Teilnehmende für kurze Umfrage zu Routinen und Unterbrechungen bei ADHS gesucht

Teilnehmende für kurze Umfrage zu Routinen und Unterbrechungen bei ADHS gesucht

Hallo zusammen,

ich nehme ab einem Bootcamp teil und arbeite an einem UX-Projekt zum Thema Alltagsroutinen bei Erwachsenen mit ADHS.

Ich möchte verstehen, was passiert, wenn eine bewusst begonnene Aktivität zunächst über mehrere Wochen oder Monate funktioniert, dann aber unterbrochen wird. Besonders interessiert mich, was den Wiedereinstieg erleichtert oder erschwert.

Gesucht werden:

Erwachsene ab 18 Jahren

Menschen mit einer ADHS-Diagnose oder eigener ADHS-Erfahrung

Personen, die bereits versucht haben, eine persönliche Aktivität oder Routine über längere Zeit beizubehalten

Die Umfrage dauert ungefähr 5-8 Minuten. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Die Teilnahme ist freiwillig und anonym. Es werden keine Namen oder Kontaktdaten benötigt.

Die Umfrage ist kein medizinischer Test und stellt keine Diagnose. Die Ergebnisse nutze ich ausschließlich für mein Praxisprojekt im Bootcamp.

Vielen Dank für eure Unterstützung!

Hier ist die Link fürs Umfrage:
https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSfgIQ1qZO-ili0pRN_zn0fBvll4duQQr-9VNfjufxT7n4rOTg/viewform?usp=header

Finde Bootcamps sehr cool und würde Dir gern helfen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob Du wirklich ADHS meinst oder ggf. ASS oder AuDHS?

Eine „Routine über mehrere Wochen oder Monate“? Keine solche Routinen zu haben, ist ja genau mein Problem. (Ich habe gerade mal bei Lachenmeier nachgesehen: in seinem Buch „Mit ADHS erfolgreich im Beruf“ ebenfalls 0 Treffer für das Suchwort „Routine“, jedenfalls in meiner Ausgabe.)

Eigentlich ist schon viel erreicht, wenn man verinnerlicht, dass ein ADHS-Gehirn als Betriebssystem eher PINCH folgt: Play - Interest - Novelty - Competition - Hurry. Alles eher konträr zu Routinen?

Trotzdem viel Erfolg. Vielleicht finden sich hier noch Routiniertere.

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Ich samma so…

So…

Die Ausprägung der ADHS Symptomatik ist individuell und
auch nicht alle haben (die gleichen) Begleitproblemchen.

Ebensowenig haben alle die gleichen Anforderungen im
Alltag, den gleichen Job, das gleiche Umfeld, die gleichen Verpflichtungen und dann noch irgendwas mit „weiß der Kuckuck wat sonst noch allet“.

Es kann schon möglich sein, eine Routine etwas länger durchzuhalten bzw. einzuüben. Das Ziel beim Einüben soll ja idealerweise sein, dass es im Unterbewusstsein verankert wird, sodass es irgendwann automatisch abläuft, wie andere Dinge über die man nicht wirklich nachdenkt.

Einfacher mag es natürlich sein, wenn man alleine lebt, die dafür notwendige Ruhe schaffen könnte, oder beispielsweise auch frisch in einer Verhaltenstherapie startet. Voller Motivation gehts los und überraschenderweise klappt es anfangs vielleicht sogar ganz gut.

Der „Feind“ aka ADHS-Hirn lauert aber hinter jeder Ecke.

Reißt es dann mal ein, oder man denkt sich „Cool, jetzt läufts ja. Scheiß aufs Üben.“, dann wird man von der Realität evt. schneller wieder eingeholt, als einem lieb ist :adxs_grins:

Noch einen Ticken wichtiger finde ich dagegen, das akzeptieren zu lernen.

Wenn es dann doch (mal wieder) langfristig nicht klappen sollte, eine Routine wirklich zur Routine werden zu lassen, dann wäre - im Anschluss an einen empfundenen Misserfolg - jeder halbwegs positivere Dialog (als vorher) im eigenen Kopf ein therapeutischer Erfolg, finde ich.

Denn, wenn der Kopp jeden Misserfolg gleich als Waffe gegen uns verwendet, erscheint schnell alles aussichtslos und keinen weiteren Versuch mehr wert.

Negative, sich selbst erfüllende Prophezeiungen, sind dann nicht mehr weit - und die sind psychologisch gesehen bekanntlich Gift und hindern uns am Erfolg.

Vielleicht bräuchte es in diesem Bereich noch wirksamere Methoden bzw. in der Psychotherapie noch größeren Fokus auf solche Bereiche. Also von wegen das Mindset in eine positivere Richtung lenken zu lernen, um beispielsweise besser mit (erwartbaren) Misserfolgen umgehen zu können.

