Tipps gesucht: Umgang mit Unsicherheit bei neuem Terrain (Dating)

Hallo zusammen,

ich habe mich angemeldet, weil ich den Austausch zu einem bestimmten Thema suche.

Kurz zu meinem Hintergrund: Ich habe meine ADHS-Diagnose recht frisch im November 2025 bekommen. Rückblickend erklärt das für mich extrem viel.

Meine Situation ist gerade so, dass ich mich nach langer Zeit wieder meiner gleichgeschlechtlichen Orientierung öffnen möchte. Ich hatte in der Pubertät erste Erfahrungen gesammelt. Danach lag das Thema jedoch komplett auf Eis – vor allem auch, weil mir bis zur Diagnose überhaupt nicht bewusst war, dass bei mir ADHS vorliegt und wie viel Energie das Maskieren und Kompensieren im Alltag gefressen hat.

Da ich in Sachen Beziehungen allgemein eher wenig Erfahrung habe, bedeutet das Thema Dating für mich gerade ein komplett neues, unbekanntes Terrain. Als ADHS-Person merke ich extrem, wie viel Unsicherheit dieses Unbekannte in mir auslöst. Mein Kopf macht da schnell dicht. Deshalb möchte ich das Ganze auch sehr langsam angehen lassen und mich vorerst rein aufs Online-Schreiben beschränken.

Ich würde mich total freuen, von euch zu hören: Habt ihr Tipps und Tricks, wie man diese anfängliche Blockade und Unsicherheit vor dem Unbekannten überwinden kann? Gibt es hier andere Spätdiagnostizierte, bei denen das Dating wegen des unerkannten ADHS jahrelang blockiert war?

Danke euch und liebe Grüße

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Hey :slight_smile:

Erstmal schön, dass Du hier so offen schreibst.

Kannst du vielleicht noch ein bisschen ausdifferenzieren, was genau dich verunsichert? Und welche Gedanken/Gefühle in dem Kontext bei dir aufkommen? Und was genau Du dir wünscht zu verändern, oder sich verändern soll?

Ich glaube, eine pauschale Antwort gibt es da nicht.

Liebe Grüße

Hey :blush:
danke für deine Rückfrage.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, liegt meine Unsicherheit weniger in meiner Orientierung selbst, sondern eher in meiner fehlenden Erfahrung mit Dating und Beziehungen allgemein.

Die Kontaktaufnahme über Chat fällt mir eigentlich recht leicht. Schwieriger wird es, wenn jemand telefonieren möchte. Da merke ich oft, dass mich die fehlende Planbarkeit verunsichert. Beim Schreiben habe ich Zeit, meine Gedanken zu sortieren. Bei Telefonaten weiß ich vorher nicht, was auf mich zukommt oder worüber man sprechen soll.

Außerdem ist da die Angst vor Ablehnung oder Zurückweisung. Durch meine geringe Beziehungserfahrung habe ich manchmal das Gefühl, anderen gegenüber „hinterher“ zu sein oder nicht zu wissen, wie bestimmte Dinge funktionieren.

Treffen im realen Leben hatte ich bisher noch keine. Entsprechend löst allein die Vorstellung davon Nervosität und Unsicherheit aus. Meine bisherigen Erfahrungen liegen hauptsächlich in der Jugendzeit in einer Wohngruppe und waren eher kurze erste Erfahrungen als wirkliche Beziehungen.

Was ich mir wünsche, ist eigentlich gar nichts Spektakuläres. Ich suche vor allem Nähe, Geborgenheit, Vertrauen, körperliche Zuneigung, Austausch über den Alltag, gemeinsame Aktivitäten und jemanden, mit dem man Sorgen und schöne Momente teilen kann.

Verändern möchte ich vor allem, dass mich das Unbekannte nicht mehr so stark blockiert und ich mich Schritt für Schritt darauf einlassen kann, neue Erfahrungen zu sammeln.

