Vergesslichkeit

Hallo ihr Lieben, ich bin neu hier und dachte mir, ich schreibe mal etwas.

Vor zwei Jahren, habe ich die Diagnose ADHS bekommen. Aufgrund von Epilepsie, kann ich keine Medikamente nehmen.

Nun denn, meine Fragen wären, wie geht ihr im Alltag mit euren Einschränkungen um?

ZB… Dinge merken, sich Notizen machen, langsam sein, Reize bewusst wahr nehmen. Aber auch Gesprächen Folgen, anderen bewusst machen, dass es keine Ausrede ist, wenn ich mir etwas nicht merken kann.

Ich würde mich über eure Antworten freuen.

Hallo Sunny und herzlich willkommen,

was Medikamente bei Epilepsie betrifft, ist das inzwischen überholt. Früher sagte man, Stimulanzien erhöhen möglicherweise die Anfallswahrscheinlichkeit, das wurde aber in Untersuchungen aber nicht bestätigt.

Ich verlinke dir einen Text von Kirsten Stollhoff aus der Neuen Akzente, das ist die Mitgliederzeitschrift von ADHS Deutschland.

Zu deiner Frage, ich schreibe möglichst viel in meinen Kalender. Ich habe noch einen analogen Kalender aus Papier, es gibt aber natürlich auch viele digitale Lösungen.

Gesprächen folgen und andere nicht unterbrechen ist für mich auch schwer, vor allem wenn Medikamente nicht (mehr) wirken. Ich sage das dann auch, dass ich nach ca. 21:00 Uhr nicht mehr so aufmerksam sein kann und gelegentlich vorlaut und albern werde, begründe aber nicht warum.

Viele Grüße
Falschparker

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Ich danke dir für deine Antwort, wie gehst du damit um wenn jemand sagt, du und dein ADHS oder, dass kann doch nicht sein.

Mein Arbeitsgedächtnis ist stark eingeschränkt, dass merke ich immer wieder. Manche habe kaum Probleme aber bei mir ist die Vergesslichkeit sehr präsent.

Auch funktioniert bei mir Kopfrechnen ganz schlecht, sobald große Zahlen kommen, funktioniert nichts mehr und ich muss es mir notieren. Leider wird das in der Gesellschaft nicht immer positiv aufgefasst und ich werde als zu langsam hingestellt und würde es sowieso nicht hinbekommen.

Ich mein mehr wie erklären, kann ich es nicht und möchte ich auch gar nicht. Bin froh, dass ich es langsam selber verstehe.

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Bisher hänge ich meine ADHS nicht an die große Glocke.

Ok und wie kommst du damit klar? Ich mein es gibt ja schon Einschränkungen.

Zum Thema Arbeitsgedächtnis, gibt es leider die Problematik, dass Emotionen schlagartig das Arbeitsgedächtnis verstopfen was bei einem ADHS Brain natürlich noch mehr Probleme machen kann. Ich habe zB. das Problem, dass ich sehr schnell frustriert werde wenn ich etwas nicht verstehe oder mir auf anhieb nicht merken kann ( Mathe :roll_eyes:) und dann macht auch das Arbeitsgedächtnis voll die Grätsche und nichts geht mehr rein bzw. kann mir kaum noch was merken vor lauter Frust ( Emotion), ist irgendwie ein Teufelskreis. Ist in jedem Fall ein zusätzliches Emotionsproblem bei mir, bin definitiv auch kein Mathe Genie. :people_hugging:

Habe mir heute deswegen einen richtig schönen alten Taschenrechner aus dem Elektroschrott gefischt und Stift sowie Zettel sind meine besten Freunde beim rechnen, nur vergesse ich dann auch manchmal wie Schriftliches rechnen geht, frustriert natürlich zusätzlich. :heart:

Rein Interesse halber wollte ich dich noch fragen, wenn das ok ist, wie du dir Zahlen versuchst zu merken? Wiederholst du sie durch aufsagen in Gedanken oder stellst du sie dir vor z.B. als ob sie auf einem „Blatt Papier“ stehen oder ähnliches und liest sie dann z.B. ab?