Umfeld, Beruf, Familie, Verpflichtungen können das dann alles aber wiederum nochmals schwerer machen, für sich die richtigen Strategien und da oben „Frieden“ zu finden.

Den bräuchte man aber wahrscheinlich, um eher eine Chance zu haben, trotz Misserfolgen weiterhin neue Ansätze auszuprobieren und somit die Wahrscheinlichkeit zu steigern, überhaupt längerfristig dranzubleiben :adxs_gruebel:


So abgeleitet, umgeleitet und dingsibumsi beschreibt das obige Wenn-Dann Hin- und Her möglicherweise eins der Kernproblemchen bei ADHS, aber auch anderen Störungsbildern, wie Depressionen und dem Rest der Lümmel-Bande, die da draußen lauert.


Jetzt hab‘sch viermal* oder so editiert und umgeschrieben, weiß aber immer noch nicht, ob es so deutlich wird, was ich damit meine.

Therapeutin und ich sind uns aber einig darüber, dass Perfektionismus meistens voll doof ist und es in der Regel gar nicht perfekt sein muss. Frisst auch bloß unnötig Hirn-Kapazitäten - und die meisten Menschen im Umfeld machen es ja auch nicht → reicht offensichtlich aber vollkommen, um da draußen zu überleben.

Jetzt allerdings nen Keks, dann wäre es perfekt.
Hanuta iff aber au niff flefft :+1:t2:

*Okay, es waren achtmal, aber ihr müsst es meiner Therapeutin ja nicht petzen :adxs_zunge:

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Danke dir für deinen wichtigen Hinweis! Du hast recht: Meine Formulierung war zu eng, weil sie so klang, als suche ich nur Menschen, die eine Routine bereits über mehrere Wochen oder Monate erfolgreich aufrechterhalten konnten.

Genau das möchte ich eigentlich untersuchen: Was passiert bei Menschen mit ADHS, wenn eine Aktivität zunächst funktioniert, später unterbrochen wird oder immer wieder neu begonnen wird? Deshalb sind auch Erfahrungen mit kurzen Versuchen, mehreren Hobbyanfängen, Abbrüchen und erfolglosen Wiedereinstiegen für mich relevant.

Die Begriffe Routine und Disziplin möchte ich dabei nicht voraussetzen. Mich interessiert, unter welchen Bedingungen etwas funktioniert - zum Beispiel wenn es neu, interessant, dringend oder sozial unterstützt ist - und was passiert, wenn diese Bedingungen wegfallen.

Danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast!

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Danke für deine ausführliche Rückmeldung - jetzt verstehe ich besser, was du meinst. Genau der Unterschied zwischen „Routine funktioniert gerade“ und „was passiert, wenn die Bedingungen sich verändern oder ein Ausfall passiert?“ interessiert mich. Dabei möchte ich auch Menschen einschließen, die Routinen nur kurz halten, mehrfach neu beginnen, sie aufgeben oder bisher keine stabile Routine entwickeln konnten.

Deinen Hinweis auf individuelle Lebensbedingungen, Selbstkritik, Perfektionismus und den Umgang mit Misserfolgen nehme ich ebenfalls in meine Forschung auf. Meine Idee ist nicht, klassische Routinen einfach auf Menschen mit ADHS zu übertragen, sondern zu untersuchen, ob und wie ein System den Abbruch und den Wiedereinstieg anders unterstützen müsste.

Das meinte ich: Es funktioniert, weil es neu, interessant, dringend … ist. Und wenn es nicht mehr funktioniert, sucht man entweder etwas anderes, das so ist. Oder sucht einen Winkel, aus dem das alte wieder so aussieht.

In meine UX versuche ich daher, PINCH einzubauen und transparent zu machen. Wenn etwas nicht mehr neu (N) ist, kann man vielleicht auf Passion/Play (P) oder Challenge (C) umrüsten, usw. Oder sich die Deadline (Hurry - H) als äußeres Gerüst vor Augen führen.

Routine ist da eher ein Reizwort, weil es so sehr mit jahrelangem Bemühen und Scheitern an neurotypischen Handreichungen verbunden ist.

Ich kann daher zur Umfrage nicht beitragen, aber kann sehr gut sein, dass hier andere in guter VT zu stabilen Routinen gefunden haben.

Artgerechte UX brauchen wir jedenfalls dringend! Viel Erfolg!