Liebe Grüße

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Hey, danke für Deine Antworten. :folded_hands:

Ich kann das ziemlich gut verstehen und nachvollziehen, dass sich da Unsicherheit breit macht aufgrund der „fehlenden Erfahrung“.

Erstmal soviel: fehlende Erfahrung ist kein Grund sich zu schämen. Wir alle mussten und müssen da unsere ersten Schritte gehen und keiner wird mit sozialem und emotionalen Kompetenzen geboren.

Ich finde es total schön, dass Du das für dich schon so klar herausgefunden hast. Wie lange schreibst du denn i.d.R. mit jemandem?

Ich selbst kenne das von mir auch - Profile, in denen steht "keine Brieffreundschaft* fallen quasi schon mal raus :sweat_smile: für mich ist das Schreiben auch verbunden mit Vertrauen herstellen und auch vibe auschecken. Und das kann dauern. Und das ist auch in Ordnung. Ich möchte ja wissen, wie mein Gegenüber tickt.

Wenn du gerne „schneller“ in den Telefonkontakt gehen möchtest, könntest du dein Gegenüber ja fragen, worüber ihr sprechen möchtet. Oder dich öffnen und deine Ängste formulieren. Ich z.b. bin im Grunde ziemlich schnell in den Deeptalk gegangen. Und habe mich geöffnet. Nur so konnte ich für mich abschätzen, ob die Reaktion des Gegenübers „zu meinem Nervensystem“ passt. Wenn da ein reject kommt oder es sich unangenehm/unpassend anfühlt, ist es im Grunde ein Gewinn.

Verbindest du die Angst vor Ablehnung und Zurückweisung mit deiner fehlenden Erfahrung? Also: „ich werde bestimmt abgelehnt, weil ich unerfahren bin“

Ich weiß, das ist nicht immer einfach. Aber DU darfst in DEINEM Tempo Erfahrungen sammeln. Du könntest z.b. die Thematik aufmachen und auch erstmal Fragen, wie erfahren dein Gegenüber ist. Vielleicht geht’s der anderen Seite genauso?

Vielleicht kannst du mal in dich reinhören & reinfühlen, welche Art der Nervosität da ist. Angst oder eher Aufregung? Wenn ich mit 45 auf ein Date gehe (was lange nicht vorkam​:sweat_smile:) bin ich auch aufgeregt und ein Stück weit unsicher. Ich denke, bis zu einem gewissen Grad ist das auch ganz menschlich.

Und wenn es aber in Angst umschlägt, solltest und darfst du dir noch Zeit nehmen. Wenn dein Gegenüber ein ehrliches Interesse an Dir hat, ist da auch Verständnis.

Ja, das menschlichste der Welt, was Du da beschreibst. Und doch oft so schwer zu finden.

Meine Erfahrung: öffnen, sich verletzlich zeigen und den anderen reinlassen. Erstmal hinter dem Rechner. In deinem Tempo Vertrauen fassen und schauen, ob da auch Vertrauen und Verständnis von der anderen Seite kommt. Klar und offen und ehrlich sagen, was bei und mit dir geht. Das sind die Erfahrungen, die dazu führen, zu lernen, auf wen man sich einlassen möchte. Weil man sich selbst und die Menschen dadurch besser kennen und verstehen lernt.

Genau hier hast du dir deine Fragen schon selbst beantwortet. Schritt für Schritt.

Ganz in Ruhe. Schreiben, hinspüren, Fragen stellen, und wenn du soweit Vertrauen gefasst hast, dann bin ich sicher, merkst du wenn der Zeitpunkt für den nächsten Schritt gekommen ist.

Ich wünsche Dir, dass Du da für Dich da den Druck rausnehmen kannst, performen und perfekt sein zu müssen. Das musst du nicht.

Ich denke, ein Stück weit kommt es auch darauf an, auf welchen Datingseiten man so unterwegs ist.

Gibt’s vielleicht hier im Forum was?

Da wäre die Basis Neurodivergenz und das Verständnis, was uns dadurch von neurotypisch unterscheidet schon mal da.

