Traumgefühl (Tochter, 8 Jahre alt)

Hallo, ich bin neu hier und hoffe auf Erfahrungsberichte von Betroffenen.

Im Dezember letztes Jahr haben wir bzw. Unsere Tochter, die Diagnose adhs bekommen. Sie berichtet in letzter Zeit häufiger, dass sie sich “wie im Traum” fühlt. Teilweise hat sie das Ende der Kiga-Zeit schon hin und wieder gesagt. Ich habe schon an Derealisation gedacht, da das auch Menschen haben können, die weder depressiv, noch sonst psychisch belastet sind. Ich kenne dieses Phänomen selbst aber siebdagt das zumindest so häufig, dass ich mir schon Gedanken mache. Unsere KJPP meinte dass kann von den Reizen kommen, die zuviel sind. Was mir auch irgendwie am naheliegensten erscheint. Seit knapp zwei Wochen bekommt sie nun5mg Medikinet und es scheint ihr in der Schule sehr zu helfen. Sie sagt aber auch, dass sie sich immer noch wie im Traum fühlt. Ich würde mich über jede Rückmeldung freuen.

Liebe Grüße

Hallo Patty,

durch die atypische Reizverarbeitung ist es durch aus möglich, dass Menschen mit ADHS und oder ASS sich „wegzappen“ wenn es zu viel wird. Es handelt sich um einen Dissoziativ ähnlichen Zustand soweit ich das Verstanden habe, eine Art Notprogramm, wenn es zu viel wird.

Vielen Betroffenen hilft die Medikation zu merken wann es zu viel wird und man kann sich vor der Reizüberflutung besser Schützen. Ohrstöpsel, Sonnenbrille, Rückzug aus reizüberflutenden Situation usw. was sehr wichtig ist. :heart_suit:

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Guten Morgen und vielen herzlichen Dank für deine Rückmeldung. Das hilft mir. Ich hatte das als Kind auch, da war ich aber etwas älter als meine Tochter jetzt. Von heute auf Morgen, bei Aktivität war es besser, ich habe aber (leider) nie Medis bekommen. Sie sagt auch, dass es sie eigentlich nicht stört und es ihr nicht schlecht geht damit, was ja schon mal gut ist. Manchmal habe ich auch die Vermutung, dass sie das nutzt, weil sie weiß, dass ich darauf reagiere. Ich bleib extra entspannt bei dem Thema aber sie merkt ja doch, dass ich darauf anspringe. Ich bin sehr froh, dass ich auf dieses Forum gestoßen bin. Ich wünsche allen einen schönen Tag.

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Mein Großer arbeitet in der Schule mit Kopfhörern bzw dem Ikea Lernbüro wenn es ihm zuviel wird. Das hilft ihm. Aktuell schauen wir wie es mit dem Stimming funktioniert und was am besten hilft.

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Vielen Dank für deine Rückmeldung. Meine Tochter hat auch Kopfhörer in der Schule. Es klappt dann auch besser. Liebe Grüße

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Meine Tochter hat auch schon öfter von Gehirnnebel gesprochen. Klingt auch nach einem vielleicht ähnlichen Zustand.

Vielen Dank für deine Rückmeldung. Das kann natürlich gut sein. Klingt auch sehr plausibel. Das kenne ich auch gut von mir selbst bei Reizüberflutung aber dass sie das meinen könnte, daran habe ich noch nie gedacht.liebe Grüße

Kommt mir bekannt vor. Das hatte ich als Kind noch öfter, jetzt ist es schon besser. Das hängt mit der Reizüberflutung zusammen und ist dann eher wie ein mentaler Erschöpfungszustand, Müdigkeit, Brain Fog… hat nichts mit Psychosen o.ä. zu tun, mach dir keine Sorgen.

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Vielen Dank für deine Nachricht. Das hört sich auch sehr plausibel an. Als Kind hatte ich das eben auch. Eure Antworten helfen mir, es besser einzuordnen, vielen herzlichen Dank!!!

Hab ich seit ich sechs bin. Bin jetzt 32. Habe fokale Epilepsie, diverse Ängste usw. und jetzt frisch ADHS diagnostiziert bekommen. Erklärt so vieles aus meinem Leben.