Ich orientiere mich dabei übrigens auch an dieser Studie zu Self-Experimentation bei jungen Erwachsenen mit ADHS: DRS Digital Library - DRS Biennial Conference Series: Breaking the cycle: Understanding Self-Experimentation as a health behavior change approach for young adults with ADHD bin da drüber gestolpert und fand den Ansatz spannend, weil er Routine eben NICHT als starre langfristige Verpflichtung sieht, sondern eher als kleinen persönlichen Versuch, den man beobachtet und anpasst. Und genau DAS trifft glaub ich meinen Punkt viel besser als „Routine“ im klassischen Sinn.

Also nicht „du musst einfach disziplinierter sein“ nach einer Unterbrechung, sondern eher rausfinden: was hat vorher überhaupt funktioniert, was hat sich verändert, und welche Version passt jetzt gerade wieder?

Ehrlich gesagt merk ich beim Schreiben gerade selbst, dass „Routine“ als Wort für mein Projekt vielleicht gar nicht so ideal ist. Vielleicht ist es eher ein flexibler Prozess aus Experimentieren – Unterbrechen – Anpassen – Wiedereinsteigen so.

Dann vielleicht Re-Routines?

Das passt ja auch zu dem Unterbrechen und Zurückkommen. Auf den Gedanken kam ich gerade durch die Graphiken in der zitierten Studie. Und es entspricht auch eher meinem Erleben.

Heute morgen habe ich zB bei Lachenmeier gelesen: Was (zu) leicht von der Hand geht, soll man eher etwas bremsen, damit man mehr Ressourcen frei hat für die Projekte, die machbar sind, aber keine Selbstläufer, usw.

Also eigentlich ist es ein ständiges Reroute / Reset. Tiny Experiments von Anne-Laure Le Cunff könnte da vielleicht auch noch interessant sein.

Also bei mir ist die einzige Routine , die seit ewigen schon zu 99,99% hält, das direkte morgendliche Zähneputzen nach dem Frühstück, wenn ich zu einem Termin muss. Das aber auch nur , weil mein Mund sich gepelzt so unwohl fühlt , der Geschmack im Mund so unfrisch ist und ich selbst ungeputzten Morgenmuff aus einem anderen Mund schwer aushalten kann und das anderen nicht antun möchte .

Im Urlaub am Wochenende putze ich nicht immer direkt nach dem Frühstück, aber spätestens wenn ich mich anziehen, oder ich bekomme geplant Besuch. Also irgendwann habe ich 1x am Tag die Zähne geputzt..

Nachmittags habe ich das noch nie hinbekommen und Abends gelingt es mir so lange ich denken kann es mir sehr routiniert das Vorzunehmen und es sehr routiniert wenn, ich wieder eine Routine darin schaffen will, dies höchstens ein paar Tage einzuhalten.

Ich glaube bevor ich mit ungeputzten Zähne das Haus verlassen, würde ich lieber schnell ein Buff übers ungekämmte Haar ziehen , oder wenn die Konsequenz nicht zu groß lieber zu spät kommen.

Ich habe mal etliche Monate mir jeden Morgen Zitronenwasser gemacht und plötzlich nicht mehr . Manchmal ändern sich Routinen von einem Tag zum anderen , weil ich denke ich könnte es auch anders machen.

Routinen halten sich bei mir nicht, weil ich es plötzlich vergesse oder verpeile oder aufschiebe .

Routinen halten sich sehr schwer wenn es ein eigentlich sinnvolles müssen ist , weil der Kick des „geschafft“ habens von der Langeweile überholt wird.

Routinen halten sich nicht , weil wenn diese gefestigt ist, meine Birne dies als gefestigt abspeichert und sich das dann als erledigt anfühlt, bis ich merke , dass ich die Routine nicht mehr durchführe.

Routinen können aber auch zum Verhängnis werden. Der Schlüsseldienst bat mich bis zum auswechseln des Schlosses den Schlüssel nicht innen stecken zu lassen. Ich hatte mir direkt das Schloss übergeklebt und das war auch gut so.

Neuen Routinen beinhalten für mich den bitteren Beigeschmack, das ich es eh nicht hinbekommen, weil es kommt ja eh wieder der Routinenlöschtag.

Routine ist aber für mich auch nicht = Routine.
Das eine ist ein quallvolles aufbauen müssen und ggf nicht einhalten können.
Das andere ist, wenn ich es nicht bewusst als solches aufgebaut habe und jemand sagt. „Das hast du aber echt routiniert hinbekommen !“

Zugleich kann ich nie sicher sagen , dass ich etwas routiniert hinbekommen werde. Also z.B ist ja einfache Alltagsmathematik eine Form von Routine , aber im falschen Kontext , wenn mit dem Kopf woanders könnte ich übertreiben gesagt bei 1+1=(?) plötzlich stocken.

Also ich vertrau in mir auf nichts , egal wie oft ich es wiederholt und geübt habe.