Überkompensation bei ADHS

Moin zusammen,

Ich habe gerade schon mal die Suchfunktion zum Begriff „Überkompensation“ befragt, da sie mir allerdings dazu nur ein paar vereinzelte Beiträge ausgespuckt hat, dachte ich mir, ich eröffne mal ein neues Thema.

Mir ist jetzt mit der ADHS-Diagnose und dem ganzen Drumherum immer mehr bewusst geworden, in welchen alltäglichen Bereichen eigentlich meine Schwierigkeiten stecken, und auf welche Art und Weise ich bislang mein ganzes Leben damit umgegangen bin. Also quasi, wie ich meine ADHS-Symptomatik kompensiert habe, ohne zu wissen, dass es sich überhaupt um eine ADHS-Symptomatik handelt…

Jetzt wollte ich euch mal fragen, in welchen Bereichen ihr von euch diese (Über-)Kompensationsmechanismen auch kennt, bzw. wie und in was für Situationen sich das bei euch äußert, und ob ihr vielleicht auch bestimmte Strategien habt, diese Überkompensation auch Stück für Stück wieder abzubauen. Da so ein Verhalten zwar natürlich immer einem Zweck dient und man es sich ja nicht ohne Grund angewöhnt hat, aber doch auch ganz schön viel Energie und teilweise auch Zeit kostet. Nur ist es natürlich gar nicht mal so einfach, sich ein Verhalten wieder abzugewöhnen, welches man sich mehr oder weniger sein ganzes Leben über schon (unbewusst) antrainiert hat…

Ich geb euch mal ein paar Beispiele, in welchen Bereichen ich bei mir so ein überkompensatorisches Verhalten festgestellt habe:

Was mir da immer als erstes einfällt, ist mein „Listen-Fetisch“ :lol: Lässt sich eigentlich ganz gut mit „übertriebene Planung jedes Fitzelchen meines Lebens“ zusammenfassen… Ich hab schon seit ich denken kann immer Listen für alles mögliche gemacht, oder auch z. B. teilweise so gefühlt minutiös durchgetaktete Tagespläne, Essenspläne, To-Do-Listen, Listen welche Bücher ich noch lesen will, welche Filme ich mir ansehen will, … Gibt tausend Beispiele.
Generell muss ich einfach immer alles aufschreiben, was mir durch den Kopf geht, damit ich es nicht direkt wieder vergesse, und irgendwo „abspeichern“ kann. In Bezug auf die ganzen Pläne wäre da meine Theorie, dass ich in meinem Kopf einfach innerlich so wenig Struktur habe, dass ich umso mehr äußerliche/„verschriftlichte“ Struktur brauche.
Das funktioniert so auch einigermaßen, kostet leider aber auch echt viel Zeit. Und so richtig flexibel ist das ja leider auch nicht gerade.
Durch meinen „Listen-Wahnsinn“ dachte ich auch anfangs, dass ich ja unmöglich ADHS haben kann, so organisiert, wie ich ja offensichtlich bin… :wink: Bis mir dann mal aufgefallen ist, dass die anderen Menschen, die ich so kenne, irgendwie nicht 70% ihrer Zeit nur damit verbringen, zu planen und To-Do-Listen zu schreiben, um überhaupt was auf die Reihe zu kriegen :lol:

Irgendwie zwanghaft ist es bei mir auch mit dem Sport. Nachdem ich eigentlich die ersten ca. 16/17 Jahre meines Lebens so gut wie gar keinen Sport gemacht habe, mache ich dafür jetzt die letzten 6-7 Jahre umso mehr Sport (im Sinne von v.a. Fitness/Workouts)…
Das habe ich für mich als ne super Möglichkeit entdeckt, um meinen inneren Druck ablassen und ruhig im Kopf werden zu können. Außerdem macht’s mir generell auch viel Spaß, allerdings hat es sich mit der Zeit auch immer mehr zu einem „Muss“ entwickelt, das ich echt so ziemlich jeden Tag brauche, um überhaupt in meinem Alltag irgendwie klarzukommen. Wenn ich mal für zwei oder drei Tage keinen Sport machen kann, z. B. manchmal im Urlaub, geht’s mir dann auch echt deutlich schlechter.
Also es ist inzwischen fast schon so ne Abhängigkeit geworden. Was einen dann auch wieder unflexibel macht, wenn man unbedingt Sport machen muss, und man seinen Tag dann so drumrum plant, und natürlich nimmt das auch viel Zeit in Anspruch - also ich denke, dass schon so 3 Stunden täglich für Sport + spazieren gehen draufgeht, und das finde ich im vergleich zu allen anderen Menschen, die ich so kenne, schon viel.
Ich hab auch einfach ein relativ großes Bewegungsbedürfnis, was ja auch nichts schlechtes ist, aber dieses zwanghafte, unbedingt jeden Tag Sport machen „müssen“, weil es mir sonst nicht gut geht, würde ich schon gerne wegbekommen. Ich denke, dann wäre es auf Dauer auch entspannter für mich und ich hätte mehr Spaß dran. Ist mir aber bisher noch nicht so gelungen, also bin ich dankbar für Tipps. :smiley:

