Von ADHS,ASS , einer Identitätskrise und die ewige Frage:Wer bin ich und was fühle ICH?

Hallo!

Ich möchte mir gerne etwas von der Seele schreiben, da ich niemanden in meinem Umfeld habe, mit dem ich darüber sprechen kann/will. Ich habe Angst missverstanden und abgewertet zu werden und ich schäme mich wohl auch.

Vielleicht gibt es ja hier in diesem Forum Menschen, die ähnliches erleben oder erfahren haben.

Ich habe Adhs und ASS.
Die Diagnosen ich seit Anfang des Jahres.
Irgendwie habe ich seitdem das Gefühl, ich weiß gar nicht mehr wer ich eigentlich bin.

Sein 3 Wochen nehme ich ja Elvanse 15mg. Es hilft mir definitiv meinen Alltag zu bewältigen, wenngleich dadurch auch die autistischen Züge mehr zum Vorschein kommen.
Ich merke sehr, wenn die Wirkung am Abend nachlässt und irgendwie überkommt mich dann eine tiefe Sinnlosigkeit…

Nun ist es so, dass ich vor 4 Jahren noch regelmäßig Alkohol konsumiert habe. Ärzte sagen, dass war eine Art Selbstmedikation.
Ich war nie körperlich abhängig, aber ich habe schon gemerkt, dass es ohne immer anstrengender wurde zu funktionieren. ( wobei es nie wirklich viel Alkohol war oder hartes Zeug)
Mir wurde dann gesagt, ich sei Alkoholiker und müsse aufhören. Das hab ich dann auch getan.
Ich habe auch eine stationäre Therapie gemacht und dort einige Traumatas aus meiner Kindheit aufgearbeitet.

Ich habe mich eigentlich nie als Alkoholiker gesehen.
Trotzdem war und bin ich schon länger bei den anonymen Alkoholikern. Die Zeit dort hat mir auch geholfen.

Nun habe ich vor einigen Monaten wieder ein Bier getrunken. Und es war okay.
So ist das jetzt schon länger, dass ich 1-2 x die Woche Abends ein oder auch 2 Bier trinke. Und das wars.
Ich habe nie das Bedürfnis nach mehr. Aber ich fühle mich tief im inneren schlecht und schuldig.
Als angebliche Alkoholikerin darf ich das nicht.

Seitdem ich Elvanse nehme, fühle ich mich auch gar nicht mehr zugehörig zu den AA’S. Ich höre mir an was die erzählen und spüre keinerlei Verbindung mehr.
Liegt das am Medikament?
Oder an mir MIT Elvanse? Und warum ist das so?

Mich verwirrt das alles, weil das die einzigen Menschen waren, wo ich mich irgendwie zugehörig gefühlt habe. Aber ich kann auch nicht so tun als ob es noch so wäre. Ich kann das Gerede kaum noch ertragen.

Versteht ihr was ich meine?

Ich bin ratlos und spüre nicht, was ich genau ich fühle und tun soll.

Oder bin ich doch Alkohliker und gestehe mir das nur nicht ein?

Was ich fühle ist Angst, aber ich kann sie nicht genau benennen…Ein Thema, was mich schon mein Leben lang begleitet: WAS FÜHLE ICH???

Ich hatte lange eine Therapeutin, aber nun wurde die Therapie nicht mehr weiterbewilligt.
Ich werde jetzt eine tiefenpsychologische Therapie beantragen, da ich ganz klar spüre: ich komme seit der Medikation gar nicht mehr klar. Ich entdecke Anteile in mir, die ich noch nicht kannte. Das verwirrt mich total und scheint mich in eine Artr Identitätskrise zu manövrieren.

