Hallo,
Ich bin neu hier im Forum und habe mir schon einige Beiträge durchgelesen. Ich bin aber (zumindest noch nicht) auf das gestoßen, was mich gerade sehr beschäftigt. Ich habe das Gefühl, als ob sich meine komplette Persönlichkeit innerhalb von 2 Monaten verändert hätte. Und ich weiß nicht, ob ich das gut finden soll oder es sonst noch jemandem so geht.
Aber erstmal von vorne:
Ich bin derzeit 18 und gehe noch auf ein Gymnasium. Ich bin vor ein einhalb Jahren auf eine neue Schule gewechselt, weil es mir auf der alten gar nicht mehr gepasst hat. Extrem laute Klasse (es wurden alle Chaoten in eine Klasse gesteckt und die 2 anderen waren dann die Streberklassen), mit Lehrern kam ich nicht mehr zurecht, nur noch schlechte Noten geschrieben und ich konnte das alles nicht mehr. Dann bin ich auf die neue Schule gewechselt und hatte plötzlich ein Endjahresschnitt von 2,2. (Nicht alle Fächer waren so gut, aber das tut glaub ich nicht so viel zur Sache). Eine kleine Klasse von 12 Schülern und jetzt nur noch 10. Ich konnte mich auch besser konzentrieren und vieles lief besser… naja nicht alles. Ich hatte wegen bestimmten Umständen eine Depression entwickelt, die ich zum Glück mittlerweile von allein überwunden habe. Diese neue Klasse ist ziemlich verständnisvoll und auch manchmal chaotisch aber viel leiser und einfach besser.
Jetzt aber zu meinem Problem: Im Sommer hatte mich ein Freund (der wahrscheinlich Autismus hat) darauf angesprochen, dass er denke ich sei neurodivergent. Da hab ich zum ersten Mal davon gehört. Natürlich kannte ich schon Leute mit Autismus oder Adhs von vorher aber hab mir nie viele Gedanken darüber gemacht. Ich hab mir auch da nicht viel bei gedacht, weil er meinte ich denke einfach anderst, als die meisten und verhalte mich auch anderst. Ich dachte das wäre es, was der Begriff beschrieb und beließ es dabei. Dann hab ich aber mitbekommen, dass jemand anderes sich gefragt hatte, ob ich ADHS hätte und dann hab ich mich doch mal mehr damit beschäftigt. Sogar eine Psychologin, die es selbst hat, hatte mich darauf angesprochen, obwohl es nicht mal annähernd darum ging. Dann hab ich mich ausgiebig darüber informiert und naja was soll ich sagen? Vieles hat gepasst. Nicht alles, aber vieles. (So die typische Geschichte, die man hier oft liest. Das soll nicht abwertend klingen.) Ich hab mich auch zu Masking und Autismus belesen und dachte mir: Ja, das hab ich gemacht und mache es teilweise immer noch (wenn auch weniger wegen der neuen Klasse). Auch ein paar autistische Dinge haben auf mich zugetroffen, obwohl das natürlich nicht gleich heißen muss, dass ich es habe. Ich hab mich etwas sicherer gefühlt und hab mehr von mir gezeigt, teilweise Dinge, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie mache oder automatisch immer unterdrückt habe. Meist lief es gut aber ich hab gemerkt, dass es auch zu Problemen führt, vorallem im Unterricht. Zudem hatte ich eh schon viel mehr Probleme mit Aufmerksamkeit halten im Unterricht, seit der Oberstufe, was sich auch langsam wieder in den Noten zeigte. Ich hab also wieder versucht einiges zu unterdrücken und versucht unauffälliger zu werden, wie vorher aber aufeinmal klappt es nicht mehr, auch weil es extrem anstrengend war. Mittlerweile hab ich das Gefühl ein komplett anderer Mensch zu sein. Vom introvertierten Stillen mit Shutdowns , zum hyperaktiven Typen mit Meltdowns. Ich fühl mich teilweise befreiter als vorher aber finde auch vieles nicht toll was sich so zeigt. Zusätzlich kommt noch die extreme vergesslichkeit, die mir jetzt in der Oberstufe extrem zu schaffen macht. Ich bin auch sehr geräuschempfindlich, bzw. war es schon immer. Komischerweise war es weniger während der Depression. Ich hab mich konstant gefühlt, als käme weniger rein. Dann hatte ich wie einen Rebound und alles war kurzzeitig stärker als vorher. Und meine Gedanken ist der Killer. Ich hab ein extrem lebhaftes und realistisches Vorstellungsvermögen, was oft helfen kann beim Lösen für Aufgaben oder eine nette Beschäftigung ist, aber sich dadurch auch ständig ungefragt aufdrängt, irgendwelche Geschichten abspielt, die mich ablenken und gleichzeitig faszinieren und durchgehend irgendeine Musik als Ohrwurm abspielt. ![]()
Kann da irgendwer was dazu sagen?
Hat das irgendwer auch erlebt?
Ich wollte eigentlich auch eine Diagnose mal machen bzw. anfragen, um einen Termin irgendwann zu bekommen, aber bin mir sehr unsicher, ob es das wirklich ist und schäme mich auch ziemlich dafür, wie ich manchmal bin (nicht nur mein jetziges “Ich”).
Außerdem wollte ich auch fragen, ob hier jemand in meiner Altersgruppe ist, der auch noch zur Schule geht und irgendwelche Strategien hat, die mir helfen könnten besser im Unterricht präsent zu sein, weil es mit jedem steigenden Schuljahr immer schwieriger für mich geworden ist, ob es nun ADHS ist oder nicht.
Ich könnte noch viel mehr erzählen an Erfahrungen, in denen ich Schwierigkeiten hatte/habe, aber ich glaub das war schon extrem viel.
Freue mich über jeden der mir helfen kann.