Tagesmüdigkeit bei der Arbeit

Hallo ihr lieben,

Ich bin hier neu und hoffe das ich etwas Hilfe bekomme bei meinen „Problemen“. Kurz zu mir: ich bin 30 und habe erst letzte Woche erfahren das ich ADHS habe (Mischtype).

Eines meiner Probleme ist die Tagesmüdigkeit. Da Google mein bester Freund ist, habe ich natürlich erstmal gegoogelt. Das Thema ist wohl sehr bekannt unter ADHSlern. Trotz genügend Schlaf in der Nacht, kommt es am Tag zu Müdigkeit. Eine Lösung habe ich leider nicht gefunden. Da dachte ich mir, dass eine Community mit Profis eine gute Anlauf stelle wäre.

Hättet ihr mir ein paar tips? Leidet ihr auch so sehr darunter?

Grüße Heidi

Hallo Heidi,

herzlich Willkommen hier im Forum!
Damit habe ich eher nicht so sehr zu tun außer ich konnte wirklich wenig schlafen etc.

Hast du Eisen und Vit.D abchecken lassen? Zum Eisen auch den Ferritinwert → Eisenspeicherwert?
Probleme mit Blutzucker(schwankungen)?
Das sind so die üblichen Verdächtigen, abseits von ADHS.

Grüße und gute Besserung,

Irrlicht

Hallo und herzlich willkommen,

Es war/ist leider eins meiner Leidthemen. Mit den Adxs Medikamenten ist diese Müdigkeit deutlich zurückgegangen.
Hast du die Diagnose bereits und wie sieht es mit Medikamentenplan aus?

Ich habe die Diagnose erst seit einer Woche. Ich kenne mich also noch gar nicht aus mit den Medikamenten. Höre nur von bekannten Horrostories darüber.

Abends bin ich dann wiederum total Fit. Dachte auch lange Zeit, dass ich einfach nicht richtig schlafe Nachts. Mit der Diagnose habe ich angefangen zu Recherchieren ob das ein Zusammenhang haben könnte.

Da ich herausgefunden habe, dass es laut Internet, einen Zusammenhagen geben könnt, dachte ich frage ich doch hier Leute die Erfahrungen haben.

Für mich ist das alles noch so neu.

Ich habe mich beim Hausarzt prüfen lassen. Alles super Werte. Den Auszug der Blutabnahme habe ich hier. Da steht aber nichts von einem Ferritinwert.
Vitamin D ist im norm Bereich.

Willkommen im Forum. Wir waren alle mal an dem Punkt einer frischen Diagnose. Ähnlich wie @allmighty haben auch mir die Medikamente in Sachen Tagesmüdigkeit geholfen. Und ähnlich wie Du bin ich von Natur aus auch eher am Abend fit. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass dann mein unerledigtes Tagesgeschäft auf eine nicht mehr allzu reizüberflutete Umgebung trifft und abends auch die innere Unruhe etwas nachlässt. Im behandelten Zustand erlebst Du das so dann im besten Fall auch tagsüber.

Mir hat z.B. auch der Umstand als stimmig „eingeleuchtet“, dass ADHS-Medikamente auch Menschen mit Narkolepsie verordnet werden. Auch wer nicht unwillkürlich einschläft, kennt bei Tagesmüdigkeit vielleicht immerhin plötzliche Müdigkeits-Schübe, die fast überwältigen können.

Ich würde jedenfalls weder den Horror-Stories glauben noch Heilsbringer-Botschaften. Meine Erfahrungen liegen da auch ziemlich mittig, Tendenz lohnenswert :wink:. Aus meiner Sicht ist das Forum in dem Punkt auch einigermaßen ausgewogen. Viele von uns wollen den Horror-Stories eben etwas entgegensetzen, weil sie überwiegend positive Erfahrungen gemacht haben. Restprobleme bleiben primär bei „Komorbiditäten“ oder angesammelten Lebensgroßbaustellen.

Aber gerade wenn Tagesmüdigkeit eine Deiner großen Baustellen ist, könntest Du m.E. spürbar große Sprünge in der Lebensqualität erreichen. Sich mal zu erleben ohne dass man zu den üblichen gefährlichen Zeiten mit dem Kopf fast auf die Tischplatte sinkt, ist eine interessante Erfahrung. Man scheint sich besser auf sich verlassen zu können. Und der bisherige Teufelskreis aus Tagesmüdigkeit - hinter der To-do-Liste hinterherkriechen - Unruhe - Schlafstörungen wg. unerledigtem Zeug oder Kaffee zur Unzeit - mehr Tagesmüdigkeit, usw. ist ja logisch nachvollziehbar und zieht dann irgendwann eine blöde Schneise durch die besten Absichten.

Du kannst jedenfalls ohne großen Sorgen Deine eigenen Erfahrungen machen. Der große Vorteil an den ADHS-Medikamenten ist - aus meiner Sicht - dass es keine „Spiegel-Medikamente“ sind, die großen Ein- und Ausschleichens bedürften wie etwas manche Anti-Depressiva. Natürlich sollte man sich beim Eindosieren langsam rantasten. Das liegt v.a. daran, dass man Nebenwirkungen erstmal in kleiner Dosis ausschließen oder durch Eingewöhnen überwinden will. Und die Bilanz aus Vor- und Nachteilen soll man ruhig kritisch im Blick behalten. Falls dann die Nachteile überwiegen sollten, warum auch immer, lässt man es eben wieder sein und sucht weiter. Mache ich auch immer mal wieder.

Dann geht man vielleicht ins Schlaflabor oder so etwas, um Schlafapnöe auszuschließen. Natürlich kann man ohnehin weiterforschen, ob man da irgendwelche Auffälligkeiten hat. Aber vielleicht hast Du Deine Antwort eben jetzt auch schon gefunden mit der Diagnose. Super jedenfalls, dass Du schon die Werte abgeklärt hast. Das sind eigentlich tolle Voraussetzungen. Gutes Gelingen.

