Vererbung von Adhs

Hallo ihr Lieben!
Nachdem ich am Donnerstag meinen lange erwarteten Diagnostik Termin habe und mich in den vergaangenen Wochen extrem zu dem Thema informiert habe (so sehr, dass ich mein Umfeld damit leider bereits dezent verstöre), tauchte gestern bei mir die Frage auf, von wem ich mein sehr wahrscheinliches Adhs geerbt haben könnte - Mutter oder Vater? Meine Eltern sind oberflächlich betrachtet beide eher unauffällig, meine Mama sogar extrem überpünktlich, ordentlich und strukturiert. Sie sagte immer, ich solle an mir arbeiten, um meine Desorganisiertheit in den Griff zu bekommen. (Mir war nur nie klar - wie?^^) Als Kind war meine Mutter wohl auch eher unordentlich, aber hat das - anders als ich - irgendwann abgelegen können. Was mir noch auffällt, ist, dass meine Mutter zyklusbedingt auch immer depressive Episoden hatte, ähnlich meinem PMDS (was eine Adhs-Connection nahelegen könnte?). Und auch sie hatte meinen Tic, sich ständig auf die Lippe zu beissen. Impulsiv im Sinne von Wutausbrüchen war sie als junge Frau wohl auch, was sich aber nach uns Kindern wohl gelegt hatte. Auch mein Vater war als junger Mann eher impulsiv. Wie gesagt, kennt man beiden aber heutzutage nichts mehr davon an.
Kann es also auch sein, dass beide nur gewisse Anlagen haben, die bei mir zu der vollausgeprägten Adhs-Version geführt haben?
Mein Bruder ist nämlich z.B. absolut nicht betroffen. Er ist die personifizierte Ruhe & auch eher zurückhaltend und still. Auch bekommt er Orga-Dinge wesentlich besser auf die Reihe als ich.

Ich wäre euch dankbar für eine Meinung! Lg Chaosqueen :blush:

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Liebe @Chaosqueen96
für die Diagnostik sollte es nicht unbedingt wichtig sein, ob und von wem Du ADxS geerbt hast. Allerdings kenne ich diese Gedanken auch und bin mir sicher, dass in meinem Fall beide Eltern neurodivers waren. Meine Geschwister sind es auch (ich bin mir sicher), aber alle 3 haben keinen Leidensdruck und kommen scheinbar gut zurecht im Leben.

Momentan ist es ein Thema in meiner Beziehung. Mein Partner ist sich nämlich sicher, auch betroffen zu sein. Er leidet vor allem unter seinen emotionalen Auswirkungen. Deshalb haben wir gestern den Test gemacht. Er hat deutliche Anzeichen, scheint aber der ADHS-HI Typ ohne Aufmerksamkeitsdefizit zu sein.

Was ihn ausmacht ist eine ausgeprägte Gründlichkeit, Ordnungssinn, Askese, Hyperaktivität. Er hat in seiner Kindheit einen inneren General entwickelt, der ihn dazu befähigt, selbst die unangenehmsten Tätigkeiten zu meistern. Prokrastination kennt er nicht. Das lässt der General nicht zu. Das ist also eine sehr effektive Bewältigungsstrategie.

Allerdings muss er dafür Opfer bringen, die nicht nach außen sichtbar sind. Wenn er mit mir darüber spricht, purzeln seine Tränen. Leidensdruck ist also reichlich da. Diagnostizieren könnte ihn nur ein sehr erfahrener Psychiater / Arzt.

Ich drücke Dir die Daumen für Deinen Diagnosetermin :+1:

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Hallo chaosqueen

ADHS hat eine sehr starke genetische Komponente, das ist wohl wahr.
Bei mir in der Familie ist das mit aller wahrscheinlichkeit vererbt worden. Mit Sicherheit von meinem Vater. Meine Mutter glaube ich eher nicht. Aber mein Bruder ist defintiv betroffen, auch wenn undiagnostiziert, und das obwohl er als Kind eine Diagnostik hatte, aber man sagte, er „sei an der Grenze“ und benötige keine Therapie?! Ich rätsel bis heute noch drüber, was das sollte. Verstanden habe ich es nicht.
Meine Schwester ist Hochsensibel… Ich habe diagnostiziertes ADHS. Wie man sieht spielt hier die Genetik eine große Rolle.
Aaaaaaber! Sich nur auf die Genetik zu beruhen ist per se auch nicht richtig, weil ein ADHS auch spontan auftreten kann. Es gibt viele andere Einflüsse, die das begünstigen können. Du kannst dir ja mal auf adxs.org ansehen, was die Ursachen für ADHS sind. :wink:

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Hallo :blush:

Wie hier bereits geschrieben wurde, gibt es durchaus eine genetische Disposition, also eine gewisse Häufung. Allerdings bedeutet das weder, dass man ADHS zwangsläufig in der Familie weitergibt noch bedeutet es eben, dass ohne ADHS in der Familie kein ADHS bei einem selbst bestehen kann. Es geht hier lediglich um gewisse Tendenzen. Eindeutig geklärt ist die Ursache für ADHS nämlich nach wie vor nicht. Meist wird vermutet, dass mehrere Aspekte im Zusammenspiel miteinander zu ADHS führen können.
In Bezug auf deine Mutter kann es darüber hinaus sein, dass sie schlicht und ergreifend keine ADHS-lerin ist. Ihre Überpünktlichkeit und sehr gute Strukturierung kann jedoch auch ein Überkompensieren bestehender Herausforderungen sein. Letztendlich würde ich dir allerdings raten, den familiären Aspekt zunächst auszuklammern und dich komplett auf dich und deine eigene Diagnostik zu konzentrieren.

Liebe Grüße und alles Gute.:bouquet:

Siehe die inzwischen an vielen Stellen nachzulesende Ausprägung des ADxS bei Frauen…

Mit Intelligenz kann man das übrigens lange Zeit auch sehr gut kompensieren, indem man sich penibel strukturiert.

In meiner Familie habe ich auch bei meinen Eltern viele kleine ADxS-Kompensationsstrategien erkannt. Und selbstverständlich habe ich das übernommen, weil ich dachte, dass es normal sei, es so zu machen.

Und dann wiederum - wenn wir von der Elterngeneration sprechen, die teilweise ja auch Kriegskinder waren - man kann ADxS nicht immer eindeutig von Traumafolgen unterscheiden.

Kann sein, dass es bei der älteren Generation auch Traumafolge ist - doch inzwischen weiß man ja, dass durch Trauma sich etwas auf die Gene setzt („Epigenetik“), was dann das Auftreten von ADxS bei den nächsten zwei, drei Generationen begünstigt.

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