Was macht ihr so, wenn ihr "allein" sind, und könnt ihr es wirklich genießen?

Für mich ist die Zeit des Alleinseins fast immer mit dem sinnlosen Konsum verschiedenster Medien gefüllt (manchmal sogar mehrere gleichzeitig), wie z.B. Videospiele spielen, Filme und Fernsehsendungen oder YT-Videos ansehen, Bücher und Zeitschriften lesen oder Gitarre spielen oder Musik hören.

Auf der Suche nach einem Sinn in meinem Leben und einer Antwort auf die Frage, wer ich als Mensch bin, lernte ich viele Konzepte und Ideen bestimmter westlicher und östlicher philosophischer Schulen wie den Stoizismus oder die Schriften von Musashi oder Lao Tse kennen. Viele wirklich interessante, schöne und tief bewegende Gedanken, aber bis jetzt nichts, was mich oder gar mein Verhalten „verändert“ hat.

Ich würde mich als introvertierten Menschen bezeichnen, der das Alleinsein und den Frieden mit sich selbst eigentlich sehr liebt. Aber ich spüre auch eine Art Sehnsucht nach Kontakt mit anderen Menschen, denn irgendwie ist das Alleinsein in meinem Kopf immer mit einem gewissen Maß an Einsamkeit und Entfremdung verbunden und verwoben.

Ich habe nichts, was mich wirklich im Innersten „erfüllt“ oder mich dieses Gefühl verlieren lässt - aktuell ist es wie eine Art Blues, der mich verfolgt und mich immer dann erwischt, wenn ich allein zu Hause bin. In gewisser Weise warte ich nur darauf, dass endlich jemand nach Hause kommt, damit ich diesem Gefühl entkommen kann, während ich mir gleichzeitig auch wieder das Alleinsein wünsche. Es ist so seltsam, verwirrend und in sich widersprüchlich.

Kennt noch jemand diese Art von Gefühl und entweder einen Weg, es so zu akzeptieren, wie es ist, oder eine Form der Lösung dafür? Ich wäre euch sehr dankbar und freue mich auf eure Perspektiven!

Cheers! :heart_hands:

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Hallo RaffaelFerrante,

ja das kommt mir bekannt vor, bisher habe ich leider selber noch keine Lösung gefunden.

Ich finde dies jetzt nicht ganz so widersprüchlich, ich selbst habe gern jemanden um mich herum aber möchte gleichzeitig, mit diesen Personen, nur wenig interagieren. Fühlen, soweit ich das beurteilen kann, tu ich mich dabei wesentlich besser als ständig nur ganz allein zu sein.

„Einsamkeit, ein Quell sich selbst zu trinken, ertrinken nur, sollt’ man nicht.“

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Ich hatte das Gefühl während ich in einer depresiven Phase war sehr oft. Aktuell eher selten, ganz weg ist es nicht. Der Witz daran, ich habe quasi nichts in meinem Leben geändert. Ich vermute Zuspruch und Lob von Menschen denen man nahe steht hilft. Generell alles was dem Selbstvertrauen gut tut. Die eigenen Macken mit Humor nehmen und sich nicht dauernd dafür geißeln.

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Ich hab deinen Text jetzt zig mal gelesen und schon ein paarmal zu einer Antwort angesetzt, hab aber irgendwie nicht die Musse, meine Gedanken soweit zu sammeln.
Was du schilderst, kommt mir bekannt vor, aber ich kann es nicht so richtig zuordnen
Mir ist nur schon mal aufgefallen, dass sich das um bestimmte Tageszeiten verstärkt, nämlich am Nachmittag (blue Hour?) und am Abend, so gegen acht vielleicht, wieder nachlässt

Mir ging es bis vor wenigen Monaten genau do wie dir. Ich habe mich jeden Tag nach der Arbeit auf zu Hause gefreut und war doch jedes Mal unzufrieden und einsam wenn ich mit mir allein war. Es war wirklich nicht mehr schön…
Ich habe allerdings selbst in dieser Situation keine Dinge gehabt, die mich da wirklich ablenken konnten. Die Emotionen waren einfach mega stark. Nur Musikhören und Bewegung hat mir da geholfen.

Später bin ich dann umgezogen. Da war es anfangs besser, hat sich aber wieder zunehmend in die gleiche Richtung entwickelt. Habe dann wieder mit der Verhaltenstherapie angefangen. Vor allem auch weil ich aus meinen Emotionen so gar nicht schlau geworden bin. Und das, obwohl ich eig. zu den Menschen gehöre, denen Ehrlichkeit sich selbst gegenüber sehr wichtig ist. Also auch an der Selbstreflexion hat es nicht gelegen.

Ich denke das bei mir das ADHS einfach an einem späteren Punkt im Leben wieder stärker in den Vordergrund gerückt ist. Mit der Medikation geht es mir seit ein paar Wochen wieder besser.

Ansonsten denke ich, dass sich solche Gefühle und Gefühlscocktails auch einfach zeigen, wenn Dinge aus der Vergangenheit hochkommen. Vollkommen unbewusst. Also analysiert praktisch das Gefühl, kann aber irgendwie keinen richtigen Bezug dazu herstellen.

Und wenn ich dann Kontakt zu Freunden hatte, war es mir ähnlich wie bei dir dann sehr schnell zu viel. Hat mich als sooo erschöpft…

Aber wir bewerten und benennen unsere eigenen Gefühle vielleicht auch oft zu ungenau und können diese nur schwer greifen, um wirklich zu verstehen was Sache ist.

Machst du Sport? Nimmst du Medikamente?