Herzlich willkommen auch von mir! :juhuu

Hallo Heidi,

im Home Office hilft mir diesbezüglich tatsächlich ein kurzer Mittagsschlaf am besten (bzw. Ausruhen, meist schlafe ich nicht ein, da zu wenig Zeit). Das hat einen sehr guten Effekt!
Die zweite Dosis Medikinet adult tut dann ihr Übriges.

Vor Home Office hatte ich mich oft nach dem Heimkommen ins Bett gelegt - Schlafmaske auf, unter einer Gewichtsdecke verpackt und etwas Beruhigendes zum Einschlafen über Kopfhörer angehört. Das mache ich auch im Home Office jetzt täglich am Nachmittag.
Ich hatte immer eine Abneigung gegen Nachmittagsschlaf, abe mittlerweile ist es ein festes Ritual, und dadurch habe ich nach der Arbeit noch etwas für mich vom Tag.

Schade, dass du Horrorstories erzählt bekommst. Nehmen diese Menschen denn selbst AD(H)S-Medikamante und sprechen aus Erfahrung? Falls nicht, habe ich kein Verständnis für das Verhalten deiner Bekannten.

Bei mir waren die Nebenwirkungen von Anfang an gering und vollkommen Horror-los.

Grüße, Dreamy

Hallo Dreamy,

Danke für deine Tipps. Die Decke bestelle ich mir direkt mal. Das habe ich schon mal gelesen. :slight_smile:

Zu den Stories: Die Frau von meinem Bruder hat auch ADHS. Sie hatte in ihrer Jugend Medikamente bekommen und stand damit wohl total neben sich. Sie war damit sehr Antriebs- und Lustlos. Alle anderen Stories von meinen Eltern sind nur von bekannten die ich nicht kenne. Ähneln sich aber alle.
Ich bin dafür trotzdem offen. Nach so einem langen Leidenswegs und um einfach mal zu wissen wie es ist „ruhe“ vor mir selber zu haben, würde ich das trotzdem probieren.
Auch für die Arbeit und für meinen Partner muss ich jetzt endlich etwas machen.

Die Müdigkeit ist nicht das einzige was mich fertig macht. Es war sehr lange sehr einsam.
Das hier ist der Anfang für mich zu verstehen und endlich mal mich zu öffnen. Weiß nicht wie das für euch ist oder war aber mir ist das alles peinlich gewesen „anders“ zu sein. Dafür habe ich zu oft Ausgrenzung und mobbing erlebt.

Grüße Heidi

Hallo Heidi,

das mit der Einsamkeit kenne ich sehr gut, auch Scham zu Genüge.

Wegen dem Medikament, bei mir wirkt es eher leicht anregend - ich bin der „vorwiegend unaufmerksame Typus“ und Hyperaktivität ist nicht mein Problem. Mich macht das Medikament wacher und fokussierter, außerdem sehr viel weniger „affektlabil“ (außer während der PMS-Tage, da scheint es gar nicht zu wirken), und die Außenreize werden ein wenig gedämpft.

Ich nehme aber auch nur morgens 10 und mittags 5 mg (Medikinet adult). Jedenfalls ist zuminest bei mir keine Rede von „neben sich stehen“. Ich bin „voll da“, wenn ich medikamentiert bin.
Ich möchte das Medikament nicht mehr missen. Ich nehme es seit ca. 9 Jahren und ich „profitiere“ sehr davon.

Grüße, Dreamy

Ich habe auch schon immer mit dieser Tagesmüdigkeit kämpfen müssen. Besonders während der Pubertät fing es an. Jetzt bin ich 39, und bin trotzdem tagsüber immer müde. Auch meine Blutwerte sind gut, und auch ansonsten habe ich keine Körperlichen Ursachen. Es ist auch egal ob ich 6, 9 oder 12 Stunden schlafe. Wirklich wach werde ich meist erst, wenn es dunkel wird. Zum beispiel jetzt (1:08) fühle ich mich fit und wach. Ich komme nur zum Abend/Nacht wirklich zu innerer ruhe.

Meine ADHS Diagnostik habe ich allerdings erst im November. Ich habe aber auch eine Autismus-Diagnose. Und auch dort ist das Phänomen sehr verbreitet. Viele Autisten die ich kenne, sind entweder totale Nachteulen, oder totale Frühaufsteher.

Wie soll man auch munter sein bei den ganzen äußeren Reizen und dem Gedanken Karussell? Ich bin eine Frühaufsteherin und absolut keine Nachteule, gehe früh ins Bett und achte darauf mindestens 7 Stunden zu schlafen. Trotzdem war ich tagsüber immer müde und erschöpft. Auch die Tatsache, dass man nie wirklich abschalten und den Kopf frei kriegen kann.
Dazu kommt bei mir auch das ständige hin und her bewegen, nie ruhig sitzen können etc.

Tatsächlich ist es mit den Medikamenten deutlich besser, es sei denn ich muss viel unter Menschen sein, Gespräche führen oder zuhören. Dann werde ich extrem platt, währenddessen und danach.

Die Müdigkeit fühlt sich an als ob der Körper können würde, aber der Kopf absolut nicht.

Ich bin, sobald es Herbst wird und dunkler draußen ,mehr müde und depressiv.
Dazu nun neue Arbeitszeiten mit jedem Tag andere Uhrzeit Arbeiten und dass der Dienstplan immer wieder kurzfristig geändert wird
Am liebsten würde ich mich den ganzen Tag ins Bett legen momentan.
Das viele Reden und die vielen Menschen in der Arbeit stressen mich