Verdachtsdiagnose ADS, Medikinet Adult und Leere

Hallo und guten Morgen zusammen,

ich muss mir gerade vielleicht etwas Frust, Resignation von der Seele schreiben. Vielleicht habt ihr eine Idee - ich weiß irgendwie gerade nicht mehr weiter. Die Geschichte ist verzwickt und irgendwo weiß ich auch nicht wo ich gerade stehe. Entschuldigt bitte die Länge, es ist so kompliziert. Und keine Ahnung ob ich in einem AD(H)S-Forum richtig bin; ich weiß nicht was ich habe.

Ich bin seit 8 Jahren in psychiatrischer Behandlung, wurde bis Mitte 2021 mit verschiedenen SSRI/SNRI behandelt. In einer 50-stündigen tiefenpsychologischen Therapie wurde ich mit einer (komplexer) PTBS diagnostiziert. Ich war und bin nicht depressiv, allerdings habe ich Probleme im Sozialen, das heißt, dass ich dabei ständig - wirklich ständig - „weg“ bin. Auf Arbeit (IT, Entwicklungsprojekte) bin ich leistungsstark (nicht lange, aber ich kann das in Phasen kompensieren), versage aber in Meetings - sobald sie nicht-fachlich sind - vor allem im Smalltalk. Ich kann „das“, bin Freunden nach sehr sozial-angebunden oder man käme mit mir schnell in Kontakt, aber all das ist gefühlt fast immer reaktiv, rational, unruhig, punktuell zusammen-geflickt. Ich höre die Worte, verstehe sie aber nicht. Ich versuche mitzubekommen, wann ich angesprochen werde und in dem Moment „rekonstruiere“ ich die Worte und versuche passend zu antworten.

Soziales nervt, langweilt, Ich warte immer „bis es vorbei ist“ und anschließend geschlaucht. Anfangs konnte ich das mit intensiven Sport-Verhalten vor sozialen Kontakten und literweise Kaffee-Trinken kompensieren - das hielt aber nicht lange. Ich fing an Drogen zu konsumieren, Amphetamine. Immer wenn ich Freunde traf. Und dann war ich „da“. Das fing vor etwa 5 Jahren an. 2020 steigerte sich das, also habe ich 2021 den Entschluss gefasst mit Drogen aufzuhören. Anfangs war das kein Problem, ich vermied soziale Kontakte und „wartete“. Filme, Bücher - all das konnte ich noch nie. Ich verbrachte meine Tage damit zu warten, zwang mich zu Joggen, oder begann einfach Unmengen zu essen um die Gedanken ruhig zu kriegen. Manchmal probierte ich Freunde zu treffen und es war wieder genauso: Ich war nur „weg“, es schlauchte einfach immer den Gesprächen zu folgen. Nach 3 Monaten aber war ich am Ende: Ich konnte nichts mehr machen. Zwar klappte es für mich genommen konzentriert zu entwickeln; aber die vielen Meetings waren zerrend. Erschöpfend. Nach 3 Monaten habe ich also einen Abend nochmal Amphetamine konsumiert und konnte mich wieder mit einem Freund treffen. Ich dachte, dass alles „besser“ werden müsste wenn ich Drogen aufhöre, aber Woche für Woche wurde mein Leben unfähiger Dinge anzugehen. Ich schämte mich so Drogen genommen zu haben. Ich ging zu meinem Psychiater und erzählte ich von der Erschöpfung, der Unfähigkeit etwas zu machen. Ich war mir sicher: „Ich habe mir mit Konsum mein Gehirn zerschossen“ und wir entschieden dass ich stationär in die Psychatrie gehen sollte. Ich erzählte dort ich von meinen Konsum und kam auf die Entzugsstation.