Mittlerweile kann ich gut damit umgehen, wie bei so vielen anderen tritt es bei mir auf, wenn mein Nervensystem erschöpft ist. Ich weiß immer, wer und wo ich bin und es macht mir mittlerweile auch keine Angst mehr (früher schon), sondern ich ärgere mich dann eher, dass ich mich wieder übernommen habe. Was für andere normal ist, ist mir oft schon zu viel.

Das Gymnasium habe ich deshalb abgebrochen, im zweiten Anlauf die FOS durchgezogen, später unter vielen Tränen und mit 1000 Fehltagen eine Ausbildung geschafft und mir schließlich den Meister selbst beigebracht. Nun arbeite ich Teilzeit und studiere - etwas später als andere und Lernen fällt mir phasenweise extrem schwer, aber ich will und es interessiert mich ja auch.

Wie gut, wenn in der Schule schon geschaut wird. Bei mir dachten alle, ich hätte halt einfach Angst und würde deshalb die ganze Zeit zappeln/rauslaufen.

Alles Gute für euch!

Hallo Bananenschale, vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung.

Bei meiner Tochter tritt das Traumgefühl auch hin und wieder zuhause auf. Ist es möglich, dass auch in dem Rahmen, also im “sicheren Hafen”, eine Überreizung des Nervensystems auftreten kann?

Ich bedanke mich bei allen für eure Rückmeldungen.

Liebe Grüße

Hallo Patty,

also in meinem Fall ja, dabei ist und bleibt mein Zuhause bei meinen Eltern mein sicherster Ort. Ich hab lange gebraucht, bis ich verstanden hab, warum es auch an solchen Orten auftritt, aber bei mir war es letztendlich schlüssig. Klingt für Außenstehende vielleicht schwer nachvollziehbar, aber wir haben lange Zeit an einem Tisch im Wohnzimmer mit tiefhängender Lampe gegessen und währenddessen lief im Hintergrund oft der Fernseher. Beim Frühstück konnte ich gut mit am Tisch sitzen, da war ich meist wach und mein Nervensystem hatte Kapazität. Doch abends war mir das Licht + der Fernseher + die Gespräche, die meine Familie natürlich führte + der Essensvorgang (ist ja auch ein Reiz) sehr häufig zu viel. Oder in meinem Zimmer waren Deckenlampe und Schreibtischlampe an und ich musste mich konzentrieren.

Heute, viele Jahre später, steht der Esstisch woanders. Als ich 2018 meine Epilepsie-Diagnose bekam, war uns aber ohnehin schon klar, dass das mit meinem Nervensystem zusammenhängen muss.

Heute hab ich längst eine eigene Wohnung (in der ich abends niemals Festbeleuchtung anmache), aber wenn ich zum Beispiel nach der Arbeit bei meinen Eltern bin, dann lassen sie mich grundsätzlich erstmal „runterkommen“, meistens lese ich ein Buch von Enid Blyton, wo ich jedes ungefähr schon 100000x gelesen hab (alle ganz, aber das fällt mir bei anderen Büchern immens schwer), aber das ist ein „Ritual“ und hilft. Ich esse fast nur noch bei gedimmtem Licht und mit mir wird beim Essen meistens nicht so viel geredet.

Das sind meine Erfahrungen.

Und daraus kann ich den Tipp geben, eben tatsächlich mal auf die Beleuchtung zu schauen und zu schauen, dass sie sich zum Beispiel bei Hausaufgaben nicht zu sehr anstrengt (geistige Anstrengung ist bei mir ein großer Trigger), dass ihr sie mit Reizen nicht überfordert, Handyzeit etc. begrenzt, auf die Beleuchtung achtet usw.

Ich bin nicht vom Fach, das sind nur alles Dinge, die mir helfen. Und ich schreibe deshalb so ausführlich, weil ich sehr mit einem Mädchen mitempfinden kann, dem es so geht. Mich begleitet es wie gesagt seit ich sechs war.

Alles Liebe für euch :four_leaf_clover:

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Hallo Bananenschale,

Vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Bericht, der mir sehr hilft, die Sache besser einordnen zu können.

Ich wünsche dir auch alles Gute. Liebe Grüße:-)

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