Ich hoffe, da ist für dich jetzt was hilfreiches dabei oder der ein oder Impuls. Wenn du dich weiter austauschen magst, gerne!

Fühl Dich umarmt! :people_hugging:

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Danke für deine ausführliche und wertschätzende Antwort. Da waren einige hilfreiche Gedanken für mich dabei.

Blockzitat
Wie lange schreibst du denn i.d.R. mit jemandem?

Zu deiner Frage, wie lange ich normalerweise mit jemandem schreibe: Meistens sind es etwa 2–3 Wochen. Danach bricht der Kontakt häufig ab. Ob das dann fehlendes Interesse, Ghosting oder einfach unterschiedliche Erwartungen sind, weiß ich nicht genau. Das macht es manchmal schwierig einzuschätzen, ob ich mir einfach mehr Zeit lasse als andere oder ob ich den richtigen Zeitpunkt für den nächsten Schritt verpasse.

Blockzitat
Verbindest du die Angst vor Ablehnung und Zurückweisung mit deiner fehlenden Erfahrung?

Die Angst vor Ablehnung hängt tatsächlich teilweise mit meiner Unerfahrenheit zusammen. Rational weiß ich natürlich, dass jeder irgendwann bei null angefangen hat. Trotzdem kommt manchmal der Gedanke auf, dass andere in meinem Alter deutlich mehr Dating- und Beziehungserfahrung haben und ich dadurch „hinterher“ bin. Ähnlich ist es beim Thema Sexualität. Auch da habe ich manchmal Sorge, nicht zu wissen, was erwartet wird oder wie andere darauf reagieren.

Blockzitat
Vielleicht kannst du mal in dich reinhören & reinfühlen, welche Art der Nervosität da ist. Angst oder eher Aufregung?

Bei der Nervosität vor Treffen würde ich inzwischen sagen, dass es eine Mischung aus Vorfreude und Angst ist. Da ist auf jeden Fall Neugier und der Wunsch, jemanden kennenzulernen. Gleichzeitig neige ich dazu, mir mögliche negative Szenarien auszumalen und mich zu fragen, was alles schiefgehen könnte. Wahrscheinlich ist das ein Teil dessen, was mich manchmal blockiert.

Dein Gedanke, dass Vertrauen Zeit brauchen darf und dass man sein eigenes Tempo haben darf, hat bei mir etwas ausgelöst. Vielleicht mache ich mir tatsächlich zu viel Druck und denke, ich müsste schon weiter sein, als ich es gerade bin.

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Schön, dass Du nochmal drauf eingehst :raising_hands:

Okay, 2-3 Wochen finde ich tatsächlich nicht wirklich lang. Zumindest nicht, wenn sich da eine gute Basis Vertrauen entwickeln soll. Das hat ja auch viel mit Verlässlichkeit zu tun.

Allerdings hängt es in meiner Erfahrung auch stark davon ab, wo man auf die „Suche“ geht. Ist es eine oberflächliche Plattform, wo „schnelle“ Kontakte gesucht werden oder ist es eine Plattform die eher dafür steht, dass die Qualität der Beziehung/Begegnung im Vordergrund steht. Da gibt’s auf jeden Fall deutliche Unterschiede.

In deinem Fall ist Nr 2 sicher die gesündere Variante.

Vielleicht hast du ja noch n paar Chats gespeichert und kannst sie nochmal durchlesen. Vielleicht fällt dir was auf. Das kann alles mögliche sein. Ich finde, man wird einfach auch über die Zeit und die unterschiedlichen Gegenüber beim und durch das Schreiben erfahrener und bekommt immer mehr Gespür dafür, in welche Richtung das laufen kann und könnte. Auch hier wieder der Faktor Zeit und ein klares JA zu: Du darfst dir soviel Zeit lassen, wie Du möchtest. Dein persönlicher Wunsch nach Nähe, Geborgenheit, Vertrauen usw, der gibt das Tempo vor. Und ganz ehrlich, diese ganzen „schnellen“ Geschichten sind so häufig so oberflächlich und hinterlassen dadurch auch eher einen faden Nachgeschmack als ein gutes Gefühl.

