Ich verstehe.
Wozu ich zuerst was sagen möchte, ist das hier:
Ganz ehrlich, das ist nicht unbedingt ein Problem. Zumindest nicht, wenn wir von den kleinen Dingen sprechen. Wöchentlich den Berufswunsch ändern ist damit natürlich nicht gemeint.
Aber sich spontan für etwas zu interssieren und seine gesamte Aufmerksamkeit dieser einen Sache widmen zu können, ist an sich eine gute Eigenschaft. Ich profitiere in meinem Alltag und auch beruflich sehr davon, dass ich zu allem Möglichen schonmal was gehört habe oder schonmal ein Hobby in diese Richtung hatte. Dabei muss ich nicht mal „Meister“ in einer Sache gewesen sein. Eine Weile lang macht sie mir Freude und ich kann eirgendwas daraus mitnehmen.
Und selbst wenn nicht, dann kann ich wenigstens erzählen, dass ich als Kind mal innerhalb einer Woche 3 Flötenlehrbücher durchgearbeitet habe, aber schon eine Woche später keinen Ton mehr spielen konnte 
Ich wünschte ehrlich gesagt, viele Interessen zu haben wäre gesellschaftlich gerade akzeptierter. Auch, dass man nicht immer alles zur Meisterschaft bringen muss.
Solang du es dir guten Gewissens leisten kannst, behalte dir diese Begeisterung bei. Man muss ja nicht gleich ein Universalgelehrter werden, aber Vielseitigkeit ist durchaus ein guter Skill.
Ich kann aber auch deine Sorgen diesbezüglich verstehen. Und ehrlich gesagt finde ich es schon sehr bemerkenswert, dass du so viel Weitsicht besitzt, das als potenzielles Problem zu erkennen.
Schon allein deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass es mit dir ab der Volljährigkeit direkt steil bergab geht.
Dafür ein paar hilfreiche Strategien zu entwickeln ist aber definitiv gut. Eine hätte ich für dieses Problem anzubieten:
Dafür haben wir hier zu Hause die Strategie, dass wir solche spontanen Wünsche in Listen sammeln.
Kann am Handy sein, Wunschlisten bei Shops oder ganz klassisch auf nem Zettel. So wie es halt passt.
Wir kaufen solche Extras nicht direkt, sondern warten ein oder mehr Tage. Manche Sachen stehen richtig lange auf den Listen und wenn wir sie dann immernoch wollen, dann kaufen wir sie auch. Andere Dinge sind schon am nächsten Tag nicht mehr interessant und fliegen von der Liste.
Unterwegs klappt das natürlich nicht unbedingt, aber da nehmen wir uns nicht so viel Geld mit. Oder wir überlegen schon vorher, wie viel Geld für Extras wir bei dem Ausflug ausgeben wollen.
Ich bin ja inzwischen schon dem Alter nach Erwachsen und habe Adult-Money. Natürlich kaufe ich mir da auch mal irgendwelche „unnötigen Dinge“, die ich aber unbedingt haben will. Und solang das im Budget ist, finde ich das auch total ok. Das Gleiche gilt für meine Tochter. Wenn es geht, darf auch mal einem spontanen Wunsch nachgegeben werden.
Brauche ich Sonnenfänger an den Fenstern? Nö. Will ich aber haben und ich erfreue mich dran.
Nutze ich mein Spinnrad noch? Nö, auch wenn das für 3 Jahre meine komplette Identität war. Ich bin deswegen nicht verschuldet und es war eine schöne Zeit. Und vielleicht kommt sie auch mal wieder.
Ich will fehlende Impulskontrolle nicht schönreden. Ich habe als undiagnostizierte und unbehandelte Jugendliche wirklich dumme und gefährliche Dinge gemacht, die nicht hätten sein müssen und zum Glück immer gut ausgegangen sind. Ich wusste aber auch nicht, dass es sowas wie ADHS gibt, was das bedeutet und wie man damit umgehen kann.
Da bist du schon ein großes Stück weiter als ich damals und diesen „Vorteil“ darfst du nicht unterschätzen. Der löst das eigentliche Problem nicht, aber die Chancen für weniger Katastrophen stehen schonmal gut.
Solang man keine große, gefährliche Dummheit begeht ist übrigens auch nichts Schlimmes dabei, mal eine falsche Entscheidung zu treffen. Selbst wenn du auf ein Internat gegangen wärst, hättest du dich auch wieder umentscheiden können. Manchmal muss man Dinge erst ausprobiert haben um zu wissen, dass sie nicht zu einem passen. Scheitern gehört zum Lernprozess dazu. Besonders als ADHSler. Das ist kein Freibrief zum unkontrollierten Blödsinn machen, aber ich will dir damit auch ein bisschen den Druck nehmen, immer beim ersten Mal die richtige Entscheidung treffen zu müssen.
Was die Listen angeht, kannst du dir vorstellen, welche anzulegen?
Oder aber die Idee, vorher ein Budget für Spontankäufe festzulegen?
Ich weiß ja nicht, in welchen Situationen du spontan Geld ausgibst. Vielleicht braucht es auch eine andere Idee.