Was tun, wenn ADHS-Medikamente nicht lange genug reichen (natürlich konstruktive, legale Lösungen)?

Ich habe ADHS. Der Zustand ohne Medikamente ist nicht eine Sekunde erträglich. Warum? Da es sich (zumindest in meinem Fall) um eine Denk-Störung handelt. Wenn die Medikamente abflachen, taucht die Denk-Störung wieder an die Oberfläche und es ist nicht eine Frage des ob, sondern des wann ich wieder Unsinn mache. Nach wenigen Stunden ist es meist wieder soweit, dass ich irgendetwas tue, was ich bereue.

Oft wird ja gesagt „Ja, kann man schon irgendwie kompensieren“. In meinem Fall ist es unmöglich. Es geht nicht. Die Denk-Störung in meinem Falle lässt sich von innen heraus, durch die Denkstörung, nicht unter Kontrolle bringen. Das einzige, was funktioniert, ist schlafen gehen und warten, bis der nächste Tag kommt, an dem ich wieder meine Medikamente nehmen darf. Tolles Leben, wirklich. Den Zustand der Entspannung ist mir z.B. auch fremd, da unter Entspannung die Symptome am schlimmsten sind, insbesondere rasende Gedanken und Impulsivität wie Kaufrausche.

Ich will nicht einfach bis zum nächsten Tag warten, bis ich wieder meine Medikamente nehmen darf, die meine Denk-Störung behandeln. Ich möchte diese Denk-Störung 24/7 unter Kontrolle bringen, und ich finde, ich habe ein Recht dazu, wie jeder andere mit einer Denk-Störung auch, zum Selbstschutz, aber auch zum Fremdschutz. Ich möchte keine Last für meine Familie durch mein Tun sein, aber genau das bin ich ohne Medikamente.

Was tue ich im Moment? Koffein bis zum Anschlag, denn das funktioniert irgendwie. Ich kann wach sein, ohne damit rechnen zu müssen, in den nächsten 30 Minuten mein halbes Leben zu zerstören. Nur, ist das wirklich die Lösung? Ich weiß es nicht.

Die triviale Lösung wäre, die ADHS-Medikamente so anzupassen, dass sie den ganzen Tag wirken (ich kann sehr gut schlafen, seitdem ich ADHS-Medikamente nehme). Nur, kein, wirklich kein Arzt auf der Welt tut das, und die Krankenversicherung übernimmt teufelische Dosen Elvanse auch nicht; meistens kommt dann eine merkwürdige Kombination von 2+ verschiedenen ADHS-Medikamenten, was meiner Ansicht nach irgendwie unnötig ist, wenn man doch einfach 1 (ein) ADHS-Medikament so dosieren könnte, dass es den ganzen Tag wirkt.

Ein anderer Punkt, der ja immer genannt wird, ist Toleranz. Nicht einmal habe ich diese bei mir festgestellt. Der Grund scheint auf der Hand zu liegen: Mein Grundzustand ist ein absolutes Defizit von was auch immer, welches durch die Medikamente auf ein annähernd akzeptables Niveau angehoben wird. Man könnte sagen, ein „normales“ (im Sinne von gesellschaftlicher Durchschnitt ohne ADHS) Niveau. Als mir zum ersten Mal ADHS-Medikamente verschrieben wurden, wurde mir gesagt, ich kann diese am Wochenende weglassen. Nein, kann ich nicht. Ich kann eine Denkstörung nicht am Wochenende freien Lauf lassen.

Ich brauche keine ADHS-Medikamente, weil ich es so unglaublich toll finde, Amphetamine zu nehmen. Wenn ich high wollen würde, könnte ich auch Salbutamol bis zum Anschlag sprühen, was ich noch nie getan habe. Ich brauche ADHS-Medikamente, um eine Denkstörung, eine Unterfunktion in meinem Falle, zu behandeln. Und diese Denk-Störung gilt es rund um die Uhr zu behandeln, da sie sonst freien Lauf nimmt. Ich habe diese Selbstwahrnehmung, man könnte meinen, andere würden es löblich finden, wenn ich eine Verantwortung für meine Denk-Störung erkenne, aus Selbst, aber auch aus Fremdschutz. Pustekuchen. Stattdessen wird von mir erwartet

  1. Leiden ohne ADHS-Medikamente und

  2. irgendwie mit diesem Zustand klarzukommen und

  3. Verantwortung für mein destruktives Verhalten ohne ADHS-Medikamente zu übernehmen (welches unter ADHS-Medikamenten nicht auftritt)

Das halte ich für widersprüchlich. Ich kann nicht akzeptieren, der Sündenbock für ein Verhalten zu sein, welches in einem völlig anderen, medikamentös behandelten Verhalten, nicht auftritt.

Kann man einem Psychiater irgendwie erklären, dass man eine Denk-Störung gerne 24/7 behandelt haben möchte, insbesondere, wenn es wirksame Medikamente gibt, die nicht nur mein, sondern auch das Leiden meiner Nahestehenden verringern?

24/7 wohl eher nur mit Atomoxetin oder Intuniv (für Erwachsene nicht zugelassen), weil die eine lange Halbwertszeit haben.

Mehrere Tagesdosen eines LDX Präparats gingen durch Dose-Splitting natürlich auch, wenn der verschreibende Arzt den Schritt in Richtung Off-Label-Use mitgeht.

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Was nimmst du denn aktuell überhaupt in welcher Dosis?

Und was würdest du dir wünschen ?

und wie lange wirkt überhaupt dei er Meinung nach Elvanse?
und wie viel mg nimmst du?
Nommst du 1 oder 2 Gaben ?