Über- oder unterdosiert? Oder falsches Präparat?

Ich komme mit meinen Überlegungen gerade nicht weiter. Werde natürlich auch unsere Ärztin nochmal befragen. Aber vielleicht gibt es hier ja Erfahrungen oder Tipps.

Mein Sohn (7) wurde schon vor der Einschulung mit Medikinet retard eingestellt, zuletzt 20mg. Da hatten wir das Gefühl, dass es zwar bei der Konzentration hilft, aber im Hinblick auf Impulsivität gar nicht. Er fühlte sich noch mehr als vorher von anderen Kindern provoziert und ist dann häufig (wie er es beschreibt) “ausgerastet” - hat laut geschrieen, geweint oder sich mit anderen Kindern geprügelt. Generell ist er auch sehr schnell überreizt, vor allem in lauter Umgebung (wie eben Kita oder jetzt Schule).

Da er morgens nicht gefrühstückt hat und ich den Eindruck hatte, dass der Rebound sehr stark war, sind wir von 20mg Medikinet retard auf 20mg Equasym + 5mg unretardiertes Methylphenidat als Starter umgestiegen. Das hat die ersten 2 Monate auch ganz gut funktioniert. Dann hatte er wieder viele Ausraster und Streit in der Schule und war deshalb auch selbst sehr verzweifelt.

Wir haben jetzt einen Auslassversuch gemacht, um herauszufinden, ob es sich bei der Reizbarkeit und Aggressivität vielleicht doch um Nebenwirkungen handelt. Mein Sohn selbst sagt, dass er sich viel schlechter konzentrieren kann. Die Hausaufgaben sind eine Qual. Er sagt aber auch, dass das Spaß haben ohne die Medikamente viel besser klappt und er weniger Streit mit anderen Kindern hätte. Schlecht gelaunt ist er nach der Schule trotzdem noch.

Vor dem Auslassversuch hatte die Ärztin vorgeschlagen, die Dosis nochmal zu erhöhen, da es ja eine Weile gut lief. Was mich etwas stutzig gemacht hat, war, dass mein Sohn gesagt hat, mit Medikamenten würde er in der Schule am liebsten nur Lernen, ohne Pausen. Könnte das schon ein Hinweis auf eine zu hohe Dosis sein?

Ach ja, und ohne Medikamente isst und trinkt er in der Schule, was er vorher gar nicht gemacht hat. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch zur etwas besseren Laune beiträgt.

Nun ja, ich bin jetzt einfach unsicher, wie wir am besten weitermachen. Und ob ich vielleicht etwas übersehen habe.

Ich habe bei mir lange rumexperiment vertrage zwar hihe Dosen Methylfinidat aber es hat halt schon viel mit der Stimmung an sich gemacht. Teils war ich auch an der Maxdosis. Bin dann auf Elvanse gewechselt wo es immer heißt, daß man das Medikament eigentlich nicht spüren/ wahrnehmen soll weil es subjektiv wirkt. Elvanse und ich passten zwar nicht, doch ich hab das auf Ritalin übertragen => Equasym bzw. vergleichbar. Ich hatte vor Elvanse und bei Elvanse auch mit Starter vor und zurück probiert fand es nicht hilfreich und nach 2 quälenden Wochen Pause wo ich mich genauso wie dein Sohn durch den Tag gequält habe hatte ich angefangen mit sehr geringen Dosen Ritalin zu arbeiten und auch keinen Starter zu nehmen. Die ersten zwei Wochen mit den kleinen Dosen Ritalin hatten und manchmal haben sie auch immer noch das ich morgens gut 2 std brauche um in die Gänge zu kommen doch geht es mir persönlich emotional und körperlich am besten.

Der Versuchung immer was zu optimieren damit es besser wird habe ich mir anfangs wirklich hart unterbinden müssen - es ist zu verlockend gewesen das einiges ging wie mit dem Tiger im Tank doch hatte es für mich trotzdem auch andere nicht so tolle Eigenschaften.

Vielleicht wäre z.B. mal versuchen wie es nach 3 Wochen mit nur 10mg als Dosis ohne etwas zu Pushen eher sich auch die Zeit zu gönnen, weil es sonst bessere/angenehmere innerliche Empfindungen bei deinem Sohn einsetzen.

