Menschen geht, deshalb auch absolut nicht nachvollziehen kann das man so mit Menschen verfährt die wirklich Hilfe brauchen.

Jedenfalls verstehe ich Deine Verunsicherung, doch wie gesagt, da es für mich persönlich leider zeitlich schon sehr spät geworden ist kann ich Dir momentan jetzt gerade nicht viel mehr sagen als das was ich bereits geschrieben habe.

Aber auf jeden Fall möchte ich mich noch bei Dir bedanken das Du hier im Forum nach fragst, denn wie gesagt, Deine Fragen sind mehr als berechtigt und wahrscheinlich für viele hier gut verständlich.

Doch jetzt sage ich gute Nacht, schlafe gut. :heart:

Danke für deine liebe Antwort und für das Willkommen heißen :smiling_face:

Ich bin auch total verwundert über diese schnelle Diagnose. Nicht, weil ich sie anzweifele (da wirklich quasi alle Symptome auf mich zu treffen, außer Hyperaktivität), sondern einfach weil ich mit einer großen Verunsicherung dastehe. Ich musste mehrmals nachfragen, welche Form von ADHS ich habe und wie sich das bei mir äußert. Und ich möchte natürlich nach Jahren des Leidens eine fundierte Diagnose bekommen und nicht einfach nur einen Stempel á la: „Sie haben ADHS.“ Denn das habe ich ja vorher eh schon vermutet…

Wie du aber selber auch in deiner Antwort meintest: Vielleicht ist solch eine schnelle Diagnose nun in der heutigen Zeit auch Standard? Besonders bei Spezialisten für diese Diagnose?

Ich fühle mich damit nun aber sehr allein. Danke dir daher sehr für deine rasche Antwort! :slight_smile:

Naja, das kann schon sein, dass deine Fragebögen eindeutig sind… Also, wozu noch lange herumpalavern… vielleicht kennt er das auch schon, dass ADHSler von Höckchen über Stöckchen und Löckchen zum Böckchen kommen…

Aber… du hast jetzt etwas in der Hand, womit du dich um Medikation und Therapie kümmern kannst. Denn, wenn ich das richtig verstehe, hätte dieser Arzt das ja nicht übernommen.

Meine Diagnose war auch super schnell … Ich hatte genau einen Termin, keine Fragebögen, keine Test, nur ein Gespräch. Das ging zwar gut 1,5 Stunden, aber verwundert hat es mich trotzdem, weil ich eben gehört und gelesen hatte, dass die Diagnostik eigentlich meist länger dauert.

Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich mega vorbereitet zum Termin kam. Ich hatte ADHS schon länger bei mir vermutet, mich sehr viel damit auseinander gesetzt, viel gelesen und recherchiert, und ich kam quasi mit einer seitenlangen Liste an Symptomen an, habe sehr ausführlich die Symptomatik in meine Kindheit zurückverfolgen können und habe die Ärztin mehr oder weniger 1,5 Stunden lang zugelabert. Sie hat gezielte Fragen gestellt, die sich mit dem decken, was in den Standardfragebögen abgefragt wird (ich hatte mir vorher welche angeschaut und auch schon Tests gemacht, und ich kannte offizielle Fragebögen schon aus der Diagnostik meines Sohnes, der ein Jahr vor mir diagnostiziert wurde), von daher habe ich im Prinzip der Ärztin einfach irgendwie komplett den Boden bereitet. :sweat_smile:

Und obwohl ich mir das so erklären kann und mir auch absolut sicher bin, dass ich ADHS habe und die Diagnose richtig ist, bleibt so ein kleiner Teil in mir, der eben bemängelt, dass es doch so schnell ging, weil es – gefühlt – die Legitimität der Diagnose schmälert, irgendwie. Ich möchte halt auch nicht eine von denen sein, der man vorwerfen kann, die Diagnose wurde ihr “hinterhergeschmissen”. :grimacing:

Wie gesagt, ich zweifle nicht an, dass die Diagnose korrekt ist für mich (ich habe definitiv ADHS), aber ich hätte doch irgendwie gerne, dass sie sich rein technisch gesehen hieb- und stichfester anfühlen würde, weil sie eben alle Standards à la Tests und Fragebögen und mehrere Termine durchlaufen hätte.

Ja, es gibt sehr eindeutige Fälle, bei denen ein erfahrener Diagnoistiker einfach nicht mehr rumrätseln muss. Und auch nicht sollte, weil das nur die Behandlung verzögert.

Um eine Idee zu bekommen, ob, wie stark und mit welcher Ausprägung du ADHS haben könntest, kannst du den ADHS-Symptomtest auf ADxS.org machen. Es handelt sich um ein Onlinescreening. Eine richtige Diagnostik kann immer nur ein erfahrener Arzt oder Therapeut machen.
Viele User hier im Forum kennen den Test, sodass das Ergebnis hilft, deine Beschreibung besser einzuordnen.

