Hello, ich bin noch ganz neu hier und weiß gar nicht so recht wohin mit mir. Vielleicht muss ich mir einfach mal einiges von der Seele reden, wobei ich auch dankbar für jeden Tipp/Ratschlag bin :’)
Kurz für den Kontext: ich bin 21 Jahre alt, “assigned female at birth” (also eine Frau wenn man so will), habe nach meinem Abitur (2022) direkt eine Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen bei einer Krankenkasse gemacht, die im Juni 2025 erfolgreich abgeschlossen und arbeite jetzt 30h/Woche in einem anderen Bereich bei einer anderen Krankenkasse (seit Juli 2025) und nebenbei studiere ich berufsbegleitend. Die Diagnose ADHS kam als Verdacht irgendwann Anfang 2025 auf, die Diagnostik hatte ich am jetzt vor etwas über einer Woche und ich bekomme aktuell (Januar 2026) Medikinet adult 10mg.
Also um mal ein bisschen weiter in der Vergangenheit anzufangen: Ich habe erst in späten Teenager Jahren gelernt, dass sich ADHS bei Frauen meist anders äußert als bei Jungs/Männern und habe mich da in einigen Punkten wiedererkannt. Vor allem so Punkte wie Vergesslichkeit, Unfähigkeit Aufgaben zu beenden, Konzentrationsprobleme, etc. Also dieser unaufmerksame Teil von ADHS; da ich aber damals bei mir keine (körperliche) Hyperaktivität gesehen habe (da wusste ich nicht, dass Hyperaktivität auch im Kopf sein kann), hatte ich das aber schnell wieder verworfen und mich nicht weiter damit beschäftigt. Unter den Symptomen habe ich aber trotzdem gelitten, habe aber versucht mir selbst einzureden, dass es ja “nicht so schlimm sei” und dass ich mich “einfach” mal zusammenreißen müsste. Zumal ich auch immer ganz gut (was die Noten angeht) durch die Schule und später auch die Ausbildung gekommen bin.
Aber der Kraftaufwand den ich dafür aufbringen muss, nach außen hin “normal” zu wirken und konstant meine Leistungen im guten Bereich aufrecht zu erhalten ist einfach zu viel für mich. Ich bin so oft erschöpft davon, dass ich nach der Arbeit teilweise mehrere Stunden schlafe (ich verschlafe die Wecker oder stelle im Halbschlaf zu oft “noch 5 Minuten” bis es diese nicht mehr gibt und ich komplett verschlafe). Dadurch zerhaue ich mir auch meinen Schlafrhythmus, wodurch ich noch müder werde - yay (Ironie). Der Haushalt (der mir wegen den Aufmerksamkeitsproblemen eh schon schwer fällt) bleibt dann auch oft liegen, was mich sehr oft in negative Gedankenspiralen verfallen lässt. Ich hab zwar aus der Therapie auch so Methoden wie “Grübelstuhl” mitbekommen, aber ich schaffe es nicht das umzusetzen.
Und dann kommt noch dazu, dass mich mein Job extrem langweilt; ich mache die ganze Zeit die gleichen Dinge, es ist zu 95% Klickerarbeit am PC unter Zeitdruck. Ich hatte schon am 1. Tag gemerkt, dass das nichts für mich ist, weil Langeweile für mich unfassbar schwer zu ertragen ist. Ich hatte dann relativ schnell eine Zusatzaufgabe bekommen, die aber nur zeitlich befristet war. Aus Angst keinen besseren Job zu bekommen/einen der vielleicht aus anderen Gründen schlimmer für mich ist bin ich erstmal geblieben. Dazu muss ich auch sagen, dass ich meine Chefs sehr schätze und auch mit dem Team ganz gut klarkomme. Aber ich bin wirklich verzweifelt, weil es mir während des Arbeitens psychisch so unfassbar schlecht geht. Mein Kopf rattert die ganze Zeit, weil der diese Langeweile nicht aushalten kann. Gleichzeitig mache ich mir dann Sorgen, dass ich irgendwann einfach nicht mehr kann und auch vor anderen nicht so tun kann als wenn alles gut ist. Plus die Angst davor mich umzubewerben und auch die Frage, auf was überhaupt? Ich weiß nicht so recht was mir Spaß macht (dank Corona konnte ich in der Schulzeit leider auch nicht wirklich viele Praktika durchführen) und gleichzeitig meine Finanzen nicht in den Ruin zieht (ich trage Verantwortung für mein Leben und auch für das meiner Katze, ich kann sie auch aus emotionalen Gründen nicht “einfach so” abgeben). Also ich bräuchte glaube einen Job mit mehr Abwechslung, nicht nur immer am PC, in dem ich ähnlich gut verdiene. Aber die Abwechslung muss dann auch wieder “richtig” sein, weil ich ein eher introvertierter Mensch bin; ich bin zudem sehr schnell reizüberflutet (habe auch Tinnitus und hatte einen Hörsturz Nov. 2024) und kann nicht soo gut mit anderen Menschen. Ich habe neben dem Problem Leute oft akustisch nicht zu verstehen auch das Problem, dass ich Sarkasmus oft nicht verstehe. Sowas wie Kundenberatung wär damit zum Beispiel raus für mich (hatte ich in der Ausbildung schon, war zu anstrengend für mich). Ich weiß, dass ich evtl. Spaß an Projektarbeit/Handwerklichem/Entwicklung/Forschung sowas in die Richtung habe, also eher freiere/kreative Aufgaben als z.B. Sachbearbeitung. Das vermute ich aber auch nur und ich habe Sorge, dass mich das dann auch wieder langweilt und ich dann wieder an dem gleichen Punkt bin wie jetzt.