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Tools gegen deine Vergesslichkeit gibt es verschiedene. Ich lese zwischen den Zeilen, dass das Unverständnis deiner Mitmenschen dir besonders zusetzt. Da gibt es wohl kein Patentrezept. Aber ich würde genausozwie @Falschparker meine Diagnose nicht an die große Glocke hängen. 99% der Menschen kennt das Phänomen ADHS sowieso nicht gut genug um dir Verständnis entgegen bringen zu können. Du musst deine Diagnose nicht verteidigen. Andererseits kann ADHS auch nicht immer als Entschuldigung herhalten. Wir müssen alle unsere Wege finden, damit möglichst sozialverträglich zu leben, aber ohne uns bis ins Unendliche zu verbiegen.

EDIT. Ich habe Mathe LK belegt und mit 15 Punkten mein Abi gemacht. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung. Und trotzdem bin ich wirklich grottenschlecht in Kopfrechnen weil ich die Zahlen sofort wieder vergesse. Ich muss mir alles aufschreiben. Aber inzwischen kann ich drüber lachen. Es gibt wichtigeres.

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In meinen Augen hat es nichts mit Ausrede zu tun. Schließlich gehört die Einschränkung nun mal zum ADHS dazu. Es gibt Möglichkeiten, anders die Dinge anzunehmen bzw umzusetzen. Aber in der Gesellschaft wird es nicht immer gerne gesehen, wenn jemand sich Notizen macht. Erlebe es selbst.

Das hat nichts mit Ausrede zu tun, sondern damit, mit anderen Wegen nicht zurecht zu kommen.

Und ich finde es wichtig, offen mit ADHS umzugehen, denn wenn Erkrankungen verheimlicht werden, wird es immer wieder zu Unverständnis führen. Und so sollte es nicht sein.

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Seit wann hast Du denn die Diagnose?

Hast Du einen Psychiater, bei dem Du angebunden bist?

Denn wenn es für Dich jetzt möglich ist, Stimulanzien zu nehmen, dann solltest Du dem schnellstmöglich nachgehen und das mit den Fachärzten besprechen.

Ich höre bei Dir ja doch einen Leidensdruck heraus.

Vielleicht sind die Probleme dann ja für dich dann bald nicht mehr so stark…

Schau auch mal hier:

Vielleicht ist dies App ja auch was für Dich

Die kannst Du Dir verschreiben lassen, die ist seit ein paar Wochen erhältlich.

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@Nono, ich danke dir für deine Antwort. Ich bin ärztlich angebunden und kann Aufgrund der Krampfanfälle keine Medikamente nehmen. Wie ich lese, ist die Wahrscheinlichkeit, einen Anfall zu bekommen ausgeschlossen. Aber ich möchte da nichts riskieren.

Ich danke dir für die App, werde mich da auf jeden Fall mal schlau machen, mein Therapeut wollte mir etwas ausstellen und ich werde das mal erwähnen.

aufschreiben, aufschreiben, aufschreiben. Mittlerweile mache ich nur noch selten den Fehler, dass ich denke, ach, diese Kleinigkeit ist ja so klar oder jenes so besonders, das muss ich diesmal nicht festhalten - nein. Ich habe auch einen Papierkalender (in dem ich Dinge schön durchstreichen kann, das macht mich sehr glücklich), mehrere Notizen in meinem Smartphone und bei Bedarf noch Post-Its, die ich in Küche, Bad oder Kalender klebe. Lücken hat das System trotzdem, wenn ich dann einfach vergesse, was ich in der Sprachi überhaupt gesagt habe, die meine Freundin mit einem Lach-Smiley kommentiert, oder dass die andere Freundin mit einem Baby im Zg sitzt und meinen geschickten 5-Seiten-Artikel wahrscheinlich gar nicht während der Fahrt lesen kann.

Blöd ist es bei der Arbeit: einige wissen, warum ich so vergesslich bin, und sind dann eher verständnisvoll, andere nicht und sind eher genervt oder werden misstrauisch, wie ich meine Prios setze. Aber ein ernsthaftes Gespräch gab es noch nicht deswegen.

@nisi, ich danke dir, für deine ausführliche Antwort. Auch, ist es hilfreich für mich, dass ich nicht die Einzige bin, die auf der Arbeit Probleme hat. Werde es auf jeden Fall angehen und mir einfach alles aufschreiben, was ich für mich brauche.