Kann ich verstehen, wg struktureller KI-Bedenken, Datenschutz, Risiken grundloser Bestätigung, usw. Alles richtig. Kann trotzdem einigen helfen und darf es dann m.E. auch.
Der Austausch mit humanen Therapeuten kann ja auch mal verstörend oder unheimlich sein, wenn man sie denn überhaupt zeitnah findet und/oder zu zahlen in der Lage ist. In meiner Anti-Prokrastinationstherapie wurde meinen Schreibtisch-Blockaden z.B. mit Analogien zur Sexualtherapie begegnet. Da würde „mehr Anstrengung“ schließlich auch nicht zum Höhepunkt und zur Erfüllung führen. Man müsse in den Körper kommen, entspannen, um sich wieder spüren zu können, usw. Spielen, tanzen…
Im Ansatz kann ich das sogar nachvollziehen. Ich hätte es nur vielleicht eher so erklärt: Wenn Sie dringend einen Nagel in die Wand hauen wollen, aber (ihre Brille nicht aufhaben und deshalb den Nagel) nicht treffen, dann hilft es doch schon rein anatomisch nichts, den Hammer immer fester und verkrampfter zu halten.
Die teils plastischen Analogien des Therapeuten waren mir jedenfalls auch „irgendwie unheimlich“. Schließt nicht aus, dass es hilft, dass man immer ein Puzzleteil mitnimmt, usw. Ich vermute aber, es braucht doch viel ADHS-Psychoedukation, um solche Puzzlestücke für sich einzusortieren, zwischen DMN und TPN.
Und manchmal kann man es wohl nur dank Medikation überhaupt so sehen. Und sich nicht nur „einfach wieder nicht gesehen fühlen“, getroffen von ADHS-fernen Ratschlägen und wieder ab 7 ab Schreibtisch, mit dem Schutt von gestern noch obenauf.
Ich begebe mich jedenfalls wieder auf den Pfad des ADHS-Schutzheiligen Yoshi. Hat schon mal geholfen.
@metamodel: Dieser Pfad beginnt mit Vergebung, auch als Mittel gegen Schuld und Scham. Nicht, weil wir das verdienen, sondern weil wir das brauchen. Wir haben uns ADHS nicht ausgesucht. Unser Pfad ist schwer genug, wenn wir nicht noch die Backsteine der Scham und Selbstvorwürfe ins Marschgepäck tun.
Lies vielleicht nochmal Deinen Text, als hätte eine Freundin ihn geschrieben. Oder ich. Denn er hätte auch von mir sein können. Du bist mit dem Problem nicht allein, auch wenn Dir das allein nicht hilft.
Vielleicht brauchst Du keine Kontrollinstanz. Aber falls doch, dann sollte es sinnvollerweise eine fürsorgliche sein, die Dich kennt, die Dich stützt und Dir Deine Ressourcen in Erinnerung ruft: Was haben zufriedene Kunden schon zu Dir gesagt? Was war ein Erfolgserlebnis?
Dein Auftraggeber lässt es sich gerade im Urlaub gut gehen, Du nicht. Verdienst Du da nicht auch etwas Respekt von Dir?
Was hat Dir in der Vergangenheit schon geholfen? Gibt es ein altes Hörbuch, das beruhigend im Hintergrund laufen kann und die ablenkbaren Teile Deines Gehirns beruhigt? Oder brauchst Du eher Ruhe? Gibt es einen Ort, der beim Start hilft? Ein Café, eine Parkbank, eine Bibliothek?
Kann Dir z.B. die Diktatfunktion in Word helfen, weil Du den roten Faden Deines aktuellen Auftrags gerade eher einem interessierten, zugewandten Gegenüber erzählen könntest als etwas zu tippen?
Vermutlich würdest Du einer abgekämpften Freundin jedenfalls nicht sagen: Setz Dich einfach schon um 6 Uhr 30 an den Rechner. Du würdest schauen, dass die Person einigermaßen gut versorgt ist, nicht unterzuckert ist, was isst und gerade bei der Hitze genug trinkt. Wirklich regelmäßig Pausen macht, vielleicht sogar mal um den Block geht (beides: wenn schon nicht aus Selbstfürsorge, dann als Mittel zum Zweck - notwendig: um die Not zu wenden).
Jetzt ist nicht immer. Heute ist auch nicht wie gestern. Noch ist vieles möglich. Manchmal sind wir doch auch auf unseren verschlungenen und hügeligen Wegen noch ans Ziel gekommen. Aus Steinen, die auf dem Weg liegen, kann man angeblich auch was bauen, blabla, ja. Aber Goethe meinte damit sicher nicht die Backsteine der Schuld und der Scham.