Dann gibt es ganz, ganz viele Beispiele bei mir für Überkompensation in sozialen Kontexten. Generell bin ich in sozialen Interaktionen oft super unsicher, und habe dann wohl über die Zeit den Kompensationsversuch entwickelt, im Gegenteil in Konversationen möglichst selbstbewusst zu wirken. Damit also bloß niemand meine innere Unsicherheit mitbekommen kann.
Mir ist inzwischen aufgefallen, dass ich in solchen Situationen dann dazu neige, schneller und lauter als normal zu sprechen, möglichst keine Pausen in der Konversation entstehen zu lassen (Pausen sind mir sowas von unangenehm!), und Anderen oft ins Wort falle.
Gleichzeitig halte ich in sozialen Interaktionen alles meistens nur auf einem eher oberflächlichen Level und gebe meist nichts „Tiefergehendes“ von mir preis. Dabei erzähle ich dann interessanterweise auch immer nur alles, was bei mir gerade gut läuft, und alles irgendwie negative verschweige ich komplett. Habe auch total Probleme darin, Schwächen einzugestehen, sondern „vertusche“ immer lieber alles, was schlecht läuft.
Inzwischen gelingt mir das zwar alles in einigen Situationen oder mit bestimmten Personen deutlich häufiger, auch mal die Masken fallen zu lassen, und das ist dann auch immer total schön, aber das ist leider trotzdem immer noch ein über viele Jahre antrainierter Automatismus. Ich vermute mal, dahinter steckt bei mir einfach ne ganz große Angst vor Zurückweisung oder Verurteilung.
Dazu passt auch, dass ich immer eher so in die Rolle vom „People Pleaser“ verfalle, also bloß immer derselben Meinung sein mit der anderen Person sein, sonst mag sie mich am Ende vielleicht nicht mehr.

Ok, letzter Punkt (hab eh schon wieder viel zu viel geschrieben, sorry dafür), und der bezieht sich aufs Arbeitsgedächtnis - was bei mir oft ziemlich schlecht funktioniert, jedenfalls vergesse ich super schnell Dinge und verliere den Faden, und weiß nicht mehr, was ich eigentlich sagen wollte etc.
Besonders unangenehm ist es für mich immer, dass ich sehr oft in Gesprächen, vor allem in Gruppen, nach ein bis spätestens zwei Stunden schon super angestrengt bin, und mein Kopf dann einfach „abschaltet“ (da erstelle ich dann vielleicht auch noch mal ein eigenes Thema zu, weil das echt ein Problem für mich darstellt). Ich hab dann also einen richtig „leeren“ Kopf und mir fällt dann überhaupt nichts mehr ein, was ich noch sagen kann, und habe auch Mühe, bei dem Gespräch am Ball zu bleiben.
In der Vergangenheit habe ich es dann oft so gemacht, dass ich mir vor einem Treffen schon überlegt habe, über welche Themen ich mit der Person reden kann, und versucht mir das einzuprägen, oder teilweise sogar Notizen im Handy dazu gemacht… Und während des Gesprächs dann immer schon krampfhaft überlegt, was ich als nächstes sagen könnte… was allerdings eher dazu geführt hat, dass ich mir vor Treffen super viel Druck und Stress gemacht habe.
Deswegen versuche ich jetzt, Treffen einfach auf mich zukommen zu lassen, mich nicht darauf „vorzubereiten“, und es auch okay ist, wenn ein Treffen/ein Gespräch nicht so super gut läuft.
Generell ist es bei mir aber so „drin“, dass ich automatisch versuche, darüber hinwegzutäuschen und es irgendwie zu überspielen, wenn meine Gedanken mir gerade nicht richtig „gehorchen“ wollen. Was allerdings auch wieder super anstrengend ist, gerade weil mein Kopf dann ja eh schon irgendwie erschöpft ist. Aber einfach gar nix mehr sagen, ist dann ja auch blöd, und vor allem erst recht unangenehm :roll:

Okay wow, es tut mir echt leid, ich kann mich einfach nicht kurzfassen, wenn ich erstmal losschreibe - noch so ein Problem (und ich habe gerade schon versucht, zu kürzen - UND mir würde bestimmt noch viel mehr einfallen) :smiley:

Mich würde es jedenfalls aber total interessieren, welche (Über-)Kompensationsmechanismen ihr so bei euch beobachten könnt, und ob ihr vielleicht auch schon teilweise Möglichkeiten gefunden habt, damit auf eine entspanntere, und nicht so erschöpfende, energieverschwendende Art und Weise umzugehen.

Ach, schreibe ich auch direkt noch mal dazu: Ich nehme jetzt seit ca. drei Wochen Elvanse (vorher Medikinet), was auch definitiv schon in vielen Bereichen sehr hilft. Aber über viele Jahre eingeschliffene Verhaltensweisen lassen sich ja leider auch mit einem Medi nicht mal so eben in Luft auflösen. Ich bin aktuell auch noch in Therapie, was auch hilft, bin also ganz gut „versorgt“, wollte einfach nur mal eure Erfahrungen zu dem Thema hören, weil ich das ganz interessant finde. :slight_smile:

Hi,
ich strebe sehr stark nach Harmonie, da ich es sehr schlecht aushalte wenn ich denke, dass ich andere Verärgern könnte (oder es zu (gefühlten) schwelenden Konflikten kommt :? )- wahrscheinlich aus Angst vor den schlechten RS Gefühlen. Da geht es auch viel drum, dass ich versuche ihr Wohlwollen zu erlangen, damit sie meine Leichtsinnsfehler (die früher oder später sichtbar werden) nicht zu hart kritisieren. Nur mit Leuten denen ich vertraue und die nicht aggressiv oder besserwisserisch sind sage ich was ich wirklich denke. Durch die KVT (+ Elvanse?) komme ich aber immer mehr von den Extrempositionen weg, sodass das „was ich wirklich denke“ nicht mehr so aneckt bzw. ich es einfach viel genauer formulieren kann. Ich musste erst verstehen wie „Neurotypische“ ticken, dass ihnen eben die Sachebene so extrem wichtig ist. Das fing bei mir mit diesem Erlebnis an:

Als ich mit jemandem geredet hab der auch ADS hatte wurde mir das erst so richtig klar, wie es für „Neurotypische“ ist wenn ich „etwas einfach so daher sage“.
Wir reden über Acrylmalen, ich male ein Meer + Himmel. Sie: „Der Himmel ist das Meer“. Ich widerspreche ihr und denke „sooooo kann man das nicht sagen“. Sie: „doch die Farbe kommt von der Reflexion der Sonne etc.“. Eigentlich wollte sie vermutlich sagen „Himmel und Meer haben eine ähnliche Farbe“, hat sie aber nicht. Kurzum, diese Kleinigkeiten richtig zu formulieren macht schon sehr viel aus, in dieser kleinlichen Welt. Seit dem ich etwas genauer formuliere was ich sagen will („kann ich das auch noch anders sagen?“) werde ich seltener Unterbrochen mit dieser (gefühlten) neurotypischen Korinthenk… - War auf jeden Fall eine sehr aufschlussreiche Situation für mich um da mal die Perspektive von Neurotypischen einzunehmen (bzw sogar zu verstehen dass ich auch neurotypische Anteile in mir trage).

Listen mache ich auch, habe mich langsam damit abgefunden und finde das auch völlig ok. Ich habe die lustige Erfahrung gemacht, dass ich damit sogar akkurater arbeite als so manch anderer mit dem „das kann ich mir doch merken, das muss ich mir nicht Aufschreiben“-Geschwafel.