Wenn ich schreibe, mein Leben scheint mir sinnlos, dann ist das nicht erst seit Elvanse so, aber ich spüre es jetzt irgendwie noch mehr. Macht das sinn?
Kennt das jemand?
Das tragische an der Sache: es ist die absolute Wahrheit: ich lebe für meinen Sohn. Aber der bleibt auch nicht ewig bei mir.
Ich möchte FÜR MICH einen Sinn finden!!
Aber der scheint noch in weite Ferne…

Jetzt, wo ich das schreibe, laufen mir die Tränen, weil die Tatsache schmerzt. Ist das jetzt echt? Also dieses Gefühl?
Seitdem ich Elvanse nehme bin ich so weinerlich und emotional sehr empfindlich.
Das kenne ich so extrem nicht von mir.
Auch das verwirrt mich.

Ja und das mit dem Alk verwirrt mich auch. Für mich ist es eigentlich ok, aber da ist eine tiefe Angst ist, dass ich mir was vormache. Da ist eine Stimme in mir die sagt: du darfst das nicht, dass ist verboten. Und dann kommt der Rebell in mir durch, der sich nie wieder was verbieten lassen will. Da ist eine Sehnsucht nach Freiheit in mir.

Ich hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken?!

Es war wirklich an der Zeit, mir mal alles von der Seele zu schreiben.
Ich bin am überlegen, hier in dem Forum eine Art Tagebuch zu eröffnen. Irgendwie hab ich keine Kraft mehr, so viel mit mir alleine auszumachen…

Danke von Herzen fürs lesen!

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Also nach Alkoholismus klingt das für mich nicht.

Alkoholsucht ist meines Wissens mit dem ständigen Wunsch nach mehr, mit einer dauerhaften Fixierung auf den Alkohol verbunden. Aber da kennen sich andere besser aus.

Wenn bei ADHS plus Autismus auf einmal die überschießenden Emotionen des ADHS weg sind, bleibt naturgemäß nur wenig Emotion übrig. Aber das macht nicht zwingend depressiv.

Für mich klingt es so durch, als wäre durch die ADHS-Medikation eine darunter liegende Depression demaskiert worden und tritt jetzt sichtbarer in den Vordergrund.
Könnte das sein?

Man kann ja leide Läuse und Flöhe haben - und Würmer obendrein…

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Ich denke auch, es könnte das Phänomen sein, welches Martin Winkler mal als Kanalratten Phänomen beschrieben hatte.

Es löst im Moment unangenehme Gefühle aus und du greifst hier auf ein dir bekanntes Mittel zurück - dem Alkohol, um dich ein bisschen zu betäuben / besser zu fühlen.

Das ist natürlich ein Missbrauch und die Gefahr des Rückfalls in die Alkoholkrankheit ist natürlich da.

Es liegt in der Natur der Sache das man das selbst nicht sehen möchte - solange eine Bewertung damit verbunden ist vor allem.
Und ein schlechtes Gewissen.

Das 12 Schritte Programm ist ja ein spirituelles Programm und ich finde den ersten Schritt sehr gut:

**

Anerkennen, dass man seinem eigenen Problem gegenüber machtlos ist.

**

Und das ist tatsächlich das wesentliche der Sucht.

Du kannst nichts „machen“ weil du „Macht-los“ bist. :heart:

Allerdings kann das Medikament Elvanse auch selbst sehr unangenehme emotionale Gefühle verursachen. Ich habe das selbst erlebt.

Leider ist die Alkoholkrankheit, welche sehr weit verbreitet ist sehr negativ bewertet, was die Krankheit verschlimmert.

Suchtkranke Menschen sind nicht weniger wert als andere und man darf es nicht zulassen das Menschen sich deswegen schämen oder schlecht bewerten. Das ist nicht ok.

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Ich danke dir sehr für deine Rückmeldungen!

Das mit der Depression kann sein.
Ich war als Kind schon depressiv. Habe die letzten 4 Jahre Escitalopram genommen und nehme aktuell noch 5 mg.

Es ist nicht so das ich nichts fühle. Da ist eine Sinnlosigkeit und auch tief in mir ein Schmerz, den ich nicht greifen kann.
Ich kann die Emotionen nicht steuern und das löst vielleicht eine Art Ohnmacht aus.

Ich habe keine Ahnung. So verloren habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.
Ich fühle mich auch psychiatrisch nicht gut betreut, wechsel jetzt und es ist irre, wie wenige Stimulanzien verschreiben.

Ich glaube, dass ich den Alkohol als reine Selbstmedikation nutze, wenn die Wirkung nachlässt. Während der Wirkung empfinde ich Abscheu gegen Alkohol. Genauso wie ich plötzlich kein Kaffee mehr trinken mag und viel weniger Zucker esse.

Aber was tun?

Vielen Dank für dein Feedback!

Interessanterweise habe ich während der Wirkung von Elvanse absoluten Ekel gegen Alkohol. Wenn das Bedürfnis kommt, dann erst wenn die Wirkung weg ist.
Und dann kann ich oft noch nicht mal sagen wieso ich ein Bier trinke.

Ich habe einige Jahre intensiv nach dem 12 Schritte Programm gelebt, habe in den Schritte gearbeitet und habe eine Sponsorin. Seitdem ich mit den Stimulanzien angefangen habe, wird meine Abneigungen gegen diese Gruppe immer größer und ich kann mich nicht mehr mit Ihnen und dem Programm identifizieren.
Es wundert mich, ich kann es nicht erklären und es macht mir auch Angst, weil diese Empfindungen neu sind.

Ich stehe dem Alkohol sehr kritisch gegenüber und habe schon das Gefühl, dass ich sehr wohl Macht über ihn habe.
Ansonsten würde ich mich ja nur vollaufen lassen.
Aber ich weiß auch, dass man sich etwas vormachen kann.

Das Wissen bringt mir nur leider gerade nichts.

Elvanse hat für mich auch Vorteile und es wirkt nicht so depressiv auf mich, wie Medikenet.
Fakt ist, ich spüre eine Persönlichkeitveränderung und ich weiß nicht, ob ich das bin, die jeden Morgen in den Spiegel blickt.

Die Traurigkeit ist heute auch während der Wirkung vorhanden, war aber letzte Woche z.B.auch 3 Tage gar nicht da. Diese Schwankungen machen mich irre.

Danke fürs lesen

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Verstehe ich total! Ich habe mich mit Elvanse instabiler gefühlt, MPH fühlt sich stabiler an und kann ich besser steuern.

Aber das ist ja auch individuell.

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Du bist verantwortlich für Deine Taten, nicht „man hat mir gesagt“.

Im Regelfall lautet die Antwort: weil Du Alkoholikerin bist.
Das geht nicht einfach weg.

Du musst die AA nicht mögen (tu ich auch nicht), aber man kann da viel über Muster lernen. Und über vermeintliche Kontrolle. Wie man sie hat, bis man sie irgendwann nicht mehr hat.

Na klar, die große Freiheit am Boden der Flasche, wer kennt sie nicht.

Ich kenn Dich nicht, ich kenn nur mich. Aber all das, was Du da schreibst, was ich in Teile zitiert habe, habe ich mir auch erzählt.
Hauptsache, ich musste nicht völlig aufhören zu trinken und so die Dinge, die unter der Sauferei begraben waren, schön weiter zuscharren. Nüchtern sein ist scheiße anstrengend. Deswegen nur noch das eine Mal. Oder nur ein Bier am Abend. Oder nur am Wochenende. Nur noch heute, dann erstmal nicht mehr. Nicht in der Fastenzeit! Nur noch ab 17 Uhr! An ungeraden Wochentagen.

Wenn Du kein Alkoholproblem hast, wieso trinkst Du dann jetzt wieder?

Das mit der Fixierung stimmt, aber die kann sich auf verschiedene Weisen zeigen. Unter anderem darin, dass man permanent darüber nachdenkt, dass man das Ganze ja hervorragend unter Kontrolle und definitiv kein Problem hat. Faustregel: in dem Moment, wo Du auch nur darüber nachdenkst, irgendwas zu kontrollieren oder eventuell ein Problem zu haben, hast Du auch eins.

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Hallo @Lapatricia
Hast du dieses traurige Gefühlt immer oder nur Abends?

Ich frage deshalb konkret, weil ich manchmal auch abends etwas traurig bin, seid ich Elvanse nehme. Es gibt bei mir keinen Grund dafür, mir geht es rein objektiv gut.
Aber so eine melancholische Grundstimmung macht sich manchmal breit.
Auch nicht lang und auch nicht immer und ich weiss auch , dass mein Hirn mir was vorspielt, aber es ist auf jeden Fall da und nicht eingebildet.

Könnte sowas wie Rebound sein. Ja, den gibts bei Elvanse auch, wenn die Dosis höher ist (ich tausche mich privat mit anderen online aus, die das auch so erleben).
Und bei dir könnte ASS noch zusätzlich durch kommen, nachdem alle ADHS Symptome durch elvanse beseitigt sind. Das kann dann belasten kann ich mir vorstellen

Auf jeden Fall fühle ich sehr mit dir und kann dich verstehen :adxs_trost:

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Danke für deine ehrlichen Worte! Genau die habe ich gebraucht :pray:

Wie lange lebst du schon abstinent? Hast du dich auch einer Selbsthilfegruppe angeschlossen?

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Bist Du sicher, dass 15mg die beste Dosishöhe für Dich ist?

Wie hast du denn Elvanse eindosiert?

Was war die niedrigste Dosis und in welchen Abständen hast Du um wieviel mg erhöht?

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Danke für deine Antwort! Ich habe mit 5 mg angefangen und bin seit heute bei 20 mg.
Da ich schon sehr extrem auf 5 mg Medikenet reagiert habe, wollte ich mit Elvanse langsam anfangen.

Momentan habe ich ehrlich gesagt Angst vor einer Erhöhung, weil ich nicht möchte, dass es mir noch schlechter geht.
Allerdings weiß ich auch, dass es soetwas wie eine Unterdosierung gibt.

Ich habe extreme Stimmungsschwankungen. Gestern Ängste, heute körperliche Unruhe und Gereiztheit überwiegend am Abend.

Ich bin sehr unsicher!
Irgendwie lese ich auch immer etwas anderes. Einige sagen, mann könnte unterdosiert sein. Andere wiederum meinen, man sollte es mindestens 4 Wochen nehmen um etwas genaueres sagen zu können. Ich weiß es nicht🥴

Ja, wahrscheinlich muss ich es ausprobieren. :see_no_evil:

Im November sind es 5 Jahre. Einerseits noch nicht viel, andererseits kommt es mir vor wie eine Ewigkeit.
Ich hab vorher schon oft versucht, meinen Konsum zu kontrollieren, aber es hat nie dauerhaft geklappt.

Ich war das erste Jahr bei einer AA online-Gruppe, ein reiner Email-Verteiler. Das hat mir geholfen, einfach weil ich da alles reinschreiben konnte, was das Aufhören mit mir gemacht hat, und nichts davon war den anderen neu. Da wurden Erfahrungen auch nicht relativiert, wie das ja sonst gern üblich ist. Stattdessen waren da das erste Mal Menschen, die klipp und klar gesagt haben: ja, Du hast da ein Problem.
Vorher war ich noch bei einer Suchtberatungsstelle, die Frau dort war auch toll.

Ich hab mich durch das Trockensein sehr stark verändert, einfach weil ich mich meinen Problemen stellen musste. Das war nicht leicht, auch nicht für mein Umfeld. Aber erst als ich nicht mehr getrunken habe, konnte ich die Dinge ändern, die mich so belastet und haben depressiv werden lassen, das wäre vorher gar nicht möglich gewesen. Alkohol hilft ja nicht, er tut nur so. Und letzten Endes fördert er Depressionen ja sogar.

ADHSler*innen haben eine erhöhte Suchtneigung - man liest oft, dass es unter Medikamentengabe besser wird bzw. kein Problem mehr darstellt. Kaum hatte ich das gelesen, sah ich mich schon im Garten sitzen und ein Gläschen Wein zur Entspannung schlürfen. Endlich wieder frei! …
Es war nicht das erste Mal, dass dieser Gedanke aufgetaucht ist, er kommt immer wieder mal, in verschiedenen Kontexten. Aber der Tenor ist immer der gleiche: diesmal ist es anders, diesmal hast Du es unter Kontrolle. Da hat mir insbesondere im ersten Jahr die AA-Gruppe mehr als einmal mit deutlichen Worten wirklich den **** gerettet. :slight_smile:

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Ich danke dir sehr für deine Erfahrungen! Es tut mir gerade gut dich zu lesen!

Ich finde mich in deinen anfänglichen Gedanken absolut wieder und umso erschreckender muss ich feststellen, dass mir der Einnahme der Stimulanzien eigentlich alles schlimmer geworden ist.
Gerade Abends kreisen die Gedanken oft um Alkohol und mittlererweile macht es mir Angst, weil ich es nicht verstehe.

Wie gesagt, ich war 3 Jahre intensiv im AA -Programm und verstehe auch nicht, warum seit der Einnahme keine Verbindung zur Gruppe mehr aufbauen kann.
Es hat schon vorher angefangen, dass ich das alles teilweise nicht mehr hören kann, aber jetzt geht es gar nicht mehr.

Vielleicht ist es auch nicht die richtige SHG?
Ich weiß es nicht.

Mich verwirrt das alles sehr.
Besonders eben die Einnahme von Elvanse und den Drang zu trinken.

Kennst du das auch von dir?

Ich habe nöchste Woche einen Termin bei der Suchtberatung ausgemacht.
Ich hab gerade echt Angst!!!

Zu den Elvanse-Fragen kann ich nichts sagen, aber vielleicht findet sich hier noch jemand anderes. Ich nehm Medikinet, meinem laienhaften Wissen nach wirkt das deutlich anders.

Da kann ich leider wenig zu sagen, ich ertrag die wenigsten Gruppen/Menschen lange. :slight_smile:

Bei mir ist es nicht schlimmer geworden, aber auch nicht besser. Es ist jetzt schon ne lange Zeit, und die Gewohnheiten haben sich geändert, das hilft viel. Die Vorstellung, betrunken zu sein, erzeugt an normalen Tagen eine Abwehrreaktion bis hin zu leichtem Ekel, von daher ist der Alltag erstmal unproblematisch.

Die Gedanken kommen bei mir immer dann hoch, wenn ich stark belastet bin und ein Ventil suche - entweder, um Druck rauszunehmen oder weil ich mich mit etwas nicht beschäftigten will/kann. Ist ein Entspannungs- und Fluchtmechanismus, der ja viele Jahrzehnte „geholfen“ hat - in Anführungszeichen, denn die Hilfe war letzten Endes keine echte. Dennoch greift das Hirn gerne in solchen Situationen gern danach
(Ab und zu versucht sogar meine Nikotinsucht sogar noch, sich wieder ins Spiel zu bringen, und ich rauche seit über 15 Jahren nicht mehr. Auf eine gewisse Weise ist es faszinierend.)
So ähnlich liest sich das für mich bei Dir auch: Du hast ne Menge aufgetischt bekommen in kurzer Zeit: ADHS-Diagnose, ASS-Daignose, Medikation → Infragestellen des bisherigen Lebens, Verhaltensänderungen, Identitätsunsicherheit, dazu bist Du noch Mutter. Da greift man nach der Verarbeitungshilfe, die man kennt.

Mir hilft in solchen Situationen nur, darauf zu gucken, was gerade in mir los ist und was ich da betäuben will. Die Einsicht muss man dann halt aushalten - das ist der richtig harte Teil. Aber das ist mein Weg, nicht Deiner. Wobei eine tiefenpsychologische Therapie ja auch in die Richtung gehen würde.
Ok, ich unterstütze den Prozess gelegentlich auch mit einer erhöhtem Zuckerzufuhr - irgendeinen stofflichen Trost brauche ich anscheinend. :wink:

Ich wünsch Dir viel Erfolg bei der Suchtberatung, es hilft ja oft schon, sich den ganzen Mist von der Seele reden zu können.

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Wenn ich hier mitlese macht es mich persönlich einfach extrem traurig wie sich hier wirklich wertvolle und extrem liebenswerte Menschen innerlich selbst zerfleischen.

Nicht das mir persönlich das persönliche „Selbstzerfleischen“ fremd oder total neu wäre, auch nicht das ich das Gefühl nicht kennen würde wie es ist seine Gefühle mit Alkohol betäuben zu wollen, unter anderem weil es ganz einfach und unproblematisch ist jederzeit an billigen Alkohol zu kommen, auch wenn es mir persönlich gelungen ist, kurz bevor ich in die entgültige „Alkoholsucht“ gerasselt wäre, vorher noch die Kurve zu kratzen.

So weiss ich doch, wie verdammt schwer es ist, wenn man psychisch „ganz unten ist“, wie schwer es sein kann dann nicht nach Trost zu suchen, wo einem zumindest „zeitweilig“, eine leicht zu erreichende Linderung durch Betäubungsmittel verschafft.

Und genau deshalb, weil ich selbst weiss, wie schwierig die Selbst Kontrolle sein kann wenn man eigentlich sehr oft einfach vieles „vergessen“ möchte, vielleicht vor sich selbst oder anderen „flieht“, käme es mir nie in den Sinn „süchtige Menschen“ zu beurteilen oder womöglich sogar zu „verurteilen“, wäre ich so ein Mensch, dann könnte ich morgens nicht mehr in den Spiegel schauen.

Jeder* der sowas tut kann sowas höchstens machen weil er* in einem Elfenbein Turm lebt, weil er* nicht wirklich viel über die Menschen weiss.

Wie auch immer, bevor ich gedanklich noch weiter abschweife, jeder* hier ist ein wertvoller Mensch. :heart:

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Danke für deine ehrliche Gedanken!

Toll das du dem Suchtkreislauf entfliehen konntest, dass ist ganz wertvoll!

Ich teile deine Ansicht total, allerdings hab ich HIERY jetzt nicht wirklich gelesen, dass jemand suchtkranke Menschen verurteilt🤔
Oder habe ich dich missverstanden?

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Nein natürlich nicht liebe @Lapatricia , habe nur gerade solche Gedanken aufgeschrieben die mich persönlich irgendwie beschäftigt hatten, von daher ist alles in Ordnung. :heart:

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Hey hallo,
als ich deinen Text und die Antworten gelesen habe, musste ich so sehr an mich selbst denken. Ich war nie Alkoholabhängig, aber ich habe 20 Jahre lang geraucht und zudem etwa 5 Jahre lang Marihuana konsumiert. Von beidem war ich hochgradig abhängig. Ich bin mittlerweile seit Jahren clean. Ich habe vor 7 Jahren aufgehört zu rauchen und vor 17 Jahren aufgehört regelmäßig Marihuana zu konsumieren. Insbesondere letzteres, dachte ich, hätte ich unter Kontrolle… Nur zu „besonderen“ Gelegenheiten, niemals alleine, niemals zuhause…

Und dann kam Corona und eine der schwersten depressiven Phasen…
Ich bin teilweise wochenlang nicht duschen gegangen, weil ich Angst davor hatte, dass ich sonst zu dem Nachbarn gehen würde, aus dessen Wohnung es öfter mal ach dem Zeug riecht.

Stattdessen bin ich zur Therapie gegangen und bekam die Diagnose ADHS und ich war so froh nicht zusätzlich zu den ganzen Themen, die da auf mich zukamen, noch ein Drogenproblem zu haben…
Und dann… als ich gelesen habe, dass Nikotin ähnlich wie MPH wirkt… Wie sehr hat es verlockt, mich einfach wieder damit selbst zu medikamentieren, statt diese unzufriedenstellenden Versuche mit Medikinet und Co durchzuhalten… Ich mein, ich war scheinbar dank der Zigaretten den Großteil meines Lebens hochfunktional gewesen… Ohne meine Kinder wäre ich wohl rückfällig geworden. Nur für mich selbst wäre der Krebstod meines Vaters nicht abschreckend genug gewesen… Und da mein Vater alkoholkrank war, war mir auch klar, was eine Drogensucht eines Elternteils mit einem Kind macht…
Und ich weiß, wieviel ich durch meine Sucht verpasst habe und hätte, wenn ich weiter konsumiert hätte… Ja, auch die unangenehmen Dinge sind „mehr“, aber eben auch all das schöne…

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Hey du,

Da du schreibst du ekelst dich vor Alkohol, wenn deine Medikamente wirken, wollte ich kurz meine Erfahrung einwerfen.
Ich habe, wahrscheinlich ähnliche wie du, über Jahre hinweg recht kontinuierlich getrunken. Mein Alltag hat funktioniert, auf der Arbeit war ich immer nüchtern und sonst hat mir das trinken auch (zum Glück) kaum Probleme bereitet, anders als mein unerkanntes und unbehandeltes ADHS. Seit ich diagnostiziert und medikamentös mit Elvanse eingestellt bin habe ich 0 Lust mehr darauf Alkohol zu trinken. Diesen Impuls, die innere Lust auf die Droge die Alkohol doch ist, ist bei mir komplett weg gegangen(das hat mich am Anfang enorm verwundert). Das hat mir deutlich gezeigt, dass mein Alkoholkonsum mehr mittel zum Zweck war um zb soziale Situationen zu überstehen. Es gab im letzten Jahr vielleicht 2 Momente in denen ich doch kurz das Verlangen hatte zu trinken & das waren jeweils für mich sehr überfordernde Situationen, in denen ich mich allerdings gegen das Trinken entschieden habe. Ein wirklich wichtiger Grund dafür ist, dass sich Elvanse &Alkohol bei mir garnicht verträgt. Ich bin nach 3 Schlücken Bier schon randvoll und kann kaum noch stehen und den nächsten Tag verbringe ich über der Klobrille. Die Rechnung geht für mich absolut nicht auf… Ein weiter wichtiger Grund ist, dass ich meine alten Muster/coping Mechanisms darin erkenne. Die ständige Überforderung & Überstimulation durch mein unbehandeltes ADHS hat mein Gehirn gefühlt kurzgeschlossen & Alkohol hat „geholfen“ in dem die Reize gedämpft wurden. Mit etwas Abstand, der Diagnose und der Therapie kann ich jetzt deutlich sehen, dass ich wirklich keinen gesunden Umgang mit Alkohol hatte. Allerdings kann ich von Glück sagen, dass wirklich keine körperliche Abhängigkeit und auch nur eine geringe psychische Abhängigkeit da ist. Ich bin unglaublich dankbar dafür, da gerade so mit einem blauen Auge durchgekommen zu sein! In deiner Erklärung, dass du nicht glaubst abhängig (gewesen) zu sein kann ich mich daher gut wiederfinden.

Und als letztes wollte ich dir noch etwas zu diesem Gefühl des verloren sein/sich selbst nicht mehr wieder erkennen sagen. Am Anfang der ADHS Diagnose, mit Therapie& Medikamenten dachte ich die Welt gehört mir und ich habe jetzt endlich eine Erklärung für alles. Naja, im Endeffekt lief es dann natürlich nicht für immer so… In den letzten Monaten bin ich immer öfter in Situationen gewesen, in denen ich mich nicht wiedererkannt habe. Plötzlich stand die Frage im Raum was meine wirkliche Persönlichkeit unter dem ADHS ist & wer ich wirklich bin und da brach für mich meine Welt zusammen(&das auch nicht nur einmal). So langsam sehe ich wieder etwas klarer und kann dir sagen, dass sich das Gefühl wahrscheinlich legen wird. Vieles ändert sich gerade(auch faktisch in deinem Gehirn, da du nämlich durch die Medis mehr kognitive Ressourcen übrig hast, die du vorher durch die Überreizung nicht hattest) & dein ADHS weniger stark gegen die Symptome der ASS hält. Die Medikamente legen vielleicht noch weitere Baustellen frei, die du früher maskiert hast(zb mit Alkohol) wie zb Orte an denen du schnell überfordert bist(zb Restaurants). Wenn du auf deinen Körper& deine Psyche hörst löst sich das Chaos irgendwann, aber das braucht Zeit und Akzeptanz der „Veränderungen“. Im Endeffekt kennst du dich ja nicht mit besserem Reizfilter & musst dich erst nochmal neu kennen lernen. Ich vergleiche die Medis gerne mit einer Brille. Ich sehe mit Medikamenten klarer, dadurch ändere ich mich aber nicht grundsätzlich. Da ich, wie du auch, bestimmte Eigenschaften an mir neu entdeckt habe, kam mir schon der Gedanke ob ich nicht auch auf dem AS bin.
In solchen Momenten wo so viel in mir passiert fällt mir jede Kleinigkeit an mir auf und ich bin irgendwie verloren in mir selbst und meine Emotionen& das Gedankenkarussell übernehmen die Oberhand. Aber mit der Zeit zeigte sich zumindest bei mir, dass die meisten Eigenschaften schon immer da waren, aber von mir gezielt versteckt oder durch meine Impulsivität überdeckt wurden.

Long story short: mit dir ist bestimmt alles okay. Rede mit deinen behandelnden Ärzten/Therapeuten über deine Sorgen/Ängste/Gefühle. Mit etwas Zeit(&ich spreche je nach dem eher von mehreren Monaten als Tagen) klärt sich der eigene Blick& auch bei den Medikamenten muss man geduldig sein um ein Gefühl dafür zu entwickeln was passt. Wenn sich die Dinge verschlechtern oder in mehreren Monaten immer noch nicht ändern kann man auch Dosierungen/Medikamente anpassen etc.
und jetzt noch etwas Zuversicht: du hast mit den Diagnosen(& hoffentlich kompetenter Unterstützung) die Möglichkeit dich & deine Bedürfnisse endlich richtig kennen zu lernen! Das ist mega anstrengend und dauert leider seine Zeit aber es lohnt sich enorm.
Ich wünsche dir ganz viel Erfolg, Kraft und Durchhaltevermögen!
(& pass auf Alkohol in Kombination mit den Medikamenten auf, das kann richtig in die Hose gehen :heart_hands: )

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Kommt die melancholische Stimmung jeden Abend oder gibt es auch Tage/Wochen an denen das keine Rolle spielt? Wenn das wechselnd da ist und du einen natürlichen Zyklus hast kann auch das eine Rolle spielen. Es gibt zu allem Übel auch noch Einflüsse durch die weiblichen Sexualhormone die im Zyklus schwanken & die Dopaminbildung beeinflussen, dadurch wirken die ADHS medis manchmal schlechter/intensiver als sie sollten. Bei der Eindosierung hat mir das enorme Schwierigkeiten bereitet, da ich tatsächlich in bestimmten Zeiträumen die Dosis deutlich erhöhen muss. Ggf. lohnt sich da ein Blick in andere Bereiche des Forums :slight_smile:

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