Drogen wegzulassen fiel mir nie schwer, die Einschränkungen waren nur furchtbar. Man ging mit mir alles durch und kam zu der Aussage, dass - entgegen meiner Erwartungen - ich nicht süchtig wäre, aber Missbrauch betreibe. Da ich wegen Erschöpfungszuständen und der Unfähigkeit in „wenig anspruchsvollen Aufgaben“ Freude zu empfinden eingewiesen wurde, fragte man mich ob ich 150mg Venlafaxin absetzen und stattdessen Methylphenidat probieren wolle. Ich lies mich darauf ein. Und es war unglaublich, denn - und ich kann nicht beschreiben was das für mich bedeutet - am zweiten Tag der Einnahme bekam ich Besuch von einem Freund: das empfinde ich normalerweise als Belastung, als Pflichtaufgabe, obwohl ich diesen Freund so sehr mag; aber Smalltalk, anstrengen da zu bleiben. Und - oh man - wir konnten 3 Stunden reden. Ich war einfach „da“. Rückblickend weiß ich natürlich auch, dass das wohl die Honeymoon-Phase und wohl eher nicht das Medikament war. Wir steigerten weiter die Dosis. Ich war auf einmal in der Lage in der Gruppe von Patienten zuzuhören. Ich dachte ich spinne: Ich konnte Gruppengesprächen nie folgen. Alles verworren, ich bin immer zu spät wenn ich antworten will. Und ich bin eh irgendwie in mir, oder in so einer Leere. Und jetzt kommt noch ein Hammer: Ich konnte auf einmal einen Film anschauen. Ohne zu essen. Ohne am Tablet zu sein. Einen Film! Ich hab gut 10 Filme die ich anschauen kann und das alle Jahre aufs Neue. Aber keinen neuen Film. Ich erzählte dass den Arzt und da kam das erste mal auf, dass das irgendwie nicht ganz zu Depression, vielleicht aber mit ADS passen könnte. Ich wurde in knapp zwei Wochen von 10 auf 40mg IR, dann auf 40mg Retardiert dosiert worden und wurde entlassen. Im Arztbrief wird zwischen den Zeilen der Verdacht auf ADS geäußert, prinzipiell aber die Weiterempfehlung 40mg Methylphenidat auf den Behandlungserfolg basiert.

Status Quo, mir geht es auch weiter gut. Und ich entdecke Seiten, die ich nicht kannte. Ich kann reden. Selbstbewusster. Ich bin „da“, auch in Meetings. Ich lese und merke nicht erst nach einem Kapitel dass ich nicht da war. Ich schlafe so gut wie Jahre nicht mehr, abends falle ich einfach ins Bett. Kopf aus.

Alles gut? Was interessiert mich jetzt noch was genau ich eigentlich habe? Eigentlich gar nichts, … eigentlich. Wäre da nicht diese eine Wirkung, die so widerlich ist: Diese schei* Apathie! Gefühlt kann ich gerade das machen, was ich nie machen konnte; ja sogar Freunde treffen. Und was passiert? Ich liege völlig apathisch, lustlos, aber selbstzufrieden rum, und mache nichts. Gar nichts. Ist es Methylphenidat? Ist es weil ich Antidepressiva abgesetzt habe oder bin ich wieder in der gleiche Lage wie vor einem halben Jahr, nur checke durch diese Selbstzufriedenheit nicht, wie leer ich eigentlich bin?

Und jetzt kommt meine Verzweiflung: Was mache ich? Kommt es von dem Medikament? Selbst wenn, was ist die Alternative? Mit Medikinet (Adult) habe ich keine Lust auf Konsum (ich dachte Anfang 2021 ein Junky zu sein; wenn Freunde vor mir konsumieren widert mich das heute eher an). Aber genau wie die Lust auf Konsum verschwunden ist, ist auch die Lust auf jede andere „Belohnung“/„Glücksempfinden“ weg. Egal was. Selbst in meinen lethargischsten, lustlosesten Phasen konnte ich mich wenigstens zum Joggen motivieren, was cool war. Jetzt liege ich rum, probiere es und merke: „Das ist es nicht wert“. Ich bin ganz zufrieden, aber ich könnte gefühlt gerade Jahre auf meiner Couch liegen, warten und es wäre irgendwie auch „okay“. Und wenn ich das mir begreiflich mache, dann merke ich wie kaputt diese Situation ist, und dann macht es mich unglaublich traurig.

