Unaufmerksamer Typ, Einordnung der Symptome und Medikamention

Hallo zusammen :blush:

Ich bin weiblich, Anfang 30, habe 2 Kinder und habe die Diagnose ADHS, vorwiegend unaufmerksamer Typ. Ich beschäftige mich gerade viel damit, wie genau sich meine ADHS-Symptome im Alltag zeigen und was sich durch eine medikamentöse Behandlung verändern könnte.

Bei mir ist vor allem Folgendes ausgeprägt:

* Starke innere Gedankenwelt: Ich kann so tief in Gedanken versinken, dass die Außenwelt weniger präsent ist. Es fühlt sich manchmal an, als würde ich von innen auf die Welt schauen und meine Gedanken würden sehr viel Aufmerksamkeit beanspruchen.

* Vergesslichkeit bei Vorhaben: Ich kann mir etwas mehrmals vornehmen, z.B. die Sonnenbrille einpacken und sogar immer wieder daran denken und es trotzdem vergessen.

* ⁠Schwierigkeiten beim Abrufen von Gedanken/Wissen: Wenn mich jemand etwas fragt, weiß ich manchmal eigentlich, dass die Antwort in meinem Kopf vorhanden ist, aber ich komme nicht richtig daran. Es fühlt sich an, als müsste ich mich durch „Schlick“ oder einen Nebel wühlen, um die Antwort zu finden.

* Gedanken springen bzw. laufen sehr schnell: Ich habe häufig mehrere Gedanken gleichzeitig – z. B. immer einen Ohrwurm, Gedanken an Vergangenes oder ich gehe Gespräche immer wieder im Kopf durch. Auch hier bin ich wieder viel in meinem Kopf unterwegs.

* ⁠Schwierigkeiten mit dem Priorisieren: Ich kann grundsätzlich erkennen, was wichtig ist, aber dann taucht etwas anderes auf, das sich genauso dringend oder wichtig anfühlt, und meine Aufmerksamkeit wandert dorthin.

* ⁠Reizfilterung: Lärm, viele Geräusche und hektische Situationen können meine Aufmerksamkeit sehr stark beanspruchen.

* Gedanken bleiben in eingefahrenen Bahnen: Ich erkenne inzwischen oft, dass bestimmte Gedanken oder Denkweisen für mich nicht mehr hilfreich sind und aus alten Verhaltensmustern kommen. Trotzdem springt mein Kopf automatisch wieder darauf an. Zum Beispiel beobachte ich mich häufig durch die Augen anderer: Wie wirke ich? Verhalte ich mich richtig? Finden die anderen mich komisch? Obwohl ich rational weiß, dass ich diese ständige Selbstbeobachtung heute eigentlich nicht mehr brauche, passiert es sehr automatisch und ich bleibe dann leicht in solchen Gedankenschleifen hängen.

Insgesamt habe ich häufig das Gefühl, dass ich sehr viel in meinem Kopf unterwegs bin. Mein Kopf kann eigentlich sehr viel, ich hab aber darauf nicht immer gut Zugriff bzw. Kontrolle.

Mich würde deshalb sehr interessieren, ob jemand mit ADHS vom unaufmerksamen Typ ähnliche Erfahrungen macht.

Und besonders interessieren würde mich:

Seid ihr medikamentös eingestellt und wenn ja, hat sich genau bei diesen Dingen etwas verändert?

* Könnt ihr Gedanken leichter loslassen, wenn ihr merkt, dass sie nicht hilfreich sind?

* Könnt ihr leichter bei einem Gedanken oder einer Aufgabe bleiben, ohne dass etwas anderes sofort eure Aufmerksamkeit übernimmt?

* Kommt ihr leichter an Gedanken und Wissen heran, die eigentlich „da“ sind?

* Sind Gedankenschleifen weniger stark bzw. könnt ihr leichter aus ihnen aussteigen?

* Fühlt sich eure Aufmerksamkeit besser steuerbar an?

* Und wie fühlt sich dieser Unterschied subjektiv an?

Vielen Dank schon einmal für eure Erfahrungen!

1 „Gefällt mir“

Hallo und willkommen hier im forum,

Ich bin 38, habe zwei Kinder und seit Mai die gleiche Diagnose wie du.

Wissen kann ich sehr gut abrufen, aber sonst beschäftigen mich die gleichen Themen wie dich. Ich habe ständig einen Ormhrwurm, parallel gehe ich tausend Gespräche oder Nachrichten durch. Mir fällt es schwer etwas anzufangen oder dran zu bleiben. Ich nehme mir etwas vor und kann es dann doch nicht so richtig umsetzen. Äußere Reize, soziale Situationen, Gespräche: das alles funktioniert in dem Moment gut, wenn aber Ruhe kommt merke ich, dass mir alles zu viel war…

Ich bin noch nicht perfekt medikamentös eingestellt, habe aber schon viel probiert. Aktuell nehme ich wieder medikinet adult. Ich schaffe es mit Musik morgens so in den hyperfokus und konzentriert zu arbeiten. Sonst bin ich aber immer noch sehr unruhig. Der einzige Gewinn aktuell für mich ist, dass ich durch die medikamente nicht mehr ausraste und nicht mehr schreie bei überforderung. Das ist aber tatsächlich für mich der wichtigste Punkt. Und das hat tatsächlich nur medikinet geschafft, die anderen Medis (kinecteen und lisdex) haben mich eher noch aggressiver gemacht…