Fürs Studium hab ich mir extremen Druck gemacht, das hat rein technisch immer super funktioniert, mit guten Noten, guten Beiträgen und Anerkennung. Und immer mit dem Hintergedanken dass die anderen nicht merken sollen, dass ich vieles einfach sehr schnell vergesse oder mir falsch Merke. Und mit dem Gefühl dass ich sie nur täusche und eigentlich gar keine Fachkompetenz habe und ich die Anerkennung der Profs und Studierenden nur dadurch erlange dass sie mich mögen. Hab mich auch sehr exzessiv vorbereitet, was sehr sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Nehme jetzt seit 2 Monaten Elvanse (bin noch am eindosieren) und muss sagen, dass es mir leichter fällt einfach so „fehlerhaft“ zu sein wie ich bin. Dadurch sehe ich auch keinen Grund mehr mich so extrem zu stressen und zu kompensieren. Das ist es mir auch nicht mehr wert. Mir kommt es vor als könnte ich jetzt auch „normale“ Reize genießen. Ich kann mich auf einmal auch „gratis“ gut fühlen ohne Herausragendes zu Leisten. Also: bei mir hilft ganz eindeutig die KVT (weniger Schwarz-weiß-Denken) Medikation und Geduld (Jaaaa ich weiß :smiley: ).
Grüße
T

@Chaoskopf das mit dem Sport kommt mir selber von mir bekannt vor. :smiley:
Nicht nur Workouts, auch joggen gehen muss dabei sein.
Wie du sagtest, dadurch das es ein Muss ist, fühlt man sich selber schlechter, wenn man dann mal keinen Sport machen kann. Bzw es auch soweit geht, dass Sport anderen Dingen bis auf die Arbeit bevorzugt wird.

Hallo Chaoskopf,

was du zum Thema Listen und Sport schreibst kann ich unterschreiben. Mit viel Sport konnte ich viel kompensieren, nur tat es mir nach und nach nicht mehr gut, Sport zu treiben, weil ich das Gefühl hatte „ich muss“, um den Alltag hinzubekommen. Mit Medi konnte ich Sport erstmals genießen und brauche nicht mehr sooo viel davon.

Vor der Medikation hatte ich immer ein Notizbuch bei mir, in das alles kam, was mir durch den Kopf ging. Seit der Medikation geht mir nicht mehr so viel zugleich durch den Kopf. Bei der Arbeit habe ich mir z.B. angewöhnt, to-do, aber auch „done“-Listen anzulegen. Anhand der „done“-Liste sehe ich am Ende des Tages, was ich alles geschafft habe, weil das Gefühl dazu oft fehlt.

Bei den Sozialkontakten ist es bei mir anders: ich öffne mich ohne Medis viel zu sehr. Dadurch öffnen sich aber auch meine Gegenüber sehr.

Ich ziehe z.B. Borderliner quasi „magisch“ an. Es gibt aber meiner Erfahrung nach deutliche Unterschiede zwischen Borderline und ADHS.

Hi @Tuvok , danke für deine Erfahrungen - kommt mir alles sehr bekannt vor :lol:

Ich bin auch ziemlich harmoniebedürftig und versuche immer sehr, Konflikten aus dem Weg zu gehen - was natürlich auch nicht immer gut ist, wenn man sich deswegen nie traut, Probleme anzusprechen und so super konfliktscheu wird. Andererseits ist es an und für sich natürlich ne super gute Eigenschaft, wenn man auf Harmonie bedacht ist und andere Menschen nicht verärgern will, habe auch schon von vielen Freund(innen) gesagt bekommen, dass sie es sehr schätzen, dass es mit mir so „entspannt“ ist, und man keine Angst haben muss, sich von mir für irgendwas verurteilt zu fühlen oder so.

Also eigentlich steckt ja auch in diesen ganzen Überkompensations-Dingen im Kern was Gutes und Sinnvolles, nur übertreiben wir ADHS-Menschen es natürlich immer direkt mit allem :lol:

Ich studiere aktuell auch noch (die Bachelorarbeit wartet… :roll: ), und bei mir war es ganz ähnlich, dass ich auch immer das Gefühl hatte, ich muss unbedingt vertuschen, dass ich eigentlich „gar nichts auf die Reihe kriege“. Hab dann nach außen hin ne Zeit lang allen die vorbildliche Studentin vorgespielt, bin auch irgendwie immer ziemlich gut durch alle Klausuren und so gekommen, obwohl ich durch meine Prokrastination immer nur super wenig gelernt, und den Stoff deswegen eigentlich auch nicht wirklich draufhatte… :? Das verstärkt dann natürlich noch mal das Gefühl, sich überall nur so „durchzumogeln“.
Hast du schon mal was vom „Impostor Syndrom“ gehört? Das ist ja genau das.