Was mache ich jetzt? Das Leben mit Drogen am Wochenende war so viel vielfältiger. Heute fühle ich nichts mehr. Ich funktioniere in allen Situationen, bin „zufrieden“, aber ich hab mein Gesicht verloren - obwohl ich mich so viel mehr „Ich selbst“ fühle als jemals zuvor. Ich weiß echt nicht mehr weiter. Ich will so nicht leben, aber so wie mein Leben war, so will ich noch viel weniger leben.

edit: Mein Psychiater weiß Bescheid, leider hat er wenig Erfahrung mit ADS. Da ich irgendwie morgens schon „Interessierter an der Welt“ bin, zumindest etwas, habe ich ihn gefragt ob man vll. ein Präperat probieren könne, das langsamer wirkt. Da wollte er sich informieren. Außerdem habe ich bei anderen Einrichtungen nach einer Diagnose angefragt (weil am Ende des Tages kann es alles sein, gerade Leere ist ja kein ADS-Leitsymptom, und irgendwie hatte ich diese Taubheit abgeschwächter auch schon öfter), dort gibt es allerdings lange Wartezeiten. Ich bin halt extrem unsicher, ich denke irgendwie auch nicht dass ich ADS habe, aber das Medikament hilft mir „normaler“ zu werden, oder mich (zumindest für mich) „näher an mir“ zu fühlen. Also irgendwie ist das die richtige Richtung. Außerdem habe ich mich um eine erneute Psychotherapie gekümmert, die im September beginnt.

Hallo und Willkommen im Forum!

Ich würde erst mal eine ADHS Diagnose durchführen…hier auf der HP, gibt es auch einen Test, den Du erst mal machen kannst.
Für die Diagnose brauchst Du einen ADHS Spezialisierten Arzt aber Achtung, es gibt auch genug Taugenichtse.
Eventuell bist Du momentan Überdosiert.
Du könntest nchmal mit kleinen Schritten anfangen.
Wer verschreibt Dir den das Medikament?

Hier sind viele sehr Erfahrene User, die Dir bestimmt noch weitere gute Tipps geben.

Hallo @suivets und herzlich willkommen!

Apathie kenne ich von einer Überdosierung. Allerdings im Gegensatz zu dir, fühle ich mich weit vom Zufrieden eher mega schlecht drauf und lustlos.

Drei Sachen:

  • Wie lange hast du Venlafaxin genommen? Das gleichzeitige Absetzen von Antidepressiva und die Einstellung mit MPH kann nach meiner persönlichen Erfahrung mega schief gehen. Ich habe in so einer Phase Trips erlebt, die ich meinem schlimmsten Feind nicht wünschen würde.
    Da aber jeder anders ist und auf sowas anders reagiert muss natürlich meine Erfahrung nicht deine sein.

  • Du hast für mein Geschmack zu schnell erhöht. Außerdem schreibst du nicht, ob du nur ein Mal am Tag eine Kapsel nimmst, was allerdings absolut keinen Sinn ergibt.
    Eine Kapsel deckt kein ganzer Tag und der Rebound ist definitiv nicht ohne.
    Die meisten User hier nehmen 2x Medikinet Adult und 1x unretardiert, um den Tag zu decken.

  • legale Stimulanzien haben es an sich das wahre Ich zu zeigen. Vielleicht merkst du damit wofür du eigentlich überhaupt keine Lust hast und nie hattest, aber dich dafür immer gezwungen hast. Also ist die Maske gefallen.

Für viele Adxsler sind soziale Kontakte extrem erschöpfend, also die tägliche Auseinandersetzung mit Menschen und die Pflege der Kontakte. Adxsler sind Menschen, die sehr viel Zeit für sich brauchen, alleine unter sich.

Lies dich im Forum um und nehme dir die vielen Literatur, Videos etc. Tipps zur Störung zum Herzen. Die Störung zu verstehen und der Austausch mit Gleichgesinnten ist die halbe Miete.
Und Medikamente sind keine Wunderpillen, die alles Negative, was sich über die Jahre angesammelt hat, wegzaubern.

P.S. Medikinet DARF!!! nie auf leerem Magen eingenommen werden. Ich hoffe der Arzt hat dir das gesagt.

Wünsche dir viel Glück!

Vielen lieben Dank für deine Antwort!

Ich bin mit dem Arztbrief zu meinem Psychiater gegangen, er hat allerdings auch gesagt, dass das nicht sein Fachgebiet wäre. Nach 8 Jahren würde ich ungern wechseln; für eine Abklärung hatte ich noch im Juni eine „Spezialambulanz für Erwachsenen-ADHS“ angeschrieben, leider noch keine Rückmeldung erhalten. Dort hieß es aber auch dass sie eine längere Warteliste führen. Ich hab mich wohl durch viele Veränderungen gerade in dieser apathischen Selbstzufriedenheit verloren und zu wenig darin investiert. Wisst ihr ob es ggf. möglich wäre bei einem anderen Psychiater lediglich die Diagnostik zu machen, mit dem Ergebnis aber dann wieder zu meinen jetzigen Arzt zu gehen? Allein weil ich halt sehr unsicher bin, ADS nicht unbedingt wahrscheinlich halte, würde ich halt wirklich ungern meinen - wirklich sehr aufmerksamen und empathischen - Psychiater wechseln.