Es gibt ja wie immer nie eine Garantie, doch vielleich getreu dem Motto weniger ist mehr mit etwas Zeit und er würde sich besser und ausgeglichener fühlen, denn die Adhs werden wir ja nicht los und bei mir kommt für mich die Frage auf ob ich wenn ich optimieren möchte emotionale Abstriche machen möchte oder ob ich mich damit anfreunden muß eher aufzustehen um diese gut 2 bis 2,5 std für die Ruhe im Start in den Tag aufbringen möchte weil es mir einfach seit dem so viel besser geht, ich mich emotional außer im Rebound immer ausgeglichen fühle und für mich dann so damit leben kann und möchte. Man sagt es zwar Elvanse nach das es etwas Zeit braucht um sich voll zu entfalten doch das würde ich mit Ritalin auch sagen - was dann eher etwas mit den synaptischen Verbindungen die sie Ausbauen und neue Wege und Verknüpfungen machen zu tun haben muß und dies auch scheinbar seine Zeit braucht, obwohl ich recht ungeduldig bin und in der Eindosierung auch manches mal wohl innerlich noch ungeduldiger wurde als ich es je geglaubt hätte

Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Ich tendiere auch gerade dazu, nochmal eine niedrigere Dosis auszuprobieren. Allerdings hatte das letztes Jahr beim Medikinet retard gar nicht gut funktioniert. Da war dann die positive Wirkung zu schwach, aber die emotionale Instabilität trotzdem deutlich verstärkt. Also, the worst of both worlds. Hm….

Habt ihr schon mal nicht (!) retardiertes Medikinet (oder Ritalin) probiert?

Bei unserem Sohn reicht die Wirkung bis ca. zur 4. oder 5. Stunde, dann hat er halbwegs Appetit fürs Mittagessen in der Mittagsbetreuung, nimmt dort nochmal nicht (!) redardiertes Ritalin beim Mittagessen, was dann für Hausaufgaben wirkt.

Und wichtig wäre für die Laune, Verträglichkeit und geringere Impulsivität (jedenfalls nach meiner Erfahrung und zwar bei vielen Menschen, aber unserem ADHS-Sohn besonders) ein ordentliches Frühstück. Damit unser Sohn morgen ordentlich isst, darf er (ganz unpädagogisch) nebenbei etwas anschauen am Tablet. Und da er sich meist nach 1-3 Tagen an einem Frühstück (z.B. Brot) ab isst, sind wir recht flexibel (er isst oft gern deftig, also z.B. Knödel mit Sauce mit Vorabend).

Ich denke auch, dass das Essen bzw. Nicht-Essen-Können am Morgen / Vormittag einen großen Einfluss auf die Stimmung hat.

Ich habe der Ärztin mal detailliert unsere Beobachtung geschildert (schriftlich, da der nächste Termin erst in ein paar Monaten ist) und warte jetzt mal ab, was sie dazu meint.

Happa Happa kann schon viel ausmachen.

Aber vielleicht klappts ja auch mit nur 20mg Equasym Retard schon besser, als mit 20mg Equasym Retard + 5mg MPH-IR Booster.

Medikinet Retard / Adult hat eine 50/50 Freisetzung.
Also 50% nicht-retardiertes MPH und 50% verzögert freisetzendes MPH.

Equasym Retard hat eine 30/70 Freisetzung.
Es flutet aber trotzdem ähnlich stark an, wie Medikinet Retard / Adult.

Der 5mg MPH-IR Booster lässt die Kurve nochmal steiler ansteigen. Die fällt nach Erreichen des Peaks aber ähnlich rapide auch wieder ab, wie Medikinet Retard / Adult.


Da mittags keine weitere Gabe zu erfolgen scheint, könnte das zu dolle Auf- und Ab der Dosis-Kombi am Morgen einen härteren Crash / Rebound begünstigen.

Sollte er also beispielsweise morgens in den ersten 1-4h gut klarkommen und die Laune kippt irgendwann danach, könnte das ein Hinweis sein.

Vielleicht würde sogar Ritalin LA / Adult besser zu ihm passen. Das hat zwar auch eine 50/50 Freisetzung, aber die zwei Peaks wären laut Kurve sanfter. Naja, der erste ist zumindest niedriger. Es baut sich also noch verzögerter auf, als bei Medikinet Retard und Equasym Retard.

Sollte es also mit Equasym Retard (mit und ohne Booster) auf Dauer auch nicht funktionieren, könnte Ritalin LA auch noch ein Versuch wert sein.

Concerta und Kinecteen gäbe es auch noch.
Die fluten noch gleichmäßiger an und wirken auch von allen vorher genannten MPH Präparaten (und den Generika anderer Hersteller) am längsten.

Manche brauchen gleich morgens den Kickstarter.
Andere kommen mit einem gemütlichen Anstieg und Abklingen besser zurecht.