Viele Grüße

Ich kann hier ja auch mal interessehalber für andere meine Ergebnisse des Tests schreiben:

Laut Test habe ich 34 von 43 Symptomen benannt.

Ich habe 74% der Fragen ADHS-typisch beantwortet und anhand meiner Antworten hat der Test Hinweise auf 79,1% der Symptome ermittelt.

Gewichtung der Symptome ergab 11,59.

Auswertung laut DSM5: 9 von 9 Symptomen der Unaufmerksamkeit, 8 von 10 Symptomen der Hyperaktivität/Impulsivität.

Auswertung laut ICD-10: Unaufmerksamkeit 9/9, motorische Unruhe 2/5.

Auswertung laut ASRS 1.1 18: 6/6 Teil A, 11/12 Teil B.

Ich glaube das so einige mit ADHS, selbst wenn alle Tests und Fragebögen und geführte Gespräche zu 100% auf ADHS hinweisen , immer noch einen Grund finden würden warum es vielleicht doch nicht passen könnte.

Meine Diagnostik entsprach 2017 so ziemlich dem Standard . Die Diagnostik wurde nicht von mir in Erwägung gebracht , sondern einmal zur Sicherheit als Ausschluss und einmal auf Verdacht . Ich wusste damals nicht, dass es Adultes ADHS gab und ich hatte gehofft das ich die „Kinder -Zappelphilipp-Diagnose“ nicht bekomme, also es war in dem Moment nicht mal eine Erleichterung als ich das Ergebnis bekam.

In Anbetracht dessen, dass ich Diagnose nicht wollte und nichtmal gewusst hätte wie ich es beeinflussen soll, gibt es in mir manchmal auch diesen Zweifel ob es wirklich richtig ist , oder ob ich mich nicht doch einfach nur mehr anstrengen müsste .

Ich glaub den Zweifel an die Diagnose gibt es Gratis dazu :hear_no_evil_monkey:

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Gratuliere, Full House.
Was war nochmal die Frage?

Hallo Mungo,

ich denke psychiatrische/psychische Diagnosen kann man eben nie so 100% hieb- und stichfest haben. 1. Sie sind eben kein gebrochener Arm, den man mit einer Röntgendiagnostik sicher beweisen kann und 2. gibt es eben viele Überschneidungen der Symptome unterschiedlicher psychischer Erkrankungen, da unser Gehirn eben irgendwie komplexer(und vieles auch noch nicht gut genug erforscht) ist, als ein Arm und dennoch bin ich der Überzeugung, beschäftigt man sich ja nicht ohne Grund mit einer gewissen Thematik. Ob mit meinem Arm etwas nicht stimmt, mache ich mir in der Regel auch erst Gedanken, wenn mir funktions Auffälligkeiten auffallen und ähnlich ist es hier doch auch mit der Psyche.

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Also ich finde diese Diagnostik unseriös, und wenn das häufig so gemacht wird, wundert es mich nicht, dass ADHS-Diagnosen nicht ernstgenommen werden.
Es ist doch eigentlich bekannt, dass ein Fragebogenergebnis nie bedeutet, dass die Diagnose, die der Fragebogen testet, wirklich zutreffen muss, sondern es ist nicht mehr als ein Screening, und es geht immer darum, im Gespräch auch Differenzialdiagnosen abzuklären. Wenn der Arzt sagt, er habe so viel Erfahrung, dann sollte er das aber auch wissen. Und dann noch keinen Befundbericht schreiben, finde ich auch suboptimal. Aber er kann ja auch keinen schreiben, weil er kein Gespräch geführt hat.

Also für mich ist das also ein Arzt, wo einfach jeder eine Diagnose bekommen kann, er muss nur die Fragebögen richtig ausfüllen. Und wie man die ausfüllt, ist ja nicht schwer zu erraten. Und damit ist es auch ein Zugang zu Methylphenidat und Co.

An der individuellen Diagnose muss man deswegen nicht zweifeln, aber seriös war diese Diagnostik nicht.

Wo ist denn dann der Unterschied? Ob du den nun ausfüllst oder jemand die Fragen stellt.

Du warst ja gut vorbereitet und wenn dadurch schon vieles beantwortet wurde warum soll sie dann alles doppelt machen ? Du weißt ja nicht wie die Diagnostik abgelaufen wäre , wenn du nicht vorbereitet gewesen wärst .

In meinem Aufnahme Gespräch in der Reha wollte der Arzt auch einen Fragebogen durchgehen und stellte fest, dass ich im Gespräch schon alles beantwortet hatte.

Jetzt überleg mal selber . Was hätte es denn für einen Sinn gemacht alles nochmal zusätzlich mit einem ausgehändigten Fragbogen abzufragen wo du alles nochmal beantwortest was du schon beantwortet hast .

Außerdem weißt du nicht ob sie das grundlegend so macht oder nur in bestimmten Fällen so wie bei dir.