Ich dachte mir auch dass es vielleicht „Zuviel“ sein könnte. Bisher nahm ich 30mg Medikinet Adult morgens, 10mg mittags (laut Krankenhaus 40mg morgens, aber das war mir Zuviel und der „Absturz“ nachmittags wirklich schlimm). Seit 3 Tagen versuche ich morgens und mittags je nur 10mg zu nehmen; Antrieb oder Lust ändert sich bisher aber nicht. Werde eher „labiler“? Aber gut, nach 3 Monaten wird es ich eine gewisse Gewöhnung gegeben und ich vermute der Körper muss sich erst an die Dosierung gewöhnen. Ich glaube übrigens dass diese „Runterdosierung“ etwas dieser „Selbstzufriedenheit“ nimmt, weswegen ich mich gerade hier auch melde - einfach weil jetzt der Frust nicht mehr so betäubt wird. Dann hat wohl auch die aktuell etwas missmutige Lage etwas Positives an sich :slight_smile:

Ja, kannst du!
Ich habe die Diagnose in einer Klinik gemacht und bekomme die Medikamente woanders.

Nach meiner laienhaften Meinung klingt deine Geschichte wie aus einem Adxs Lehrbuch. Und ich finde mich zu 99% wieder.

Das passt mir absolut nicht zu einer Überdosierung, Achtung meiner Erfahrung nach. Ich glaube eher, dass nach Jahren Biegen und Brechen einfach die Ruhe und Gelassenheit in dich gekehrt sind. Vielleicht eine Metamorphose auf dem Weg zu Selbstfindung.
Aber was meinst du mit „Leere“, das finde ich wiederum nicht schön.

Ah, danke auch für eure Antworten! Ich sag an der Stelle mal „guten Morgen“, hatte gar nicht vermutet dass so früh hier schon Leben herrscht. Danke (:

Und, oh ja! Die Umstellung war … ja, dafür gibt es irgendwie keine Worte. Wurde nach gut 3 Jahren 150mg Venlafaxin „kalt“ auf täglich 10mg Methylphenidat mehr (anfangs unrentadiert) umgestellt. Ja, wie soll man das beschreiben? :see_no_evil: Euphorie, Aktionismus, Reizbarkeit, kaum- aber irgendwie doch Schläfrigkeit, aber immer mit diesem Gefühl, mehr zu mir zu finden. Ich glaube deshalb war die Zeit nicht negativ, weil ich das Gefühl hatte irgendwie dieses umnachtete Gefühl, dieses Wirre in mir zu verlieren; auch wenn ich sicherlich nicht immer so gewirkt habe. Nach 8 Jahren Antidepressiva (Cymbalta/Duloxetin, Bupropion, Sertralin, Venlafaxin) war es aber auch einfach befreiend etwas zu spüren. Keine Ahnung, es war alles, aber irgendwie auch immer von einem Ziel begleitet. Aber ja, die ersten 3-7 Tage hatte ich das Körperliche, allen voran, Stromschläge, Schwindel, Kopfschmerzen. Deshalb kann ich die Anfangsdosierung echt nicht einschätzen. Mir fiel aber eben auf, dass es mir den „Drive“ gab da zu bleiben - der bis jetzt geblieben ist. Und deshalb war ich einfach zufrieden und dann hat das gepasst. Von Venlafaxin habe ich eigentlich nichts gemerkt; von Cymbalta am meisten und am Positivsten, hatte allerdings starke Kreislaufprobleme. Schade! Bupropion hat in Sachen Antrieb am besten geholfen, ich hatte allerdings starkes Craving, sowohl nach Drogen, Essen (auch wenn immer das Gegenteil gesagt wird) und habe andauernd Sport machen „müssen“. Eigentlich das komplette Gegenteil von Methylphenidat jetzt, obwohl beide ja innerlich sehr ähnlich neurochemisch wirken müssten. Aber ich glaube vieles basierte darauf, dass ich durch Bupropion nicht mehr schlafen konnte; mit Methylphenidat jetzt abends einfach nur todmüde ins Bett falle.

