Verstärkt sich AD(H)S, wenn man davon weiß?

Nö. Kenne ich auch. Gerade bei Langeweile oder Stress.

Jein. Es ist während (!) der Wirkzeit durchaus ein Stück Heilung, denn das Gehirn funktioniert fast wie es soll bzw. wie bei einem Nicht-ADHS-ler.

Es ist auch interessant zu sehen, dass es eben nicht nur hilft, d. h. man bekäme ein Instrument, der Unterhaltung zu folgen, nicht dazwischen zu reden oder sich nicht über Kleinigkeiten aufzuregen, das man nutzen könnte oder auch nicht. Sondern der Impuls sich aufzuregen oder dazwischen zu reden ist manchmal gar nicht da, weil man emotional ausgeglichener ist oder gar keinen Grund sieht sich aufzuregen. Das ist wirklich schön.

Doch, zum Teil schon. Denn allein die Erfahrung, dass man durch das Medikament anders sein kann, zeigt dass der ADHS-Modus keineswegs normal ist und mit meiner Identität untrennbar verbunden.

Und der ADHS-Zustand wird viel krasser wahr genommen, wenn man sich mal anders kennt, und dann lässt die Wirkung nach und man wird wieder ungeduldig und reizbar, und man erschreckt sich und denkt, oh Mann, so war ich früher immer (oder jedenfalls sehr häufig)?

Wenn man nur die ADHS-Diagnose bekommt, aber (noch) nicht die Erfahrung macht wie man mit (gut eingestellten) Medikamenten sein kann, ist das schwer zu beurteilen und schwer zu beschreiben, man muss es schon erleben.

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Ich habe aktuell große Down-Phasen in denen ich am liebsten einfach nur meine Augen zu machen und für eine Woche schlafen möchte. Ich erhoffe mir sehr viel von der Medikation. Ich erhoffe mir, dass die Medikation mir mein Leben rettet. Die letzten 30 Tage habe ich nur geatmet, ich halte den Druck nicht mehr aus.

Ich möchte damit sagen, dass mir jegliche Hilfe recht ist, egal wie klein sie ist. Deshalb freue ich mich auf die nächsten Schritte.

Ich war nun beim Arzt und habe das Okay für die Medikation für ADHS bekommen. Die Medikation startet in den nächsten 3 Wochen. Bis dahin habe ich ein temporäres Medikament bekommen, was mich hoffentlich beruhigt und diese schreckliche Unruhe im Kopf beseitigt (das Medikament hat nichts mit ADHS zutun). Ich kann gerne über meine Erfahrungen berichten, wenn sich jemand dafür interessiert.

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Ok, falsche Wortwahl außerhalb der Wirkdauer.
Was ich sagen wollte was, das man sich TROTZ der Medikamente mit dem Thema auseinandersetzen sollte.

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Betreibst du schon aktive Reizreduzierung? Einkaufen in einem Lebensmittelgeschäft statt in dreien. Bekannte Musikstücke/Lieder hören statt neuem aus dem Radio wo noch einer sabbelt und du dich konzentrieren musst. Ein Buch statt einem Film. Keine Autofahrten ohne schwerwiegendem Anlass. Usw usw.

Ganz wichtig genug zu trinken und Sport. Power dich richtig aus! Sport kann bis zu 70% der Medikamente ersetzen.

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Ich mache keines dieser Dinge und ich habe auch nicht vor in naher Zukunft damit anzufangen. Ich glaube nicht, dass ich ein großes Problem mit Reizen habe. Ich bin zwar sehr schnell Reizbar, besonders wenn jemand zu lange zum antworten braucht und ich die Antwort bereits kenne (eines von vielen Beispielen), aber grundsätzlich plagt mich:

  • Starke Vergesslichkeit (besonders beim Kurzzeitgedächtnis)
  • Out Zone-ing (ich glaube so nennen das manche)
  • Eine krasse Motivationslosigkeit

Ich habe in meinem ganzen Leben, schon lange vor meiner „Diagnose“ und bevor ich wusste, dass ich ADHS habe, Dinge versucht um etwas ruhiger zu werden. Dazu gehört auch Sport und leider hat Sport absolut nicht geholfen. Ich blieb 2 Wochen dran, aber nach 2 Wochen habe ich aufgegeben. Das war eine pure Tortur, die ich nie wieder durchmachen werde. Ich hatte auch einen vernünftigen Partner der mich durchgeführt hat, leider erfolglos. Nachdem das nicht geklappt hat, habe ich immer mal hier und da Sport zuhause gemacht, aber auch das hat nichts gebracht und auch damit habe ich aufgehört. Es war einfach nur eine weitere lästige Sache in meinem Leben die mich nicht weitergebracht hat.