Trau dich, dir und deinem Tempo zu vertrauen. Deine innere Stimme ist im Normalfall ein guter Wegweiser. Die Angst darfst du willkommen heißen, sie wahrnehmen und auch die Unsicherheit. Nicht wegdrücken. Begrüßen. Diese Gefühle zeigen dir ja auch n Stück weit, wie bereits du für etwas bist.

Und wenn du sie annimmst, lassen sie nach.

Mehr Erfahrung heißt nicht zwingend mehr „gute“ Erfahrung. Ich hab ne Menge Erfahrung, aber 98% davon hätte ich auch nicht gebraucht. Weißt du, wie ich das meine? Das klingt jetzt vll etwas abgedroschen, aber der Spruch „gut Ding will Weile haben“ der trifft hier ganz gut.

Frag doch mal in Deinem Umfeld, wieviel gute Erfahrungen andere gemacht haben. Vielleicht überrascht Dich die Antwort.

Und was die Sexualität betrifft - riesiges Lernfeld. Und es geht nicht darum, was von Dir erwartet wird, viel wichtiger ist, was tut Dir gut? Performance - no! Bedürfnisse - yes! Deine. Und jedes Gegenüber, dass Dinge/Praktiken/Aktionen von Dir erwartet, bei denen du ein ungutes Gefühl, keine Lust oder ein klares Nein verspürst, NO.

Auch hier ist die Devise : Kommunikation. Auch im Vorfeld. Was will das Gegenüber? Welche Erfahrungen wurden gemacht, was war schön, was nicht.

Was stellst du dir vor, womit fühlst du dich gut. Usw. Usw. Ansprechen. Und wenn sich das in der Vorstellung überschneidet, dann ist das schon mal ein großes Plus. Und Humor: Sexualität soll Spaß machen, gut tun und es darf unbedingt gelacht werden.

Humor ist sowieso eine sehr gute gemeinsame Basis :smiling_face:

Negative Szenarien wieder im Kontext Ablehnung?

Was könnte schiefgehen?

Und was, wenn Du jemanden in real nicht anziehend findest? Würdest du dann trotzdem den nächsten Schritt gehen oder sagen, (salopp formuliert)

„sorry, das wird nichts mit uns“

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Noch ein Nachtrag, fällt mir gerade ein.

Du könntest z.b. vor einem Telefonat den Chat nochmal lesen und dir ein paar Punkte/Themen rausschreiben, die ihr bereits angeschnitten hattet. .und dir dazu ein paar Fragen überlegen. Oder Deine Gedanken dazu aufschreiben. Und dann könntest du z.b. sagen:

"Wir hatten das Thema xy, darüber würde ich gerne noch etwas mehr wissen, oder da würde ich mich gerne noch mehr darüber austauschen. Oder: mir kamen da noch n paar Gedanken dazu…

So in der Art.

Und vielleicht kannst du auch Themen aufnehmen, bei uns mit denen Du Dich sicher fühlst.

Musik z.b. oder Kunst oder IT. Ich weiß ja nicht, was Dich interessiert. Aber das wäre eine Möglichkeit, die Unsicherheit etwas zu vermindern. Und gleichzeitig zu erfahren, wie dein Gegenüber zu diesen Themen steht.

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Hey, auch von mit einmal Wilkommen!

Meine Empfehlung ist zwar etwas speziell, aber wenn du im Bereich Gaming interessiert bist (und die andere Person auch, dann würde es sich ja auch anbieten, wenn man statt „nur“ zu telefonieren ein Spiel zusammen zockt und dabei miteinander quatscht? (Also ein entspanntes Spiel natürlich)

Geht bestimmt auch mit anderen Dingen, also Telefonisch zum Kochen verabreden oder so. Vielleicht nimmt die Tätigkeit ein wenig den Druck raus?

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