Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)

Huhu ihr lieben,
ich war länger nicht hier unterwegs, weil ich unfassbar beschäftigt bin mit Studium und Ehrenamt :slight_smile: Aber ich habe eine sehr interessante Entdeckung gemacht, die ich mit euch teilen möchte.
Zurzeit schreibe ich meine Bachelorarbeit über transkranielle Wechselstromstimulation - kurz zur Erklärung, es wird ein ganz leichter Strom (1 Milliampere) quasi durch das Gehirn geschickt, was kognitive Funktionen wie z.B. Aufmerksamkeit und kognitive Kontrolle beeinflusst. Das ist noch sehr experimentell. Ich erforsche zurzeit, ob man mit der Methode mentale Erschöpfung verringern kann.

Ich habe eine Studie von der Doktorandin gelesen, die meine Arbeit betreut, und sie hat quasi das Gleiche mit Gleichstromstimulation (tDCS) erforscht. Das hat in ihrer Studie auch gegen mentale Erschöpfung geholfen. tDCS (transcranial direct current stimulation) ist schon etwas besser erforscht, unter anderem als Behandlungsmöglichkeit bei ADHS :slight_smile: und es hat laut einer Meta-Studie tatsächlich eine positive Wirkung auf die Arbeitsgedächtnisleistung.

Ich bin eines Tages , als ich sehr erschöpft war, auf die Idee gekommen, die tDCS aus der Studie der Doktorandin an mir selbst auszuprobieren - die Laborgeräte waren ja da und ich wusste, wie man sie bedient und alles. Man spürt dabei so gut wie nichts und es ist ganz harmlos (Elektroschock-Therapie ist was komplett anderes). Ich habe das dann öfter wiederholt, um sicherzugehen, dass es nicht nur der Placebo-Effekt ist. Und siehe da, der Effekt ist äußerst angenehm! Interessanterweise finde ich es entspannend und einige Zeit nach der Stimulation habe ich den Eindruck, wacher zu sein als sonst (bis hin zu Einschlafschwierigkeiten, wenn ich es zu spät am Tag gemacht habe). Ich habe mir tatsächlich ein kleines Gerät für den Eigenbedarf besorgt, weil ich mir dachte, eine harmlose nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeit für ADHS & Erschöpfung klingt vielversprechend und ich kann es ja wieder verkaufen, wenn es nicht wirkt. Bisher (nach ca. 3 Wochen) habe ich den Eindruck, dass es mir wirklich hilft (gegen Erschöpfung und evtl. auch gegen Angst). Genaueres kann ich vermutlich erst nach weiterem Testen sagen, aber ich bin durchaus positiv beeindruckt von der Wirkung, die transkranielle Elektrostimulation haben kann.

Die Bachelorarbeit gebe ich am 15. August ab, bis dahin bin ich sehr busy, aber fragt mich gerne trotzdem dazu wenn ihr mehr wissen wollt :slight_smile: Kann nur sein dass die Antworten etwas dauern.

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Vielen Dank für das Teilen der Entdeckung, @julai

Finde ich sehr spannend. Bisher hätte ich gedacht, dass Geräte für den Eigenbedarf - so etwas wie LIFTiD oder NeoRhythm ? - im Vergleich zu Eurem Profi-Equipment so abgeschwächt sind, dass viel Placebo im Spiel ist?

Hängt vermutlich mit Vorbehalten durch Unkenntnis zusammen, ob man als Laie falsche Frequenzen verwenden kann oder „falsche Areale“ stimulieren, etc. und dann gruselige Nebenwirkungen verursachen kann, nachhaltige oder zumindest Migräne, etc. (Oder das Hörspiel „Makel“ wirkt bei mir nach…)

Ich habe zudem bei Neurofeedback-Geräten für den Eigenbedarf (mendi und muse) festgestellt, dass selbst da leider das shiny new toy/tool-Problem zuschlägt und sie zu schnell in der Ecke liegen. Aber positive Wirkung sorgt vermutlich für Dranbleiben.

Schwächer als die Laborgeräte sind die für den Eigenbedarf nicht unbedingt. Ich habe in meiner Studie mit 1 Milliampere stimuliert und mein Gerät geht bis 2 Milliampere (ist natürlich nicht viel, aber reicht aus). Was blöd ist, ist dass die Impedanzanzeige fehlt (zur Erklärung: der elektrische Widerstand sollte möglichst gering sein und das kann man mit meinem Heimgerät nur sehr rudimentär überprüfen). Außerdem kann man nur Gleichstrom und keinen Wechselstrom verwenden.

Das Areal, das meistens stimuliert wird und zu welchem es schon Metastudien gibt (linker dorsolateraler Präfrontalcortex) lässt sich mit etwas Übung einigermaßen finden. Man braucht nur ein Maßband für den Kopf.

Ich bleibe aktuell noch dran, weil ich eine positive Wirkung wahrzunehmen glaube. Aber wenn es mal in der Ecke liegt kann ich es sicher gut weiterverkaufen. Ich hatte Metastudien gelesen, die Effektstärken sind jetzt nicht unglaublich überzeugend, aber weil ich sonst die meisten Therapieversuche ausgeschöpft habe, dachte ich mir, warum nicht :slight_smile: Viele Studien sind auch an Neurotypischen gemacht worden, bei denen man eh wenig verbessern kann.

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Hi!
Meine Studie damals war nicht mit tACS, sondern mit TMS (cerebellare Inhibition), ich kenn das mit dem Abmessen und dann rumprobieren (bei sensomot. Testungen leichter zu merken, ob die zu stimulierende Stelle gefunden ist - man zuckt rum). TMS ist leider nicht wirklich erschwinglich für den Privatgebrauch… finds aber cool, dass du es mit deinem ganzen Wissen über tACS und tDCS an dir ausprobierst!
Halt uns gern up to date!

Wäre ja spannend so manche Studie aufzuteilen zwischen ND und NT, und nicht wie oft nur nur nach Alter, Geschlecht und die ganzen anderen UVs, je nach Fragestellung. Aber gut, du wirst schon genug zu berechnen haben :grin:
Wie viele Studienteilnehmende brauchst du, läuft es schon an?
Wünsch dir viel Erfolg! Für Studie und Privatgebrauch.

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Ein interessantes Thema, gibt es dazu etwas neues?