Ach, das ist mega interessant! Also ja, habe mich bei der Charité (komme aus Berlin) genau für die Ambulanz dort zur Diagnose gemeldet. Es sieht nur aus, dass das dauert. Aber ein niedergelassener Arzt wäre parallel auch möglich? Also dürfte ich jetzt einfach einen Termin bei einem anderen Psychiater/Neueologen ausmachen? Weil das wäre bestimmt sehr viel schneller möglich. Hatte nämlich nur das von der Charité für Erwachsenen-ADHS gefunden, als separate „Abteilung“, aber klar: Wenn ein zweiter Arzt der gleichen Fachrichtung möglich wäre, wäre das perfekt!

Und, hm. Gute Frage was diese Selbstzufriedenheit ist. Also grundsätzlich würde ich sagen, dass bisher immer ein Drang da war, mich zu euphorisieren (zu betäuben?). Also mir war es völlig egal ob ich Drogen nahm, Sport machte oder mich überfraß. Als in der Therapie gesagt wurde Drogen wären Tabu für eine Langzeittherapie, dann habe ich halt superviel gegessen, mehr und mehr Kaffee getrunken und war täglich joggen. Es war nie, nie, nie möglich mich auf die Couch zu legen. Fernseh zu schauen. Ich war so … rastlos? Und das wurde dann als Agitiertheit mit Dissoziationen beschrieben (kaum „da“, immer auf der Suche nach einem Kick). Und jetzt, … naja ich liege auf der Couch. Ich schaffe es sogar manchmal auf WhatsApp zu antworten. Ich wusste gar nicht dass ich Ruhe nicht konnte bisher. In der Therapie hatten wir damals Entspannung nach Jacobi gemacht und ich wurde so aggressiv (also innerlich, äußerlich bin ich einfach da, aber halt nicht „da“). Und das könnte ich gerade. Aber halt nur das. Also mir würde es nichts ausmachen heute - Samstag - bis 21 Uhr am Tablet zu hängen, irgendwelche Internetseiten zu lesen und dann todmüde ins Bett zu fallen. Das ist einfach Zufriedenheit. Bis zu dem Punkt wo ich realisiere dass hier nichts mehr passiert und ich alleine bin; vor mich hin Trotte, das Leben zwar intuitiv, aber nicht mehr agil ist. Dann werde ich traurig, weine, komme zu mir und bin wieder entspannt am stundenlangen Internet Surfen. Wenn ich das so schreibe fühlt sich das extrem traurig, bitter und verloren an. Aber ich muss nicht mehr so oft darüber nachdenken. Und das fühlt sich insgesamt so viel zufriedener an als alles was ich kenne. Wie zerrissen.

So hätte ich das auch gesehen. Mir ging das die ersten Tage mit MPH so. Ich lag auf dem Rücken auf dem Bett und habe zufrieden an die Decke gesehen. Es gab keinen Grund aufzustehen. Es war einfach - gut. Punkt. Keine nörgelnden Antreiber, keine innere Unruhe, keine 70 Millionen Gedanken die durch den Kopf rauschen…

Hat mich auch nicht beunruhigt - ist auch wieder weggegangen. Leider schon nach zwei Tagen.

Daher die Frage: wie lang hält dieser Zustand schon an? Wenn Du jetzt schreibst: einen Monat, dann wäre ich leicht beunruhigt.
Ansonsten: Kannst Du Dir das momentan leisten? Falls ja, genieß es doch. Das vergeht auch wieder…

Während der Einstellungsphase gibt es meist diverse Nebenwirkungen die kommen und gehen - das könnte auch eine davon sein.
Es bietet sich an, ein Tagebuch zu schreiben. Habe ich nie gemacht und habs bereut.
Wenn Du Dich momentan dazu nicht aufraffen kannst - vielleicht reicht der Antrieb für eine Sprachmemo.

Wenn Du den Eindruck hast, Du könntest Dich in diesem Zustand verlieren - dann setz dir einen Termin, nach dem Motto: bis hier und nicht weiter.


hihi, das spricht für ADHS :totlach
irgendjemand an Bord, der mit dem Jakob die Muskeln progressiv entspannen konnte ohne dabei SO einen Hals zu bekommen???