Du hast durch deine gute Vorbereitung vermutlich dazu beigetragen, dass es einfacher zu handhaben war.

Das waren 1,5 intensive Stunden wo jemand gut vorbereitet war und somit einiges vielleicht nicht mehr notwendig. Das spart Zeit für andere wo vielleicht mehr Aufwand notwendig ist .

Letztendlich wissen wir es nicht ob es dort immer so abläuft und jeder einfach eine Diagnose nachgeschmissene bekommt oder es in diesem Falle so machbar war.

Ich hab meine Diagnostik online üner neomentix gemacht und selbst da schienen die Gespräche länger zu gehen.

Es war 1x ein Anamnese Gespräch (ca 25-30min) dann kamen die ganzen Fragebogen/Tests online die ich alleine machen musste und dann das Abschluss Gespräch.

Dort wurde, auch wieder in etwa 30 Minuten, alles durch gegangen, also die Ergebnisse der Fragebögen.

Es wurde sogar auf die Differentialdiagnostik/ Symptomüberschneidung ADHS/ Autismus/ Borderline/ Depression eingegangen und erklärt, wieso man das ausschließen kann, sowie auf meine Schulzeugnisse (was ja auch wichtig ist für die Diagnostik, damit quasi bewiesen ist, dass die Symptome schon als Kind da waren).

Ich hab auch alle Testergebnisse und Grafiken per Mail bekommen. Und im diagnoseschrieben waren auch beschrieben, welche Testverfahren angewand wurden.

Das was du beschreibst, klingt sehr sehr unprofessionell.

Selbst wenn er sich diagnostisch schnell sicher ist, gehört eine Besprechung und Aufklärung wie er dazu kommt einfach dazu, bei allem Verständnis dass ich dafür aufbringen kann, dass die nicht viel Zeit haben und überfüllt sind.

Jepp, dein Symptomtest deutet auf einen ziemlich eindeutigen Fall.

Und 10 Fragebögen sind weit über dem Durchschnitt.
Wenn eine Diagnose eindeutig ist, wozu dann überflüssig darin rumrühren?

Danke, das beruhigt mich auch noch mal. Ich denke ja auch, dass es bei mir wohl einfach so eindeutig war, dass eine längere Diagnostik nicht notwendig war. Gerade, weil es ja auch keine vorgeschriebenen Diagnostikschritte gibt (sondern nur Empfehlungen bzw. Leitlinien), haben hier Ärzt/innen mit Erfahrung ja etwas Freiraum, bei eindeutigen Fällen die Diagnostik anzupassen.

Eine minimale ADHS-Erwachsenen Diagnostik bei einer Klinischen Psychologin (Österreich) besteht aus dem Explorationsgespräch (ca 1Eh), mehreren Selbst- und evt Fremdbeurteilungsfragebögen (auch ca 1Eh) und üblicherweise einer ADHS-typischen neuropsychologischen Leistungstestbatterie (ca 1Std). Das kostet dann auch so ab €600.- aufwärts…

Neuropsychologische Leistungstests habe leider keine nennenswerte Belastbarkeit für eine ADHS-Diagnose.
Ist das bei allen ADHS-Diagnosen in Österreich zwingend mit drin oder nur bei dieser Psychologin?

Soweit ich weiß, ist es keine zwingende Vorgabe, aber Goldstandard und wenn man als Klinische Psychologin etwas auf sich hält, gehört es einfach dazu.

Das wäre aber seltsam.
Neuropsychologische Tests haben bei ADHS eine wirklich schlechte Sensitivität und Spezifität. Mit denen lässt sich keine Diagnose machen.
Man kann sie allenfalls kolorierend dazunehmen. Aber wozu, wenn sie so eine geringe Aussagekraft haben?

In den Leitlinien ab Seite 40.

1.1.6. Welche Bedeutung haben testpsychologische Untersuchungen im Rahmen der neuropsychologischen sowie der Entwicklungs- und Leistungsdiagnostik?

Die Diagnose ADHS soll nicht ausschließlich auf der Grundlage von psychologischen Tests gestellt oder ausgeschlossen werden.

Allerdings können testpsychologische Untersuchungen im Rahmen der Diagnostik ergänzend eingesetzt werden und sind zur Beantwortung spezifischer Fragestellungen notwendig (z.B. bei Verdacht auf schulische Überforderung oder auf Intelligenzminderung, Entwicklungsstörungen oder spezifischen neuropsychologischen Störungen).

Verhaltensbeobachtungen während testpsychologischer Untersuchungen können ergänzende Hinweise auf das Vorliegen einer ADHS-Symptomatik liefern.

ADHS-Symptome müssen jedoch nicht notwendigerweise während der Untersuchung auftreten.

https://register.awmf.org/assets/guidelines/028-045l_S3_ADHS_2018-06-abgelaufen.pdf

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