Ich lese hier gerne mit und bin gespannt. Ich hab ja immer gedacht, dass ich der hyperaktive Typ bin…

Kann mich da auch sehr gut identifizieren. Die Beschreibung der Gedanken trifft auch ganz gut auf mich zu.
Zwei Unterschiede jedoch:
Ich habe sehr stark ausgeprägte Hyperfixierungsphasen auf bestimmte Themen, Dinge oder Personen. Sie halten mehrere Wochen/ Monate an. Meine Gedanken drehen sich durchgehend um das eine Thema während der Phase. Das hört dann abrupt auf und wird meistens durch etwas neues abgelöst. Kann etwas wichtiges sein, wie ein neuer Job oder komplett random wie ein Handyspiel sein.

Starke Prokrastination. Ich beschäftige mich eingehend mit Dingen in Gedanken. Ich schaffe es aber kaum sie in Taten umzusetzen.

Ich bin medikamentös noch nicht so zufriedenstellend eingestellt. Mit Medikinet gehe ich manche Sachen eher an. Haushalt z.B. Es macht mich entspannter, gelassener. Ich „zerdenke“ Sachen weniger, wodurch ich weniger Angst habe und sogar selbstsicherer bin. Ich bin stressresilienter. Ich verspüre auch weniger Unlust auf unliebsame Aufgaben. Sie wirken weniger erschreckend. Insgesamt ist die Veränderung aber eher subtil und mehr auf der Gefühlsebene.

Allerdings hat sich meine innere Gedankenwelt durch die Medikation größtenteils nicht verändert. Ich habe immer noch ein Dauerradio im Kopf an, das ich manchmal leiser machen, aber nie abschalten kann. Meine Hyperfixierungen sind immer noch vorhanden und nehmen sehr großen Raum ein, bzw. lenken mich ab von den tatsächlich wichtigen Dingen und es gibt eine ganze Reihe an Dingen, die mich immer noch extrem viel Kraft kosten, um sie (rechtzeitig) anzugehen.

Man sollte keine Wunder erwarten. Es gibt nicht die eine Pille, die alles heilt.

1 „Gefällt mir“

Hallo und danke! :smiling_face:

Ich bin gerade noch in Elternzeit, aber wenn ich wieder arbeite, habe ich große Befürchtungen, dass ich zum einen schnell überreize (Arbeit als Erzieherin), zum anderen Schwierigkeiten habe den Anforderungen gerecht zu werden, wenn ich so viel im Innen bin. Zum Beispiel Überblick, einzelne Informationen jedes Kindes bis zu dessen Abholen im Kopf behalten und von organisatorischen Dingen, die erwartet werden, ganz zu Schweigen. Ich habe in 1,5 Jahren Therapie gelernt, wie ich auf emotionaler Ebene damit umgehe und mich nicht immer selber fertig mache. Aber dennoch erhoffe ich mir ein bisschen mehr Steuerung über meine Aufmerksamkeit durch Medis.

Ich habe mal gehört, dass es Medis gibt, die für ein paar Stunden wirken. Man nimmt sie morgens vor der Arbeit und hat die Wirkung während der Arbeitszeit. Am Nachmittag und WE ist man quasi medikamentenfrei. Könnt ihr das bestätigen?

Guten Tag,

Das kommt jetzt darauf an wie man Medikamentenfrei Definiert.

Stimulanzien werden meines Wissens in der Regel durchgehend genommen da ADHS am Wochenende nicht auf einmal weg ist, muss man natürlich nicht. Manche Betroffene nehmen auch noch eine zweite Dosis am frühen Nachmittag dazu um die Wirkung zu verlängern.

Außerdem baut sich bei Dexamphetamin Medikamenten vereinfacht ausgedrückt nach mehreren Tagen ein Spiegel auf aufgrund der längeren Halbwertszeit beim Abbau. Somit hat man auch mehrere Tage nach dem Absetzen noch weiterhin wirkendes Dexamphetamin im Blut.

Viele Grüße

Grundlegend wirkt ein ADHS Medikament (Methylphenidat) nur ein paar bis mehrere Stunden am Tag.

Die Dauer ist vom Präparat und dem Stoffwechsel abhängig und natürlich vom Arzt

Ich gebe dir mal Beispiele von meiner Medikation

Unretardiertes Medikinet ca.2,5 Stunden
Medikent Adult ca 5 Stunden
Concerta 6-7 Stunden

Da ich ADHS nicht nur auf der Arbeit habe benötige ich eine mehrfach Einnahme

Z.B. 3xMediknet Adult oder 2xConcerta ggf. noch mit unretardierten ersetzt oder ergänzt.

Manchen reicht eine Einnahme morgens oder einfach am Tag passend zur Situation nur unretardiertes für 2,5h

Wenn ich am Wochenende später aufstehe nehme ich dementsprechend weniger , aber in der Regel nehme ich jeden Tag meine Medikamente.