In einer Reha sollte ich mal solche „Enspannungen“ machen, wir schließen die Augen, wir laufen über eine wunderschöne Wiese usw. usf…ich bin in der ersten Sitzung aufgestanden und nix wie raus…das geht gar nicht.

Bei „eine alte Frau kommt aus dem Steinkreis und reicht Euch ein Licht…“ war ich dann draußen. Aber blitzartig. Mein Kind gleich mit. Und Kurs gekündigt.
:neiiin

Guten Morgen zusammen,

haha, befreiend das zu lesen! Achtsamkeit: „Du musst es nur öfter machen“, „bewerte die Gedanken nicht“, … :man_facepalming: Obwohl mir die Ruhe wohl auch gut tut, also das Ziel ist schon das Richtige, aber doch bitte nicht so ruhig. Spazieren, Musik rein, da komme ich dann schon in so einen „ruhigen State“ - aber keine Ahnung ob das jetzt wieder die Art von Ruhe ist, die die Therapeutin damals meinte. Egal :sweat_smile:

Also, mir geht es seit Anfang Juni, also etwas über einen Monat, so. Ich hab gestern mal probiert 30mg (10-10-10, jeweils retardiert, im Abstand viereinhalb Stunden) anstelle von 40mg (30-10-0) zu nehmen. Ist jetzt nur ein Tag gewesen, aber ich bilde mir schon ein etwas „lebendiger“ gewesen zu sein. Der schroffe Crash gegen 16 Uhr blieb damit - klar - völlig aus, was ein richtiger Fortschritt ist! Schlafen war gar kein Problem. Das ist sowieso sehr komisch: Jahrelang geplagt von Schlafproblemen, von Neuroleptika bis Schlaftabletten, Achtsamkeitsübungen (:crazy_face:), alles probiert. Und jetzt falle ich echt wie ein Stein ins Bett und schlafe quasi Instant. Vielleicht ist es der Rhythmus, oder das weglassen der Antidepressiva, aber die 10mg retardiert, 8 Stunden vor dem schlafen, hatten keine Auswirkungen.

Also, „etwas“ lebendiger mit geringerer Dosierung. Ich würde das heute nochmal so probieren, ich meine, da das ja echt eine Umstellung von dem davor ist, kann ich das gar nicht einschätzen. Vormittags ist meistens etwas Energie da (Runde spazieren, einkaufen), gestern auch mit der niedrigen Dosierung; am frühen Nachmittag ist spätestens wirklich nur noch flegmatisches Liegen angesagt. Hat Methylphenidat euch Antrieb gegeben? Oder ist das eher nur für fokussiertes arbeiten? Weil letzteres habe ich durchaus „mehr“ (sofern ich mich dazu durchringen kann etwas anzupacken). Schlussendlich ist aber halt gerade das fokussierte arbeiten nie das Problem; das darum, das nicht Anstrengende ist das Anstrengende. Da hilft es „da“ zu sein, aber irgendwie … ich weiß nicht. Vielleicht verstehe die Medikamente dahinter falsch. Aber ich hatte mir gehofft im Alltag besser zurecht zu kommen. Das beruflich allein-abgeschirmte Programmieren, das war eigentlich kaum ein Problem. Naja. Gut, bin gespannt wie es heute wird!

Das mit dem Essen - so wie ich es verstehe bei Medikinet Adult auch wirklich relevant,- hatte ich mir damals noch ergooglt. Vom Krankenhaus, trotz Ausrichtung Psychatrie/Drogen kam nichts dazu. Im Nachhinein denke ich mir auch, SNRI absetzen, und jeden Tag 10 mg mehr,… Ich glaube es wäre gar nicht möglich gewesen in den kurzen Zeitraum die richtige Dosis zu finden. Ich hoffe bald eine Diagnostik zu finden und dann das noch mal anzugehen. Kann mir gut vorstellen dass das noch mal viel ausmachen würde.

Aua! :shock:

Man steigert MPH wöchentlich oder mindestens alle fünf Tage, aber nicht täglich, wie soll man denn dann die richtige Dosis einschätzen können und wie soll sich dann der Körper gewöhnen.

Die Gefahr besteht, dass auf diese Weise manche Betroffene MPH als negativ in Erinnerung behalten und nie wieder probieren. :frowning: