Verzweiflung beider Eltern

Hallo zusammen,

ich möchte gerne unsere aktuelle Situation teilen, in der Hoffnung auf Erfahrungen und Tipps von anderen Eltern.

Kurz zu uns

Wir haben zwei Kinder (5 und 7). Unser Sohn (7) ist seit seinem dritten Lebensjahr im SBZ in Behandlung.
• Autismus wurde ausgeschlossen, wobei das eigentlich unsere Vermutung war als als wir beim SBZ Hilfe gesucht haben.
• ADHS-Diagnose seit Anfang dieses Jahres.

Er nimmt momentan Medikinet Retard 20 mg morgens, zusammen mit einem eiweißhaltigen Frühstück.

Wo die größten Herausforderungen liegen

Emotionale Regulation & Verhalten
• Sehr geringe Frustrationstoleranz, schnelle Überforderung.
• Kaum Lerneffekte aus Konsequenzen oder Erfahrungen.
• Gefühle können ihn komplett „überrollen“, was zu starken Wutausbrüchen führt.
• Kleinste Auslöser (Tag im Shirt, Farbe der Kleidung etc.) reichen aus.
• Bei Ausbrüchen: Schreien, Weinen, Werfen von Gegenständen, teils körperlich gegenüber Erziehern.
• Starke Tendenz zur Provokation.

Kognitive Seite
• Sehr weit entwickelt, besonders im Lesen/Schreiben.
• Hohe Wissbegierde bei Lieblingsthemen.
• Hat eine I-Hilfe, sowohl im Kindergarten als auch jetzt in der Schule.

Schule & OGS

Vormittags läuft der Unterricht mit Medikation gut, Ausbrüche sind selten.
Ab etwa 11/12 Uhr und besonders in der OGS eskaliert es fast täglich:
• Verweigerung
• Wutausbrüche
• körperliche Übergriffe
• Anrufe, dass wir ihn abholen müssen

Wir sind beide berufstätig und haben keine familiäre Unterstützung vor Ort – das bringt uns im Moment wirklich an die Grenzen.

Bisherige Medikationsversuche

Medikinet Retard 20 mg
• Gute Wirkung am Vormittag
• Keine ausreichende Wirkung für späten Vormittag/Nachmittag

Medikinet unretardiert + Nachdosierung gegen 11:30 Uhr
• Keine Verbesserung
• Probleme verschoben sich in den Vormittag

Ritalin LA 20 mg
• Null Wirkung
• Schule war auch am Vormittag kaum möglich

Nachdem Ritalin LA gar nicht funktionierte, sind wir wieder zurück auf Medikinet Retard.
Nach den Weihnachtsferien wollen wir mit der Ärztin nach weiteren Optionen suchen (andere Dosierung? anderes Präparat? Kombi?).

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Wie sieht es aus mit einer zweiten Dosis Medikinet Retard ?

Oder was längerwirkendes wie Kinecteen, Concerta ?

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Nicht zu vergessen Equasym.

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Danke euch für die schnelle Reaktion.

Die Ärztin meinte heute am Telefon, nachdem ich gefragt habe, dass er mit den 20mg ja schon bei der maximal Dosierung wäre laut seinem Gewicht.

Nach den Ferien wollte sie schauen, ob wir ggf. Mittags dann 5mg Retard nachwerfen wenn er bis dahin etwas mehr wiegt.

Die anderen beiden Medis kenne ich nicht, werde aber mal googeln und ansprechen.

Ja, manche Ärzte gehen nach dem Gewicht, aber laut Packungsbeilage darf man unabhängig des Gewichts bis 60 mg hoch. Ich weiß nicht, ob die Einstellung der Ärzte noch von der Zeit ist, als man die Medikamente nur für die Schule gegeben hat.

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Frag sie mal nach Concerta. Das wirkt bei uns sehr gut und genügend lang über den Tag hinweg. Und nur wenig bis keinen Rebound.

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Die Aussage wundert mich auch etwas. Mein 7jähriger bekommt aktuell eine Tagesdosis unretardiert von 17, was 34mg retardiert entspricht und damit sind wir noch nicht bei der Tageshöchstdosis. Unser Sohn ist ein ganz schmaler….

Man geht nicht mehr nach dem Gewicht, von daher sollte es kein Problem sein nochmal retardiertes Medikinet nachzulegen.

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In wie fern wirkte Ritalin nicht? Wahrscheinlich braucht er 10 mg mehr Ritalin weil es anders und schwächer flutet als Medikinet dafür meist länger wirkt.

Medikinet wenn die Wirkung um 11 Uhr weg ist muß es um 10.30 nachgenommen werden sonst wird wahrscheinlich keine Wirkverlängerung erreicht 4 bis 5 std Wirkung von Medikinet gelten ja schon als gut und hier ist der Schnitt von denen die berichten zwischen 3 bis 5 std ich war meine ich um 4 std und mochte es nicht so sehr

Alternativ wäre Concerta oder Kinecteen welche länger wirken aber Rebounds könnte es geben und rechtzeitig nachnehmen könnte wichtig sein

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@Kathy

Vielen Dank! Der erste Abschnitt könnte Sinn machen, da es gestern in der Schule und nach dem abholen wirklich den ganzen Tag so war, als wenn seine Symptome verstärkt wären.

Das mit dem rechtzeitigen nachwerfen spreche ich an.

Muss bei Concerta auch nachgeworfen werden? Oder wie kann ich den letzen Satz verstehen?

Danke :slight_smile:

@Sanman vielen Dank! Ich spreche das mit der Dosierung an. Mal sehen was so Ärztin dazu sagt.

Sie spricht auf jedenfall im von Mg/Kg , also macht es komplett Gewichtabhängig.

Hey, bei uns wirkt Concerta von 7.30 Uhr bis 15.30/16.00 Uhr. Wir müssen nicht „nachlegen“, weil unser Kind, wirklich stark hyperaktiv, dann entspannt ist und gut klar kommt. Wenn allerdings herausfordernde Dinge anstehen, gibt es eine Bedarfsmedikation. Das ist aber noch nicht so fein abgestimmt. Die richtige Dosierung hört gefühlt nie auf😂

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Bei uns kriegt er 5mg unretardiertes Medikinet und Concerta mit dem Frühstück. Grund: Concerta steigt langsam an und er braucht einen Kickstart, daher Medikinet zusätzlich. Das reicht dann mehr oder weniger den ganzen Tag. Er bleibt recht entspannt, auch wenn die Wirkung abnimmt. Nur selten braucht er dann am späteren Nachmittag noch eine halbe Tablette Medikinet. Er wird irgendwann wieder etwas hibbelig, aber nicht mehr aggressiv, wie das der Fall war ohne Medis. Wir werfen also in der Regel auch nichts nacht.

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Das klingt sehr zehrend. Es ist so gut für euren Sohn, dass ihr euch bemüht, ihn zu verstehen. Für mich kling es nach einer Mischung aus ADHS, Hochbegabung und PDA, wie wir sie hier vermutlich auch zuhause haben. Die Info über die würzige Kombination PDA und Hochbegabung hat für mich das Verhalten unseres Sohnes verständlicher gemacht und den Umgang mit ihm ein kleines Bisschen verbessert. Viel Kraft und gute Nerven euch!

Nachtrag: unsere Kinder mussten wir von der OGS wieder abmelden. Sie waren immer schon überreizt nach dem Grundschultag mittags, sie brauchten dann eine Pause, sodass schnell klar war, dass nur einer von uns vollzeit arbeiten gehen kann, da wir auch keine familiäre Unterstützung in der Nähe haben.

Ja und neiwn weil man ao 8 bis 9 std glaube ich abgedeckt bekommt.

Kommt auf Ansöruch, elgdne Bedürfnisse etc. an. Die Wirkung ist immer begrenzt nix hält 24 std und 12 std ohne nachnehmen habe ich auch noch nicht gehört.

Es sind ja keine Wunderpillen sondern Hilfsmittel, die je nach Umsetzung und Verstoffwechselung kürzer oder beauchbare längen erreichen. Manch einer nimmt 3 Dosen Medikinet ich glaube es gibt auch noch welche die das mit unretardiert dann zusätzlich passgenau steuern.

Das ist ein Lernprozess der wahrscheinlich in 2 Jahren wenn die Wirkung und die Kurven brkannt und erspürt sind gut intuitiv.

Alles was neu ist ist ungewohnt aber so lernt dein Kind ja fürs Leben und kann sich irgendwann auch selbst sehr gut die Tage durch die Medikamente zusammenstellen wie es wichtig ist und sowas ist doch „das große Ziel“ wdnn es duese "Krücke gibt mit der man lernt sich sehr gut dauerhaft zu helfen

Guten Morgen, wir hatten auch Probleme mit Medikinet retard, mein Sohn war sehr emotional. Ging wegen jeder Kleinigkeit zu weinen und wurde immer lauter und aktiver.
Er bekommt jetzt keine Stimmulanzien mehr. Mit Intuniv läuft es gut.
Liebe Grüße
Olesja

Hallo,

wir haben sowohl mit medikinet als auch mit equasym einen sehr starken rebound bei unserem jetzt 10 Jahre alten sohn gehabt. Auch haben beide Medikamente zwar seine Konzentration und motorische Unruhe verbessert jedoch alles Emotionale wie Geräusche, Gerüche und auch Frustration enorm verschlechtert. Uns wurde nun zu Elvanse geraten wir haben es aber noch nicht versucht.

Ich hör das immer wieder, daß diese Medikamente nach Gewicht dosiert werden. Demnach müssten übergewichtige Menschen ein größeres Gehirn haben.

Eventuell würd ich noch eine Zweitmeinung einholen wegen der Autismus-Diagnose. Es hört sich ja schon nach AuDHS an :thinking:

Ich drück Euch die Daumen!

Hallo,

vielen Dank für Ihren sehr offenen und gut beschriebenen Beitrag. Ich finde mich in vielen Punkten wieder und wollte meine Perspektive als Betroffene teilen.

Kurz zu mir: Ich bin heute 20 Jahre alt und wurde bereits in der Grundschule mit ADHS diagnostiziert, da meine Symptomatik sehr ausgeprägt war – vor allem starke Reizüberflutung, Unruhe, Konzentrationsprobleme und Impulsivität. Aggressives Verhalten hatte ich nie, eher das klassische „Zappelphilipp“-Verhalten.

In der Grundschule äußerte sich das vor allem durch Vergesslichkeit und Unzuverlässigkeit, später auf der weiterführenden Schule zunehmend durch Impulsivität, Schulschwänzen und viele Konflikte mit der Schule. Ich wusste, dass mein Verhalten problematisch war, aber Konsequenzen führten kaum zu nachhaltigen Veränderungen – es kam emotional an, änderte aber langfristig wenig.

Rückblickend hätte ich mir sehr gewünscht, dass man weniger mit Wut oder Bestrafung auf mein Verhalten reagiert hätte, sondern mehr versucht hätte zu verstehen, warum ich Dinge ständig vergesse oder impulsiv handle. Statt mich dafür zu verurteilen, hätte es mir sehr geholfen, gemeinsam an Strategien zu arbeiten und die Ursachen in den Blick zu nehmen.

Ich war über einen längeren Zeitraum in Ergotherapie, die mir wirklich sehr geholfen hat – sowohl im Umgang mit Reizen als auch im Alltag insgesamt. Nach etwa einem bis anderthalb Jahren wurde diese jedoch beendet, und danach gab es keinerlei weitere Begleitung mehr: keine regelmäßigen Gespräche, keine Verlaufsüberprüfung, keine weiteren therapeutischen Ansätze. Ab diesem Punkt musste ich im Grunde alleine zurechtkommen.

Medikamente wurden ebenfalls kurzzeitig ausprobiert, dann aber wieder abgesetzt, da ich sehr apathisch wirkte. Dass meine Mutter das beunruhigt hat, kann ich gut nachvollziehen – wenn ein Kind plötzlich „nicht mehr wie es selbst wirkt“, ist das für Eltern verständlicherweise schwer auszuhalten. Rückblickend hätte ich mir jedoch gewünscht, dass man die Situation längerfristig begleitet hätte, z. B. mit engmaschigerer Beobachtung oder alternativen Ansätzen, statt die Behandlung insgesamt zu beenden.

Heute merke ich, dass die äußere Hyperaktivität weniger geworden ist, die innere Unruhe, das Gedankenkarussell und die Reizempfindlichkeit sind geblieben. Ich arbeite aktuell wieder aktiv daran – mit Medikamenten und begleitender Therapie.

Was ich aus meiner Erfahrung mitgeben möchte: Medikamente können sehr hilfreich sein, sollten aber nicht die einzige Säule sein. Genauso wichtig sind langfristige therapeutische Begleitung, Emotionsregulation und alltagstaugliche Strategien. Ich bin überzeugt, dass mir eine kontinuierlichere Begleitung damals viele Schwierigkeiten erspart hätte, mit denen ich mich heute erneut auseinandersetzen muss.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohn von Herzen viel Kraft und hoffe, dass Sie gemeinsam einen Weg finden, der nicht nur kurzfristig entlastet, sondern ihm auch langfristig hilft.

Alles Gute :seedling:

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