Wie ist das denn, wenn man spät diagnostiziert wird und im bisherigen Leben keine guten Systeme/Strategien für die Haushaltsführung entwickelt hat, weil man gar nie dazu in der Lage war? Und dann mit Medikamenten wäre es einem vielleicht möglich, aber es fehlen die Strategien und Ordnungssysteme?
Gibt es eine Therapieform, wo man eine Art Haushaltstraining machen kann, wo man zusammen mit dem Therapeuten Ordnungssysteme entwickelt und Ablaufpläne, damit der Haushalt besser funktioniert? Und wird es einem wirklich möglich sein, sich durch die Medikamente dann auch an Pläne zu halten? Bisher (ohne Medikamente) hat es bei mir nie funktioniert, mich an selbst aufgestellte Pläne zu halten.
Klar, der Haushalt rockt manchmal nicht wirklich. Ich hab mal mit Haushaltsfee gearbeitet und das hat mir bisschen Struktur gegeben. Probier’s mal, kann echt hilfreich sein.
Also, du kennst doch sicher diese chaotischen Momente, wenn nix mehr klappt, oder? Bei mir hat’s geholfen, das alles irgendwie zu strukturieren. So ein Familienbrett kann echt ein Gamechanger sein. Alles raufpacken, was getan werden muss oder was geplant ist, und schon geht nix mehr so schnell verloren. Das Zeug von gestern ist schnell vergessen, aber so habt ihr immer alles auf dem Schirm. Und ey, je mehr man sich selbst organisiert, desto weniger Stress hat man letztendlich. Total praktisch, glaub’s mir!
Danke, daran hatte ich auch schon mal gedacht. Bisher hat mir noch kein Arzt sowas vorgeschlagen.
Gibt es irgendwo eine Liste von Ergotherapeuten, wo man gezielt suchen kann nach Ort und Zielgruppe? Beim Googeln habe ich bis jetzt nur Zeug für Kinder gefunden.
Was hat ein Familienbrett damit zu tun? Ich lebe allein, und es geht nur um Ordnung in der Wohnung, dass nicht so viel rumliegt, alles mal seinen Platz hat und es auch ordentlich bleibt. Nach dem Aufräumen dauert es bei mir nur wenige Tage, dann ist wieder alles wie vorher.
Inzwischen habe ich ein Rezept für Ergotherapie bekommen, bin aber noch auf der Warteliste. Ich bin gespannt, was das wird. Ob es überhaupt für mich geeignet ist, ob ich irgendwas umsetzen kann.
In der Theorie könnte ich ja so einen Haushalt perfekt führen, das Problem ist die Praxis, den Hintern hochkriegen. Würde man die 24 Stunden eines Tages ausnutzen, wäre alles leicht zu schaffen, eben theoretisch, sogar als Chaot und ohne Plan. Mit Plan wär noch besser.
Du sprichst mir aus der Seele, genau so geht es mir auch. Ich hatte sogar in Schule damals den Haushaltskurs belegt, können tu ich das alles aber irgendwie kann ich das dann doch nicht.
Falls dir der Eindruck ein wenig hilft: ich habe nun seit etwa einem halben Jahr Ergotherapie, unter anderem wegen meiner mangelnden Planungsfähigkeit (nicht nur im Haushalt). Allerdings ohne Medikamente.
Je nach Ansatz kann das auf jeden Fall helfen, wenn man sich darauf einlässt. Bei mir ist die Ergotherapie manchmal sehr spielerisch, sodass ich hier und da Probleme hatte, einen Sinn darin zu erkennen. Beispielsweise sollte ich in der Stunde kleine Spiele zur Konzentration am PC machen. Also ich hatte wirklich oft Zweifel, ob das alles irgendeinen Sinn macht.
Aber die Ergo hat insgesamt tatsächlich etwas bei mir verbessert, habe ich gemerkt. Ich habe ein paar Ansätze zum Planen mitnehmen können, und die Erkenntnis, dass sich Durchhalten lohnen kann. Mein Therapeut ist niemand, der sich mit der Person hinsetzt und schriftlich Pläne aufschreibt, sondern es geht in den Stunden ganz konkret ums Handeln durch kreative Arbeiten. Das hilft ein Stück weit bei der Selbstwirksamkeit, finde ich.
Probier es aus. Ansonsten: mein Therapeut sagte, so eine Art Hilfe beim Planen im Alltag und im Beruf würde man über eine Soziotherapie erhalten können. Das habe ich allerdings noch nie gemacht.
Vielleicht ist das wirklich auch besser so, denn alleine Pläne machen hat mir ja auch noch nie wirklich geholfen. Ein Gefühl von Selbstwirksamkeit könnte ich gut brauchen, glaube ich. Kreativ bin ich allerdings nicht wirklich.