Das klingt schon mal ziemlich gut, das freut mich zu hören :smiley: Ich nehme ja seit ca. 3 Wochen Elvanse und habe auch schon das Gefühl, dass es in ganz vielen Bereichen hilft und auch mein Selbstbild irgendwie (zum positiven) verändert. Ich hoffe, dass es so weitergeht - ist einfach auch alles ein Prozess, und das dauert nun mal (Geduld? Was ist das? :wink: )

Ja genau, und bei mir geht es auch so weit, dass ich alles so um den Sport „drumrum plane“, und dann da auch so gar nicht flexibel bin, dass manchmal auch Anderes dafür auf der Strecke bleibt, wofür man dann z. B. keine Zeit mehr hatte. Hast du da schon irgendwelche Strategien für dich entwickelt, um da ein bisschen „freier“ zu werden?
Ich glaube, momentan ist es auch ein bisschen erschwert, weil es ja durch Corona einfach nicht so viel anderes gibt an Aktivitäten, die man stattdessen verfolgen könnte. Aber wenn das wieder mehr möglich ist, kann auch unterwegs sein, sich draußen mit Leuten treffen und vielleicht Ausflüge machen oder zu Veranstaltungen gehen und was Neues/„Aufregendes“ erleben, eine gute Alternative zum ständigen Sport sein.

Ich hab auch voll das Bedürfnis, mich zu stretchen, also das kommt zu der Bewegung und Sport auch noch dazu. Vielleicht kennt das ja auch jemand. Wenn ich mich nicht stretche, fühlt sich mein ganzer Körper irgendwie schlecht und nicht fit an. Also stretche ich mich meistens morgens nach dem Aufstehen und abends nach dem Sport jeweils so für ca. 15 Minuten, also insgesamt vielleicht so ne halbe Stunde am Tag. Was ja auch nichts schlechtes ist, aber auch schon wieder etwas zwanghaft, und ich kann es nicht einfach lassen :roll:

Hi @tosh , genau, bei mir ist es auch so ne Notwendigkeit, um mein Leben auf die Reihe zu bekommen. Weil es aber so ein „Muss“ ist, kann ich es oft auch gar nicht richtig genießen, was eigentlich schade ist. Ich habe auch das Gefühl, dass ich da mit Medikation schon etwas entspannter mit bin, und mich auch nicht jeden Tag total auspowern muss (was halt auch wieder kontraproduktiv sein kann, wenn man es ständig übertreibt und dann eher k.o. rumhängt und auch nichts geschafft bekommt).
Jetzt mache ich zwar trotzdem jeden Tag was, aber auch öfter einfach ein bisschen was „softeres“, bei dem ich mich nicht so auspowere, sondern eher ein bisschen leichte Bewegung, also kann ich da anscheinend schon etwas besser darauf achten, was mir in dem Moment eigentlich wirklich guttut. Das ist ja schonmal was :smiley:

Das find ich ja spannend mit den Borderlinern. Welche Unterschiede sind das, die du da vor allem festgestellt hast?

Das mit den Listen und dem Aufschreiben kenne ich allzu gut! Ich bräuchte noch eine Liste, um die Übersicht über meine Listen zu haben:stuck_out_tongue_winking_eye:
Eine grosse Baustelle ist bei mir der Haushalt. Mittlerweile mache ich alles gestaffelt und schreibe minutiös auf, was genau wann abgestaubt wurde usw. Viiiiel komplizierter als vorher. Aber es funktioniert jedenfalls besser so.

Es klingt irgendwie nach Suchtverhalten @Chaoskopf?
Wie würdest du dich fühlen, wenn du den Sport zwei/drei Tagen auslässt?

Hm - ich hab mir auch schon öfter die Frage gestellt, ob das schon eine Sucht ist oder nicht. Ich glaube, es ist so an der Grenze… Unter Sucht verstehe ich eigentlich eher etwas, von dem man immer mehr braucht, und das ist bei mir eigentlich in Bezug auf Sport oder Bewegung nicht der Fall. Und Sport macht mir zwar meistens Spaß, aber es kommt auch öfters vor, dass ich mein Sportprogramm einfach so abspule, obwohl ich gar nicht soo viel Lust darauf habe, aber eben weiß, dass es mir guttut.

Also denke ich, dass „Zwang“ als Bezeichnung schon treffender ist als „Sucht“, und es eher ein Verhalten ist, das ich mir als eigentlich gute Bewältigungsstrategie „antrainiert“ habe, um meine ADHS-Symptome besser managen zu können, nur dass ich dabei leider, wie bei irgendwie allem, etwas übertreiben muss :roll: :lol:
Aber um deine Frage zu beantworten: Wenn ich mal einen Tag keinen Sport mache, ist das für mich kein Drama, aber bei mehreren Tagen am Stück merke ich dann halt, dass ganz viel von meiner ADHS-Symptomatik stärker ist als ohne, also vor allem, dass ich innerlich und äußerlich viel unruhiger bin, mich schlechter konzentrieren kann, die Stimmung schlechter ist und ich nicht so ausgeglichen bin, …

Ich hoffe aber, dass das Ganze dann etwas entspannter und weniger zwanghaft wird, wenn ich dann richtig medikamentös eingestellt bin, und es mir vielleicht langfristig einfacher fällt, antrainierte Verhaltensweisen aufzuweichen und zu verändern.

Den zweiten Satz fühle ich! :lol: :lol: Und deinen Nutzernamen auch… :wink:

:neiiin :neiiin Mein Text ist weg :neiiin :neiiin

:stirnkuss

:knuddel danke Hibbelina
Ich versuchs nochmal… Oh mein Chaos im Kopf :wink:

Ich könnte wohl fast allem hier zustimmen. Allerdings frag ich mich, wo ist der Übergang von Überkompensation zu Sucht? Oder gibt es überhaupt einen Unterschied?
Zum Beispiel beim Sport: das erste Mal, dass ich bemerkt hab, dass etwas nicht ganz stimmt, war, als ich direkt nach meinem 10 km Lauf auf dem Sofa eingeschlafen war. Boa war ich mies gelaunt bis ich mich an weniger Sport gewöhnt habe. Also fast schon wie Entzug, was dann ja schon in Richtung Sucht ginge. Wo ist nun die Grenze?

Ach… Und diese Liebe zur Harmonie. Mit jedem „kumbaja“ singen zu wollen - kam daletzt in einem Film. Fand ich super passend.
Früher war das ganz schlimm für mich, wenn ich gemerkt hab, meinem Gegenüber passt was an mir nicht ganz. Mittlerweile hab ich gelernt, dass man eben doch nicht mit allen kann. Aber in meinem direkten Umfeld muss Harmonie die Oberhand haben!! Sonst bin ich noch mehr außerhalb meines „Solls“ als ich eh schon bin.

Bei den Listen musst ich nun schmunzeln. Ich war schon am Überlegen, ob mir eine Liste helfen könnte, meinen Alltag besser zu managen. Wenn ich mir aber nun vorstelle, dass ich bald eine Liste brauche, um meine Listen zu sortieren :lol: da fällt mir gleich meine Omi, meine Ziehmutter, dazu ein. Sie ist umgeben von Listen, überall. Und sie behält die Listen, um zu kontrollieren, ob sie was vergessen hat, das sie dann wieder auf neue Liste überträgt. Und ihr akorater Drang zur perfekten Grammatik!!! Aber ihr Haushalt… Puh… Dieses Chaos, diese Sammelleidenschaft… Mit den Jahren versuchte sie, ihr ADS mit Alkohol zu kompensieren, das dann zur Überkompensation führte…
Ich bleibe bei meiner Einkaufsliste!

Dafür habe ich Probleme mit dem Essen, entweder zu viel oder gar nichts! Immer im extrem! Und ich vermute, meine extreme Hingabe zur ständigen Erweiterung meiner Pflanzen ist wohl auch nicht ganz ohne :roll:

Hi @Jessabelle , ich denke, Sucht und Überkompensation können oft miteinander einhergehen, oder aus einander hervorgehen, aber beides kann auch unabhängig voneinander vorhanden sein. In meinem Fall z. B. der Listen-Wahnsinn :wink: Eindeutig Überkompensation, aber süchtig bin ich definitiv nicht danach, sondern es ist nur einfach so, dass ich ohne meine Listen sonst ziemliche Schwierigkeiten hätte, mich zu organisieren und Dinge zu erledigen…

Ja stimmt, das klingt tatsächlich nach einer Art Entzug - wie genau hast du das angestellt? Also wie viel Sport hast du vorher gemacht, und wie viel jetzt? Und wie geht es dir jetzt damit / was hat sich verändert? Sorry für die vielen Fragen - aber vielleicht kann ich mich ja von deiner Vorgehensweise inspirieren lassen :lol:

Mit der Schilderung deiner Omi konnte ich mich durchaus identifizieren… ich blicke vor lauter Listen manchmal selbst nicht mehr durch :lol:
Mit Alkohol hab ich zum Glück noch nie irgendwelche Probleme gehabt, und trinke auch nur ganz selten überhaupt mal was, aber das mit dem Essen kenne ich leider auch, Stichwort Binge Eating…

@Hibbelanna habe eben gesehen, dass ich statt Hibbelanna Hibbelina geschrieben habe :cry: bitte entschuldige, ich war so gestresst, dass mein ganzer Text einfach weg war…

@Chaoskopf hatte einiges um die Ohren, sorry… Fand keine Zeit zum Antworten.
hm, es hat sich einiges geändert. Also erstmal hab ich mich gezwungen, an der Kreuzung vorher schon abzubiegen, somit war ich automatisch auf der kürzeren Strecke. Kurz darauf hatte ich dann einen Muskelfaserriss, der mich ziemlich lahm gelegt hat. Und als der dann nach Wochen wieder besser wurde, überkam mich mein 2. Rheumaschub, der seit genau 1 Jahr nun hartnäckig an mir klebt!! Somit hat eigentlich mehr oder weniger das Schicksal entschieden nicht ich selbst. Denke, das ist nicht gerade inspirierend.

War die Tage wieder viel, eigentlich zu viel, bei meiner Omi und hab mir bewusst ihre Listen angeschaut. OMG!!! :lol:
Ja, das mit dem Essen ist echt schlimm… :jammer

Frag ruhig, ich finde den Austausch mit wirklich interessierten und gleichgesinnten sehr schön. Anders als im oberflächlichen Bekanntenkreis, wo dich jeder nur belächelt oder sogar die Augen verdreht.

@Jessabelle danke für deine Antwort :slight_smile: Wie hast du dich denn gefühlt, als du den Sport weggelassen hast, bzw. weglassen musstest? Also was hast du für eine Veränderung bei dir gemerkt, und kannst du heute entspannter damit umgehen? Oder fühlt es sich immer noch an wie „auf Entzug sein“? Ich hoffe auf jeden Fall, dass das mit deinem Rheuma bald wieder besser wird (unabhängig vom Sport) :roll:

Danke Chaoskopf!

Ich vermisse tatsächlich dieses Gefühl, dich beim Intervalltraining mal so richtig auszupowern… Und dann gemütlich heimlaufen… Im Moment muss es einfach bei der Dehnung bleiben.
Wie klappt bei dir denn gerade der Alltag?

Guten Start in die neue Woche :winken

Den wünsche ich dir und euch anderen auch :smiley: ::sunglasses:

Ja, das ist es bei mir glaube ich nämlich auch hauptsächlich, wenn ich längere Zeit keinen Sport machen kann, fehlt mir total dieses Ventil, Druck ablassen zu können. Das gelingt mir eigentlich über nichts anderes so gut wie über’s Sport machen und richtig ins Schwitzen kommen, wenn ich so drüber nachdenke. Und da wären wir wieder bei (Über-)Kompensation… :lol:

Aber mir hilft Elvanse bislang echt sehr, ich finde es schon fast unheimlich, dass mein Leben, mein Alltag und meine Emotionen momentan so stabil sind, das kenne ich nämlich eigentlich überhaupt gar nicht… Normalerweise ist es ein riesiges Auf und Ab mit meiner Stimmung - wenn ich morgens gut gelaunt und voll motiviert in den Tag starte, bereit zum „Bäume ausreißen“, kann es gut sein, dass ich mittags komplett lustlos und irgendwie depri nur vor mich hindümpele, nur um dann abends wieder bester Laune zu sein. Verdammt anstrengend - insofern bin ich gerade wahnsinnig froh über die angenehm ausgleichende Wirkung, die Elvanse auf mich hat.

Das spiegelt sich dann auch irgendwo im Sport machen wieder, bei dem ich gerade das Gefühl habe, es nicht mehr so exzessiv zu brauchen und eher jeden Tag zu schauen, was ich brauche, und was mir gut tun würde. Bin also hoffentlich auf einem guten Weg - allerdings gibt es Corona-bedingt momentan irgendwie auch in meinem Alltag nicht so viel Überforderung und „Trigger“, weil einfach nicht so viel los ist.