Ich bin echt verzweifelt, weil ich nicht weiß was ich machen soll. Ich arbeite vom Ding her so gerne und in der Einarbeitung wenn alles noch neu ist macht mir auch wirklich viel Spaß, aber ich kann ja nicht von Job zu Job hüpfen, nur weil mir langweilig geworden ist beim alten Job. Ich fühl mich einfach so kaputt und falsch deswegen, ich mein die anderen bekommen es ja auch einfach hin (ich weiß, dass solche Gedanken nichts bringen aber es fühlt sich trotzdem so an).
Ich habe jetzt zwar auch Medikinet adult 10mg verschrieben bekommen, aber wirklich helfen tut es bisher noch nicht. Also ich habe schon ein wenig das Gefühl, dass es mich ruhiger sein lässt und mein Gedankenchaos verlangsamt, aber wirklich helfen im Sinne von mich besser auf die Arbeit konzentrieren können tut es nicht. Aber vielleicht liegt es auch an der Dosis? Also dass ich ggf. höher dosiert eingestellt werden muss? Oder vielleicht doch am Job, so mäßig dass das Medikinet mir da auch nicht helfen kann?
Wenn ich das so lese find ich das auch echt schlimm, dass die meisten meiner Sätze mit “Ich” anfangen. Naja auch ein unnötiger Gedanke jetzt aber ich versuch grad jegliche Gedanken rauszuschreiben, weil ich das Gefühl habe dass sie mich sonst erdrücken.
Eigentlich müsste ich mir selbst auch “einfach” mal vor Augen halten, dass ich eh noch mind. 45 Jahre arbeiten muss, also habe ich theoretisch ja noch genug Zeit verschiedene Jobs auszuprobieren, mich weiter zu bilden, etc. . Aber es fühlt sich einfach so unerträglich an, jeden Tag gegen das Chaos in meinem Kopf anzukämpfen. Und dann auch noch Sport treiben, sich gesund ernähren, Freunde treffen, sich um die mental health kümmern, etc. . Ich versteh nicht wie ich das alles unter einen Hut bringen soll, das fühlt sich an wie so ne Sisiyphos Aufgabe (glaube zumindest dass das das mit dem Stein den Berg hinaufrollen war).
Okay das klang echt ein bisschen dramatisch, als mir das jetzt nochmal durchgelesen habe (aber es fühlt sich für mich auch dramatisch an, vielleicht liegt es daran). Ich bekomme meinen Alltag auch irgendwie bewältigt, aber ich bin so erschöpft die allermeiste Zeit, dass ich nicht weiß wie ich es schaffen soll, einen positiven Ausgleich zu finden (hab auch keine Ahnung wie der aussehen soll).
Mir hilft es manchmal, Themen hier im Forum zu lesen, aber ich habe auch oft genug Momente wie jetzt, in denen ich dafür emotional zu aufgewühlt bin. Da hilft mir dann auch einfach nichts mehr, bzw. ich geh meist einfach schlafen, in der Hoffnung, dass die Welt wieder anders aussieht wenn ich nur genug geschlafen habe (die Hoffnung stirbt zu letzt oder so).
Falls sich das jemand hier bis zum Ende durchgelesen hat: vielen Dank, ich ziehe meinen (imaginären) Hut